„Wir haben jetzt die Infrastruktur, die wir im September 2015 gebraucht hätten“

felgentreu_podi-starker-staat_neukoellnAm 31. Juli 2016 ist das neue Integrationsgesetz in Kraft getreten. Es soll durch mehr Angebote an Integrationskursen, Ausbildungs- und Arbeitsmöglich-keiten dazu beitragen, die Integration der neu nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge zu erleichtern.

Der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Dr. Fritz Felgentreu (SPD) lud in der vergangenen Woche zu einer Informationsveranstaltung über das neue Gesetz ins Gemeinschaftshaus Gropiusstadt ein. Der Abend, zu dem letztlich nur mehr als die Hälfte der über 70 angemeldete Besucher gekommen war, trug den programmatischen Titel „Starker Staat – gestärkte Gesellschaft“. Felgentreu hatte in der Einladung sein Plädoyer für einen starken Staat mit den Worten begründet: „Es sind staatliche Strukturen, Weiterlesen

Völkerverständigung geht durch den Magen

„Wir sind kein Imbiss. Wir machen ein Integrationsprojekt“, klärt Neuköllns Sozial-stadtrat mobile baeckerei_alfred-scholz-platz_brote aus der heimat_neukoellnBernd Szczepanski einige Neugierige auf, die ihn fragen, warum auf dem Alfred-Scholz-Platz heute zwischen Bänken und Tischen Gemüse geputzt wird und im Hintergrund ein imposantes Fahrzeug steht. Auch der SPD-Bezirksverordnete Wolfgang Hecht ist an diesem Mittwochvormittag gekommen, um sich anzuschauen, wie das Bezirksamt Neukölln ein kulinarisches Zeichen für Völkerverständigung und die Integration geflüchteter Menschen setzt. „Essen ver-bindet die Menschen überall auf der Welt. Zusammen mit der Firma Weiterlesen

„Wir standen uns extrem selber im Weg“

plakat lesung yigit muk_stadtbibliothek neukoellnAutorenlesungen finden in der Stadtbibliothek Neukölln normalerweise abends statt. Nicht so am vergangenen Donnerstag. „Es ist eine ungewöhnliche Zeit, aber wir haben auch einen ungewöhnlichen Autor zu Gast“, haack_muk_raemer_stadtbibliothek neukoellnbegrüßte Bibliothekar Ralph Haack (l.) das Publikum, bevor er Yiğit Muk (M.) vor-stellte, der seine Karriere vom Hauptschulproll zum Einser-Abiturienten in dem Buch „Muksmäuschenschlau“ veröffentlicht hat. Was weder Haack und Ehrengast Jan-Christopher Rämer (r.), noch die Schulklassen im vollbesetzten Saal der Bücherei ahnen konnten: Es wurde auch eine Weiterlesen

„Jetzt muss der Integrations-Turbo gestartet werden!“

Ganz im Zeichen der Flüchtlingspolitik stand der vergangene Freitag in Neukölln: Auf dem Alfred-Scholz-Platz hatten Bewohner und Mitarbeiter der Malteser-Notunterkunft bvv-saal_konferenz integration von fluechtlingen in neukoellnim ehemaligen C&A-Haus zu einem großen Fest der Begegnung eingeladen. Eine Straßenecke weiter, im Rathaus Neukölln, fand fast zeitgleich die mit weit über 100 Teilnehmern sehr gut besuchte Fachkonferenz „Integration von Flücht-lingen in Neukölln“ statt.

„Die aktuellen Entwicklungen der Migration nach Berlin und in den Bezirk Neukölln haben zu einem bedeutenden Engagement verschiedenster Akteure geführt. Um dieses künftig noch besser organisieren zu können, lädt das Bezirksamt Neukölln Akteure Weiterlesen

Einladung zum Gespräch über Ideen, Vorstellungen und Wünsche für Neukölln

schwarzer_wahlkreisbuero neukoelln„Was denken Sie, mit welchen Problemen die Leute hierher kommen?“, fragt Christina Schwarzer. „Zu 90 Prozent mit Problemen aus dem Kiez, die Null mit dem Bundestag zu tun haben“, gibt die vor 39 Jahren am Mariendorfer Weg in Neukölln Geborene selber die Antwort. Seit September 2013 ist sie für die CDU im Bundestag und hält seitdem einmal monatlich in buergerdialog christina schwarzer_neukoellnihrem Wahlkreisbüro in Britz eine Bürgersprech-stunde ab: Neuerdings steht diese unter dem Motto „Schwarzer, wir müs-sen reden“, wird als „neue Reihe des Bürgerdialogs in Neukölln“ proklamiert, ist aber im Kern nichts wirklich Neues, weil die Einladung zum Weiterlesen

„Die Jugendlichen im Rollbergviertel wachsen in einer Kultur der totalen Männlichkeit auf, aber es gibt keine richtigen männlichen Vorbilder“

Gilles Duhem vom Morus 14 e. V. und Dr. Dominik Wullers, Vorsitzender des Vereins Deutscher Soldat, lernten sich vor anderthalb Jahren kennen. Weil der Nachbar-schaftsverein duhem_deutscher soldat-podi integration_st clara neukoellnaus dem Rollbergviertel immer ehrenamtliche Mentoren für seine Jugendarbeit sucht und dem Bundeswehr-Hauptmann Wullers die Art gefiel, wie Duhem (r.) die Sozialisations-defizite seiner Klientel im Kiez verringern will, kam zwischen beiden eine Kooperation zustande.

Jüngstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit: Dienstagabend richteten beide Vereine gemein-sam im Pfarrhaus der katholischen St. Clara-Gemeinde eine Diskussion unter dem Titel „Migrant. Schwarz. Deutsch. Soldat. – Wie Integration Deutschland besser macht“ aus. Prominenter Gast des Expertenaustausches, für den Weiterlesen

Deutsch-schwedische Begegnung im Rathaus Neukölln

Stunden bevor bei der Europameisterschaft in Polen die deutschen Handballer auf Schwedens Team trafen, kam gestern eine Delegation schwedischer sozial-demokratischer giffey_schwedische delegation_rathaus neukoellnPolitikerinnen und Politiker zum rund anderthalbstündigen Informationsbesuch ins Rathaus Neukölln. Zu den Gästen, die Dr. Franziska Giffey und der bezirkliche Migrationsbeauftragte Arnold Mengelkoch begrüßten, zählten außer der Stock-holmer Bürgermeisterin für Arbeit und Sport Emilia Bjuggren die Abgeordneten des schwedischen Parla-ments Lawen Redar und Anders Österberg sowie Veronica Palm (r. neben Giffey), Vorsitzende des Vorstands der Sozialdemokratischen Partei in der Region Stockholm und Reichstagsabgeordnete von 2002 bis Herbst 2015.

„Die Problemlagen, vor denen unser Bezirk als interkulturelle Großstadt steht, sind in vielen anderen europäischen Städten auch zu finden. Es Weiterlesen

„Zeitreise Neukölln“ verhilft Flüchtlingen zu Orientierung

terminal 99xneukoelln_museum neukoellnDie Versuchung liegt direkt nebenan. „Kein Englisch!“, instruiert Diana Mercher die Frauen und Männer, die sich um ein Computerterminal im Museum Neukölln mercher_goesswald_vhs-deutschkurs_zeitreise neukoelln_museum neukoellnversammelt haben. Viele sind mit dem Englischen vertrauter als mit der deutschen Sprache, aber alle entschlossen, das zu ändern. Im Deutsch-kursus der VHS Neukölln haben die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, der Ukraine, Pakistan und dem Iran bereits die Kompetenzstufe A2 erreicht. „Dabei sind einige erst seit fünf Wochen hier“, sagt Diana Mercher, die Dozentin, nicht ohne Stolz: „Sie entdecken gerade, was Demokratie bedeutet, haben eine riesige Hoffnung, sich schnell zu Weiterlesen

Auch sie sind Neukölln!

Eine Ausstellung, die in mehrfacher Hinsicht eine besondere ist, zeigt derzeit das Rathaus Neukölln: Zum einen war ihre Eröffnung die letzte Amtshandlung von Bil- dungsstadträtin Franziska Giffey (r., neben  Ausstellungsinitiatorin Annette  Wallentin),

ausstellung wir in neukölln_rathaus neukoelln vernissage wir in neukölln_rathaus neukölln

zum anderen portraitiert „Wir sind Neukölln!“ Menschen, die einem tagtäglich im Be- zirk über den Weg laufen können. Oder fahren, wie im Fall von Aydin Akin, der mit Tril- lerpfeife, Lautsprecher und Plakaten omnipräsent für das kommunale Weiterlesen

Das Kreuz mit den Kreuzen

einladungsplakat podi st. clara neuköllnEgal wie stark und aus welcher Richtung dann der Wind weht – in 18 Tagen wird gekreuzt. Im Wahl- BTW2013_Wahlzettel NKkreis 82 Berlin-Neukölln wollen 17 Parteien und 10 Direktkandidaten die Regatta für sich ent- scheiden, um mit dem Rückenwind der Wähler den deutschen Bundes- tag zu entern.

Aber wer sind überhaupt diese Wahlkreisabge- ordneten, die den direk- ten Weg nehmen und Impulse für Neukölln unter der Reichstagskuppel setzen wollen? Mit  Christina Schwarzer (CDU), Ruben Lehnert (Die Linke), Anja Kofbinger (Bündnis 90/Die Grünen) und Anne Helm (Piraten) stellten sich gestern Abend gleich vier der 10 einer Podiumsdiskussion im Weiterlesen

Der goldene Mittelweg

Küssen muss man sie ja nicht gleich, weder sonst noch heute am Internationalen Tag  des  Kusses. Hass und  Gelüste, sie  wieder dahin schicken zu  wollen, wo  kein

rettet die schwaben_neukölln

Hochdeutsch wächst, erscheinen aber offenbar auch manchem äußerst unverhält- nismäßig. Ob eigene Betroffenheit oder Empathie dazu führten, diesen Appell in güldener Farbe auf der Neuköllner  Hertabrücke  zu hinterlassen, ist nicht bekannt.

Neue Deutsche in Neukölln

Hinter mir sitzen die vermutlich jüngsten Besucher des Abends, zwei Mädels Anfang 20; das Durchschnittsalter der anderen liegt in etwa bei 40 Jahren. Zu meinem Leidwesen fängt die Buchpremiere für „Wir neuen Deutschen“ von Özlem Topçu, Alice Bota und Khuê Pham mit viertelstündiger Verspätung an. So komme ich in den buchpremiere "wir neuen deutschen", heimathafen neukölln, özlem topcu, alice bota, khue pham, foto: anna sinnlosausgiebigen Genuss zwei- felhafter intellektueller Er- güsse der beiden Jüngs- ten.

Ich hoffe, dass sich solche Gespräche nicht durch den Abend ziehen und habe erstmal Glück: Eine Drei- viertelstunde lang lesen die drei Autorinnen im Saal des Heimathafen Neukölln aus ihrem absolut empfehlenswerten Buch. Alle drei sind Redakteurinnen bei der „Zeit“, alle drei im Bereich Politik, aber um diese geht es eben nicht in ihrem Buch.

Alle drei waren Kinder und sind nun Erwachsene, alle drei um die 30, mit Migrationshintergrund. Keine „echten“ Deutschen, aber auch keine Türken, Polen oder Vietnamesen. Irgendwas dazwischen eben. Und sie erzählen von den Immigrationsversuchen ihrer Eltern, ihren Bemühungen und Wünschen dazu zu gehören und den Vorurteilen der Menschen, in dem Land, in dem sie teilweise auch geboren wurden. Natürlich geht es auch um die Länder, aus denen ihre Eltern stammen. Auf äußerst angenehme Weise sind sie dabei nicht vorwurfs- sondern khue pham, buchpremiere "wir neuen deutschen", heimathafen neukölln, foto: anna sinnlossehr humorvoll.

Absolutes Schweigen herrscht im großen Saal, während die drei lesen. Alle sind mitgerissen von der Ankunft eines 19-jährigen, unterernährten vietnamesischen Mädchens, das in einem Seidenkleid und Sandalen im tiefsten Winter vor den verschlossenen Türen des Münchner Goethe-Institutes steht und zum ersten Mal Schnee sieht. Es ist Sonntag – und alice bota, buchpremiere "wir neuen deutschen", heimathafen neukölln, foto: anna sinnlosniemand wird Khuê Phams Mutter öffnen. Es wird gelacht, weil der polnische Papa von Alice Bota immer noch Wannebade und Kammerspeise sagt und Loriots Sketche auswendig kann. Und weil Özlem özlem topcu, buchpremiere "wir neuen deutschen", heimathafen neukölln, foto: anna sinnlosTopçus türki- sche Mutter vor der Karstadt-Fleischtheke steht und gackert, weil sie das deutsche Wort Hühnchen nicht kennt.

Im Grunde hätte mir der Abend so schon gereicht, weil die drei Autorinnen sehr herzergreifend aus ihrem Buch vorlesen und wohl allen klar wird: Hier wird nicht verurteilt und abgerechnet, sondern hier geht es wirklich um drei Menschen, die den Zusatz „mit Migrationshintergrund“ einfach nicht mehr wollen, weil sie schlicht und einfach Teil unserer Gesellschaft sein wollen. Da die Gesellschaft sie so aber nicht anerkennt, werden sie zu den „neuen Deutschen“ und schaffen sich ihren eigenen Platz, zwischen „Bio- deutschen“ und Migranten.

Ein leider etwas fade wirkender Moderator, der mit der Schlagfertigkeit der Autorinnen nicht annähernd mithalten kann, stellt gezielte Fragen zu den im Buch angesprochenen Themen. Teilweise wirken sie schlicht überflüssig. Da profitiert das Publikum umso mehr von der  Argumentation  und dem  Humor  der drei Frauen.

Am Ende dürfen auch Fragen gestellt werden, das Bedürfnis haben allerdings nur wenige. Ob es in dem Buch auch um Rassismus ginge, will eine Fragenstellerin wissen, die dann so dermaßen selbstherrlich in ihrem eigenen pseudointellektuellen Geschwafel erblüht, dass das Publikum sie unfreundlich ausbremst. Da vermutlich niemand – inklusive der Frau selbst – die Frage verstanden hat, muss diese unbeantwortet bleiben. Meine anfänglichen Befürchtungen bewahrheiten sich also nicht wirklich. Es geht wenig um Rassismus, denn das Anliegen des Buches ist ein anderes. Es geht nicht um Mitleidheischerei, sondern ums Erzählen, ums Auf- buchpremiere "wir neuen deutschen", heimathafen neuköllnmerksammachen und darum eine Brücke zu schlagen.

Und ich finde, Özlem Topçu, Alice Bota und Khuê Pham ist es ausgesprochen gut gelungen auf ihr Thema aufmerksam zu machen. Ich kann nur jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen, es sich zu Herzen zu nehmen und selber einmal zu schauen, ob man nicht auch das Gegenüber irgendwie ausgrenzt, weil man betont langsam und deutlich spricht, nur weil die Hautfarbe des anderen so anders ist.

Das beim Rowohlt Verlag erschienene Buch „Wir neuen Deutschen“ hat 176 Seiten und kostet 14,95 €.

=Anna Sinnlos=

Theorie und Praxis

„Integration“, heißt es im Lexikon des Bundesministeriums des Innern, „ist ein langfristiger Prozess, der zum Ziel hat, alle Menschen, die dauerhaft und rechtmäßig in Deutschland leben, in die Gesellschaft einzubeziehen. Ziel der staatlichen Integrationspolitik ist, den Zuwanderern die gleichen Chancen auf Teilhabe in wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich wie der einheimischen Bevölkerung zu ermöglichen. Zuwanderer haben die Pflicht, die deutsche Sprache zu erlernen sowie die Verfassung und die Gesetze zu kennen, zu respektieren und zu befolgen. Gleichzeitig muss den Zuwanderern ein gleichberechtigter Zugang möglichst zu allen gesellschaftlichen Bereichen ermöglicht werden.“

Das zur Theorie. Wie die praktische Seite von Integration in Berlin und Brandenburg aussieht und aussehen könnte oder sollte, lässt der rbb heute bei seinem Thementag „Integration“ sehen und hören. Mit da- bei sind auch die Altioks aus Neukölln. Für die TV- Reportage „7 Tage – Wir tauschen unser Leben“  (12.30 Uhr) zog die Familie für eine Woche nach Lübbenau in den Spreewald und übernahm den Alltag der Schwerdtners, die sich dafür in das Abenteuer Neukölln stürzte.

=ensa=

Griechisches Leben in Neukölln

„Etwa 2000 Griechen leben aktuell in Neukölln“, schätzt Niki Reister vom Vorstand griechisches leben in neukölln, to spiti e.v.,interkulturelles  zentrum genezareth,apostolos mavrogiorgosdes Vereins To Spiti, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert und damit das älteste interkulturelle Zentrum Neuköllns ist.

Zum Geburtstag hat sich der Verein eine sehenswerte Ausstellung geschenkt: Sie heißt „Griechisches Leben in Neukölln“ und lädt ein, zehn Menschen mit griechischen Wurzeln kennen zu lernen, etwas über deren Lebenswege und Ansichten zu erfahren.

Dimitris Voulgarakis ist mit 36 Jahren der jüngste Portraitierte, Theophilos Spiropoulos mit 85 Jahren der älteste. Ersterer wurde in Neukölln geboren, wuchs gemeinsam mit seinem Bruder Markos im Bezirk auf und lebt heute in Charlottenburg: Griechenland sei die Heimat ihrer Eltern, sagen die Brüder. Ganz anders sieht die Migrationsgeschichte des Seniors der Ausstellung aus. Er kam in Mazedonien zur Welt und erst vor 37 Jahren mit seiner Frau Anastasia nach Neukölln. 1977 unternahmen sie einen Versuch, wieder in Griechenland Fuß zu fassen, kamen jedoch bald wieder nach griechisches leben in neukölln, to spiti e.v.,interkulturelles zentrum genezareth,theophilos spiropoulos,anastasia spiropoulouNeukölln, das sie als „zweite Heimat“ bezeichnen, zurück. Hier möchten sie auch irgendwann begraben werden – „neben den Freunden auf dem Fried- hof am Hermannplatz“.

So weit denkt Apostolos Mavro- giorgos (Foto oben) noch nicht, doch es gibt eine andere Parallele zur Biographie von Theophilos Spiro- poulos: Auch der heute 39-Jährige, der in Berlin geboren wurde, migrierte kurzfristig von Deutschland nach Griechenland. Nach dem Realschulabschluss stellte er bei der Suche nach griechisches leben in neukölln, to spiti e.v.,interkulturelles zentrum genezaretheinem Ausbildungsplatz als Kfz-Mechaniker bei deutschen Autowerkstätten fest, dass es schon ob des Namens Aner- kennungsprobleme gebe. Das gelte noch heu- te, sagt er. Die Lehre machte er schließlich bei den US-Streitkräften. Weil seine deutschen Zeugnisse und Zertifikate jedoch in Grie- chenland nicht akzeptiert wurden und er keine Arbeit fand, brach er das Experiment, in der Heimat der Eltern zu leben, ab und kehrte nach Neukölln zurück, wo er noch heute mit seiner Frau und den drei Kindern lebt.

Die bilinguale Ausstellung „Griechisches Leben in Neukölln“ ist noch bis zum 26. November im Interkulturellen Zentrum Genezareth zu sehen (Öffnungszeiten: Mo. 8 – 14 Uhr, Di. – Fr. 8 – 18 Uhr, Sa. 11 – 17 Uhr).

Am 19. November  um 17 Uhr findet dort ein Erzählcafé mit Portraitierten der Ausstellung statt; zur Finissage gibt es ab 18 Uhr einen Vortrag von Prof. Thomas Eppenstein zum Thema „Interkulturelle Heimatfindung“.

=ensa=

So’ne und solche

löwenzahn-schule neuköllnAls eine von drei Berliner Schulen soll, wie gestern bekannt wurde, auch die Löwenzahn-Schule im Neuköllner Richardkiez vom Pilotprojekt zur Be- schäftigung von Lehrkräften mit arabischem Migrationshintergrund profitieren. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt wird laut Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und For- schung bis zum Ende des laufenden Schuljahres jeweils eine Lehrkraft mit arabischen Sprach- und Kulturkenntnissen eingestellt, die auch in die Elternarbeit einbezogen werden kann.

Eher fehl am Platze wäre das Pilotprojekt dagegen an der Evangelischen Schule Neukölln. Die hat, was wohl kaum jemand in Neukölln vermutet: einen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund von nur 18 Prozent. Über 90 Prozent liegt der bei den anderen beiden Schulen im Flughafenkiez, was Klischee und Wirklichkeit dann wieder zurechtrückt.

=ensa=

Arsch Huh Reloaded?

Seinen Wochenmarkt-Besuch lässt sich Herr Bartel nicht nehmen. An jedem dritten Samstag holt Victor ihn ab, bei jedem Wetter. „Ohne Victor müsste ich darauf verzichten“, sagt der 84-Jährige, der seit drei Jahren in einem Neuköllner Pflegeheim lebt und einen Rollstuhl braucht, um vorwärts zu kommen. Victor ist ein Stück Vergangenheit, das den Sprung in die Gegenwart von Herrn Bartel geschafft hat.

Früher wohnten sie als Nachbarn nebeneinander, zunächst ohne näheren Kontakt miteinander zu haben. Victor, der Senegalese, war für den kürbisseWitwer anfangs nur „der Schwatte“, Herr Bartel für den ein verbitterter Alter mit freund- lichen blauen Augen. Im Som- mer 2006 während der Fußball- WM begann ihre zaghafte Annäherung. Später kam das gemeinsame Kreuzworträtseln dazu: „Ich hab dadurch viel Deutsch gelernt“, sagt der 42-Jährige. „Und ich“, fügt Herr Bartel zu, „konnte von seinem enormen Wissen profitieren.“ Ein Unding sei es, dass er das immer noch nicht an Schüler weitergeben dürfe, obwohl er ein ab- geschlossenes Lehrer-Studium in seiner Heimat absolviert hat und seine Deutsch-Kenntnisse inzwischen nahezu perfekt sind.

Als es stärker zu regnen beginnt, schiebt Victor Herrn Bartel unter das Dach eines Gemüsestands. „Zum Kotzen ist das“, echauffiert sich der alte Mann, „wie dieses Land mit euch Ausländern umgeht. Dass ihr euch das gefallen lasst …“ Denen, die gar keine Ausländer seien, gehe es doch auch nicht besser, bemerkt Victor: „Aber als Steuerzahler sind wir gut.“ Und um Tore für Deutschland zu schießen, schaltet sich der Gemüsehändler, dessen Vorfahren wie die von Mesut Özil aus der türkischen Provinz Zonguldak kamen, in das Gespräch ein. „Weshalb geht ihr nicht auf die Straße und demonstriert?“, fragt Herr Bartel die beiden Männer. Sie sehen sich an und scheinen die Idee alles andere als unsympathisch zu finden.

=ensa=

Ein Musterbeispiel mit Wenn und Aber

Wenn von Beispielen gelungener Integration die Rede ist, sind es oft Asiaten, die auf dem Präsentierteller landen.  Martin Hyun, der in Krefeld geborene Sohn korea- nischer Gastarbeiter, ist eines dieser Vorzeigeexemplare. Doch ganz so einfach ist die Sache dann doch nur auf den ersten, oberflächlichen Blick – das wurde im Laufe martin hyun,stadtbibliothek neuköllndes gestrigen Abends, als der 31-Jährige in der Stadtbibliothek Neukölln aus seinem Buch „Lautlos – ja, sprachlos – nein“ las, im- mer deutlicher.

Das autobiografische Werk erzählt von Hyuns Aufwachsen zwischen zwei Kulturen. Im Elternhaus herrschte, wie bei den meisten Einwanderern der ersten Generation, auch noch Jahrzehnte später das Korea der 60er-Jahre. „Da ist die Zeit wirklich stehen- geblieben“, sagt Martin Hyun und klingt dabei eher verständnis- als vorwurfsvoll. „Eigentlich bin ich ziemlich faul“, gibt er zu, doch sein Vater ließ ihm keine Chance, diesen We- senszug auszuleben. Disziplin war neben einer guten Bildung das A und O seiner Er- ziehung. Und obwohl Vater Hyun die deutsche Sprache bis heute nur radebrechend beherrscht, war es ihm äußerst wichtig, dass seine Kinder sie perfekt lernen: „Er hat einfach alles getan, um uns den Weg ins Leben in Deutschland zu ebnen.“ Nur gegen die Natur war er machtlos: Deshalb sieht der Sohn eben nicht wie ein Mitteleuropäer sondern asiatisch aus. „Immerhin“, sagt Martin Hyun grinsend, „hat mein Vater mir seine Naturlocken vererbt.“ Die seien für Koreaner ziemlich ungewöhnlich.

Die Optik hält der Politikwissenschaftler, der seit 17 Jahren deutscher Staatsbürger ist, für eines der größten Hemmnisse bei der Integration. Immer wieder werde er mit der Frage „Wie ist das denn in Korea?“ konfrontiert, wenn es um Vergleiche zwischen Deutschland und der Heimat seiner Eltern geht: „Was soll ich dazu sagen, außer dass ich mit Korea nichts zu tun habe?“ Er kenne Korea kaum, sei hier geboren, hier aufgewachsen und hier zuhause. Sogar kulinarisch hat die Sozialisierung ganze Arbeit geleistet: Vor Beginn der Lesung ließ er eine Tüte martin hyun,taekwondo,werthers echte,stadtbibliothek neuköllnWerther’s Echte durch die Reihen gehen. „Die“, er- klärt er, „geben mir das Gefühl, zuhause zu sein.“

Von seiner Seite aus ist die Sache mit der Integra- tion also klar, doch solan- ge es die nur einseitig gibt, könne von einer ge- lungenen Integration nicht die Rede sein. „Mit diesem allgegenwärtigen Wir-und-die-anderen-Denken funktioniert das einfach nicht“, ist Martin Hyun überzeugt.  Vor allem bei den Ereignissen um den 20. Jahrestag der deutschen Einheit wurde ihm wieder mal klar, wie wenig er dazu gehört: „Wir Deutschen mit Migrationshintergrund haben dabei doch gar nicht stattgefunden.“ Damit sich das gesellschaftliche Bewusstsein und der Identifikationsprozess kommender Zuwanderergenerationen der Realität angleicht, plädiert er für die Einführung des Themas „Integrations- geschichte in Deutschland“ als Schulfach in der Mittelstufe.

Um den Ist-Zustand von Migranten in der Arbeitswelt geht es in seinem zweiten Buch, das gerade lektoriert wird. „Machtlos – ja, mutlos – nein“ soll es heißen und die Chancen oder auch Chancenlosigkeit im öffentlichen Dienst und bei Führungs- positionen behandeln. Das heiß diskutierte Vorhaben über anonyme Bewerbungen gleiche Ausgangspositionen zu erreichen, hält Martin Hyun für „totalen Quatsch“.  Es sei doch nun wirklich egal, ob jemand wegen seines falschen Namens und Aussehens schon in der ersten oder erst in der zweiten Bewerbungsrunde das Nachsehen habe. Einschlägige Erfahrungen sind auch ihm nicht fremd. Um dem Problem beizukommen, schätzt er,  wäre eine harte Quote wesentlich geeigneter.

Auch Neukölln wird in Martin Hyuns neuem Buch eine Rolle spielen. Er lebe zwar in Friedrichshain, sei aber fast täglich in Neukölln: „Was ich hier besonders mag, ist, dass Vielfalt nicht nur gelebt sondern förmlich zelebriert wird.“ Er hält eine hellblaue Jacke hoch, deren Vorder- und Rückseite mit Respekt einflößenden Taekwondo-Symbolen bestickt ist, frotzelt, dass das seine Lebensversicherung für Neukölln sei. Alternativ könnte sich Martin Hyun auch die Aufschrift „Achtung! Ich hab als erster Deutsch-Koreaner in der Deutschen Eishockey Liga und in der deutschen Junioren-Nationalmannschaft gespielt!“ auf den Jackenrücken applizieren lassen. Stimmen würde es, doch dafür, dass er sich als Deutscher akzeptiert fühlt, hat es nicht gesorgt.

=ensa=