Begehrter Vor-, Hinter- oder Nebeneffekt

Weil die aktuelle Jahreszeit auf dem Tempelhofer Feld Beteiligungssommer genannt wird, heißt nun auch der rote Container vis-à-vis des Eingangs am Columbiadamm nicht mehr Infopavillon, sondern Beteiligungsbox. An zwei Nachmittagen pro Woche öffnet sie, um zum  Dialog  über  den  Entwicklungs- und  Pflegeplan  des 303 Hektar-

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Areals zu bitten und Spielzeug für die Feldforschung zu verleihen. Der Andrang fällt noch sparsam aus, permanent begehrt ist dagegen der Schatten, den die Bude wirft.

Im Sumpf der Entwicklungen stecken geblieben

Während sich andere in immer neuen Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten hinsichtlich der Zukunft des Tempelhofer Felds  ergehen, übertreffen sich Grün Berlin und die Tempelhof Projekt GmbH als Projektverantwortliche in puncto „Informa- tionspolitik“ selber: Auf großformatigen Plakaten  beantworten sie an ihrem Info-Pa-

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villon am Eingang Columbiadamm  Fragen rund um die IGA 2017, die längst niemand mehr stellt und deren Antworten folglich niemanden mehr interessieren. Denn wenn etwas bezüglich der Zukunft des Tempelhofer Felds klar ist, dann: Dass die IGA 2017 ihren einst angedachten Schwerpunkt und Hauptstandort nicht dort, sondern in den Gärten der Welt im Bezirk Marzahn-Hellersdorf haben wird.

Ein weites Feld für Interessenkonflikte

Ob er dauerhaft wetterfest ist, das müsse noch getestet werden, sagt die Grün Berlin-berlin, eröffnung info-pavillon tempelhofer freiheit,Mitarbeiterin hinter der Empfangstheke des neu- en Info-Pavillons auf dem Tempelhofer Feld. Man gehe aber davon aus. Ans Gegenteil wollte am ges- trigen Tag der Eröffnung erstmal niemand denken. Da standen das Innen- leben des angemieteten Holz-Glas-Containers und  die Umgebung im Vordergrund.

berlin, eröffnung info-pavillon tempelhofer freiheit, staatssekretär christian gaeblerEtwa 1,5 Millionen Besucher nutzen das Gelände mit dem offiziellen Namen Tempelhofer Freiheit laut Staats- sekretär Christian Gaebler jährlich. „Mehr Männer als Frauen übrigens“, ergänzte er. Und 8,4 Prozent derer, die die Weite des ehemaligen Flughafens Tempelhof genie- ßen, seien Berlin-Touristen. Bemerkenswert außerdem, hob Gaebler hervor: „Unsere Befürchtungen vor stän- digen Vandalismus-Schäden haben sich nicht bewahr- heitet.“ Die Weitläufigkeit des Areals mit den nur wenigen uneinsehbaren Ecken sei offenbar nicht attraktiv für kriminelle Machenschaften. Doch genau diese Weitläu- berlin, eröffnung info-pavillon tempelhofer freiheit, gf grün berlin gmbh christoph schmidtfigkeit wird nun beschnitten. 2013 beginne die Umge- staltung des Areals, das Schauplatz der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2017  wird. „Im Info-Pavillon“, so Gaebler, „können sich die Besucher bis zum Oktober täglich ansehen, was genau passieren wird, und auch eigene info-pavillon tempelhofer freiheit, entwurf iga2017Ideen einbringen.“

Konkreter wurde Christian Schmidt. „Bei der ersten Baumaßnahme 2013 wird es sich um die Anpflanzung von etwa 2.000 Bäumen an den Rändern des Parks handeln“, kündigte der Geschäfts- führer der Grün Berlin GmbH an. Noch vorher werde man jedoch mit einem neu aufgestellten Team die Bürgergespräche wieder aufnehmen berlin, eröffnung info-pavillon tempelhofer freiheit, landschaftsarchitekturbüro gross.max, eelco hooftmanund sich bemühen, bezirkliche Initiativen, die sich mit der Zukunft der Tempelhofer Freiheit beschäftigen, als Partner zu gewinnen. „2012 wird für uns ein Meilensteinjahr“, ist Schmidt sicher, der seine Begrüßung – wie auch Vorredner Gaebler – ohne Proteste einiger Pavillon-Eröffnungsgäste info-pavillon tempelhofer freiheit, entwurf gross.maxdurchbringen konnte.

In diesen Genuss kam Eelco Hooftman nicht, der mit sei- nem Team des schottischen Landschaftsarchitekturbüros Gross.Max den Wettbewerb für die Gestaltung der Tempelhofer Freiheit gewann. Schon der Plan, dort etwas gestalten zu wollen, macht den Holländer zur Reizfigur. Dass er darüber hinaus etliche Schlüsselwörter benutzte, die nicht nur die Aktiven der Bürgerinitiative 100 % Tempelhof in Aufruhr versetzten, tat ein Übriges. „Der Park ist Prozess statt Objekt“, „Gestaltung bedeutet einen Mehrwert für die Besucher“, „Historie des Ortes wird respektiert“, „das Gestaltungskonzept beruht auf berlin, eröffnung info-pavillon tempelhofer freiheit, protest, bürgerinitiative 100 % tempelhofFreiheit“, „die Tempelhofer Freiheit wird zum Volks- park des 21. Jahrhun- derts“: Das sei, habe oder biete das Feld schon jetzt alles und brauche daher niemand, waren sich die spontanen und organisier- ten Protestler einig.

Letztere bereiten derzeit alles für ein Volksbegehren vor, das nicht nur das 61,5 Mil- lionen-Projekt IGA 2017 verhindern, sondern grundsätzlich den dauerhaften Erhalt von Berlins größter Wiese sichern soll.

=ensa=