Neubauprojekt „Ringbahnhöfe“ im Fokus

Immer mehr Menschen zog es in den letzten Jahren nach Berlin. Die Stadt wächst und Neukölln wächst mit. Für den Bau von rund 15.000 neuen Wohnungen sind in Neukölln nach Schätzungen des Bezirksamtes aktuell Potenzialflächen vorhanden. Allein im direkten Umfeld des Körnerkiezes gibt es beispielsweise entlang der Ringbahnstraße auf der Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs Neukölln, in der Glasower Straße sowie am Mariendorfer Weg Baukapazitäten für bis zu 3.800 Wohnungen.

Das 9. Diskussionsforum Körnerkiez beschäftigte sich deshalb am vergangenen Mittwoch mit dem Thema Weiterlesen

Wie begonnen, so zerronnen

Die Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ stellt sich bei dem Werk, das vorges-tern unter der Hertabrücke entstand, gar nicht erst: Es kommt weg – je mehr und stär-ker der Regen, desto schneller. Denn die Umrisse und bunt schraffierten Flächen, die den Schatten der 1912 zwischen Siegfried- und Ringbahnstraße erbauten Neuköllner

kunstaktion hertabrücke-schatten_neukölln

Stahlbrücke abstrahieren, sind aus Kreide. Eigentlich hätten sie schon am Sonntag zuvor gemalt werden sollen, doch an dem gab es mangels Sonne keinen Schatten.

Zur Nachahmung …

… keinesfalls empfohlen! Wer viel Neukölln-Aussicht haben will, wird mit der auch immer  mittwochs nach dem  Erklimmen des Rathausturms  belohnt. Und  einen Ner-

hertabrücke_neukölln

venkitzel in luftiger Höhe kann man sich jetzt auch wieder auf dem 10 Meter-Brett im Columbiabad holen: Springen erwünscht, Erfrischung bei der Landung garantiert.

Der goldene Mittelweg

Küssen muss man sie ja nicht gleich, weder sonst noch heute am Internationalen Tag  des  Kusses. Hass und  Gelüste, sie  wieder dahin schicken zu  wollen, wo  kein

rettet die schwaben_neukölln

Hochdeutsch wächst, erscheinen aber offenbar auch manchem äußerst unverhält- nismäßig. Ob eigene Betroffenheit oder Empathie dazu führten, diesen Appell in güldener Farbe auf der Neuköllner  Hertabrücke  zu hinterlassen, ist nicht bekannt.

Das Ende des Sorgenkind-Daseins: Die Neuköllner Silberstein-Schule startet durch

Die Silbersteinstraße ist keine gute Adresse, darunter leidet auch die Silberstein-Grundschule. Läge sie nur 200 Meter weiter nördlich auf der anderen Seite Seite der S-Bahn-schulhof silberstein-schule_neuköllnGleise, wäre es besser um sie bestellt. Denn dann würde sie zu einem Quartiersmanagement-Gebiet gehören und z. B. für notwendige Bau- maßnahmen Mittel des Soziale Stadt-Förderprogramms  beantragen kön- nen. Weil das aber auf die Schule nicht zutrifft, sei sie, so Schulstadträtin Dr. Franziska Giffey gestern beim Vor Ort-Termin der bezirklichen SPD-Frak- tion, ein „Neuköllner Sorgenkind“.

Nun aber naht Hilfe für die von der Förderkulisse abgehängte Bildungseinrichtung des offenen Ganztagsbetriebs, die von 280 Kindern besucht wird, von denen mehr als 90 Prozent in Transferleistungsempfänger-Haushalten leben: Auf Empfehlung des Bezirksamts Neukölln gelangte die Silberstein-Schule in das vom Senat und der Robert-Bosch-Stiftung aufgelegte Modellvorhaben „Turnaround of Schools – Berli- ner podium_spd-fraktion_silberstein-schule_neuköllnSchulen starten durch“, von dem bis 2015 insgesamt 10 Schulen in der Hauptstadt profitieren sollen. Für die Silberstein-Schule bedeutet das einerseits eine strukturelle Wende. „Wir wollen zu einer gebundenen Ganztagsschule werden, um in ei- nem sozialen Brennpunkt eine bes- sere individuelle Förderung der Kinder gewährleisten zu können“, erklärt die kommissarische Schulleiterin Grit Buggert (2. v. r.). Andererseits aber soll der Umkehrschub von einer unbeliebten zur begehrten, ihren Bildungsauftrag optimal ausfüllenden Schule auch durch massive bauliche Veränderungen gezündet wer- modell erweiterung silberstein-schule_neuköllnden. In einem Vierteljahr, so der Zeitplan, sollen die beginnen, im Herbst 2016 abgeschlossen sein.

Kernstück der baulichen Aufwertung und Realisierbarkeit des gebundenen Ganztagsbetriebs ist ein von Frei- flächen umgebener Erweiterungsbau mit Mensa und Betreuungsräumen, der das Schulgelände mit der momentan noch brachliegenden Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs Neukölln verbinden wird. Durch das Gebäude wird auch der Höhenunterschied zwischen beiden Grundstücken volker hartmann_entwurf silberstein-schule_neuköllnüberwunden. „Hätte man die 6 Meter hohe Böschung mit einer Rampe ausgleichen wollen, hätte die bei Berücksichtung des Inklusions-Aspekts 120 Meter lang sein müssen“, geht Architekt Christian Hart- mann auf die besondere gestalterische Herausforderung ein, die neben der topo- graphischen Besonderheit auch aus der Geräuschbelastung durch die S-Bahnen auf der Ringbahnstrecke resultiert. Von seinem Architekturbüro Freitag/Hartmann/Sinz wurde diese am besten gelöst. Zudem ist es nicht nur die Silberstein-Schule, an der sich einiges verändert: Umgesetzt wird ein städtebauliches Gesamtkonzept, im Zuge dessen auch die Unterversorgung des s-bahn-gelände_sporthalle hertabrücke_neuköllnQuartiers mit Sportflächen behoben werden soll.

Direkt an der Hertabrücke beginnt im ersten Halbjahr 2014 auf dem etwa 3.000 Quadratmeter großen, neu zu erschließenden Bahn-Gelände der Bau einer Dreifeldsporthalle. Insbe- sondere von den Kindern der im angrenzenden Körnerkiez gelegenen Konrad-Agahd-, Peter-Petersen- und Albrecht-Dürer-Schule solle die ge- zugang sporthalle hertabrücke_neuköllnnutzt werden, aber auch nachmittags für den Vereinssport zur Verfügung stehen, sagt Fran- ziska Giffey. Außerdem biete sie etwa 200 Zuschauern Platz. Der Zugang zur Halle, ergänzt Architekt Hartmann, werde über einen Durch- giffey+hartmann_modell silberstein-schule_neuköllnbruch an der Herta- brücke, einen barrie- refreien Eingang und eine behindertenge- rechte Rampe erfolgen.

Über 10 Millionen Euro sind für die Baumaßnahmen veranschlagt, von denen nicht nur die lange bei finan- ziellen Zuwendungen vernachlässigte Silberstein-Schule profitiert. Mit dem Schuljahr 2015/16 will sie den gebundenen Ganztagsbetrieb aufnehmen. Dass dann Zustände wie der aktuelle der Vergangenheit angehören, hofft auch Schulleiterin Buggert: Für das Schuljahr 2013/14 kann sie zwar 73 Schulplätze zur Verfügung stellen, aber lediglich 39 Anmeldungen verzeichnen.

=ensa=