Der Schatz der Magdalenenkirche

eckhardt_magdalenenkirche-neukoelln„Sie hüten hier einen wahren Schatz“, erklärte Prof. Dr. Ulrich Eckhardt (r.) am vergangenen Samstag-abend vor Beginn seines gut einstündigen Orgelkonzerts in der Neuköllner Magdalenenkirche beeindruckt. Die imposante Orgel ist seit Eröffnung der Magdalenenkirche im Jahr 1879 ein fester Bestandteil der Kirche an der Karl-Marx-Straße und hat eine große Bedeutung für die Musikkultur in Nord-Neukölln. Das Orgelprospekt der Gebrüder Dinse bildet noch heute eine Einheit mit der ursprünglichen Farbgebung des denkmalgeschützten Weiterlesen

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Die Qual der Wahl: Durch Museen oder lieber durch Kirchen, Moscheen und Tempel? Oder alles miteinander verbinden?

Gegen die Lange Nacht der Museen ist die Lange Nacht der Religionen noch ein Youngster. Erstere findet Samstag zum 35. Mal statt; letztere lädt – ebenfalls Sams-tag – zum 4. Mal dazu ein, die Vielfalt religiöser Weltanschauungen kennenzulernen. 93 Gruppen präsentieren sich stadtweit, 14 sind es nur in Neukölln, wo die Nacht be-

sri ganesha hindutempel berlin_neukölln

bereits mittags um 12 – und damit noch vor dem offiziellen Auftakt auf dem Gendar-menmarkt – beginnt: Die Dzogchen Gemeinschaft Deutschland führt in den Buddhis-mus, tibetisches Yoga und den Vajra-Tanz ein, der Treffpunkt Religion und Gesell-schaft geht der Frage „Was ist euch heilig?“ bei Besichtigungen des Weiterlesen

„Das Böhmische Dorf ist die Keimzelle der deutsch-tschechischen Beziehungen“

neueröffnung böhmisches dorf neuköllnAutofahrer, die gestern Mittag vom Richardplatz in die Richardstraße abbiegen wollten, hatten Pech. Auch in gesperrte richardstraße_neueröffnung böhmisches dorf neuköllnumgekehrter Richtung gab es für sie kein Durch-kommen. Denn die Straße, die seit einiger Zeit keine Großbaustelle mit Schika- nen für Fußgänger und gesperrte richardstraße_neueröffnung böhmisches dorf neukoellnden rollenden Verkehr mehr ist, war gesperrt – um am 20. Jahrestag der Städtepartnerschaft von Prag und Berlin ihre Neu- eröffnung zu feiern. „Neueröffnung des Böhmischen Dorfes“ hieß es gar in den Einladungen. Außerdem war davon die Rede, dass die elfte Generation von Nachfahren böhmischer Einwanderer das Weiterlesen

Zwischen Karl-Marx- und Hermannstraße

Die Ehre, die Hermann Boddin erst mit 59 zuteil wurde, erfuhr  Ernst Jonas, der über- dies die Vornamen Wilhelm, Karl  und  Ehrenfried trug, bereits im Alter von 54 Jahren:

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Am 22. Mai 1897  bekam die Straße 205 a des Bebauungsplans den Namen  Jonas- straße. Fortan konnte der Pfarrer der 18 Jahre zuvor von ihm Weiterlesen

Steinerne Zeitzeugin

Auch der 25. März 1879 war ein Dienstag. Bedeutsamer für Neukölln, das damals noch Rixdorf hieß, war aber: Es war der Tag, an dem an der Karl-Marx-Straße, die damals noch Bergstraße hieß, die  Magdalenenkirche eingeweiht wurde. Nur 20 Mo-

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nate waren seit der Grundsteinlegung vergangen, dann konnte das Weiterlesen

Der Irre entgangen

Erregte Diskussion zwischen zwei Männern im besten Rentenalter auf der Karl-Marx-Straße. In Höhe der Magdalenenkirche stehen sie, wedeln mit den Armen und zeigen ein herz für touris, berlin-neuköllnabwechselnd mal in nordwest- liche und mal in östliche Rich- tung.

Ein paar Schritte entfernt zwei junge Leute, offensichtlich Tou- risten, die spanisch miteinander sprechen während sie etwas in ein Smartphone tippen, und dann entschlossen Kurs auf den S-Bahn-Ring nehmen.

Dass der Anlass für ihren Dis- put weg ist, merken die beiden Männer erst, als die Touris schon außer Sichtweite sind. Er wolle, sagt der, der die Ortsunkundigen in Richtung Rollbergkiez geschickt hätte, einen Besen fressen, wenn sie dort nicht auf die Brusendorfer Straße gestoßen wären. Er lebe zwar erst seit 25 Jahren in Neukölln, entgegnet der andere, habe das aber einige Jahre an der Ecke Briese-/Bornsdorfer Straße getan. Der bisher phonmäßig Überlegene wird plötzlich ganz leise: „Da hab ich doch glatt die Brusendorfer- mit der Bornsdorfer Straße verwechselt. Ersparen Sie mir das mit dem Besen und gehen mit mir ’ne Molle zischen? Ich lad Sie ein.“

Neukölln-Macher auf Augenhöhe

Viele hetzen oder schlendern achtlos an der Backsteinmauer vorbei. Andere sehen sich wenigstens einzelne der 12 großformatigen Portrait-Fotos, die seit drei Wochen an ausstellung "wir machen neukölln", karl-marx-straße, magdalenenkirche,christina stivaliihr hängen. Und dann sind da noch die, die ganz genau hingu- cken, jedes Bild mustern, sich die knappen Informationen über die Por- traitierten durchlesen und sogar den Aushang studieren, der den Sinn und Zweck der Ausstellung an Neuköllns Karl-Marx-Straße preisgibt.

„Die haben was mit der Kirche zu tun. Gemeindemitglieder?“, vermutet ein Passant, der der Fotostrecke offenbar kaum Aufmerksamkeit schenkte. Denn dem ist nicht so. Die Bilder in direkter Nachbarschaft zur Magdalenenkirche sind das Er- gebnis des Projekts „Wir machen Neukölln“ und zeigen Geschäftsleute, die an der Karl-Marx-Straße und im angrenzenden Richardkiez ihre Läden haben. Thomas Brenner ist dabei, der Chef der direkt gegenüber liegenden Körner-Apotheke, die seit vielen Wochen Baustellenrabatte auf einige Arzneimittel gibt, damit Kunden der ausstellung "wir machen neukölln", karl-marx-straße, magdalenenkirche, christina stivaliAufenthalt in Neuköllns Hauptstraße wenigstens finanziell in guter Erinne- rung bleibt. Auch Bao Ngonc Wro- na-Hong, Änderungsschneiderin Ma- rija Zajac, Inken Planthaber, Zeitungs- laden-Inhaber Varinder Kumar Ka- poor, Luis Enrique Drews Albano, Herr Mier  und Gönül Hürriyet Aydin zeigen wie einige andere Gesicht und geben zugleich einen Einblick in die gewerbliche wie auch kulturelle Vielfalt der Gegend. „Es sind vorrangig solche, die im Kiez aktiv sind und ihn mitprägen“, erklärt Projektleiterin Marie Wilz die Auswahl.

Herausgekommen sei eine Art Hommage an die kleinen Kiezläden, die ob des Umbruchs in Neukölln jenseits vom Hype schwierige Zeiten erleben:  „Sie haben nicht nur mit steigenden Mietkosten, sondern auch mit ungleich bemittelteren neuen Konkurrenten zu ausstellung "wir machen neukölln", karl-marx-straße, magdalenenkirche, christina stivalikämpfen. So ernten die früheren Bewohner immer weniger die Früchte ihrer langjährigen Arbeit.“ Angedacht sei auch, die Fotoserie mit Gewerbetrei- benden anderer Neuköllner Kieze fortzu- setzen, sie dann vielleicht sogar in einem Album zu sammeln.

Vorher sollen aber die 12 aktuellen, von der Fotografin Christina Stivali abgelichteten Wir machen Neukölln-Protagonisten unter ein Dach im Richardkiez umziehen. Genaues stehe aber noch nicht fest, sagt Marie Wilz, deren Projekt mit 5.000 Euro aus Mitteln der [Aktion! Karl-Marx-Straße] und des Quartiers- managements Richardplatz-Süd finanziert wurde: „Wir waren positiv überrascht, dieses Jahr noch eine Förderung zu bekommen, zumal die Planung extrem kurzfristig war. Aber es zeigt uns, dass das Interesse am Thema da ist. Letztendlich haben wir das komplette Projekt in weniger als vier Wochen durchgezogen.“ Die guten Kontakte der Finanziers zu den Geschäftsleuten verschaffte den Ausstellungsmacherinnen einen Vertrauensvorschuss. „Trotzdem war ich überrascht, wie schnell sie zugestimmt haben und vor allem, wie wenig Scheu sie davor hatten, fotografiert zu werden und dann ihr Portrait überdimensional auf der Straße hängen zu sehen“, erinnert sich Marie Wilz, die selber im Kiez lebt. „Wir waren wirklich beeindruckt von der Offenheit und der Herzlichkeit aller Gewerbe- treibenden.“ Faktoren, die im Alltag der Einzelhändler und Dienstleister nicht un- wesentlich zum wirtschaftlichen Überleben in Neukölln beitragen.

=ensa=