10 von 13 von 27: Enthüllung neuer Infotafeln zur Geschichte des Tempelhofer Feldes

flughafengebäude_tempelhofer freiheitEs herrschte Segelwetter gestern Vormittag am Platz der Luftbrücke. Hier, vor dem Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof,  sollen zwei Tafeln des Infor- mationspfades feierlich enthüllt werden – stellvertretend für 10 Tafeln, die an diesem Tage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Genau genommen sind es 13, für die rund 60.000 Euro in Weiterlesen

Aus Ehemaligem wird Zukünftiges: letzte Führungen durch den Bauteil H2rd

Die Orientierung auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof ist nicht leicht. Ortsangaben mit Begriffen wie Hangar, Tor, Eingang, Gebäudeteil und Aufgang treiben manchen Besucher an den Rand der Verzweiflung. „Das Leitsystem bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofmüssen wir dringend verbessern“, stellte so kürzlich auch Martin Pallgen, Presse- sprecher der Tempelhof Projekt GmbH, fest. Vergleichsweise leicht zu finden ist dagegen das ehemalige Offiziershotel – wenn man es nicht auf den Plänen sucht, fassade_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofdie auf dem Areal stehen. Denn dort heißt es nur Bau- teil H2rd.

An den Ostertagen wird es in dem Trakt am Platz der Luftbrücke noch einmal richtig voll werden. Dann nämlich bietet sich die letzte Gelegenheit, das Gebäude vor seiner bevorstehenden  Sanierung und dem Umbau zu einem flur eg_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofKreativzentrum zu besichtigen. Es ist das zweite Mal, dass es neu gestaltet wird, um den Be- dürfnissen einer veränderten Nutzung zu genügen.

„1935“, erklärt Birgit Ohström, „haben die Nazis mit der Errichtung des größten Baudenkmals Europas begonnen. Aber ganz fertig geworden sind sie nie, weil das Tau- sendjährige Reich eben früher als von ihnen geplant zu Ende gegangen ist.“ Von außen sah und sehe seitdem birgit ohström_berlin kompaktalles ganz wunderbar aus, sagt die Stadtführerin, „aber das war’s dann auch schon.“ 1938 zog die Hauptverwaltung der Lufthansa in das Gebäude. 1950 wurde mit dem Wiederaufbau des im Krieg weit- gehend ausgebrannten Anwesens für die US Air Force begonnen, die es in Columbia House umbenannte, hier  ihren Officers‘ Club und  ein Offizierskasino einrichtete und die vorherigen Büros in den Obergeschossen zu Offiziers-unterkünften umgestalten ließ.

Was einen dort erwartet, lässt sich im Erdgeschoss noch nicht erahnen: Der Empfangsbereich wirkt seit seiner Komplettrenovierung vor 26 Jahren edel-funktional; saal_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofdas riesige ehemalige Restaurant mit dem abgewetzten blauen Velours und angestaubten verspiegelten Wand- elementen versprüht Retro-Prunk. Es riecht, als wären die Fenster und Tü- ren zur angrenzenden Terrasse seit Jahren nicht mehr geöffnet gewesen.

Als Restaurant solle es auch künftig wieder genutzt werden, informiert Bir- git Ohström. Denn der Umbau des denkmalgeschützten, viergeschossi- gen Gebäudeteils  verfolge nicht nur das Ziel, jungen und arrivierten Kreativen Büros und Ateliers anzubieten. „Zur Planung gehören auch öffentliche Bereiche mit treppenhaus_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofKonferenz- und Veranstaltungssälen, eben dem Restaurant und einem Besucherzentrum mit Café.“ Ideen, das einstige Hotel wieder als Hotel in Betrieb zu nehmen, seien verworfen worden. Aus einleuch- tenden Gründen, wie sich später zeigt.

Durch das weitgehend original erhaltene Treppen- haus geht es hinauf in die 1. Etage. Birgit Ohström weist auf das Treppengeländer hin, das sich vom Keller bis unters Dach zieht: „Es ist komplett aus Aluminium.“ So wie er nach Plänen von Ernst Sage- biel, einem der bedeutendsten Architekten der NS-Zeit, gebaut wurde, ist auch der Eichensaal erhalten. Über zwei Stockwerke reicht der mit düs- terem Eichenholz vertäfelte  Raum, der zudem auf Schritt und Tritt durch Eichenblatt-Ornamente daran erinnert, weshalb er heißt, wie er heißt. Eine eingebaute Leinwand

eichensaal_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofeichensaal-kronleuchter_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhof

machte den rund 6 Meter hohen Saal zum Konferenz- und Vortragsraum der Luft- hansa – und ein Wasserschaden in der darüber liegenden Etage große Teile des wendeltreppe_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofEichenparketts kaputt.

In den einstigen Büros und späteren Hotelzimmern für durchreisende Offiziere der US Air Force ist es eine Mischung aus Verfall und amerikanischen innenarchi-tektonischen Vorlieben, die ihnen zugesetzt hat. Ram- ponierte, schwere Stores hängen vor milchigen Fenstern, die begonnene Beseitigung der Teppiche förderte edlen Parkettboden zutage,  die Wände und Decken sind so vergilbt wie die Heizkörper und Fensterrahmen, farblich dominieren Schlamm- und Brauntöne, die Bäder haben die Zeit, in der sie als modern galten, lange hinter sich. „Nach heutigen Maßstäben sind die Räume viel zu klein, um sie in einer gehoben Kategorie als Hotelzimmer vermieten zu können“, stellt Birgit Ohström fest und führt in

zimmer_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofoffizierswohnung_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofbad_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhof

die ehemalige Offizierssuite am Ende des schier unendlichen Flurs. Dass sich privilegiert fühlen konnte, wer einst in den drei Zimmern wohnen durfte, wird noch hotel-flur_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofheute deutlich. Obwohl auch diesen Gemächern nicht mehr als morbider Charme geblieben ist.

Nach dem denkmalschutzgerechten Umbau wird von dem nichts mehr zu sehen. Wo nun historische Spuren durch fast acht Jahrzehnte führen, wird dann alles hell, freundlich und topmodern sein. „Es ist an der Zeit, dass aus diesem spannenden, immer mehr verfallenden Gebäude endlich was ge- macht wird“, findet Birgit Ohström. Man kann nicht anders als ihr recht zu geben.

Am 31. März und 1. April werden letztmalig vor der Sanierung und dem Umbau des Gebäudes Führungen durch das frühere Offiziershotel angeboten. Tickets kosten 10 Euro (erm. 6 Euro); eine Anmeldung ist ratsam.

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Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben: der Jahrestag der Öffnung des Tempelhofer Felds

Heute vor zwei Jahren, am 8. Mai 2010, brach für die Bewohner der Oderstraße in Neukölln eine neue Ära an.  Sie, die jahrzehntelang bemitleidet wurden, wurden von flughafen tempelhof 25. oktober 2008einem Tag auf den anderen zu Beneideten. Denn direkt vor ihren Haustüren, wo noch bis Ende Oktober 2008 Flugzeuge gestartet und gelandet waren, öffneten sich öffnung tempelhofer feld 8. mai 2010, berlin, flughafen tempelhofdie Tore zum Tempel- hofer Feld, der  größten Grünfläche Berlins.

Riesige rote Ballons mit dem Aufdruck „Tempelhofer Park“ schwebten über den Haupteingängen des mehr als 300 Hektar großen Areals, das am Eröff- nungswochenende rund 230.000 Besucher anzog. Was landläufig mit dem Begriff  „Park“  verbunden wird, erwartete sie jedoch nicht.  Stattdessen: eine atemberauben-

öffnung tempelhofer feld 8. mai 2010, berlin, flughafen tempelhof öffnung tempelhofer feld 8. mai 2010, berlin, flughafen tempelhof

de grüne Weite und an Landstraßen oder Feldwege erinnernde Taxiways. Dazu schier endlose Start- und Landebahnen, denen mancher ganz nah sein wollte, während andere sich auf ihren  Fahrrädern am  Abheben versuchten oder die  Pisten

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mit Pferdekutschen, flanierend, joggend oder auf Inlineskates erkundeten. Für Freunde des organisierten Entertainments gab es ein großes Bürgerfest, das auch öffnung tempelhofer feld 8. mai 2010, berlin, flughafen tempelhofdas – damals noch unvermietete – Gebäu- de des ehemaligen Flughafens Tempelhof einschloss.

Etwas kleiner fielen die Feierlichkeiten am 8. Mai 2011 zum einjährigen Jahrestag der Öffnung des Tempelhofer Feldes aus. Doch immerhin fanden sie pünktlich statt. Das ist in diesem Jahr anders. Offizielle Festivitäten an einem Wochentag, der nicht Sams-, Sonn- oder Feiertag ist, hätten alle Berufstätigen ausgeschlossen und wären folglich aus organisatorischer Warte eine Verschwendung von Ressourcen gewesen, erklärt Martin Pallgen, Pressesprecher der Tempelhof Projekt GmbH, auf Anfrage. Genauso undenkbar sei eine Feier im Vorfeld des Jahrestags gewesen: „Deshalb wird das  Jubiläum der Öffnung dieses Jahr am 20. Mai gefeiert.“ Dass die Ver- schiebung bei weitem nicht nur dem Aufeinandertreffen von Jahres- und Werktag geschuldet ist, wird erst nach dem Hinweis auf das zwischen dem heutigen Tag und dem 20. Mai liegende Wochenende deutlich. „Das ging terminlich nicht, weil sich dann der IGA-Lauf, der immer zusammen mit dem Bürgerfest auf der Tempelhofer Freiheit stattfindet, mit dem AVON-Frauenlauf überschnitten hätte.“ Der 20. Mai, sagt Pallgen, sei schlichtweg der Tag, an dem es keine Terminkollisionen im Lauf- kalender gebe.

Man darf gespannt sein, wann der Laufkalender in den nächsten Jahren Zeit lässt, um den doch sehr flexiblen Jahrestag der Öffnung des Tempelhofer Felds nach- zufeiern. Auf einen Nicht-Werktag wird der 8. Mai erst wieder 2016 fallen.

=ensa=