Voller Leidenschaft für das Tanzen und die Etikette

Fast 70 Jahre lang gab es, über drei Generationen hinweg, die Tanzschule Meisel in der Jonasstraße 22 im Neuköllner Körnerkiez. Als Ingeborg Meisel-Karras, mittler-weile 93-jährig, vor kurzem den Wunsch äußerte, noch einmal den alten Tanzsaal zu sehen, wurde ich kontaktiert und gefragt, ob ich hierfür einen Schlüssel hätte. Den hatte ich leider nicht und konnte auch keine Auskunft über den derzeitigen Eigentümer geben. Dafür kam ein Treffen mit Frau Meisel-Karras in ihrem Wohnsitz am westlichen Weiterlesen

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Nicht immer, aber öfter: Die Dicke Linda geht mit zwei Markttagen pro Monat in die zweite Saison

landmarkt die dicke linda_neuköllnTheresa Dühn scheint einen recht guten Draht nach oben zu haben: Schönes Wetter hatte sie am Ostersamstag für den Auftakt der zweiten Saison ihres Landmarkts Die Dicke Linda bestellt, und das hat sie auch über weite Strecken bekommen – was die Händler und Besucher mindestens genauso freute.

Nur der Mann hinter dem Atelier Cacao-Stand voller edler Schokoladen und Pralinés sah etwas missmutig gen Himmel, wenn das Blau dort überhand nahm und Wolken in weite Ferne rückten: „Angenehmer für die Atmosphäre auf dem Markt ist es schon, wenn die Sonne scheint, Weiterlesen

Ein bisschen Gras muss sein: Neukölln bekommt einen neuen Park

„Das Ding hat mich lange genug geärgert“, sagt Niels Göttsch und meint damit die Baustelle vor seiner Haustür. Fernwärmerohre baustelle siegfriedstraße_neuköllnseien dort im letzten Vierteljahr verlegt worden: „Aber die Arbeiten waren  schon vor fast drei Wochen abgeschlossen.“ Seitdem tut sich in der Neuköllner Siegfriedstraße nichts mehr – zumindest nichts, was von offizieller Seite initiiert wurde und auf ein baldiges Verschwinden der Baustelle hin- deutet. „Seitdem“, so der genvervte Anwoh- ner, „warten wir darauf, dass geteert wird.“

Inzwischen trifft der Begriff „warten“ aller- dings nicht mehr so ganz zu. Denn Niels Göttsch, der die Bauzäune Weiterlesen

Geschichte(n) im Körnerkiez: Premiere einer neuen Steinle-Tour durch Neukölln

Den Richardkiez kennt er aus dem Effeff, den Reuterkiez ebenfalls, und auch die Quartiere um die Schillerpromenade und die Rollbergsiedlung sind längst keine nogatstraße_steinle-tour körnerkiez_neuköllnunbekannten mehr. Nun hat Reinhold Steinle ein weiteres Viertel beackert, um es in sein Repertoire als Stadtführer aufgzunehmen: den  Körnerkiez.

„Wie groß das Gebiet ist und wie weit die Laufwege dort sind, ist mir auch erst bewusst geworden, seit ich die Tour vorbereite“, gibt er zu. Rund 800 Meter sind es in Ost-West-Richtung zwischen Hermann- und Karl-Marx-Straße, über 400 Meter auf der Nord- Süd-Achse zwischen Thomas- und Siegfriedstraße. Das hat die ursprünglich ins Auge gefasste Route massiv schrumpfen lassen. Schließlich will Reinhold Steinle seine Kiezspaziergänge nicht in stundenlange Wanderungen ausarten lassen. „Am herr steinle_körnerkiez-tour_neuköllnAnfang waren es 16 Punkte, die in die Führung aufgenommen werden sollten“, denkt der gebürtige Schwabe und gefühlte Berliner zurück. Aber was auf dem Stadt- plan machbar erschien, erwies sich schon beim ersten Realitäts-Check als völlig unpraktikabel: „So ist das bisher bei jeder Tour gewesen.“

Im letzten Winter hat Reinhold Steinle be- gonnen, sich in die neue Materie einzu- lesen. Davor hatte die Erkenntnis gestanden, dass es sonst niemanden gibt, der Führungen durch den Körnerkiez anbietet. Unzählige Stunden verbrachte er im Museum Neukölln und mit  der Recherche in anderen stadthistorischen Archiven, um

neuköllner leuchtturm_steinle-tour körnerkiez_neuköllnilsenhof_steinle-tour körnerkiez_neuköllnhinterhof_neukölln

nach Informationen über Gebäude, Menschen und Einrichtungen zu suchen, an de- nen sich die Entwicklung des Kiezes skizzieren ließe. Dem folgte die Kontakt- aufnahme zu Institutionen vor Ort. „Die war zum Beispiel beim Nachbarschaftsheim Neukölln sehr kooperativ und ergiebig, bei anderen dagegen ziemlich mau oder mit schwulen-club trommel_thomasstraße neuköllndem Hinweis erledigt, dass ich doch auf die Homepage gucken soll“, sagt Steinle.

Dass Leute, die an geführten Kiezspazier-gängen teilnehmen, nicht nur an Geschicht- lichem sondern auch an Geschichten und Anekdoten interessiert sind und er diese Mischung in Barkeeper-Manier zusammen- rühren muss, weiß Reinhold Steinle dank langjähriger Stadtführer-Erfahrung nur zu gut. Genauso wichtig sei die Auswahl des richtigen Startpunktes: „Geeignet ist der, wenn man dort  noch etwas essen oder trinken und aufs Klo gehen  kann.“ Wer will schon hungrig, durstig oder mit drückender Blase einen Kiez erkunden?

Durch die Altenbraker Straße geht es zur Emser Straße. Der Wissensdurst ist mit Zahlen zur baulichen Erschließung und Besiedelung des Kiezes, zur Veränderung der Bevölkerungsstruktur und mit Einzelheiten über die Geschichte der abseits der weiteren Route gelegenen Albrecht-Dürer-Oberschule mehr als gestillt. „Etwa 80 Prozent der Zahlen, die ich bei dieser ersten Testtour geliefert hab, sind für künftige walldorf-kindergarten lindenbaum_steinle-tour körnerkiez_neuköllnFührungen gestrichen, ebenso die Details zur ADO“, sagt Reinhold Steinle heute. Der  Grat zwischen Fordern und Überforderung ist schmal und wird oft erst durch ent- sprechende Reaktionen deutlich.

Mit einem Exkurs in das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte gelingt es, die ächzenden grauen Zellen wieder in einen aufnahmebereiten Modus zu bringen: Die Mieter zweier Wohnungen in der Emser Straße 10 und 62, hat Steinle recherchiert, beherbergten in der NS-Zeit verfolgte Juden und verhalfen ihnen so zum Überleben. Um einen, der vom Nazi-Regime peter-petersen-schule_steinle-tour körnerkiez_neuköllnausgelöscht wurde, um Martin Weise, geht es in der Jonasstraße an einer der nächsten Stationen.

Nicht minder spannend, wenn auch ungleich leichter sind die Geschichten, die sich um andere Adressen wie die der ehemaligen Tanzschule im Hof des tanzschule will meisel_steinle-tour körnerkiez_neuköllnHauses mit der Num- mer 22, den Ilsenhof oder die Trommel, Ber- lins älteste Schwulen- Bar, ranken. Kurz vor dem Körnerpark, an der Peter-Petersen-Schule, hat dann auch noch Reinhold Steinle sein persön- liches Aha-Erlebnis. „Klar, das ist ein Wal! Jonas- straße … Jonas … biblische Geschichte. Weshalb bin ich nicht selber darauf gekommen?“, fragt er sich und notiert die neuen Erkenntnisse zum Emblem, das die neuköllner reitergrab_steinle-tour körnerkiez_neuköllnFassade der Schule ziert.

Bei der nächsten, nur einige Schritte entfernten Station gibt es nur wenig zu erzählen und noch weniger zu sehen: Im heute asphaltierten Knick zwischen Jonas- und Selkestraße wurde vor über 100 Jahren das Neuköllner Reitergrab entdeckt. Sehr offensichtlich ist dagegen, was der Unter-körnerpark_steinle-tour körnerkiez_neuköllnnehmer Franz Kör- ner in Neukölln hinterließ: Aus einer seiner Kiesgruben wurde zwischen 1912 und 1916 der mittlerweile denk- malgeschützte Körnerpark. „Den zu zeigen und mehr über den Namensgeber bekannt zu machen, war für mich eigentlich auch ein wesentlicher Anreiz zur Ge- staltung dieser Tour“, erklärt Reinhold Steinle. Welche Bedeutung andere Orte für die Entwicklung des Kiezes hatten, erfuhr auch er erst durch seine Recherchen. „Natürlich“, sagt er, „hätte ich außerdem gern das Albrecht- Dürer-Gymnasium und die  Feuerwache an der Kirchhofstraße  in die Route aufge- franz körner_steinle-tour körnerkiez_neuköllnnommen, aber das hätte den Rahmen deutlich gesprengt.“

Zudem wollte Reinhold Steinle, dass die Tour, in die kurz vor der Premiere mit zahlenden Mitläufern noch der Besuch bei einem Gitarrenbauer aufgenommen wur- de, im Körnerpark endet. Denn wo sonst im Kiez lässt sich adäquater der „Humoris- tischen Kultur-Anweisung für Körners Riesen-Sonnenblumen“ lauschen? Sie ist einer der Schätze, die der Stadtführer im Museum Neukölln fand und nun in einen dicken Aktenordner sortiert wurde. „Einen zweiten Ordner mit Körnerkiez-Material hab ich noch zuhause“, verrät er. Es ist also unwahrscheinlich, dass bei dieser neuen Expedition durch ein Stück Neukölln auch nur eine einzige Frage unbeantwortet bleiben muss.

Die erste „Geschichte(n) im Körnerkiez“-Führung (10 Euro / erm. 7 Euro) mit Reinhold Steinle ist am 18. Mai. Sie startet um 15 Uhr an der Leucht- stoff-Kaffeebar in der Siegfriedstraße 19: Anmeldung unter 030 – 53217401 erwünscht.

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Eine Insel für die Konrad-Agahd-Grundschule

konrad-agahd-grundschule_neuköllnIn der Konrad-Agahd-Grundschule im Neu- köllner Körnerkiez fand Freitagvormittag die Eröffnung von „Konrads Insel“ statt. Kon- rad Agahd (1867 – 1922), nach dem die Schule 1958 benannt wurde, war 23 Jahre Lehrer in Rixdorf/Neukölln. Bekannt wurde er für seinen Kampf gegen Kinderarbeit. Die Ergebnisse seiner Studien in meh- reren europäischen Staaten veröffentlichte er in Aufsätzen, Broschüren und Fach- büchern.

Die bisher leerstehende Hausmeisterwohnung der Schule konnte nach grund- legender Renovierung mit neu designten Räumen und neuer Funktion den Schülern,

konrads insel_konrad-agahd-grundschule_neukölln konrads insel_neukölln

Eltern und Lehrern übergeben werden. Die Kosten für Umbau und Renovierung in Höhe von 140.732 Euro trug der Bezirk Neukölln. Die Einrichtungskosten und Aufwendungen für den Betrieb der Schülerbibliothek und des Elterncafés von knapp 30.000 Euro wurden über Soziale Stadt-Mittel des Quartiersmanagements Körnerpark simone schützmann_eröffnung konrads insel_neuköllnfinanziert. Mit dem Anliegen, innerhalb der Schule eine Insel zu schaffen, entstanden in den wohnlich und zugleich zweckmäßig gestalteten Räumen eine Schülerbiblio- thek, ein Elterncafé und eine kleine Küche.

Bei der Einweihung wurden die Besucher von  Rektorin Simone Schützmann mit Ro- sen willkommen geheißen. Nach der Be- sichtigung der Räumlichkeiten und einem Auftritt des Kinderchores, der u. a. das sehr witzige Lied über die Stubenfliege zum Besten gab erfolgte die offizielle Eröffnung durch Heinz Buschkowsky und Dr. Franziska Giffey.

buschkowsky+giffey+schützmann_konrads insel_neuköllnDer Bezirksbürgermeister sprach da- bei vor allem die etwa 20 Kinder im Raum an. Er betonte, wie wichtig das Lesen ist. „Lesen“, sagte er, „ist für den Kopf wie Schokolade essen.“ Außerdem fragte er sie nach ihren späteren Berufswünschen. Die Be- zirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport hob in ihrer Rede hervor, dass anhand der eingehenden Anmeldungen festgestellt werden könne, dass die Konrad-Agahd-Grundschule mit zu den beliebtesten Grundschulen in Neukölln gehört.

Das neue Elterncafe soll dazu beitragen, die Zusammenarbeit mit den Eltern zu verstärken. An zwei Tagen in der Woche initiieren die Eltern ein Elternfrühstück. Dies soll die Vernetzung unter den Eltern verbessern und die Eltern näher an die Schule und ihre Projekte heranführen. Eines davon ist das kostenlose Frühstück von schülerbibliothek_konrad-agahd-grundschule_neuköllnbrotZeit, einer Initiative der Schauspielerin Uschi Glas. Jeden Morgen wird es von ehrenamtlichen Senioren für die Grundschüler zubereitet, die so nicht nur in den Genuss von regelmäßigem Frühstück kommen, sondern von den Ehrenamtlichen auch viel über eine gesunde Ernährung lernen können.

Futter für Kopf und Seele gibt es nun in der neuen Schülerbibliothek, die etwa zur Hälfte mit Buchspenden bestückt wurde. Da sich die Schülerinnen und Schüler über noch mehr Auswahl freuen würden, gilt: Wer gut erhaltene Kinderbücher zuhause hat, die er nicht mehr benötigt, darf sich gerne mit der Konrad-Agahd-Schule in Verbindung setzen, um sie zu spenden.

=Reinhold Steinle=

Unser Autor, der in Neukölln bereits Führungen durch den Reuter-, Schiller-, Rollberg- und Richardkiez anbietet, führt ab nächsten Monat auch durch den Körnerkiez: Die erste Tour ist am 18. Mai und startet um 15 Uhr an der leuchtstoff–Kaffeebar.