„Wir sind nicht mehr die lieben Omis und Opis, sondern auch sehr streitbar“

1_seniorenwohnanlage rollbergkiez_neuköllnWas von außen wie ein x-beliebiger Neuköllner Häuser- block aussieht, kann sich auf den zweiten Blick durchaus als etwas Besonderes herausstellen. So ist es zumindest im Abschnitt  zwischen Hans-Schiftan- und Morusstraße in  der  Rollbergstraße. Deshalb fand sich dort gestern Nachmittag reichlich Polit-Prominenz ein, um das Haus 2_seniorenwohnanlage rollbergkiez_neuköllngenauer unter die Lupe zu nehmen.

157 Mieter zählt die Wohn- anlage für Senioren aktu- ell, die zum Bestand des städtischen Wohnungs- bauunternehmens Stadt und Land gehört. Wer berech- tigte Hoffnungen haben will, in eine der 108 Wohnungen zu ziehen, muss mindestens 60 Jahre alt sein. Bei Sylvia-Fee Wadehn war es 2011 soweit, genau zum richtigen Zeitpunkt. „Eine wie Frau Wadehn hat hier Weiterlesen

„Das werden auch Sie nicht verhindern können!“

ich schmeiß alles hin und werd prinzessin-shirtEin Abend zum Mitreden über das Thema „Aufwer- tung für alle – geht das?“ sollte es werden. Dazu hatte zumindest das Quartiersmanagement Schillerprome- nade vorgestern im Rahmen seiner Woche des Be- suchs in die Neuköllner Genezareth-Kirche eingeladen. Doch dann wurde schnell klar, dass das Mitreden fürs Gros der Besucher schwierig werden und ein Dialog zwischen Podium und Publikum ob der gegenläufigen Ambitionen einer Störer-Gruppe kaum zustandekom- men dürfte.

Bunter, jünger, im Großen und Ganzen besser und multikultureller sei der Schillerkiez seit der Öffnung des Tempelhofer Felds geworden. Es gebe mehr Läden, Gastronomie, Weiterlesen

Zu viel des Guten

STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinAusgerechnet der Wind war gestern das größte Problem auf dem Tempelhofer Feld, wo das erste Festival der Riesendrachen stattfand. Die Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND hatte dazu eingeladen und Dutzende internationale Drachenflieger-Teams waren gekommen. Dazu rund 40.000 Schaulustige – optimistisch frühherbst- lich gekleidet oder mit Mützen und Handschuhen, mit STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlineigenem Drachen im Gepäck oder ohne.

Bis zu 40 Meter lange Großdrachen und das mit 26 Metern weltgrößte Wind- rad waren neben einem bunten Programm rund ums Drachenfliegen angekündigt. Doch die steife, teils überdies böige Brise aus Nordwest  wirbelte manches gehörig durcheinander oder zwang die Riesendrachen-

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STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinLenker ganz dazu, ihre Fluggeräte am Boden oder in Bodennähe zu lassen. Lediglich am Vormittag beim Warm up herrschten nahezu perfekte Bedingungen, im Laufe des Nachmittags frischte der Wind immer weiter auf, verhinderte so aber auch, dass das bunte Spektakel am Himmel durch Regen gestört wurde.

STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlin

v. l.: Ingo Malter (STADT UND LAND), Dr. Franziska Giffey (Bezirksstadträtin von Neukölln), Vera Gäde-Butzlaff (BSR), Oliver Schworck (Bezirksstadtrat von Tempelhof-Schöneberg), Dr. Christoph Landerer (STADT UND LAND)

Entsprechend positiv fiel das Zwi- schenfazit von Dr. Christoph Lande- rer, Vorsitzender des STADT UND LAND-Aufsichtsrats, nachmittags bei der offiziellen Eröffnung aus. „Das Festival kann schon jetzt als voller Erfolg bezeichnet werden, und wir werden dafür sorgen“, ver- sprach er, „dass es nicht die letzte Veranstaltung dieser Art ist.“

=kiezkieker=

„Betütteln ist kein guter Zugang!“

Wird in Neukölln über das Thema Integration gesprochen, ist Heinz Buschkowsky normalerweise nicht weit. Das war vorgestern Abend im BVV-Saal des "stadt und land" im gesellschaftlichen dialog, rathaus neukölln, prof. dr. gesine schwan, ingo malter (gf stadt und land berlin)Rathauses auch so. Doch statt des Platzes am Rednerpult hatte der Bezirksbürger- meister einen als Zuhörer  in der ersten Reihe, das Wort hatte eine Andere: Prof. Dr.  Gesine  Schwan. Sie war als Referentin der 13. Auflage der Veranstal-tungsreihe „STADT UND LAND im gesellschaftli- chen Dialog“ eingeladen worden, ihre Überlegungen zur Frage  „Was ist Inte- gration?“  vorzutragen. Das große Interesse der städtischen Wohnungsbauten-Gesellschaft an der Antwort liegt auf der Hand: „Ein Viertel unseres Immo- bilienbestands befindet sich in  Neukölln, wo Menschen aus etwa 160 Her- kunftsländern leben“, betonte Geschäftsführer Ingo Malter (r.), bevor er an die renommierte Politikwissenschaftlerin übergab.

Eine endgültige Antwort sei von ihr nicht zu erwarten, stellte Gesine Schwan gleich zu Beginn klar, denn die habe sie auch nicht. Wichtig sei, sich zunächst mal mit den Prämissen zu beschäftigen, die zu Integration führen sollen. Im gegenwärtigen Alltagsszenario  sähen die so aus, dass man von einer  deutschen Mehrheits- gesellschaft und Zuwanderern ausgehe, die durch ihre andere Kultur, Sprache und Religion Probleme bereiten. „Als gelungene Integration“, kritisiert Schwan, „wird in diesem Alltagsszenario die  Einordnung von Individuen in die vorgefundene Gesellschaft bezeichnet.“ Erwartet werde von den Migranten, dass sie viel von der Kultur der "stadt und land" im gesellschaftlichen dialog, rathaus neuköllnMehrheitsgesellschaft anneh- men und im Gegenzug viel von ihrer mitgebrachten Kultur ablegen.

Auf gänzlich anderen Prämissen fußt das eigene Integrations-Szenario der 69-Jäh-rigen, das sich gar nicht erst der Illusion einer einheitlichen Mehrheitsgesellschaft hingibt, sondern anerkennt: Zuwanderer finden in Deutschland eine pluralistische Gesellschaft vor, die  Vielfalt in allen Le- bensbereichen  bietet und sich durch verschiedenste Faktoren ständig verändert. „Integration verlangt nach der politischen Teilhabe demokratischer Bürger  und ist ein dauernder Prozess“, ist Gesine Schwan überzeugt. Deutsch als gemeinsame Sprache reiche nicht aus: „Was verstehen denn der Vorstandsvorsitzende eines DAX-Unternehmens und ein Hartz4-Empfänger voneinander, selbst wenn beide Deutsch sprechen?“ Der  beidseitige Wille zur Verständigung in Freiheit und Toleranz  müsse vorhanden sein und  Integration als symmetrische Aufgabe be- griffen werden, die schon in der Schule zu beginnen habe. „Deshalb ist eine radikale "stadt und land" im gesellschaftlichen dialog, rathaus neukölln, prof. dr. gesine schwanWende im Bildungssystem nötig!“, fordert die Mit- gründerin und amtierende Präsidentin der Hum- boldt-Viadrina School of Governance. Dass Kinder aus Zuwandererfamilien Deutsch lernen, reiche einfach nicht, parallel müsse ihnen zur  Wahrung der eigenen Identität die Möglichkeit eingeräumt werden, auch ihre Herkunftssprache zu lernen und zu pflegen. Nur mit einem Konzept, das reali- tätstüchtig und einer freiheitlichen Demokratie angemessen ist, könne gelingen, was Ziel sein sollte: Dass Integration die Fenster zu einem hellen weltoffenen Deutschland in einem hellen weltoffe- nen  Europa  weit  aufmacht.

„Welche Empfehlung würden Sie uns aber für unser tägliches Tun geben?“, erkundigte sich Ingo Malter, als der Applaus des Publikums im Saal verklungen war, um die Fragerunde mit Gesine Schwan zu eröffnen. Ein respektvoller Umgang miteinander sei das Wichtigste, entgegnete die: „Der Andere sollte als Partner gesehen werden, dem man auf Augenhöhe begegnet.“ Betütteln sei jedenfalls kein guter Zugang und  Asymmetrie eine Weichenstellung, die alles andere torpediert.

Nach einer guten Viertelstunde sind diverse Fragen aus dem Publikum beantwortet. Um das Zusammenspiel von Integrationsdiskussion und Euro(pa)-Krise ging es, um das Betreuungsgeld, das Schwan für „völlig disfunktional“ hält, und die Frauenquote, die inzwischen von ihr begrüßt wird. „Ist es nicht verrückt, dass wir jetzt plötzlich bei der Familienpolitik gelandet sind?“, fragt die zweimalige Kandidatin für  das Bundespräsidentenamt. „Aber das ist mir sehr lieb, weil Integration eben viele Bereiche betrifft.“ Ihr Vortrag habe Mut gemacht, resümiert Ingo Malter, ebenso allerdings auch unterstrichen, dass komplexen Fragen nicht unbedingt mit einfachen Antworten beizukommen sei.

=ensa=