Die Endlichkeit der Möglichkeiten, Platz für das Aushängeschild Neuköllns zu erhalten

kunstraum t27 neuköllnWie viele Galerien, Ateliers und kulturelle Projekträume es in Neukölln genau sind, die schon wegen unbezahl-barer Mieterhöhungen oder der Kündigungen ihrer Mietverhältnisse aufgeben mussten, sei „ganz schwer zu sagen“, muss Dr. Martin Steffens zugeben. Selbst er, der als langjähriger Leiter des Kunstfestivals 48 Stun-den Neukölln bestens in der Szene vernetzt ist, hat keinen belastbaren Überblick darüber, wer warum seinen Standort im Bezirk verlassen hat. Dass einige oder gar viele schlichtweg keine Lust mehr auf Neukölln oder die Existenz als Kunstschaffende hatten, kann und will Steffens nicht ausschließen.

Sehr genau weiß er jedoch, weshalb es den kunstraum t27 nun nicht mehr in der Thomasstraße gibt. „Uns ist regulär gekündigt worden“, sagt Martin Steffens, der auch Vorsitzender des Kunstvereins Neukölln ist, der wiederum die Weiterlesen

Keine Heimat mehr!

boom-theater neuköllnHeimat, ausgerechnet um das Thema Heimat ging es bei der Aufführung, die die letzte im Boom!-Theater war, weil das nämlich seine Heimat verliert. Nach acht Jahren, in denen im Parterre des Gartenhauses in der Thomasstraße 27 Konzerte, Theater, Performances und kündigung kunstraum t27 neuköllnFeste stattfanden, ist Schluss: Der Boom! e. V. erhielt eben-so wie der Kunstverein Neu-kölln, der im Vorderhaus den kunstraum t27 betreibt, die Kündigung und muss zum Monatsende ausziehen. Da-nach, heißt es, werden die Räume saniert, um anschließend als Eigentumswohnung verkauft werden zu können. Der Kunstverein Neukölln darf noch bis Weiterlesen

Die Camperin vom Richardplatz

Auch in Neukölln ist es eng auf dem Wohnungsmarkt. Wer aber meint, dass es so eng ist, dass sogar schon auf dem Richardplatz campiert werden muss, irrt. Das gilt  ebenfalls für diejenigen, die vermuten, der Bezirk  würde nun seine klammen Kassen

mpa-b performance_richardplatz neukölln

durch das Betreiben von Campingplätzen in öffentlichen Grünanlagen auffüllen wol- len. Was aber hat es dann mit dem Zelt auf sich, das gestern am östlichen Zipfel des  Richardplatzes aufgeschlagen wurde? Es ist die  Bühne von Christine Dilmi, die

christine dilmi_richardplatz neukölln

sich  bis Montagmittag  innerhalb des Month of Performance Art – Berlin 2013 mit „Fil Conducteur“ an der Reihe Crossing Context Neukölln beteiligt: Einen „intensiven Kontakt“ zu Passanten will die französische Künstlerin bei ihrer 96-stündigen Lang- zeitperformance suchen. Auf Deutsch-Kenntnisse kann sie dabei nicht zurück- greifen, stattdessen soll Interaktion durch ihre Yoga-Übungen, eine Clownsnase und Handarbeiten entstehen.

Kunst, die bewegt

Wer von einer Wanderausstellung spricht, meint gewöhnlich eine Ausstellung, die von einem Ort zum nächsten bewegt und erst hier und dann dort gezeigt wird. Eine vitrine u-bf karl-marx-straße_neuköllnandere Art der Wanderausstellung ist „Melos – Zwischen Räumen“. Da bleiben die Exponate, wo sie sind, und alle, die sich die komplette Ausstel- lung ansehen wollen, müssen sich bewegen, über eine Distanz von 600 Metern durch Neukölln.

galerie im saalbau_neuköllnEin Teil der am letz- ten Freitag eröffneten Ausstellung ist näm- lich in der Galerie im Saalbau zu sehen, ein anderer im Kunst- kunstraum t27_neuköllnraum t27 und ein wei- terer auf dem Weg bzw. darunter: in der U7-Station Karl-Marx-Straße.

Da der Bahnhof nur über Treppen erreicht werden kann, ist es für Rollstuhlfahrer also unmöglich, „Melos – Zwi- schen Räumen“ als Ganzes anzuschauen. Es sei denn, sie finden kräftige Helfer oder nehmen den Umweg über die rollstuhlgerechteren U-Bahnhöfe am Rathaus oder S-Bahn-Knotenpunkt Neukölln in Kauf, um sich Frederik Foerts Installation „Stand-bein/Spielbein“ ansehen zu können. Eine Vitrine, in der Tische gestapelt wurden, auf denen ein Paar Schuhe und eine Whisky-Flasche stehen. Was es damit auf sich hat, konnte zumindest gestern Nachmittag nur erlesen statt erlebt werden: Die „müßig entspannte Tanzbewegung eines animierten Schuhpaares, das trotz der offen- sichtlichen Abwesenheit seines Besitzers mit den Gästen der BVG zu kommunizieren scheint“ kündigt die Beschreibung des Kunstwerks an. Bewegung herrschte aller- dings nur um die Vitrine herum, die Schuhe in ihr verharrten im Stillstand.

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