13. Neuköllner Rathausrallye gestartet

So niedrig wie gestern ist das Durchschnittsalter derer, die in den unbequemen Bänken des BVV-Saals im Neu- köllner Rathaus Platz nehmen, selten. Und auch die Frage, um was für einen Raum es sich hier denn bitteschön handelt, muss normalerweise nicht erst geklärt werden. „Ein Gerichtssaal“, ruft ein Mädchen. Falko eröffnung 13. rathausrallye neukölln, neuköllner kinderbüro, bvv-saal, falko liecke, achim terborgLiecke, Neuköllns Stadtrat für Jugend und Gesundheit, der am Rednerpult steht und gerade die 13. Neuköllner Rathausrallye eröffnet hat, schmunzelt. „Man kann hier was lernen“, vermutet ein Junge. Ja, das könne man durchaus, stimmt Liecke ihm zu, bevor er den Kindern erzählt, was es wirklich mit dem Saal auf sich hat. Der lokalpolitische Crashkurs für die Wähler in spe macht dem 39-Jährigen sicht- lich Spaß. Es ist ein bisschen wie die Kür vor der Pflicht. Schon heute Nachmittag steht für den  Stadtrat ein Termin an, der anstrengender werden dürfte: Im Köln- Zimmer des Rathauses tagt der Jugendhilfeausschuss, und nicht nur die Neuköllner Grünen erwarten, dass Liecke dann endlich wegen der Ende April auslaufenden Verträge zahlreicher Jugendeinrichtung im Bezirk Farbe bekennt.

Entspannter wird der Nachmittag dagegen für Achim Terborg werden, der nach dem Stadtrat ans Rednerpult trat. Er leitet das Büro der Neuköllner Bezirksverord- netenversammlung – noch, muss man sagen, denn Terborgs Ruhestand steht kurz eröffnung 13. rathausrallye neukölln, neuköllner kinderbüro, theatergruppe projektwerkstatt gropiusstadtbevor. Die BVV sei für Neukölln so etwas wie der Bundestag für ganz Deutschland, quasi eine Art Mini- parlament, erklärt Terborg den Kin- dern. „Welche Parteien kennt ihr denn?“, will er anschließend wissen. Die CDU wird als erstes genannt, dann die Piraten, danach die FDP. Letztere sind nicht mehr in der Neu- köllner BVV vertreten; wo die Politiker der anderen Parteien ihre Plätze im Saal haben, wissen die Rathausrallye-Premierengäste nun auch. Ebenso, dass der Pressetisch in der hinteren rechten Ecke steht und für Zuschauer zwei Tribünen zur Verfügung stehen. „Wenn ihr keine Fragen mehr habt und lieber beim Breakdance zugucken wollt, dann hör ich jetzt auf zu sabbeln“, kündigt Achim Terborg an und eröffnung 13. rathausrallye neukölln, neuköllner kinderbüro, tanzgruppe nw80 rudowübergibt die Kinder an die nächsten Pro- grammpunkte im Foyer: ein Piratenstück der Theatergruppe der Projektwerkstatt Gropiusstadt, eine Jongliernummer mit Miriam vom Kinder- und Elternzentrum Am Tower und Tanzeinlagen mit Kindern vom eröffnung 13. rathausrallye neukölln, neuköllner kinderbüro, imker wilde rübeJugend-Club NW 80. Dazu gab es eine so lehrreich wie leckere Lektion vom Imker des Abenteuerspiel- platzes Wilde Rübe, der zeigte, wie aus Bienenwaben Honig erzeugt wird. Auf dieses Rahmenprogramm eröffnung 13. rathausrallye neukölln, neuköllner kinderbüromüssen künftige Teilnehmer der Rathausrallye aber verzichten. Das gab es nur zur Eröffnung.

Die vom Neuköllner Kinderbüro organisierten Rat- hausrallyes finden noch bis zum 8. März statt. Sie bieten Kindern ab 10 Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen an drei Vormittagen pro Woche die Möglichkeit, in kostenlosen geführten Touren das Rathaus zu erkunden und einen Einblick in die Strukturen der Bezirksverwaltung zu bekommen. Weitere Infos: Tel. 68 08 86 09 / E-Mail: kibue[at]kibue.net

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Nicht beschlussfähig: Bürgergremium in Auflösung begriffen

Gut, dass es nichts wirklich Wichtiges zu entscheiden gab. Dazu wäre der Quar- tiersrat des Quartiersmanagements (QM) Schillerpromenade bei seiner Sitzung in der letzten Woche nämlich wieder mal nicht in der Lage gewesen. Eine Beschluss- fähigkeit liegt vor, wenn 2/3 der 29 Mitglieder des Gremiums anwesend sind, besagt die Geschäftsordnung. Doch eine so große Beteiligung an den monatlichen Ter- minen ist eher die Ausnahme als die Regel. Am Anfang sei das noch anders gewesen, da habe es Engagement und Enthusiasmus gegeben – vor allem unter den 21 gewählten Bewohnerver- tretern. Der Anfang war im Mai letzten Jahres.

Seitdem haben sich einige offiziell aus dem Bei- rat verabschiedet, andere fehlen sporadisch oder permanent, wahlweise entschuldigt oder unentschuldigt – bei den Bewohner- wie auch bei den acht Akteursvertretern. „Wir sollten zu den Beiratssitzungen unbedingt auch die Nach- rücker einladen“, schlägt jemand vor. Zu denen habe man bereits Kontaktaufnahme-Versuche gestartet, aber keine Rückmeldungen erhalten, muss Quartiersmanager Gunnar Zerowsky  bekennen. Ein Beiratsmitglied will es ganz genau wissen und hakt nach, ob es überhaupt noch Nachrücker auf der Liste gibt. „Faktisch“, gibt Zerowsky kleinlaut zu, „nur noch einen.“ Ob der Nachrücker auch bereit wäre, das Gremium mit mehr als seinem Namen zu unterstützen, ist im Vorort-Büro des QMs nicht bekannt.

Der Tagesordnungspunkt 5 („Nachwahl eines vierten Sprecherratsmitglieds“), für den bei der Beiratssitzung fünf Minuten veranschlagt waren, kann zum dritten Mal er- satzlos gestrichen werden. Nicht nur ob der fehlenden Beschlussfähigkeit, sondern auch, weil die Kandidatin für diesen Posten erneut durch Abwesenheit glänzt. TOP 4 wird behandelt, selbst wenn am Ende nur ein Meinungsbild erhoben werden kann: Bei ihm geht es laut Tagesordnung um die Planung der Neuwahlen des Quar- tiersrats in 2012. Eigentlich, erinnert Quartiersmanagerin Kerstin Schmiedeknecht, würde die zweijährige Amtszeit des aktuellen Beirats erst im Mai nächsten Jahres enden: „Wir möchten aber die Neuwahl gerne vorverlegen.“ Von permanent mangelnder Anwesenheit ist die Rede, auch von einer schwachen Beschluss- fähigkeit und der Mittelvergabe fürs kommende Jahr. Der Februar oder März schwebe ihr für die Neuwahl vor. Das Meinungsbild ergibt, dass die Mehrheit der Gre- miumsmitglieder, die an diesem Abend den Weg ins Interkulturelle Kinder- und Elternzentrum „Am Tower“ mehr oder weniger pünktlich gefunden haben, den Vorschlag unterstützt. Die eigene Bankrotterklärung sowie das offensichtliche Unvermögen des QMs, ehrenamtliche Bürgerbeteiligung zu initiieren und langfristig zu stabilisieren, sind zwar nicht besiegelt, aber doch abgenickt.

Immer wieder werden bei der Suche nach Gründen für den Zerfall des Beirats  Stichwörter wie „Stimmvieh“, „fehlende Transparenz“ und „Alibifunktion“ genannt. Ein gutes Beispiel für die Kluft zwischen dem Quartiersmanagement und seinem Quartiersrat lieferte auch eine Diskussion über das Kiezfest, das kürzlich in der Schillerpromenade stattgefunden hatte: Außerordentlich angetan zeigte sich das QM von seiner Eigenveranstaltung und verwies auf „viele positive Rückmeldungen der Teilnehmer“ und „zahlreiche Besucher“. Das allerdings sahen diverse Beirats- mitglieder, die das Fest besucht hatten, doch erheblich anders: Die Besucherzahl wurde unisono als mau empfunden, die Musik als viel zu einseitig und laut und das Programm als zäh und langweilig. Fast war es, als sei von zwei verschiedenen Ver- anstaltungen die Rede, doch die kontroversen Resümees betrafen ein und dieselbe.

Der Umgang mit der Diskrepanz dürfte im Vorort-Büro inzwischen allerdings in den Hintergrund gerückt sein. Wichtiger sollte dort nunmehr sein, die Bereitschaft des einzig verbliebenen Nachrückers für die Beteiligung am Quartiersrat zu ermitteln. Denn wie das FACETTEN-Magazin aus zuverlässiger Quelle erfuhr, hat dieser Tage eine weitere Bewohnerin ihren Rücktritt aus dem Gremium erklärt. Die Wahr- scheinlichkeit, dass die vorgezogenen Neuwahlen noch weiter vorgezogen werden müssen, wächst.

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