Millionen für Stadtkultur im Freien

„Wir hatten uns schon gewünscht, dass das Programm früher beginnt“, sagt Sabine Kroner. Sie gehört dem Rat für die Künste an, der bereits im Mai – als sich die Berliner Kulturszene vorsichtig nach dem Corona-Lockdown bekrabbelte – für eine Senats-Förderung kultureller Aktivitäten unter freiem Himmel plädierte und damit die Initialzündung für DRAUSSENSTADT gab. Bis der Senat beschloss, sieben Millionen Euro für künstlerische Projekte im Stadtraum Weiterlesen

Neuköllner Kunstfestival blickt ins Futur III

Rund 90 Vorschläge gab es nach einem Open Call für das Festivalmotto der nächsten Auflage der 48 Stunden Neukölln. Dann tagte eine Jury, um per Abstimmung das Jahresthema 2019 zu ermitteln: Die Wahl fiel auf „Futur III“, den Vorschlag der Neuköllner Künst-lerin Claudia Simon.

„In der Gegenwart sind wir in komplexe Verhältnisse verstrickt und arbeiten uns an einem scheinbar alternativlosen Status quo ab“, erklären Dr. Martin Steffens und Thorsten Schlenger, die Festivalleiter. „Entwicklungen und Veränderungen erkennen wir allein in der Rückschau: Beruhigend wirken die Weiterlesen

Mitarbeit erwünscht: Lenkungsgruppe bisher ohne Gewerbetreibende aus der Karl-Marx-Straße

„Ich habe Angst, dass Neukölln zu erfolgreich wird. Wir starten zu sehr durch.“ Mit dieser überraschenden Aussage appellierte Willi Laumann vom Berliner Mieterverein am vergangenen Dienstagabend beim 20. Treffen der [Aktion! Karl-Marx-Straße] an alle Bewohner und Geschäftsleute im Sanierungsgebiet Sonnenallee/Karl-Marx-Straße, sich sehr viel stärker als bisher in die Politik einzumischen. Laumann kandidierte neben sechs anderen Personen für die A!KMS-Lenkungsgruppe, die am Ende der Veranstal-tung per Akklamation bestätigt wurde.

Schwerpunktmäßig ging es bei der turnusmäßigen Sitzung der [Aktion! Karl-Marx-Straße], die im KinderKünsteZentrum in der Ganghofer-straße stattfand, allerdings um die Bedeutung von Netzwerken Weiterlesen

Der Körnerpark wird zum Atelier eines Neuköllner Bildhauers

Ab Montag können Besucher des Körnerparks dort nicht nur vollendete Kunstwerke anschauen, sondern auch zusehen, wie unter freiem Himmel eine Skulptur ent-stehtAxel Peters wird bis zum 11. August an den Werktagen zwischen 10 und 16 Uhr vor dem Kreativraum der Galerie im Körnerpark arbeiten.

Zahlreiche Büsten und Figurengruppen prägen das Werk des in Neukölln lebenden Künstlers, dessen berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zum Lokomotivschlosser begann. Eine Steinmetz-Lehre legte später eine neue Schiene; außerdem war er Gasthörer an der Kunst-hochschule in Dresden. Als freischaffender Bildhauer begann Weiterlesen

Neuköllner Produktionen in Ateliers und Galerien

art-spaces-nk_offene-ateliers-neukoellnEine Premiere steht heute Abend in der Galerie im Saalbau auf dem Programm: Dort wird um 18 Uhr erstmalig der mit insgesamt 5.000 Euro dotierte Neuköllner Kunstpreis verliehen, um den sich über 180 in Neukölln „professionell arbeitende bildende Künst-ler*innen“ beworben haben. Zehn von ihnen wurden nominiert, sind nun Anwärter auf die Auszeichnung und dürfen ihre Werke bei der Ausstellung „Neuköllner Produktion“ zeigen.
Nichts wirklich Neues ist hingegen das Begleitprogramm, das sich am Wochenende anschließt. Morgen und übermorgen stehen von 15 bis 20 Uhr über 150 Ateliers im Bezirk offen, um entdeckt zu werden, Gespräche mit den Kunstschaffenden zu ermöglichen und die Aufmerksamkeit auf die Bandbreite des Produktionsstandorts Neukölln zu lenken. Ergänzt wird das Event, das wie eine Reanimation des NACHTUNDNEBEL-Kunstfestivals bzw. eine Weiterlesen

„Immer dienstags trifft sich die Neuköllner Kulturszene in einer Telefonzelle aufm Richardplatz“

gruppenbild mitglieder_20 jahre kulturnetzwerk neukoellnMit diesem Bild beschrieb Klaus Dieter Ryrko die Situation anno 1995 in seiner Video-Bot-schaft. Gezeigt wurde der Einspieler zwischen denen zahlreicher anderer Gratulanten am vergangenen Dienstag, als das Kulturnetz-werk Neukölln in der Neuköllner Oper sein 20-jähriges Bestehen feierte.

Ryrko, Programmbereichsleiter bei der VHS Neukölln, saß derweil im Publikum und erlebte einen Abend, der zurückblicken und in die Zukunft schauen ließ. Zunächst aber war es – nach der Weiterlesen

Neukölln funkt S.O.S.

Rund 60.000 Besucher zählten die knapp 300 Veranstaltungsorte im letzten Jahr bei der 16. Auflage von 48 Stunden Neukölln. Seitdem hat das Kunstfestival abgespeckt: Diesmal sind es nur noch 220 Locations mit 385 Events, die am Wochenende die Potenziale der Kreativszene zeigen – und deren Sicht auf das Thema „S.O.S. – Kunst rettet die Welt“. Die zentrale Ausstellung ist abermals in den Neukölln Arcaden: Dort

48 stunden neukölln

sind Werke von 24 Künstlern zu sehen und wird morgen um 19 Uhr das Festival- programm von Bezirksbürgermeisterin Giffey und Kulturstadtrat Rämer eröffnet. Dann liegt das Opening des Ablegers Junge Kunst NK  bereits acht Stunden zurück, und an dessen Festivalbeitrag  „Es ist eine Wand“  wird schon ab 9 Uhr morgens gearbeitet.

Unvergrünt

Zu den Fragen, mit denen sich selbst Neukölln-Insider gehörig ins Schleudern bringen lassen, gehört die nach dem Gartenkulturpfad des Bezirks. Dabei ist der absolut keine neue gartenkulturpfad neukölln_route 1_richardplatzEinrichtung: Schon seit 2007 gibt es den Gartenkulturpfad Neukölln mit seinen fünf Routen durch Parks, Gartenanlagen sowie weitere grüne Sehenswürdigkeiten zwi- schen Hermannplatz und Rudow.

Nun ist momentan zugegebener- maßen noch wenig Grünes zu sehen, das hat aber auch unge- heure Vorteile: Architektonische Besonderheiten, auf die der  Flyer und das 62-seitige Booklet des Gartenkulturpfads Neukölln eben- falls aufmerksam machen, sind nicht hinter saftigem Blattwerk versteckt und ungehindert zu be- trachten oder zu fotografieren. Die Erkundung botanischer Highlights Neuköllns kann dann bei einer späteren Begehung des Gartenkulturpfads nachgeholt werden.

Große Investitionen für eine große Bildungsoffensive

eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, heinz buschkowsky, falko liecke, bernd müller, franziska giffey, wolf schulgenNun hat auch Neukölln eine Jugend- kunstschule: die Young Arts NK. Vor- gestern wurde sie eröffnet. Aber nicht nur sie, denn zusammen mit ihr wurde die Werkstatt Kinder Eltern Bildung ins Leben gerufen, und die gibt das inhaltliche Dach, das wie- derum dazu führt, dass eine goldene Schleife um das Projektpaket ge- schlungen werden kann. Es sei alles in allem „ein gesellschaftlicher Auf- eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllntrag, der sich in die Zukunft richtet“, betonte Be- zirksbürgermeister Heinz Buschkowsky bei der Er- öffnungszeremonie. Es zeige Prioritäten für den weiteren Weg des Bezirks auf und verbinde sie in beispielhafter Art ressortübergreifend, ergänzte Wolf Schulgen von der Senatsverwaltung für Stadtent- wicklung, die das  bildungsorientierte Modellvor- haben  bis 2014 mit über 1,3 Millionen Euro aus dem Aktionsräume plus-Programm finanziert. „Ein Erfolg ist es aber erst“, so Schulgen, „wenn sich feststellen lässt, dass die Neuköllner das Projekt annehmen.“

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v. l.: Bernd Müller (Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur im BA Neukölln), Dr. Franziska Giffey (Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport) und Falko Liecke (Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit)

Wie das geschehen soll, erläuterten Franziska Giffey, Falko Liecke und Bernd Müller im Vorfeld der Eröffnung vor Pres- severtretern. Grundlage sei, wie Liecke es formulierte, eine „konzertierte Aktion“ zwischen seiner und Giffeys Abteilung. Vereinfacht ausgedrückt stellt die Werk- statt Kinder Eltern Bildung (Homepage ist noch nicht freigeschaltet) eine inter- disziplinäre Vernetzung zwischen fünf Modulen bezirklicher Bildungs- und Kultureinrichtungen dar:  Die Neuköllner Stadtbibliothek bringt ihr Lesemobil ein, der Jugendhilfe-Träger Kleiner Fratz sein Interkulturelles Begegnungszentrum Haus der Familie, die Musikschule Paul Hineröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, lesemobil stadtbibliothek neuköllndemith ihr musikpädagogisches Angebot namens Musik-Spra- che-Bewegung, die Volkshochschule die Erziehungs- hilfe-Offerte Elternkompass und das Kulturnetzwerk Neukölln die neu gegründete Jugenderöffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllnkunstschule Young Arts NK. Durch die enge Kooperation der Institutionen habe man nun die Möglichkeit bei der Begleitung von Familien früh anzusetzen und die Offenheit innerhalb der Familien  auf eine gesundheitliche wie auch kul- turelle Bildung zu lenken, prognostiziert Liecke.

Indes skizzierte Bernd Müller den Idealfall: Eltern, die über Kitas oder Schulen mit dem im Neuköllner Ortsteil Britz angesiedelten Haus der Familie in Berührung kommen, lernen dort auch die anderen Projektmodule kennen, nehmen selber am Elternkompass teil und schicken Kind A in die Musikschule, besuchen mit Kind B das Lesemobil und begeistern Kind C für die Jugendkunstschule Neukölln. Das Einbeziehen der Eltern und die Verbesserung ihrer Kompetenzen, betonte auch Franziska Giffey, sei ein äußerst wichtiges Anliegen des Projekts: „Das Ziel ist, dass Eltern den Spaß ihrer Kinder an Bildung unterstützen.“ Vielleicht ließe sich durch die Erfahrungen mit den innovativen außerschulischen Lernangeboten sogar das Neukölln vorherrschende Ausmaß an eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllnSchuldistanz eindämmen.

„Schon als ich vor 10 Jahren nach Neukölln kam, dachte ich, dass es toll wäre, wenn Neukölln eine Jugendkunstschule hätte“, erzählte Giffey. Jetzt ist sie da und setzt mit Workshops und Seminaren für kreative oder künstlerisch ambitionierte Grund- schüler und Jugendliche auf das Angebot des benachbarten KinderKünsteZentrums auf. Die Trä- gerschaft der Young Arts NK hat das Bezirksamt dem Kulturnetzwerk Neukölln, vielen vor al- lem als Ausrichter des Kunst- und Kulturfes-tivals 48 Stunden Neukölln bekannt, übertragen.

Bereits im letzten Jahr, berichtete Geschäftsführerin Ilka Normann, hätten erste Projekte mit Jugendlichen im neuen, 380 Quadratmeter großen Young Arts NK- Standort stattgefunden – nach umfangreichen Renovie-rungsarbeiten, die das düstere einstige Fernmeldeamt in der Donaustraße dringend nötig hatte. Denn obwohl Neuköllns neuestes Leuchtturmprojekt im Kultur- und Bildungsbereich gerne  in einem Atemzug mit der Alten Post genannt wird: In eben dem Gebäude, das Neuköllner als „Alte Post“ bezeichnen, ist es nicht untergebracht. „Wir hoffen aber“, sagte Franziska Giffey auf Nachfrage, „dass bald ein potenter Nutzer kommt und dann auch ein Zugang durch die Alte Post zur Jugendkunstschule möglich wird.“ Vielleicht erfüllt sich diese Hoffnung ja 2013 zum 10-jährigen Leerstandsjubiläum.

=ensa=

„Wer einen Pinsel in der Hand hat, haut nicht!“

ausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnElf Jugendkunstschulen gibt es in Berlin, jeden- falls bis zum nächsten Mittwoch. Dann kommt die zwölfte hinzu: Am 28. März eröffnet im einstigen Fernmelde- amt in der Donaustraße Neuköllns Jugendkunstschule, die Young Arts NK. Doch was leisten die in Berlin größtenteils von den Bezirken finanzierten Jugendkunstschulen überhaupt? Wen erreichen sie und wen nicht?

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v. l.: Dr. Angelika Tischer (Sen.verw. BiJuWi), Harald Fricke (Musikschule Reinickendorf), Peter Kamp (BV der Jugendkunstschulen)

Was ihre Teilnehmer zu leisten imstande sind, zeigt noch bis übermorgen die Ausstellung „Paper Unlimited“ in der Galerie im Körner- park. Um obige Fragen ging es kürzlich bei einer von Shelly Kupferberg moderierten Podiumsdiskussion mit Experten aus dem Bereich der kulturellen Bildung Jugendlicher.

Ende der 1960er Jahre wurden die ersten Jugend- kunstschulen in Deutschland eröffnet, so Peter Kamp, inzwischen seien es bun- desweit etwa 400 Einrichtungen. Angesiedelt in der Schnittmenge von Jugend-, Kultur- und Bildungsarbeit bieten sie Kindern und Jugendlichen durch die Beschäftigung mit Kunst neue Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung. Zwar gebe es noch keine Untersuchungsmethode für die Effekte kultureller Bildung auf schulische Leistungen oder den Reifeprozess per se, bedauerte Angelika Tischer, aber eines lasse sich doch sagen: „Wer einen Pinsel in der Hand hat, haut nicht!“ Entsprechend wichtig sei es, die Investition in Bildung als Investition in die Zukunft zu begreifen und derartigen Präventiv-Maßnahmen den Vorzug gegenüber der Finanzierung von Reparaturzahlungen zu geben. Das untermauert auch die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ in ihrem Schlussbericht: Kulturelle Bildung, stellt der fest, fördert Lebensqualität und befähigt zur besseren Bewältigung der Zukunft. Schule allein könne dies jedoch nicht leisten, weshalb der Bereich der außerschulischen kulturellen Bildung ausgebaut werden müsse.

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v. l.: Shelly Kupferberg, Werner Schaub (Berufsverband BBK), Wilfried Müller-Maurer (LAG Berliner Jugendkunstschulen)

Jugendkunstschulen leisten hier – da sind sich die Enquete-Kommission und die Exper- ten auf dem Podium einig – einen wichtigen Beitrag. Aber das Engagement von Künstlern, die von den Trägern der Schulen als Lehrkräfte eingesetzt werden, hat auch seine Tücken, wie der Maler Werner Schaub betonte. Einer- seits hätten Befragungen involvierter Künstler ergeben, dass das Gros die Unterstützung beim Betreten des Neulands – sprich: der Arbeit im pädagogischen Bereich – als recht dürftig empfindet: „Etwa 80 % der Künstler wünschen sich da mehr Förderung.“ Anderer- seits, berichtete Schaub, habe er häufig erlebt, dass die pädagogische Tätigkeit für Jugendkunstschulen für die Künstler zum Ausschluss von der Künstlersozialkasse führt, da diese nur durch künstlerische Arbeiten erzielte Einnahmen akzeptiere.  „Das ausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnist völlig absurd!“, kritisierte Schaub.

Ein weiteres Problem sprach hingegen ein Künstler aus dem Publikum an: „Jugend- kunstschulen stellen definitiv eine beträcht- liche Konkurrenz für Künstler dar, die jetzt Kunstunterricht auf dem freien Markt an- bieten.“ Er bekomme keine Fördermittel und könne es sich deshalb nicht leisten, Kurse zum Nulltarif abzuhalten, sondern müsse einen marktüblichen Monatsbeitrag verlangen. In der Konsequenz werde das dazu führen, dass Schüler von ihm zur Neuköllner Jugendkunstschule abwandern. „Machen wir uns doch nichts vor“, appellierte er an die Expertenrunde, „es ist die komplette Mittelschicht, die sich des Angebots bedient, und nicht die Sozial- ausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnschwachen!“

„Wir haben in der Tat in den Berliner Jugendkunst- schulen das Problem, dass wir oft nicht die Kinder erreichen, die wir erreichen wollen würden“, stimmte Angelika Tischer ihm zu. Insbesondere bildungs- ferne Eltern und solche aus der dritten Migranten- generation würde man kaum für die kulturelle Bildung ihres Nachwuchses interessieren und gewinnen können: „Ich hoffe aber, dass wir noch gute Ideen entwickeln, um das zu ändern.“ Auch für die vom Kulturnetzwerk Neukölln betriebene Young Arts NK wird die Einbindung schwer erreichbarer Gruppen mitentscheidend für den Erfolg sein.

=ensa=

Neukölln-Gewinnspiel: Die Bescherung geht weiter (6)

Unser Zwischen-den-Jahren-Gewinnspiel steuert unaufhaltsam die Zielgerade an. Heute, am Tag vor dem großen Finale, geht es um einen so dekorativen wie nützlichen Preis vom Kulturnetzwerk Neukölln, der dem/der Gewinner/in Neukölln im kommenden Jahr täglich vor Augen halten wird.

Es soll der Legende nach 1911 zum 174. Mal stattgefunden haben. 2008 erlebte es sein Revival und lockt seitdem alljährlich am zweiten September-Wochenende zahllose Schaulustige in den historischen Ortskern Neuköllns. Von welchem Event ist die Rede?

festival-kalender, 48 stunden neukölln 2012festival-kalender, 48 stunden neukölln 2012Bis ins letzte Jahr- hundert reicht die Tradition des Kul- tur- und Kunstfesti- vals 48 STUNDEN NEUKÖLLN zurück. 2012 wird es zum 14. Mal stattfinden: vom 15. bis 17. Ju- ni. Der/die Gewin- ner/in unseres heutige Quiz-Tages darf sich über einen großformatigen Wandkalender freuen, der vom Kulturnetzwerk Neukölln herausgegeben wurde und in den kommenden 12 Monaten stimmungsvolle Rückblicke auf das Festival 2011 gibt.

Wer den 48 STUNDEN NEUKÖLLN-Festivalkalender (muss wegen seines porto-unfreundlichen Formats direkt beim Kulturnetzwerk Neukölln abgeholt werden) gewinnen möchte, schreibe den Namen des gesuchten Events sowie (6) in die Betreffzeile einer E-Mail und schicke sie bis morgen (31. Dezember) um 12 Uhr an: Der/die Gewinnerin wird direkt benachrichtigt. Gehen mehrere richtige Lösungen ein, entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir wünschen viel Glück!

Update (31.12., 18:20 Uhr): Beim gesuchten Event ging es natürlich um Popráci, das Rixdorfer Strohballenrollen, das auch im nächsten Jahr wieder stattfinden wird: am 8. September.

Die Gewinnerin des 48 STUNDEN NEUKÖLLN-Festivalkalenders 2012 wur- de heute von einem Glücksfeeerich ermittelt und bereits informiert.

Der Luxus des Neuköllner Kultur-Dschungels

581 Veranstaltungen in 48 Stunden an über 330 Orten – im Norden Neuköllns bricht heute wieder die kulturelle Gigantomanie aus. Dass mit 1.700 Akteuren weniger Mitwirkende als im letzten Jahr dabei sind, ist bei solchen Größenordnungen unerheblich. Die Besucher der 48 Stunden Neukölln erleben ohnehin nur einen Bruchteil davon. Vielleicht haben die ganz Eifrigen unter ihnen Sonntagabend, wenn das Kunst- und Kulturfestival endet, mehr als 10 Events hinter sich, bei den meisten dürften es aber weniger sein.

Für die generalstabsmäßige Orientierung, wann wo was stattfindet, gibt es ein 24-seitiges, eng bedrucktes pressekonferenz 48 stunden neukölln, v. l.: katharina rohde, franziska giffey, auguste kuschnerow, christoph böhmer (biotronik), martin steffensProgrammheft im halbrheini- schen Format, außerdem infor- mieren alle  sieben teilneh- menden Kieze mit eigenen Fly- ern über die Veranstaltungen in ihren Gebieten. Und dann ist da noch der von den Organisato- ren, dem Kulturnetzwerk  Neu- kölln, auch bei der Presse- konferenz massiert beworbene und bei vielen Künstlern glei- chermaßen umstrittene High- lights-Flyer: Er stelle, so Auguste Kuschnerow (M.) vom Kulturnetzwerk-Vorstand, 48 „besonders interessante Projekte vor, die von einer Jury ausgewählt wurden“.

Er unterteile die Akteure in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, halten die Kritiker dem entgegen. Besondere Brisanz gewinnt der Vorwurf dadurch, dass bei dieser 13. Auflage des Festivals erstmals ein dotierter Publikumspreis unter 42 Events mit dem Prädikat Highlight ausgelobt wird. Somit stellt die, laut Pressesprecher Clemens Kuhnert „demokratisch nach einem Kriterienkatalog“ agierende Jury, die aus Kulturamtsleiterin Dorothea Kolland, Andreas Altenhof und Denise S. Puri (beide Vorstandsmitglieder des Kulturnetzwerks), Ilka Normann (Geschäftsführerin des Kulturnetzwerks) und Klaus Bortuluzzi (Akteur bei 48 Stunden Neukölln) besteht, nicht nur die Weichen für eine exponierte Vermarktung, sondern auch die für die Ambitionen auf eine zumindest partielle Refinanzierung des monetären Aufwands.

Denn von den von Kulturstadträtin Franziska Giffey (2. v. l.) mit rund 55.000 Euro bezifferten Förderungen, die das Festival erhält (15.000 Euro davon steuert das Bezirksamt als Basisunterstützung bei), sieht das Gros der Akteure nicht viel bis nichts. Schon die Teilnahme an der alljährlichen Leistungsschau der Neuköllner Kreativszene ist für sie der pure Luxus, in den Geld und noch mehr Zeit gebuttert wird. Dessen ist sich auch Christoph Böhmer (2. v. r.) bewusst. Er ist Geschäftsführer des in Neukölln ansässigen Unternehmens Biotronik, das nunmehr zum fünften Mal die Position des privatwirtschaftlichen Hauptsponsors des Kunst- und Kulturfestivals übernimmt. „Neukölln“, so die Überzeugung des Herrn über derzeit 2.500 Arbeitsplätze, „bietet den Luxus vieler kreativer intelligenter Menschen.“ Die Unterstützung des Kulturwochenendes sieht er als „Teil der Verantwortung, dem wir gerecht werden sollten.“

Einen Schritt weiter bei der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Festival-Motto Luxus geht der diesjährige 48 Stunden Neukölln-Schirmherr Wolfgang Joop: Luxus, schreibt er in sei- nem Grußwort, ist für ihn eine Bewusstseinsebene, ein Begriff, der nicht dinglich sondern me- taphysisch zu verstehen sei. Gut möglich, dass sich diverse Neu- köllner Künstler besser mit dem identifizieren könnten, was Herbert Grönemeyer in seinem Lied „Luxus“ besingt: „… die Träume werden leider immer kleiner …“

Der Traum, Wolfgang Joop in den Straßen Neuköllns zu begegnen, wird allen Besuchern unerfüllt bleiben. Der Schirmherr gönnt sich den Luxus der Abwesenheit. Aber vielleicht bringen ja die kostenlosen Skoda-Limousinen-Shuttles, die  morgen von 14 bis 21 Uhr erstmals auf der Route von der Neuen Nationalgalerie in Mitte nach Neukölln unterwegs, den einen oder anderen Promi in den Bezirk. Über das, was sie am Ziel erwartet, können sich Passagiere dieser Neuköllner Variante des Bussings mit Luxus-Touch  hier informieren. Und alle anderen natürlich auch.

=ensa=

Unübersehbar: Neukölln ist alles!

Wer dachte, dass die Mühlen der Bürokratie den Turbo eingelegt haben und das Treiben der letzten Wochen auf dem Platz der Stadt Hof bereits mit dessen Um- gestaltung zu tun hat, lag gründlich daneben. Nun ist klar: Hier ist ein Denkmal entstanden – eines für Neukölln und die Vielfalt der Sprachen im Bezirk! Gestern denk-mal enthüllung, denkmal der vielfalt,neukölln ist alles,platz der stadt hofdenk-mal enthüllung, denkmal der vielfalt,neukölln ist alles,platz der stadt hofdenk-mal enthüllung, denkmal der vielfalt,neukölln ist alles,platz der stadt hofNachmittag wurde es feierlich-tatkräftig von Franziska Giffey (SPD) und Gabriele Vonnekold (Grüne), den beiden Frauen in der Neuköllner Bezirksstadträte-Mann- schaft, enthüllt.

Über 100 Kinder und Jugendliche hatten sich, angeleitet von vier Künstlern, mit der Frage beschäftigt, was Neukölln für sie ist, was sie mit ihrem Bezirk verbinden. Heraus kam eine lange Liste von Wörtern, jedes für sich ein Statement: Angst, Tischtennis, Unabhängigkeit und Hoffnung war dabei, ebenso Eltern, Geld, Erfolg, Bücher, JobCenter, international, Schmerz, Lehrer,  Liebe, Schule, Geborgenheit und Zuversicht. So stand am Ende die Erkenntnis: Neukölln ist alles!

„Wenn Neukölln für unsere Kinder und Jugendlichen alles ist,“ schlussfolgerte Jugendstadträtin Gabriele Vonnekold (M.), „dann kann man das nur als Kompliment für den Bezirk sehen.“ Zwar hieße das, dass Neukölln etwas ist, was zeitweilig nervt, doch andererseits bedeute es auch, dass Neukölln Heimat ist. Und wenn das so sei, habe der denk-mal enthüllung, denkmal der vielfalt,neukölln ist alles,platz  der stadt hofBezirk eine gute Zu- kunft. Nervereien, findet sie, solle man nicht überbewerten, denn „die kommen ja auch unter Freunden oder in der Familie denk-mal enthüllung, denkmal der vielfalt,neukölln ist alles,platz der stadt hofvor.“ (Un- ter den drei am Denkmal beteilig- ten Kin- dern, mit denen Vonnekold einen bunten Buddy-Bären gegen ein Schild mit der Aufschrift „alles“ tauschte, brechen sie hoffentlich nicht aus.) Beeindruckt von der Zahl der kleinen und größeren Künstler, die das Denk-mal der Vielfalt wachsen und einige weitere Objekte entstehen ließen, zeigte sich auch Auguste Kuschnerow (l.), die Vorstandsvorsitzende des Kulturnetzwerks Neukölln, das die Trägerschaft für das Projekt übernommen hat. Es werde bis Ende Oktober auf dem Platz der Stadt Hof denk-mal enthüllung, denkmal der vielfalt,neukölln ist alles,platz der stadt hofverbleiben, kündigte sie an. Für die nächtliche Strahlkraft des plexiverglasten Domizils von Wörtern und Sprachen sorgen auf dem Dach installierte Sonnenkollektoren. Sie sei sehr gespannt, wie das temporäre Denkmal von der Bevölkerung angenommen werde, sagte Fran- ziska Giffey (r.), Neuköllns Bildungsstadträtin, bei ihrer Begrüßung. „Vielfalt“, merkte sie an, „wird gerne als Problem dargestellt, aber sie ist auch eine Chance.“ Man müsse einfach viel mehr auf denk-mal enthüllung, denkmal der vielfalt,neukölln ist alles,platz der stadt hofPosi- tives schauen.

Nimmt man  Buntheit als Sy- nonym für das Bejahende, hat Neukölln jetzt dort, wo laut Auguste Kuschnerow bis zum 1. Weltkrieg ein Kriegerdenkmal stand, einen vor Positivem strotzenden Kern. Die einzelnen Buchstaben des Bezirksnamens wurden als Gruppenarbeit in unterschiedlichsten Macharten und Materialien hergestellt, die Glaswände des Hauses mit der Übersetzung des Wortes „alles“ in 100 verschiedene Sprachen verziert. „101!“, kor- rigiert Projektleiterin Carolina Kecskemethy, denn „dit janze“ sollte natürlich auch nicht fehlen.

_ensa_