Interieur und Exterieur: Eröffnung einer Doppelausstellung beim Kunstverein Neukölln

kunstverein_tuerDas Wort „Interieur“ bezeichnet das Innere oder die Ausstattung eines Raumes; der Gegensatz „Exterieur“ steht für das Äußere, die Außenseite oder Erscheinung. Der Kunstverein Neukölln widmet sich mit der Doppelausstellung „Interieur – Exterieur“ nacheinander beiden Begriffen. Vergangenen Freitag war in der kleinen Galerie in der Mainzer Straße die Eröffnung des ersten Ausstellungsteils „Interieur“. Mittels Malerei, Film und Fotografie interpretieren Ulrike Gerst, Susa Templin sowie Pujan Shakupa auf ihre Art verschiedene Innenräume. maurmaier_kramerSusann Kramer (r.) stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins, und Kurator Lars Maurmaier (l.) stellten die Arbeiten der drei Künstler bei der Vernissage vor.

Die Videokünstlerin Susa Templin verwandelt in ihrem Video video_templin„Keszthely“ die Innenräume eines alten, leerstehenden Hauses zum Schauplatz performativer Handlungen. Eine Frau rückt die Möbel in einem Haus, das in der titelgebenden ungarischen Stadt Keszthely steht, hängt Gardinen ab und verändert die Umgebung, in der sie wohnt auf andere Weise.

Die Malerin Ulrike Gerst wendet sich in der Gemäldeserie „Messehalle, Berlin“ verlassenen und anonymen Räumen zu. Die drei Ansichten zeigen die Zeitlosigkeit archetypisch wirkender Räume. Details wie ein wehender Vorhang oder das Treppengeländer scheinen nur ihrer selbst willen dargestellt zu sein. Daneben sind von Gerst auch kleinere Ansichten eines Probenraumes und eines Wohwagens zu sehen.

An der gegenüberliegenden Wand des Ausstellungsraumes hängt die Dokumentation fotoserie_shakupa„Hotel Orbit“ mit 24 Fotoaufnahmen des Concept-Art Künstlers Pujan Shakupa . Die Arbeit, die mit einer einfachen analogen Kamera binnen einer Viertelstunde fotografiert wurde, besteht aus den 24 Einzelbildern eines Kleinbildfilms, auf denen die Familie des Künstlers in einem engen Hotelzimmer in Paris zu sehen ist. Im Hintergrund läuft im Fernseher eine Dokumentation über Planeten: Galaxien, ein Countdown, Einstein, der Vater vor dem Fernseher.

Die „Interieur“-Arbeiten von Ulrike Gerst, Susa Templin und Pujan Shakupa sind noch bis zum 11. Dezember mittwochs bis sonntags von 14 bis 20 Uhr beim Kunstverein Neukölln (Mainzer Str. 42) zu sehen. Bei der Finissage, die um 19.30 Uhr beginnt, gibt es Gelegenheiten zu Gesprächen mit den Künstlern.

„Exterieur“, der zweite Teil der Doppelausstellung mit Arbeiten von Hendrik Czakainski, Ute Hoffritz und Carsten Kaufhold, wird am 16. Dezember um 19.30 Uhr in der Galerie des Kunstvereins Neukölln eröffnet.

=Christian Kölling=

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Die Endlichkeit der Möglichkeiten, Platz für das Aushängeschild Neuköllns zu erhalten

kunstraum t27 neuköllnWie viele Galerien, Ateliers und kulturelle Projekträume es in Neukölln genau sind, die schon wegen unbezahl-barer Mieterhöhungen oder der Kündigungen ihrer Mietverhältnisse aufgeben mussten, sei „ganz schwer zu sagen“, muss Dr. Martin Steffens zugeben. Selbst er, der als langjähriger Leiter des Kunstfestivals 48 Stun-den Neukölln bestens in der Szene vernetzt ist, hat keinen belastbaren Überblick darüber, wer warum seinen Standort im Bezirk verlassen hat. Dass einige oder gar viele schlichtweg keine Lust mehr auf Neukölln oder die Existenz als Kunstschaffende hatten, kann und will Steffens nicht ausschließen.

Sehr genau weiß er jedoch, weshalb es den kunstraum t27 nun nicht mehr in der Thomasstraße gibt. „Uns ist regulär gekündigt worden“, sagt Martin Steffens, der auch Vorsitzender des Kunstvereins Neukölln ist, der wiederum die Weiterlesen

Keine Heimat mehr!

boom-theater neuköllnHeimat, ausgerechnet um das Thema Heimat ging es bei der Aufführung, die die letzte im Boom!-Theater war, weil das nämlich seine Heimat verliert. Nach acht Jahren, in denen im Parterre des Gartenhauses in der Thomasstraße 27 Konzerte, Theater, Performances und kündigung kunstraum t27 neuköllnFeste stattfanden, ist Schluss: Der Boom! e. V. erhielt eben-so wie der Kunstverein Neu-kölln, der im Vorderhaus den kunstraum t27 betreibt, die Kündigung und muss zum Monatsende ausziehen. Da-nach, heißt es, werden die Räume saniert, um anschließend als Eigentumswohnung verkauft werden zu können. Der Kunstverein Neukölln darf noch bis Weiterlesen

Die Camperin vom Richardplatz

Auch in Neukölln ist es eng auf dem Wohnungsmarkt. Wer aber meint, dass es so eng ist, dass sogar schon auf dem Richardplatz campiert werden muss, irrt. Das gilt  ebenfalls für diejenigen, die vermuten, der Bezirk  würde nun seine klammen Kassen

mpa-b performance_richardplatz neukölln

durch das Betreiben von Campingplätzen in öffentlichen Grünanlagen auffüllen wol- len. Was aber hat es dann mit dem Zelt auf sich, das gestern am östlichen Zipfel des  Richardplatzes aufgeschlagen wurde? Es ist die  Bühne von Christine Dilmi, die

christine dilmi_richardplatz neukölln

sich  bis Montagmittag  innerhalb des Month of Performance Art – Berlin 2013 mit „Fil Conducteur“ an der Reihe Crossing Context Neukölln beteiligt: Einen „intensiven Kontakt“ zu Passanten will die französische Künstlerin bei ihrer 96-stündigen Lang- zeitperformance suchen. Auf Deutsch-Kenntnisse kann sie dabei nicht zurück- greifen, stattdessen soll Interaktion durch ihre Yoga-Übungen, eine Clownsnase und Handarbeiten entstehen.