„Wenn der Architekt nichts weiß, macht er einen Kreis“: Installation auf dem Tempelhofer Feld offiziell eingeweiht

Entwurf Gerhard Schlotter_TRG-Installation Tempelhofer Feld_BerlinNur ein Jahr hatte es gedauert, bis aus einer Idee Realität wurde. Auf Initiative des interreligiösen Vereins Treffpunkt Religion und Gesellschaft (TRG) war auf dem Tempelhofer Feld die Instal- lation „Zusammenkommen, ausein- andersetzen, gemeinsam weiterge- TRG-Installation Tempelhofer Feld_Berlinhen“ verwirklicht und Ende November letzten Jahres der Öffentlichkeit anver- traut worden. Vorgestern hatte der Ver- ein erneut eingeladen, um ganz offiziell diese Installation in Gebrauch zu neh- men. Es wurde eine gelungene Veran- staltung.

Selbst das Wetter spielte mit, denn entgegen der Regenprognose herrschte schöns- tes Tempelhofer Feld-Wetter mit Sonne und viel Wind, und Cornelia Weiterlesen

Installation als Ort für Gespräche auf dem Tempelhofer Feld

TRG-Installation_Tempelhofer Feld_BerlinBlau gehörte bislang nicht zu den Farben, die auf dem Tempelhofer Feld den Ton angaben. Das ist nun anders: Nahe dem Haupteingang Columbiadamm auf dem Pionierfeld des Treffpunkt Religion und Gesellschaft (TRG) e. V. wurde Donnerstag die leuchtendblaue Installation mit dem programmatischen Namen „Zusammen-kommen, auseinandersetzen, gemeinsam weitergehen“ mit einem Pre-Opening der Öffentlichkeit übergeben: Aus 49 Stahlrohr-Hockern, die in zwei konzentrischen Kreisen angeordnet sind, besteht Weiterlesen

Einfach mal die Klappe halten

3_tempelhofer feld_berlinEtwa 17.000 Wörter liegen statistisch gesehen zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen. Dass Frauen, wie früher vermutet, wesentlich mehr reden als Männer, hat sich längst als falsch heraus- gestellt. Erwiesen ist aber, zumindest nach den Erfahrungen von Elisabeth Kruse, dass Frauen das größere Bedürfnis haben, sich organisierte Aus- zeiten von der verbalen Kommunikation zu gön- nen. „Es sind überwiegend Frauen, die an unseren Leerläufen auf dem Tempelhofer Feld teilnehmen“, sagt die Vorsitzende (M.) des Vereins Treffpunkt Religion und Gesellschaft, 1_leerlauf_tempelhofer feld berlinder eben diese Leer- läufe initiiert hat und einmal monatlich durchführt.

Es ist kalt und fast windstill auf Ber- lins größter Freifläche. Die Sonne hat sich bereits unspektakulär in den Fei- erabend verabschiedet. Ganz anders als beim letzten Leerlauf, der in glü- hendem Abendrot – und bei Schauern und Sturm – stattfand. Die Erfahrung hinsichtlich der Frauenquote wird be- stätigt: Diesmal liegt sie sogar bei 100 Prozent, denn Männer kommen gar nicht zum Treffpunkt am Haupteingang Columbiadamm, von wo aus es zu einem der beiden ältesten Bäume auf dem Tempelhofer Feld geht. Noch nicht schweigend. „Die Platane“, sagt Elisabeth Kruse, „haben wir als Start für die Leerläufe ausgewählt, weil es hier auch im Sommer nicht so trubelig ist.“ Dass sie drei Stämme hat und damit perfekt zur Dreifaltigkeit in der christliche Theologie passt, sei ihr erst später 2_leerlauf_tempelhofer feld berlinaufgefallen.

Mit einem kurzen religiösen Gedicht als Textimpuls beginnt der Leerlauf – und das Schweigen. Diesmal würden 20 Mi- nuten reichen, schon wegen der Kälte, ha- ben die beiden Teilnehmerinnen entschie- den. Sonst ist es eine halbe Stunde, in der man stumm über den vorgetragenen Text, über etwas völlig ande2_tempelhofer feld_berlinres oder auch über nichts nachdenken und sich dem hin- geben kann, was passiert. Welchen Weg man dabei einschlägt und ob man ihn allein oder in stiller Gesellschaft zurücklegt, ist jedem selber überlassen.

Der Schnee und gefrorenes Laub, das auf dem Rasen liegt, knirrschen unter den Stiefeln. Das Rauschen der Stadtautobahn wabert über das Feld, irgendwo bellt ein Hund, Zweige knacken, es raschelt im Gebüsch,  in einem Baum krakeelen zwei Vögel. Es klingt 1_tempelhofer feld_berlinnach Streit. Das Handy in der Manteltasche vi- briert – bis der Anrufer aufgibt. Schweigen und telefonieren sind unvereinbar. Die Situation, ziel- los und alleine durch die Dämmerung zu stap- fen, ist gewöhnungsbedürftig. „Einmal ausstei- gen aus dem Zwang zur Produktivität. Einmal nichts schaffen, nicht effektiv und ergebnis- orientiert sein müssen“, nennt das der Leerlauf-Veranstalter auf seiner Webseite. An nichts den- ken, geht nicht. Nachher ein heißer Kakao. „… und spüren, dass man lebt.“ 3_leerlauf_tempelhofer feld berlinWollsocken in den Stiefeln wären sinnvoll gewe- sen. Ein Hundehalter ruft weit entfernt nach Bruno, und die 20 Minuten sind leider schon um. Zurück zur dreistämmigen Platane.

„Wer will, kann erzählen, was er unterwegs erlebt hat“, bietet Elisabeth Kruse an. Sie habe sich öfter an den Vorsatz erinnern müssen, nicht an Projekte oder die Verwendbarkeit von Gedanken in einer Predigt denken zu wollen, gesteht sie. Für die Pfarrerin der Neuköllner Genezareth-Gemeinde wird die Adventszeit von Stress und Unbesinnlichem beherrscht: „Aber hier auf dem Tempelhofer Feld wird mir immer wieder sehr bewusst, dass Leere eine Oase und Stille ein Überlebensmittel ist.“ Mit einem Segenswunsch beendet Elisabeth Kruse den Leer- lauf: Auch die Bitte, dass die zuständigen Instanzen kluge Entscheidungen für die Zukunft des Tempelhofer Feldes treffen mögen, kommt in dem vor.

Der nächste Leerlauf startet am 7. Januar um 16 Uhr am Haupteingang Columbiadamm.

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