Große Investitionen für eine große Bildungsoffensive

eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, heinz buschkowsky, falko liecke, bernd müller, franziska giffey, wolf schulgenNun hat auch Neukölln eine Jugend- kunstschule: die Young Arts NK. Vor- gestern wurde sie eröffnet. Aber nicht nur sie, denn zusammen mit ihr wurde die Werkstatt Kinder Eltern Bildung ins Leben gerufen, und die gibt das inhaltliche Dach, das wie- derum dazu führt, dass eine goldene Schleife um das Projektpaket ge- schlungen werden kann. Es sei alles in allem „ein gesellschaftlicher Auf- eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllntrag, der sich in die Zukunft richtet“, betonte Be- zirksbürgermeister Heinz Buschkowsky bei der Er- öffnungszeremonie. Es zeige Prioritäten für den weiteren Weg des Bezirks auf und verbinde sie in beispielhafter Art ressortübergreifend, ergänzte Wolf Schulgen von der Senatsverwaltung für Stadtent- wicklung, die das  bildungsorientierte Modellvor- haben  bis 2014 mit über 1,3 Millionen Euro aus dem Aktionsräume plus-Programm finanziert. „Ein Erfolg ist es aber erst“, so Schulgen, „wenn sich feststellen lässt, dass die Neuköllner das Projekt annehmen.“

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v. l.: Bernd Müller (Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur im BA Neukölln), Dr. Franziska Giffey (Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport) und Falko Liecke (Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit)

Wie das geschehen soll, erläuterten Franziska Giffey, Falko Liecke und Bernd Müller im Vorfeld der Eröffnung vor Pres- severtretern. Grundlage sei, wie Liecke es formulierte, eine „konzertierte Aktion“ zwischen seiner und Giffeys Abteilung. Vereinfacht ausgedrückt stellt die Werk- statt Kinder Eltern Bildung (Homepage ist noch nicht freigeschaltet) eine inter- disziplinäre Vernetzung zwischen fünf Modulen bezirklicher Bildungs- und Kultureinrichtungen dar:  Die Neuköllner Stadtbibliothek bringt ihr Lesemobil ein, der Jugendhilfe-Träger Kleiner Fratz sein Interkulturelles Begegnungszentrum Haus der Familie, die Musikschule Paul Hineröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, lesemobil stadtbibliothek neuköllndemith ihr musikpädagogisches Angebot namens Musik-Spra- che-Bewegung, die Volkshochschule die Erziehungs- hilfe-Offerte Elternkompass und das Kulturnetzwerk Neukölln die neu gegründete Jugenderöffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllnkunstschule Young Arts NK. Durch die enge Kooperation der Institutionen habe man nun die Möglichkeit bei der Begleitung von Familien früh anzusetzen und die Offenheit innerhalb der Familien  auf eine gesundheitliche wie auch kul- turelle Bildung zu lenken, prognostiziert Liecke.

Indes skizzierte Bernd Müller den Idealfall: Eltern, die über Kitas oder Schulen mit dem im Neuköllner Ortsteil Britz angesiedelten Haus der Familie in Berührung kommen, lernen dort auch die anderen Projektmodule kennen, nehmen selber am Elternkompass teil und schicken Kind A in die Musikschule, besuchen mit Kind B das Lesemobil und begeistern Kind C für die Jugendkunstschule Neukölln. Das Einbeziehen der Eltern und die Verbesserung ihrer Kompetenzen, betonte auch Franziska Giffey, sei ein äußerst wichtiges Anliegen des Projekts: „Das Ziel ist, dass Eltern den Spaß ihrer Kinder an Bildung unterstützen.“ Vielleicht ließe sich durch die Erfahrungen mit den innovativen außerschulischen Lernangeboten sogar das Neukölln vorherrschende Ausmaß an eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllnSchuldistanz eindämmen.

„Schon als ich vor 10 Jahren nach Neukölln kam, dachte ich, dass es toll wäre, wenn Neukölln eine Jugendkunstschule hätte“, erzählte Giffey. Jetzt ist sie da und setzt mit Workshops und Seminaren für kreative oder künstlerisch ambitionierte Grund- schüler und Jugendliche auf das Angebot des benachbarten KinderKünsteZentrums auf. Die Trä- gerschaft der Young Arts NK hat das Bezirksamt dem Kulturnetzwerk Neukölln, vielen vor al- lem als Ausrichter des Kunst- und Kulturfes-tivals 48 Stunden Neukölln bekannt, übertragen.

Bereits im letzten Jahr, berichtete Geschäftsführerin Ilka Normann, hätten erste Projekte mit Jugendlichen im neuen, 380 Quadratmeter großen Young Arts NK- Standort stattgefunden – nach umfangreichen Renovie-rungsarbeiten, die das düstere einstige Fernmeldeamt in der Donaustraße dringend nötig hatte. Denn obwohl Neuköllns neuestes Leuchtturmprojekt im Kultur- und Bildungsbereich gerne  in einem Atemzug mit der Alten Post genannt wird: In eben dem Gebäude, das Neuköllner als „Alte Post“ bezeichnen, ist es nicht untergebracht. „Wir hoffen aber“, sagte Franziska Giffey auf Nachfrage, „dass bald ein potenter Nutzer kommt und dann auch ein Zugang durch die Alte Post zur Jugendkunstschule möglich wird.“ Vielleicht erfüllt sich diese Hoffnung ja 2013 zum 10-jährigen Leerstandsjubiläum.

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Der Luxus des Neuköllner Kultur-Dschungels

581 Veranstaltungen in 48 Stunden an über 330 Orten – im Norden Neuköllns bricht heute wieder die kulturelle Gigantomanie aus. Dass mit 1.700 Akteuren weniger Mitwirkende als im letzten Jahr dabei sind, ist bei solchen Größenordnungen unerheblich. Die Besucher der 48 Stunden Neukölln erleben ohnehin nur einen Bruchteil davon. Vielleicht haben die ganz Eifrigen unter ihnen Sonntagabend, wenn das Kunst- und Kulturfestival endet, mehr als 10 Events hinter sich, bei den meisten dürften es aber weniger sein.

Für die generalstabsmäßige Orientierung, wann wo was stattfindet, gibt es ein 24-seitiges, eng bedrucktes pressekonferenz 48 stunden neukölln, v. l.: katharina rohde, franziska giffey, auguste kuschnerow, christoph böhmer (biotronik), martin steffensProgrammheft im halbrheini- schen Format, außerdem infor- mieren alle  sieben teilneh- menden Kieze mit eigenen Fly- ern über die Veranstaltungen in ihren Gebieten. Und dann ist da noch der von den Organisato- ren, dem Kulturnetzwerk  Neu- kölln, auch bei der Presse- konferenz massiert beworbene und bei vielen Künstlern glei- chermaßen umstrittene High- lights-Flyer: Er stelle, so Auguste Kuschnerow (M.) vom Kulturnetzwerk-Vorstand, 48 „besonders interessante Projekte vor, die von einer Jury ausgewählt wurden“.

Er unterteile die Akteure in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, halten die Kritiker dem entgegen. Besondere Brisanz gewinnt der Vorwurf dadurch, dass bei dieser 13. Auflage des Festivals erstmals ein dotierter Publikumspreis unter 42 Events mit dem Prädikat Highlight ausgelobt wird. Somit stellt die, laut Pressesprecher Clemens Kuhnert „demokratisch nach einem Kriterienkatalog“ agierende Jury, die aus Kulturamtsleiterin Dorothea Kolland, Andreas Altenhof und Denise S. Puri (beide Vorstandsmitglieder des Kulturnetzwerks), Ilka Normann (Geschäftsführerin des Kulturnetzwerks) und Klaus Bortuluzzi (Akteur bei 48 Stunden Neukölln) besteht, nicht nur die Weichen für eine exponierte Vermarktung, sondern auch die für die Ambitionen auf eine zumindest partielle Refinanzierung des monetären Aufwands.

Denn von den von Kulturstadträtin Franziska Giffey (2. v. l.) mit rund 55.000 Euro bezifferten Förderungen, die das Festival erhält (15.000 Euro davon steuert das Bezirksamt als Basisunterstützung bei), sieht das Gros der Akteure nicht viel bis nichts. Schon die Teilnahme an der alljährlichen Leistungsschau der Neuköllner Kreativszene ist für sie der pure Luxus, in den Geld und noch mehr Zeit gebuttert wird. Dessen ist sich auch Christoph Böhmer (2. v. r.) bewusst. Er ist Geschäftsführer des in Neukölln ansässigen Unternehmens Biotronik, das nunmehr zum fünften Mal die Position des privatwirtschaftlichen Hauptsponsors des Kunst- und Kulturfestivals übernimmt. „Neukölln“, so die Überzeugung des Herrn über derzeit 2.500 Arbeitsplätze, „bietet den Luxus vieler kreativer intelligenter Menschen.“ Die Unterstützung des Kulturwochenendes sieht er als „Teil der Verantwortung, dem wir gerecht werden sollten.“

Einen Schritt weiter bei der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Festival-Motto Luxus geht der diesjährige 48 Stunden Neukölln-Schirmherr Wolfgang Joop: Luxus, schreibt er in sei- nem Grußwort, ist für ihn eine Bewusstseinsebene, ein Begriff, der nicht dinglich sondern me- taphysisch zu verstehen sei. Gut möglich, dass sich diverse Neu- köllner Künstler besser mit dem identifizieren könnten, was Herbert Grönemeyer in seinem Lied „Luxus“ besingt: „… die Träume werden leider immer kleiner …“

Der Traum, Wolfgang Joop in den Straßen Neuköllns zu begegnen, wird allen Besuchern unerfüllt bleiben. Der Schirmherr gönnt sich den Luxus der Abwesenheit. Aber vielleicht bringen ja die kostenlosen Skoda-Limousinen-Shuttles, die  morgen von 14 bis 21 Uhr erstmals auf der Route von der Neuen Nationalgalerie in Mitte nach Neukölln unterwegs, den einen oder anderen Promi in den Bezirk. Über das, was sie am Ziel erwartet, können sich Passagiere dieser Neuköllner Variante des Bussings mit Luxus-Touch  hier informieren. Und alle anderen natürlich auch.

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