Blasen, fegen, saugen

Täglich lassen sich momentan in Neukölln Szenen wie diese beobachten: Erst werden den  Straßen von emsigen  Frauen und Männern in  Orange akkurate  Seiten-

scheitel gefegt und geblasen, dann kommt der große Laubsammelwagen, verleibt sich die Spur aus Blättern und Verpackungsmüll saugend ein, und ruckzuck sieht alles wie geleckt aus. Vorübergehend.

Umparken unerwünscht

Damit die Straßen der Hufeisensiedlung im Neuköllner Ortsteil Britz richtig schnieke sind, haben die Berliner Stadtreinigung (BSR) und das Bezirksamt Neukölln dort vor einem Jahr das Modellprojekt „Umparken für die Straßenreinigung“ eingeführt. In anderen  Vierteln gilt es (noch?) nicht, weshalb die  Müll- und  Laubkehrer gezwungen

sind, um diesen Vierbeiner drumrum zu fegen, der  seinen sonnigen Fleck am Stra- ßenrand partout nicht aufgeben wollen würde.

Der Sound des Herbstes in Neukölln

Laubbläser verbieten! Gesundheitsstadtrat fordert „ruhigen“ Herbst – das steht über einer vorgestern veröffentlichten Pressemitteilung des Neuköllner Gesund- bsr-laubbläser, neukölln, gesundheitsstadtrat falko lieckeheitsstadtrats Falko Liecke.

Laubbläser seien nicht nur belästigend, sondern in der Tat auch gesundheits- schädlich, nicht nur durch den Lärm, den sie verursachen, sondern auch durch das Aufwirbeln von Staub, inklusive Krankheits- erregern und Allergenen, und übrigens auch durch ihre Abgase, stellt Liecke fest: „Ich bin der Auffassung, dass diese Geräte nicht weiter betrieben werden sollten, da die negativen Folgen größer sind als der tatsächliche Nutzen. In Neukölln werde ich mich dafür einsetzen und hoffe, dass wir es auch berlinweit schaffen, den Herbst wieder ruhiger zu machen.“

Bis zur Berliner Stadtreinigung scheinen sich Lieckes Ambitionen allerdings noch nicht rumgesprochen zu haben. Unbeeindruckt von seinem Appell treiben die BSR-Männer dieser Tage das Laub durch die Straßen Neuköllns – mit Mundschutz gegen flatternde Allergene oder Krankheitserreger und mit Ohrenschützern gegen das Getöse ihrer Maschinen gefeit. So ist es zumindest für sie ein ruhiger Herbst.

=ensa=