Das große Zittern

Heute um viertel vor 11, nach der dritten Unterrichtsstunde, ist es an der Fritz-Karsen-Schule endlich vorbei. Dann werden die Kinder und Jugendlichen, rathaus-vorplatz_neuköllndie Deutschlands älteste staatliche Gesamtschule besuchen, samt ihrer Halbjahreszeugnisse für eine Woche in die Winterferien geschickt: aus der Kälte in die Kälte.

Denn in der Schule im Neuköllner Ortsteil Britz ist es „sehr kalt“, wie Thomas Licher der Bezirksverordnetenversammlung vor- gestern im kuschelig warmen BVV-Saal per Mündlicher Anfrage mitteilte. „Ist dem Be- zirksamt bekannt, dass die Heizung in der Fritz-Karsen-Schule seit einiger Zeit Pro- bleme macht und was ist unternommen worden, damit dort der Weiterlesen

Unerwarteter Ferientag in einer Neuköllner Grundschule

Gerade mal zwei Unterrichtstage hatten die Kinder der Neuköllner Karlsgarten-Grundschule nach dem Ende der Winterferien hinter sich gebracht, dann hatten sie schon wieder frei. Kältefrei, denn im Schulgebäude war es ungemütlich kühl. Zu frisch, um sich aufs Lernen konzen- trieren zu können. Draußen herrschte strammer Frost, und die Heizungen in der Schule waren  bestenfalls lau- warm und damit weit davon entfernt, ihren Zweck zu erfüllen.

Was war passiert? Dreh- und Angel- punkt war das am Kiehlufer gelegene Fernheizwerk (FHW) Neukölln, das rund 30.000 Haushalte und diverse öffentliche Einrichtungen mit wohliger Wärme versorgt – eigentlich. Doch dann kamen in der Nacht von Sonntag auf Montag Tiefsttemperaturen, die Berlin seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hatte, und auch am Montag waren zweistellige Minusgrade angesagt. „Wenn alle gleichzeitig ihre Heizungen bis zum Anschlag aufdrehen, kann das immer mal zu Problemen führen, sollte aber natürlich nicht so sein“, sagt FHW-Chef Ulrich Rheinfeld. Montagabend gingen für ihn die Probleme los: Störungen im regelungstechnischen Bereich bewirkten innerhalb von neun Stunden zwei fernheizwerk neuköllnAusfälle der Netzeinspeisung am Kiehl- ufer. „Das kann und wurde zwar durch das Heizwerk Weigandufer kompensiert“, räumt Rheinfeld ein, „trotzdem kam es aufgrund der Lastverschiebungen und der eingetretenen hydraulischen Veränder- ungen im Fernwärmenetz zeitweise zu einer partiellen Unterversorgung in eini- gen Versorgungsbereichen.“ Weitere 12 Stunden habe es gedauert, bis alle betroffenen Gebäude wieder mit Fern- wärme vollversorgt waren. Da die Karlsgarten-Schule am weitesten von Kiehlufer entfernt ist und das heiße Wasser, das durch die FHW-Rohre fließt, den Rollberg hoch muss, habe dort am längsten auf angenehme Raumtemperaturen gewartet werden müssen.

Sehr flott ging es dagegen bei der Rixdorfer Schule. Dienstagvormittag mussten die Schüler noch frieren.  „Ab 14 Uhr wurden die Heizungen wieder heiß“, sagt Schul- leiterin Anke Peters. Kältefrei musste folglich nicht gegeben werden. Das galt auch für das ebenfalls von den FHW-Problemen betroffene Gebäude der Neuköllner Volks- hochschule, wo auch das Schulamt des Bezirks seinen Sitz hat. Das in der Nachbarschaft gelegene JobCenter Neukölln handhabte den weitgehenden Heizungsausfall im Haus flexibel. „Im Großen und Ganzen hatte die Störung keine Auswirkungen auf den Betrieb, weil sich die Raumtemperatur zum Glück nur langsam absenkte“, so Pressesprecher Uwe Mehlmann. „Aber Mitarbeiter, denen es zu kalt wurde, konnten früher gehen.“

Seit gestern ist es auch in der Karlsgarten-Grundschule „wieder wunderbar warm“. Ulrich Rheinfeld ist optimistisch, dass sich daran nichts ändert und die Panne im Fernheizwerk Neukölln die Ausnahme von der Regel bleibt.

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