Natur und Urbanität in der Hasenheide: „Beides zusammen ist nicht zu haben“

Fast 70 Meter hoch ist die Rixdorfer Höhe, ein künstlicher Berg im westlichen Teil des Volksparks Hasenheide in Neukölln, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus 700.000 Kubikmetern Trümmern aufgeschüttet wurde. Bei ihrer Eröffnung 1951 bot die Anlage einen weiten Blick über Berlin.

Heute stecken auf dem höchsten Punkt des Trümmerbergs noch vier Steinquader einen kleinen leeren Platz ab, der von hohen Bäumen umgeben ist: Aussicht? Fehlanzeige! Nur auf einem der völlig Weiterlesen

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Expeditionen ins Berliner Tier- und Pflanzenreich

44 Prozent der Stadtfläche seien öffentliche Grün- und Freiräume. „Die Natur in der Stadt ist es, die Berlin für die Bürgerinnen und Bürger lebenswert macht“, betont Umwelt-Senatorin Regine Günther anlässlich des heute und morgen stattfindenden Langen Tags der StadtNatur.
An über 150 Orten in Berlin werden unter dem Motto „Einmal Natur mit alles“ in 26 Stunden von rund 250 Fach-leuten etwa 500 naturkundliche Führungen und Aktionen geboten. „Ob Dschungelcamp, Bumerang-Workshop, Krab-beltier-Entdeckungen oder Abenteuer-Schatzsuche beim Geocaching – es ist für jede Altersgruppe etwas dabei“, ergänzt Wolfgang Busmann, Projektleiter des von der Stif-tung Naturschutz Berlin bereits zum 11. Mal organisierten Festivals.

Auch in Neukölln wird an vielen Orten bewiesen, dass das Mit- oder Nebeneinander von Natur und Urbanität gegenwärtig ist: In der Hasen-heide kann man an Pflanzenführungen und Orientierungsläufen Weiterlesen

„Das Gewöll des Waldkauzes ist wie ein Überraschungs-Ei“: Mit Experten durch Berlins Stadtnatur

derk ehlert_waschbär-spuren_friedhof lilienthalstraße_neuköllnLetztlich ließen sich dann doch nicht alle Tiere blicken, von denen Derk Ehlert (r.) erhofft hatte, dass sie es tun 1_friedhof lilienthalstraße_neuköllnwürden.

Er und die Stiftung Naturschutz Berlin hatten im Vorfeld des Langen Tags der StadtNatur zu einem Presserundgang über den Friedhof Lilienthalstraße eingeladen, um einen „städti- schen Arten-Hotspot“ zu prä- sentieren. Aber dann:  Der Fuchs, der, wie Derk Ehlert erzählte, häufig vormittags auf einem Gräberfeld in der Sonne liege, glänzte durch Abwesenheit. Ebenso die Waschbären. „Aber das hier sind eindeutig Kratzspuren von ihnen“, versicherte er und erklärte, dass die entstünden, wenn die  Weiterlesen

Neuköllner Spezialitäten – auch auf Rügen zu haben

langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neuköllnErstmal Händewaschen. Wie das richtig gemacht wird, steht auf einer illustrierten Beschreibung, die über dem Waschbecken hängt. Und saubere Hände sind wichtig, weil die gleich mit Lebensmitteln in Be- rührung kommen werden. Die Wartezeit in den Schlangen vor den beiden WC- Räumen vertreiben sich die Menschen mit noch dreckigen Händen mit Schilderungen, was sie schon bei diesem Langen Tag der Stadtnatur gemacht haben und noch machen wollen. Nun ist aber erstmal Brot- backen und eine Besichtigung der Bio-Bäckerei  Märkisches Landbrot dran, die langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neukölln, patrick hannemannsich im Neuköllner Industriegebiet südlich der Grenzallee angesiedelt hat.

„Die Kinder kriegen gleich T-Shirts und die Erwachsenen weiße Kittel“, kündigt Jürgen Baumann an, der in dem seit 1930 be- stehenden Unternehmen zuständig für die Führungen ist. Bei der Verteilung der weißen Klipphauben wird nicht zwischen klein oder groß unterschieden, die passen auf jeden Kopf. Baumann führt die fertig ausstaffierte Gruppe durch die Produktionshalle und übergibt sie an Bäckermeister langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neuköllnPatrick Hannemann.  „Den Dinkel-Rosinen-Teig ha- ben wir gestern schon angesetzt“, erklärt der, „und aus dem machen Sie nun  Vier-Strang-Zöpfe, die Sie dann später mitnehmen können.“ Einen Prototyp hat er bereits vorbereitet. Besonders zuversichtlich, wenigstens etwas annähernd Ähnliches hinzukrie- langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neukölln, patrick hannemanngen, ist niemand. „Ich zeig Ihnen, wie’s geht“, sagt Patrick Hannemann. Bei den Amateurbäckern keimt Hoffnung auf, dass der eigene Zopf am Ende nicht nur gut schmecken wird, sondern auch so aussehen könnte. Frauen seien beim Flechten im langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neuköllnVorteil, weil die meis- ten das Prinzip ja schon mit drei Haarsträhnen kennen: „Aber mit vier Strängen ist es noch leichter.“ Man müsse die Teigrollen so anordnen, dass sie wie ein kopfloses Männchen aussehen. Und dann immer im Wechsel das – bei Draufsicht – rechte Bein über den linken Arm langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neuköllnund den rechten Arm über das linke Bein legen. Ruckzuck ist der Zopf fertig. „Das Wichtigste ist, dass man im Rhythmus bleibt“, verrät der Bäcker den staunenden Gästen. Ein Paar versucht sich mit langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neuköllnHannemann im Syn- chronflechten,  eine Frau verblüfft den Profi durch ihre Geschicklichkeit vollends, und eines der Kinder aus der Gruppe will lieber ein Dinkel-Rosinen-Gesicht als einen Zopf mit nach Hause nehmen. „Auf das werde ich später beim Backen besonders aufpassen, damit es nicht verbrennt“, verspricht Patrick Hannemann. Die Zöpfe würden etwa eine langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neuköllnViertelstunde im Ofen bleiben müssen. „So lange“, sagt er, „dauert es auch ungefähr, mit vier bis fünf Bäckern  100 Zöpfe  für Bestellungen unserer Ver- kaufsstellen zu flechten.“ Damit, dass die hier auch im Echtbetrieb  in Handarbeit  entstehen, hat nicht jeder langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neuköllngerechnet.

Die Backzeit der noch in Sesam gewälzten und mit Namensschildern versehenen Rosinenzöpfe nutzt Jürgen Baumann, um zu zeigen, welche Stationen Getreidekörner bei Märkisches Landbrot durchlaufen, damit sie zu Broten werden. Durchschnittlich 8.000 Laiber in Demeter-Qualität produziert das Unternehmen täg- märkisches landbrot gmbh neuköllnlich und liefert sie an Bioläden, Markthändler, Restaurants, Kantinen und Schulen in Berlin und dem Umland aus: „Unsere am weitesten entfernte Verkaufsstelle ist auf Rügen.“

Das Getreide bezieht die Firma von Bauern aus der Region, schon wegen der CO2-Belastung, die so niedrig wie möglich ausfallen soll. Gemahlen wird nur immer so viel wie für die Tagesproduktion gebraucht wird. Auch in anderer Hinsicht gilt das Augenmerk der Öko-Bilanz: Die Wasserversorgung laufe über einen eigenen Tiefbrunnen, die Energieversorgung werde demnächst endlich von Öl auf Gas umgestellt und bereits gebackene Brote, die der optischen Qualitätskontrolle nicht standhalten, werden wieder zerschreddert, langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neukölln, jürgen baumanngeröstet und als Zutat für Röstteigbrote verwendet. „Das nenne ich einen  sinn- vollen Umgang mit Bäckereiabfällen“, bemerkt Jürgen Baumann. 27 Tonnen Brot konnten im letzten Jahr auf diese Art und Weise recycelt werden.

Vom Trockenlager, in dem – gut geschützt vor Ungeziefer –  Ingredienzien für die 35 verschiedenen Märkisches Landbrot-Sor- ten deponiert sind, geht es durch die Silohalle und den Mühlenraum weiter in die Produktionshalle. „Samstags passiert hier gar nichts, dann ist produktionsfrei“, sagt Baumann und überrascht gleich mit einer weiteren  Information, die so gar nicht zum  Klischee  passt:  „An allen anderen

märkisches landbrot gmbh neuköllnmärkisches landbrot gmbh neuköllnmärkisches landbrot gmbh neukölln

Tagen fangen die Mitarbeiter zwischen 15 und 20 Uhr ihre Schichten an.“ Nicht jeder, der als Bäcker arbeitet, müsse sich also mitten in der Nacht aus den Federn quälen, langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neukölln, patrick hannemannum zur Arbeit zu gehen.

An einem der riesigen Öfen begegnet die Gruppe Patrick Hannemann wie- der, der gerade den Zustand der Rosinenzöpfe überprüft. Zum ersten Mal steigt der Duft von frischem Brot in die Nasen, vorher hatte es nach Mehl und Zutaten gerochen – nur nicht nach dem, was man in Bäcke- reien erwartet.

Nach einer Erklärung der computergesteuerten Kommissionierungsanlage bittet Jürgen Baumann in den Aufenthaltsraum des Verwaltungstrakts. Der etliche Quadratmeter große Tisch ist voller frischer Brote. Papiertüten zum Einpacken liegen langer tag der stadtnatur 2012 (stiftung naturschutz berlin), märkisches landbrot gmbh neuköllnauch bereit. Niemand lässt sich das Angebot entgehen. „Wer will“, sagt Baumann, „kann auch seine Haube als Andenken mitnehmen.“ Die Kittel und T-Shirts sollten aber bitte wieder in den Schrank gehängt werden. Mehr als für die inte- ressieren sich die Frauen, Männer und Kinder aber ohnehin für ihre Zöpfe und Fladen. Jürgen Bau- märkisches landbrot gmbh neuköllnmann erklärt, wel- cher Weg eingeschlagen werden muss, ohne vorher wieder in Kittel schlüpfen zu müssen, und ver- abschiedet sich nachdem alle Fragen beantwortet sind, um die ersten Gäste der nächsten Gruppe empfangen zu können.

„Das sind die Zöpfe, die wir gemacht haben?“ Damit, dass sie am Ende so gut aussehen würden, hatte kaum jemand gerechnet. „Für den Verkauf wäre mein Zopf garantiert nicht geeignet“, stellt eine Frau selbstkritisch fest und bricht ein Stück zum Probieren ab. „Hm, aber köstlich ist er! Den essen wir gleich hier an Ort und Stelle“, teilt sie ihrem Mann mit, „und deinen nehmen wir mit nach Hause.“ Ihr Zuhause sei in Pankow, erzählen sie. In Neukölln seien sie selten und in dieser Ecke bisher noch nie gewesen: „Dass das Brot, das wir seit Jahren nur noch kaufen, hier gemacht wird, hab ich wirklich nicht gewusst.“ Jetzt wissen beide sogar, wie es gemacht wird.

Führungen durch die Bio-Bäckerei Märkisches Landbrot sind nicht nur beim Langen Tag der Stadtnatur sondern auch sonst für Kinder- und Erwachsenen-Gruppen möglich. Für Einzelpersonen gibt es nach Ab- sprache die Möglichkeit, sich Gruppen anzuschließen.

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Zu Lande, zu Wasser und in der Luft

baobab 2012 neukölln, afrika-fußballmeisterschaft berlin 

Auch für Kulturbanausen hatte Neukölln am letzten Wochenende vor den Som- merferien mehr als genug zu bieten: das BAOBAB!-Turnier um die 8. Afrika-Fuß- ballmeisterschaft Berlin, den Langen Tag der Stadtnatur und diverse Straßenfeste.

Immer an der Wand lang

t-hall kletterhalle, neukölln, offene berliner landesmeisterschaften im sportkletternVorgestern in Neukölln. Stöhnende Laute, enttäuschtes Seufzen, Schreie und Anfeuerungsrufe quellen aus den gekippten Fenstern der unschein- baren Halle in einem Hinterhof zwi- schen Sonnenallee und Neuköllner Schiffahrtskanal: „Los, mach’s! Go! Weiter! Du schaffst das!“

Mit künstlerisch-kulturellen Darbietun- gen von 48 Stunden Neukölln hatte die Geräuschkulisse nichts zu tun, auch nicht mit dem Langen Tag der Stadtnatur: Sie kam von den Athleten, die in der T-Hall an den Offenen Berliner Landesmeisterschaften im Sportklettern teil- t-hall kletterhalle, neukölln, offene berliner landesmeisterschaften im sportkletternnahmen. Und von den Fans, Teams und t-hall kletterhalle, neukölln, offene berliner landesmeisterschaften im sportkletternBetreuern, die die Kunst der Vertikal-Akrobaten mit festem Boden unter den Füßen und in den Nacken gelegten Köpfen beobachteten und jeden gelungenen Griff oder Tritt an der Wettkampfroute beju- belten. Je besser einer die Überhänge meisterte und je näher er der Hallendecke kam, desto lauter wurde es.

Kuriosum am Rande: Wer bisher dachte, Kletterer seien – egal ob sie ihren Sport t-hall kletterhalle, neukölln, offene berliner landesmeisterschaften im sportkletternhobby- oder leistungsmäßig betrei- ben – vom Ehrgeiz eines latenten Aufwärtstriebs gepackt, sieht sich im Treppenhaus der T-Hall eines Bes- seren belehrt. Schon nach wenigen Stufen der insgesamt knapp 30 bis zum Eingang zur Indoor-Alpinisten- Arena muss ein Schild mit der Aufschrift „Noch eine Etage!“ Motiva- tionshilfe leisten. Nicht ausge- schlossen, dass mancher Kletterer schneller im ersten Obergeschoss wäre, wenn statt einer Treppe eine Kletterwand dort hinführen würde.

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Die grüne Hölle von Neukölln

Besonders schön ist die Schöneweider Straße nicht, die die Wipper- mit der Richard- straße verbindet. Sie ge- hört zu den wenigen Straßen Neuköllns, in die sich nicht mal ein Google Street View-Auto verirrt hat. Dabei hat die Schöne- weider Straße durchaus Sehenswertes zu bieten – allem voran dieses Haus, das ein wahrlich perfek- tes Sinnbild für den Lan- gen Tag der Stadtnatur ab- gäbe.

Insbesondere in Höhe der ersten und zweiten Etage tobt hier ein erbitterter Kampf zwischen Zivilisation und Vegetation, wobei letztere nicht den Eindruck aufkommen lässt, als  würde  sie den  Konflikt als Verlierer  beenden  wollen.  Besonders  deutlich

wird das im zweiten Obergeschoss. Gardinen sind als Schutz vor neugierigen Blicken längst überflüssig geworden, da die Wildnis außer der Fassade auch die Fenster bestens im Griff hat und nur noch wenig fehlt, bis sie ebenfalls hinter einer grünen Wand verschwunden sind. Eine weitere lässliche Investition ist die in Balkonpflanzen. Einzig die Satellitenschüssel schafft es, sich gegen das wuchernde Grün durchzusetzen und einen Teilerfolg für die Zivilisation zu erringen. Noch!

=ensa=