„Die ungerechte Verteilung der Flächen ist im Schillerkiez eklatant“

Spitzenreiter ist der Schillerkiez nicht. Was den Anteil der Straßenfläche am Gesamtausmaß des Quartiers betrifft, nimmt er im Neuköllner Norden mit 28 Prozent lediglich den dritten Platz ein – überflügelt vom Donau- und Reuterkiez mit 31 bzw. 29 Prozent. Aber wieviel der fast 140.000 Quadratmeter Straßenfläche zwischen Flughafen-, Leine-, Oder- und der westlichen Seite der Hermannstraße ist Parkraum? Und wie viele Parkplätze gibt es in diesem Gebiet? Genug Weiterlesen

Busse statt Züge

Seit der letzten Nacht geht wegen Bauarbeiten nichts mehr auf der U7-Strecke zwischen Hermannplatz und Möckernbrücke. Bis zum frühen Morgen des 9. April besteht in beiden Richtungen Schienenersatz- statt Zugverkehr. Wer dachte, dass es schlimmer kaum kommen kann, wird dann ab nächster Woche eines Besseren belehrt: Um Weichen und Gleise auszu-tauschen und das Chaos komplett zu machen, wird parallel vom 27. März bis 9. April der S-Bahnverkehr zwischen Hermannstraße und Südkreuz eingestellt.

Grünendes Grün: Fehlanzeige

Die Aufforstung, die Ende November mit fünf noch mickrigen Bäumen namens Fraxinus Ornus zwischen Herrnhuter Weg und Uthmannstraße vor dem Woolworth-Gebäude vollzogen begruenung-hermannstr-neukoellnwurde, kann auch nichts daran ändern: Neuköllns Schmuddel-Magistrale, die Her-mannstraße, ist verglichen mit der in Sanierung begriffenen Karl-Marx-Straße nach wie vor quasi ein Wald..
Doch welchen Baumarten begegnet man eigentlich in Berlin? Und wie lassen sie sich benennen, wenn Verräterisches wie Blätter im Winter fehlen? Darüber informiert morgen um 14 Uhr ein Baum-bestimmungsspaziergang, den das Freilandlabor Britz im Britzer Garten veranstaltet.

Bis hier hin und nicht weiter!

Egal ob Fußgänger, Rad- oder Autofahrer: Jeder stößt in Neukölln momentan vieler- orts auf Grenzen. Für den rollenden  Verkehr sind Hinweise, wie sie umkurvt  werden

baustelle hermannstraße neukölln baustelle richardstraße neukölln

können, normalerweise – wie z. B. in der Richardstraße (r.) – recht gut sichtbar. Kom- lizierter ist es oft für Fußgänger, die am Fortsetzen des direkten Wegs Weiterlesen

Die U8-Strecke wird kürzer, die M44- und Kurzstrecke länger

u8 leinestraße neuköllnÜbermorgen ist erstmal Schluss. In der Nacht von Sonn- tag auf Montag hält der letzte U8-Zug am Bahnhof Leine-straße, danach wird die Station ebenso wie die End- haltestelle Hermannstraße für über neun Monate vom unterirdischen BVG-Netz abgehängt. „Im Zuge der lau- fenden Bahnhofsgrundinstandsetzung sollten u. a. der Deckenputz und der Anstrich des U-Bahnhofes Leine-straße erneuert werden“, begründet die Pressestelle der Berliner Verkehrsbetriebe. „Beim Entfernen des Decken-putzes wurden weit umfangreichere Schäden an der Beton- und Stahlkonstruktion festgestellt, die trotz sorgfältiger Voruntersuchungen in diesem Ausmaß nicht erkennbar waren. Zur langfristigen Sicherung muss die Unterseite der Bahnhofsdecke Weiterlesen

Ballast abwerfen

antiquariat buchexil-neuköllnUlrike Tschackert hat in den letzten Tagen fleißig Zettel geklebt. Überall im Schillerkiez zwischen Hermannstraße und Tempelhofer Feld ist nun zu lesen: Nachmieter gesucht! 75 qm Gewerbe- räume, Allerstraße 43 (Buchexil) zum 1.8.2012  Auch die Möglichkeit, über virtuelle soziale Netzwerke Interessen- ten zu finden, wurde nicht antiquariat buchexil-neuköllnausgelassen. Dass sich die Nachmieter- Frage derma- ßen kurzfristig klärt, ist trotzdem unwahrscheinlich. „Aber je früher jemand kommt, der den Laden haben will, desto besser“, findet die Buchexil-Chefin. Die Last, den Vertrag bis zum Ende der regulären Laufzeit am Jahresende zu erfüllen, wäre sie gerne los.

Am 1. Juli 2007 eröffnete Ulrike Tschackert die antiquarische Buchhandlung, die von Anfang an auf zwei Standbeine setzte: den Online-Verkauf und die Laufkundschaft. antiquariat buchexil-neuköllnWer nun aber denkt, dass letztere Klientel durch die stetigen Verände- rungen im Kiez und den vermehrten Zuzug bildungsnaher junger Leute einen kometenhaften Aufstieg hin- legte, hat sich getäuscht. „Von denen profitieren zwar die Gastronomen, doch Bücher bestellen sie übers Internet oder sind gleich ganz auf Kindle umgestiegen.“ Das führe nicht selten zu der absurden Situation, erzählt die Buchhändlerin, dass Paketdienste Büchersendungen des führenden Internet-Versandhauses zur Weitergabe an nicht angetroffene Nachbarn bei ihr im Laden abliefern: „So schofelig, die Annahme der Päckchen zu verweigern, will ich aber nicht sein.“ So weit, im Sinne der Kundenbindung auch noch Bestellungen für antiquariat buchexil-neuköllnden Platzhirsch anzunehmen, wird sie allerdings nicht gehen, da dessen Geschäftsmodell keine Buchhändler-Rabatte vorsieht und folglich zum Null-Tarif gearbeitet werden müsste.

Doch es gibt weitere Gründe als die zuneh- mende Internet-Affinität für den Rückgang der Laufkundschaft: Termine bei Physiotherapeuten und Ärzten als Folge  gesundheitlicher Proble- me  machten es für Ulrike Tschackert immer komplizierter, die Öffnungszeiten des Buchexils einzuhalten. „Dazu kommt, dass ich es körper- lich einfach nicht mehr schaffe, schwere Bücher- kisten anzuheben oder zu schleppen.“ In erster Linie das habe zu der Entscheidung geführt, den Laden aufgeben zu wollen. Die Erfahrung, mit überzogenen Mieterhöhungen konfron- tiert zu sein, die schon viele Gewerbetreibende in Neukölln machen mussten, blieb antiquariat buchexil-neuköllnihr – trotz des inzwischen zweiten Haus- eigentümerwechsels – erspart. Die Miete, sagt Ulrike Tschackert, sei sehr fair, anders könne man das nicht nennen.

Was diese Aussage unterstreicht, ist, dass die Unternehmerin dem Haus in der Allerstraße treu bleibt und im Hinterhaus einen Lagerraum für den weit im fünf- stelligen Bereich liegenden Buchbestand angemietet hat. „Das Buchexil-Neukölln  gibt es ja weiterhin“, kündigt sie an, „nur eben den Laden nicht mehr.“ Künftig werde also alles über das bereits etablierte Online-Segment laufen. „Und das wird auch weiterhin gut laufen“, ist Ulrike Tschackert überzeugt und klingt dabei eher erleichtert als zweckoptimistisch.

Überall im Laden stapeln sich leere Bananenkisten, die darauf warten, mit Büchern bepackt und über den Hof getragen zu werden: „Wenn ein Nachmieter da ist, haben wir hier ganz schnell ausgeräumt.“ Außer dem würden aber auch noch Leute gesucht, die Bananenkisten abzugeben haben.

=ensa=

Bald ganz dicht: Neuköllns ehemalige Tropfsteinhöhle

Man kann es wohl als glückliche Fügung bezeichnen, dass sich die Pläne, aus dem ehemaligen Neuen St. Thomas Friedhof einen Camping- platz zu machen, zerschlagen haben. Denn wäre der Pachtvertrag zwischen der Tentstation und dem Evangeli- schen Friedhofsverband Berlin Stadt- mitte (EVFBS) Realität geworden, der noch vor einem halben Jahr be- schlossene Sache zu sein schien, wäre hinter der Friedhofsmauer an der Hermannstraße längst ein Parkplatz für die Camper entstanden. Da der aber nun nicht gebraucht wird, kann sich seit geraumer Zeit das Tiefbau-Unternehmen dort breit ma- chen, das von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) mit der Sanierung des Tunnels der U8 rund um die Station Leinestraße beauftragt wurde.

Dass die im September letzten Jahres begon- nenen Reparaturen dringend nötig sind, sieht auch Thomas Blesing ein. „Der Tunnel“, sagt er, „war ja wie eine Tropfsteinhöhle.“ Nur das Timing gefällt Neuköllns Baustadtrat so gar nicht. Zeitgleiche Staustellen auf der Karl-Marx- und der Hermannstraße würden natürlich große Probleme aufwerfen. Und die belasten nicht nur den stockenden bis zähfließenden Autoverkehr und die Bewohner der angrenzenden Kieze. Insbesondere rund um den U-Bahnhof Leinestraße gibt es zudem enorme Engpässe bei den Fahrrad-Parkplätzen. Das werde wohl auch noch eine Weile so bleiben, vermutet Blesing: „Erst war nur von sieben Monaten Bauzeit die Rede, inzwischen zeichnet sich ab, dass erst im Oktober alles wieder fertig ist.“ Etwas optimistischer sind die Prognosen von BVG-Pressespre- cher Klaus Wazlak: „Die Außendich- tung des U-Bahntunnels U-Bahnhof Leinestraße (U8) wird voraussichtlich Ende April fertig gestellt. Der Straßen- bau ist beauftragt und wird voraussichtlich bis Ende Juli 2012 beendet sein.“

Wer der bessere Schätzer ist, wird sich zeigen. Fakt ist, dass mit der Sanierung des unter der Hermannstraße verlaufenden U-Bahntunnels nicht bis zum Abschluss der Umgestaltung der Karl-Marx-Straße gewartet werden konnte: Denn bis dahin werden, so der aktuelle Stand, noch etwa 15 Jahre vergehen.

=ensa=

Viel stop und wenig go in Neuköllns Hermannstraße

Wer momentan mit vier oder mehr Rädern in der Neuköllner Hermannstraße unterwegs ist, braucht vor allem Zeit und starke Nerven. Zuweilen ist außerdem die Benutzung einer Atemschutzmaske ratsam, denn die Feinstaubwolken hüllen gerne

staustelle hermannstraße, neukölln, schlaglochsanierung 2011

mal den stehenden oder zähfließenden Verkehr in dichte, stinkende Nebelbänke.

Dank eines katastrophalen Baustellenmanagements reihen sich derzeit auf der Her- mannstraße zwei Nadelöhre aneinander: In Höhe der U-Bahnhof-Station Leinestraße wird seit Wochen der U-Bahn-Tunnel saniert,  dazu schlägt seit einigen Tagen zwischen Thomas- und Emserstraße das Anti-Schlaglochprogramm zu. Infolgedessen steht für den Verkehr auf dem gesamten Streckenabschnitt nur eine Fahrspur pro Richtung zur Verfügung, was wiederum zur Konsequenz hat, dass die Stauung tagsüber bereits meist an der Werbellinstraße bzw. der Silbersteinstraße beginnt.

Ein gutes Nervenkostüm brauchen auch Autofahrer, die an den Kreuzungen vor und im Staubereich oder – nach Ausweichmanö- vern durch die angrenzenden Kieze – aus Seitenstraßen in die Hermannstraße ein- biegen wollen. Letztere dürfen dann häufig feststellen, dass auch viele andere die gleiche Idee hatten.

=ensa=

Eine nicht mehr ganz so neue Erkenntnis und ihre Konsequenzen für Neukölln

Die Mitte Berlins liegt in Neukölln, fand der Potsdamer Geograf Arnold Zenkert im Frühjahr letzten Jahres heraus. Das wird man im Bezirk Mitte höchstwahrscheinlich nicht gerne gehört haben. Doch inzwischen gibt es sehr deutliche Anzeichen dafür, dass der Sachverhalt akzeptiert und bereits einiges in die Wege geleitet wurde, Neukölln mit allem auszustatten, was zu einer repräsentativen Stadt- mitte gehört. Und die soll nicht etwa auf der Karl- Marx-Straße, sondern auf der Hermannstraße er-  richtet werden. Dort, wo Friedhöfe das Straßenbild prägen und momentan eine Bau- stelle die Magistrale zum Nadel- öhr verengt. Von „Bauarbeiten am U-Bahntunnel“ ist offiziell die Re- de, die Beschilderung der Stra- ßensperren macht jedoch aus dem wahren Grund für die Baumaßnahmen kein Geheimnis mehr und lüftet es nonchalant: Die Buchhandlung BerlinStory finde man nun nach 250 Metern in Richtung Brandenburger Tor, erfahren alle, die die U8 an der Station Leinestraße verlassen. Der entsprechende Pfeil zeigt in die Stadt- auswärtsrichtung der Hermannstraße.

Wo das Wahrzeichen Berlins seinen neuen Standort bekommen wird, lässt sich derzeit nur vermuten: Der momentan ziemlich schmucklose S- und U-Bahnhof Her- mannstraße böte sich an.

=ensa=

.