„Neukölln Open“: Einladung zur aktiven Beteiligung an Prozessen der politischen Meinungsbildung

„Kurz vor der Bundestagswahl gilt es ein Zeichen zu setzen: Für Vielfalt, Toleranz, Demokratie und Menschenrechte!“, erklärte Kulturstadtrat Jan-Christopher Rämer, als er Sonntagmittag auf der Freilichtbühne des Gutshofes Britz das umfangreiche Programm des eintägigen Festivals „Neukölln Open“ vorstellte. Diskussionsforen, Workshops, Info-stände, Mitmachaktionen sowie Musik und Poetry Slam wurden bis in die Abendstunden geboten.

Kultursenator Klaus Lederer diskutierte im Kulturstall über eine Renaissance des europäischen Gedankens, während Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey mit Gästen im Weiterlesen

Von der Vor- bis zur Jetztzeit: Spurensuche von Christina Schwarzer und Monika Grütters im Museum Neukölln

„Sie lassen sich am besten durch die Augen lenken“, empfahl Museumsdirektor Dr. Udo Gößwald den beiden Politikerinnen, die am Anfang ihres Rundgangs durch die Dauerausstellung 99 x Neukölln, die Grundlegen-des der Bezirksgeschichte näherbringt, einen Orientierungspunkt suchten: Ein Sieben Striemer, mit dem früher Kinder an Neuköllner Schulen geschlagen wurden, liegt ebenso wie das Schach-brett, an dem einst der Maler Stanislaw Kubicki mit seinem Freund Erich Mühsam manche Partie in der Britzer Hufeisensiedlung spielte, in den Vitrinen. Die Spikes des Soziologen und Krimi-Autors Horst Bosetzky, die er bei Wettkämpfen auf der Aschenbahn trug, sind nicht weit vom über 20.000 Jahre Weiterlesen

In Neuköllns Schulen ist Musike

wolfgang-gerhardt_8-neukoellner-musiktage_ton-halle-britz_neukoellnIhren großen Auftritt als Samba-Ensemble, Jazzband, Chor oder Orchester hatten Freitagabend Grund- und Oberschüler bei der Abschlussveranstaltung der 8. Neu-köllner Musiktage, madrigal-chor-albert-einstein-gym_8-neukoellner-musiktage_ton-halle-britz_neukoellndie unter dem Motto „Begegnung durch Musik“ standen. Rund 800 Besucher konnte Rektor Wolfgang Gerhardt (r.) in der kurzfristig zur “Ton-Halle” umbenannten Sport-halle des Albert-Einstein-Gymnasiums in der Parchimer Allee, schräg gegenüber vom Gutshof Britz, begrüßen.

Über 250 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 13 aus 17 Schulen des Bezirkes hatten seit Montag an einer Probenwoche Weiterlesen

Mehr als 20 Ensembles in Britz beim Jazzfest Neukölln

„Schon wieder ein Jahr vorbei?“, fragte Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey (l.) gestern Abend zur Eröffnung des Jazzfest Neukölln 2017 und erinnerte sich, wie ihr giffey_busch_jazzfest-neukoellnalljährlich das Festival im Kulturstall des Britzer Schlosses wieder gute Laune in der kalten Jahreszeit beschert. Ein wenig brachte sie Daniel Busch (r.) mit ihrem Stimmungsbericht in Verle-genheit. „Weit mehr als 100 Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker in über zwanzig Ensembles, können wir im 90. Jubiläumsjahr der Musikschule Neukölln präsentieren“, gab der Festivalleiter und Leiter der Musikschule Paul Hindemith sachlich bekannt. Im Kulturstall sei wieder das Who-is-who der Berliner Jazzszene vertreten. „Hochkarätige Weiterlesen

Bücherverbrennungen – in der Antike aufgekommen und noch in der Gegenwart praktiziert

Das Museum Neukölln startete kürzlich begleitend zur Jahresausstellung „Die Magie des Lesens“ eine fünfteilige Veranstaltungsreihe: Am vergangenen Sonntag hielt helber_museum-neukoelln Dr. Patrick Helber (r.) einen Vortrag unter dem Titel „Die Bücherverbrennung auf dem Tempelhofer Feld 1921“.

Die öffentliche und feierliche Verbrennung von Büchern sei eine Praktik, die bereits in der Antike aufkam und ihren Höhepunkt in der Vormoderne erreichte. Eine symbolische Bücherverbrennung „undeutscher Bücher“ habe es beispielsweise nach dem Ende des Wartburgfestes bei Eisenach im Jahr 1817 gegeben. „Als geistiger Motivator für die dortige Bücherverbrennung gilt Friedrich Ludwig Jahn“, erklärte Dr. Patrick Helber, der als wissenschaftlicher Volontär im Weiterlesen

Mehr als zuletzt, aber weniger als von Anwohnern gefordert: Tempo 30 auf der Fulhamer Allee nur zeitlich begrenzt

„Danke, Herr Geisel! Danke, Herr Rämer!“, rufen die Grundschulkinder im tempo30-schild fulhamer allee_neukoelln-britzSprech-chor. Für den Abgeordneten Joschka Langenbrinck und die Neuköllner Bezirksverordnete Derya Caglar (beide SPD) gibt es stürmischen Applaus. Nur selten ist die Stimmung bei einer Demonstration so positiv wie gestern Morgen um halb 9, als Schü-lerinnen und Schüler der Fritz-Karsen-Schule mit Plakaten und Krachmachern an die Ecke Fulhamer Allee/Onkel Bräsig-Straße gekommen sind.

Grund der Begeisterung: Auf dem Streckenabschnitt von der Onkel-Bräsig- bis zur Backbergstraße, an dem die Fritz-Karsen-Schule mit einem Sportplatz, einer Kindertagesstätte sowie der Gutspark Britz liegen, gilt nun auf der Fulhamer Allee von Montag bis Freitag zwischen 6 und 18 Uhr Tempo 30. Eine Lösung, für die sich der Neuköllner Bildungsstadtrat Weiterlesen

Hoch in den Norden oder hoch aufs Dach: Ende der Weihnachtsmarkt-Saison in Neukölln

schlittenhunde_weihnachtsmarkt gutshof britz_neuköllnMit „Det var en gång …“ beginnen Märchen in Schweden, dem größten der skandinavischen Länder. Die Nordische Märchenweihnacht auf dem Gutshof Britz beginnt noch heute und morgen  für Besucher, die älter als sechs sind, damit, dass Eintritt zu zahlen ist. Erst dann öffnet sich das Tor zum Reich der Trolle, zu über 50 Ständen mit altem Kunsthandwerk und frischen Leckereien, zu Märchenspielen, Gauklern und Fahrten mit den Schlittenhunden. Ebenfalls am morgigen Adventssonntag endet im Norden Neuköllns beim Klunkerkranich der höchste Weihnachtsmarkt Berlins.

Nordisch, märchenhaft, weihnachtlich – nur das Wetter nicht

Der Weihnachtsmarktbummel auf dem Gutshof Britz war in den letzten Tagen eine märchenhaft flotte Angelegenheit: Die Nordische Märchenweihnachtswelt der Wan- derbühne Cocolorus-Budenzauber, die zuletzt im Frühjahr mit dem Gauklerfest Coco- medivale auf dem Anwesen gastierte, öffnet sich nämlich  nur von  freitags bis sonn-

nordische märchenweihnacht_gutshof britz neukölln

tags. Heute geht das noch bis Sonntagabend dauernde märchenhafte Programm also weiter; Erwachsene haben am Eingang 3, Kinder ab 7 Jahren 2 Euro zu zahlen.

Roter Faden: radikale Ehrlichkeit

plakat erich mühsam-lesungAm 10. Juli 1934 starb im KZ Oranienburg der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam. SS- Männer hatten ihn ermordet, um aber einen Selbstmord vorzutäuschen, wurde seine Lei- che aufgehängt. Mühsams Todestag vor 80 Jah- ren war für das Museum Neukölln Anlass, zu einer Lesung aus seinen Tagebüchern in den Kul- turstall des Gutshofs Britz einzuladen.

Museumsleiter Dr. Udo Gößwald führte in die Lesung ein. Er freute sich, dass geschätzte 60 Interessierte erschienen waren, darunter auch Bernd Szczepanski, der Neuköllner Sozialstadt- rat. Dr. Gößwald berichtete, dass Mühsam, der vorher in München gelebt hatte, im Dezember 1924 nach dem Ende seiner fünfjährigen Haftzeit nach Berlin kam. Von 1928 bis zu seiner Verhaftung am 27. Februar 1933 wohnte er mit seiner Frau Kreszentia, ge- nannt Zenzl, in der Hufeisensiedlung im Neuköllner Ortsteil Britz. Was Weiterlesen

Neukölln im Ferienmodus

Ab heute können Berlins Schüler für über sechs Wochen ohne Rücksicht auf Kalen- der und Stundenpläne das  tun, was im Tierpark Neukölln und auf  dem Gutshof Britz

lama_tierpark neukoellngutshof britz

grundsätzlich in Perfektion praktiziert wird: in den Tag hinein leben, chillen, dann und wann aufstehen, um elementare Bedürfnisse zu befriedigen, zurück auf Anfang.

Die Neuen aus der Wuhlheide

Jetzt ist die Zeit, um sich auf eine Bank in die Sonne zu setzen, erstmal wieder vorbei. Manchen genügte auch eine Fensterbank. Den drei Pfauen, die im Dezember aus der Wuhlheide auf den Gutshof Britz kamen, schien es jedenfalls in der Märzsonne zu ge-

pfauen_gutshof britz_neukölln

fallen. Bisher waren sie in einer Volière, um „ortsansässig“ zu werden. Weiterlesen

Das Kreuz mit den Kreuzen

einladungsplakat podi st. clara neuköllnEgal wie stark und aus welcher Richtung dann der Wind weht – in 18 Tagen wird gekreuzt. Im Wahl- BTW2013_Wahlzettel NKkreis 82 Berlin-Neukölln wollen 17 Parteien und 10 Direktkandidaten die Regatta für sich ent- scheiden, um mit dem Rückenwind der Wähler den deutschen Bundes- tag zu entern.

Aber wer sind überhaupt diese Wahlkreisabge- ordneten, die den direk- ten Weg nehmen und Impulse für Neukölln unter der Reichstagskuppel setzen wollen? Mit  Christina Schwarzer (CDU), Ruben Lehnert (Die Linke), Anja Kofbinger (Bündnis 90/Die Grünen) und Anne Helm (Piraten) stellten sich gestern Abend gleich vier der 10 einer Podiumsdiskussion im Weiterlesen

Tierische Begegnungen

Bei einem Spaziergang durch den Neuköllner Ortsteil Britz begegnet man dem einem

wilde tiere in britz

oder anderen wilden Tier. Leider – oder zum Glück – ist der Stier wohl Weiterlesen

Tür an Tür: Einprägsame Einsichten in das Leben in der Großsiedlung Britz vor und nach 1933

„Das Ende der Idylle?“ heißt die neue Ausstellung im Museum Neukölln, und wenig idyllisch war auch deren Eröffnung am Freitagabend. das ende der idylle_großsiedlung britz-ausstellung_museum neukölln„Für so viele Leute ist die Aus- stellungsarchitektur wirklich nicht ge- macht“, entschuldigte sich Museums- leiter Dr. Udo Gößwald bei allen, die keinen Sitzplatz mehr fanden oder das Geschehen innerhalb der auf Stoff ge- druckten Nachbildung der Hufeisen- siedlung nur akustisch verfolgen konn- 3_großsiedlung britz-ausstellung_museum neuköllnten. Künftig wird es im ehemali- gen Ochsenstall, in dem das Mu- seum Neukölln seit dem Umzug nach Britz seine Sonder-ausstellungen zeigt, weniger Gedränge und viel Zeit geben, sich mit den beeindruckenden Exponaten zu beschäftigen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung, die Neuköllns Beitrag zum Berliner Themenjahr „Zer- störte Vielfalt“ ist, stehen die Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung, die als Pionierprojekt des sozialen Wohnungsbaus für Arbeiter und Angestellte geplant und zwischen 1925 und 1933 als Großsiedlung  Britz errichtet  wurden. Dass die ursprüngliche  Intention,

zeitstrahl ab 1918_großsiedlung britz_neukölln zeitstrahl ab 1933_großsiedlung britz_neukölln

komfortablen Wohnraum für kleinere Haushaltskassen anbieten zu können, schon an der Weltwirtschaftskrise über weite Strecken scheiterte, ist eine Sache. Weitaus größere Auswirkungen auf das Leben in der Siedlung hatte jedoch die Machtüber- peter lösche_museum neuköllnnahme der Nazis, und speziell dieser Aspekt wird durch „Das Ende der Idylle?“ in den Fokus gerückt.

Einer, der in der Großsiedlung Britz geboren wurde, ist Prof. Dr. Peter Lösche, der als Parteien- und Wahlforscher bundesweit be- kannt wurde. 1935 waren seine Eltern, die SPD-Politiker Dora und Bruno Lösche, in die Fritz-Reuter-Allee 83 gezogen, 1945 zogen sie in eine Wohnung am Rande der Siedlung um. „Eine Idylle“, so Lösche, „herrschte in der Hufeisensiedlung aber auch vor 1933 nicht.“ Realistisch betrachtet könne man die Atmosphäre innerhalb der Solidargemeinschaft von Künstlern, SPD- und KPD-Anhängern bestensfalls als brüchige Idylle bezeichnen: „Die Anarchos hatten für die sozialdemokratischen Spießer nur Hohn und Spott übrig und umgekehrt war es nicht anders.“ Dennoch habe er beim „Rückspüren in der eigenen Biographie“ sehr positive Erinnerungen an die Siedlung, franziska giffey_museum neuköllnmit seinem Buddelkastenfreund Wolfgang Hempel sei er sogar nach wie vor befreundet. „Ich bin ein Brit- zer!“, konstatierte Lösche, und als solcher freue er sich über den Fortschritt in der regionalhistorischen Forschung, den die Ausstellung bedeutet und doku- mentiert.

Den Wert der neuen Erkenntnisse hob auch Dr. Franziska Giffey in ihrer Begrüßungsansprache her- vor: „Die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit hat eine lange Tradition in unserem Bezirk, mit der Forschung im Vorfeld der Ausstellung konnte die Geschichtsaufarbeitung entscheidend fortgeführt werden.“ Aufgrund der guten Quellenlage sei es inzwischen möglich, die Alltagswirklichkeit und Handlungs- optionen der Menschen während des Nazi-Regimes viel differenzierter 1_großsiedlung britz-ausstellung_museum neuköllnals noch vor ein paar Jahren darstellen zu können.

Rund 80 Familien jüdischer Herkunft und 130 Künstler lebten vor 1933 in der Groß- siedlung Britz. 18 Bewohner, so die Neu- köllner Kulturstadträtin, wurden Opfer des Regimes, andere zogen weg, bevor Schlim- meres passieren konnte. Parallel dazu nahm der Zuzug von Nazis verheerende Ausmaße an: Waren es 1928 noch 128 NSDAP-Mitglieder, die in der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung wohnten, hatte sich ihre Zahl 12 Jahre später fast verzehnfacht. Auch Adolf Eichmann, einer der Hauptorganisatoren des Holocaust, gehörte drei Jahre lang zu den Mietern: 1945 zog einer der wenigen Auschwitz-Überlebenden in statue die deutsche familie_museum neuköllnsein ehemaliges Haus in der Onkel-Herse-Straße 34.

„Das Bezirksamt Neukölln“, hielt Giffey fest, „sieht es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, Erkenntnisse der Geschichtsforschung für die Gegenwart und Zukunft zu nutzen.“ Niemand solle die Gewalt unterschätzen, die von den Feinden der Demokratie ausgeht, mahnte sie mit Hinweis auf „das fatale Versagen rechtsstaatlicher Struktur“ in Sachen NSU.

Dass es in Neukölln mit der Pflege eines aufmerksamen Umgangs mit der deutschen Vergangenheit nicht immer furchtbar genau genommen wurde, beweist das Standbild „Die deutsche Familie“, 2_großsiedlung britz-ausstellung_museum neuköllndas ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Im Mai 1935 wurde die Statue des Bildhauers Bernhard Butzke im Akazien- wäldchen an der Fritz-Reuter-Allee einge- weiht, erst 2001 wurde sie dort abgebaut und eingelagert. Der Kopf des Vaters sei irgendwann abhanden gekommen.

Dafür, dass die Erinnerung an Menschen, die in der Krugpfuhl- und Hufeisensiedlung wohnten, nicht abhanden kommt, sorgt die Ausstellung „Das Ende der Idylle?“. Der udo gößwald_museum neuköllnWorpsweder Maler Heinrich Vogeler lebte hier, ebenso der Künstler Stanislaw Kubicki, der Anarchist und Dichter Erich Mühsam, der Leichtathlet Rudolf Lewy sowie zahlreiche SPD- und KPD-Parteigrößen. „Mit Beginn der Nazi-Herrschaft unterlagen sie als nichtkonforme Bewohner einer sehr ausgeprägten soziale Kontrolle und nahmen große Risiken in Kauf“, unterstrich Museumsleiter Dr. Udo Gößwald.

Es sind bedrückende Details und schier unvor-stellbare Lebensgeschichten, die von nun an durch die 2 1/2-jährige Arbeit seines Teams ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. „Dieses mikrohisto- rische Projekt macht deutlich, wie wichtig heute die Forschung regionaler Museen ist“, sagte Gößwald, und er sei sehr stolz auf das Ergebnis.

Seit der Vernissage ist die Sammlung des Museums um einige Schätze reicher. „Ich habe Ihnen etwas aus dem Konvolut meines Vaters als Geschenk franziska giffey+udo gößwald+peter lösche_museum neuköllnmitgebracht“, kündigte Prof. Dr. Peter Lösche an und überreichte Gößwald eine Map- pe. Die Ebert-Stiftung habe viel zu viele von diesen Akten, meinte der Britzer: „Sie sollten gefördert werden.“ Dass Lösche – zu Gößwalds sicht- licher Irritation – ständig vom Heimat- museum gesprochen hatte, obwohl das Museum Neukölln bereits seit neun Jahren auf den zweisilbigen Zusatz verzichtet, war in diesem Moment verziehen.

Die Sonderausstellung „Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhl- siedlung vor und nach 1933“ wird noch bis zum 29. Dezember im Museum Neukölln gezeigt.

Zur Ausstellung ist ein 400-seitiger Katalog (18 Euro), der die Forschungs- ergebnisse detailliert dokumentiert, sowie die Begleitbroschüre „50 Türen in die NS-Zeit“ (5 Euro) erschienen.

=ensa=

K wie Katze … oder Kuh

kuh-katzeWenn man das, was einem abhan- den gekommen ist, so konkret und allgemeinverständlich wie möglich beschreibt, steigen die Chancen, es wieder zu kriegen: Auch die Besitzer einer verlustigen Neuköllner Katze machten sich die Strategie zu eigen.

kuh_gutshof britz_neuköllnDass Kühe schwarz-weiß (oder braun), auf jeden Fall aber nicht lila-weiß wie die Milka-Kuh sind, setzten sie dabei offenbar als bekannt voraus; sonst würde die Erklärung schließlich hinter der Feststellung stehen. Wer sich in Neukölln davon überzeugen will, kann das auf dem Gutshof Britz oder noch weiter im Süden des Bezirks bei Bauer Mette und dem Milchhof Mendler tun.

Zwischen Ochsenstall und BVV-Saal

Auch in dieser Woche lässt sich wieder reichlich Zeit mit dem Besuch öffentlicher Sitzungen Neuköllner Bezirkspolitiker verbringen. Bereits heute tagen die in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vertretenen Fraktionen: Öffentlich tun das jedoch nur die GRÜNEN – ab 19 Uhr.

Morgen zieht sich dann der Ausschuss für Verwaltung und Gleichstellung ab 17 Uhr mit seiner öffentlichen Sitzung in den Ochsenstall im Gutshof Britz zurück. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Sachstandsbericht über den Umbau des Areals, auf dem auch das bvv neukölln, rathaus neukölln, bvv-saalMuseum Neukölln eine neue Hei- mat fand, zum Kultur- zentrum.

Mittwoch kann Augen- und Ohrenzeuge der insge- samt 678. Sitzung der Be- zirksverordneten Neu- köllns werden, wer sich ab 17 Uhr auf der Empore des BVV-Saals einfindet. Nach Dringlichkeiten, Ge- schäftlichem und dem Programmpunkt „Der Bürgermeister hat das Wort“ gilt es, eine umfangreiche Tagesordnung mit Entschließungen, Vorlagen, Beschlussempfeh- lungen, Anfragen und Anträgen abzuarbeiten. Die Palette reicht dabei von der bezirklichen Investitionsplanung für die nächsten vier Jahre über die Dauerthemen Bürgerbeteiligung, Tempelhofer Feld und Spielautomaten bis hin zum Busverkehr  der Linie 171.

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Das Gedächtnis Neuköllns ist eröffnet

„Je weiter man zurückblicken kann, desto weiter wird man vorausschauen“ – mit diesem Zitat von Winston Churchill eröffnete Neuköllns Stadträtin Franziska Giffey eröffnung des geschichtsspeichers, museum neuköllngestern das Gedächtnis des Mu- seums Neukölln: den Geschichts- speicher.

Auf 240 Quadratmetern ist nun unter dem Dach des alten Britzer Gutshofs deponiert, was zur Historie und zur Alltagskultur des Bezirks beitrug. „Hauptsponsor dieses wichtigen re- gionalgeschichtlichen Archivs“, beton- te Giffey, „ist die Bevölkerung.“ Sie spendete massenhaft Fotos und alte Dokumente, Gegenstände von monetärem und eröffnung des geschichtsspeichers, museum neukölln,dr. udo gößwaldideellem Wert sowie die Zutaten für eine ansehnliche Sammlung historischer Post- karten. Im Grunde, so Museumsdirektor Dr. Udo Gößwald, sei so ein Archiv ein großes Geheimnis. „Auch wir“, gestand er, „ent- decken fast täglich Dinge, die wir nie zuvor gesehen haben.“ Kennt man die räum- lichen Verhältnisse, mit denen das Depot am alten Standort in der Ganghofer Straße auskommen musste, überrascht das nicht. Erst durch den Umzug vor fünf Monaten ergab sich die Möglichkeit, dem Bereich zu einer größeren Bedeutung zu verhelfen. Eine Spende der Stiftung Deutsche Klassenlotterie in Höhe von 150.000 € floss in die eröffnung des geschichtsspeichers, museum neuköllnAnschaffung neuer Archivschränke und -regale und damit in ein optimiertes Ordnungssystem. Und das eröffnung des geschichtsspeichers, museum neuköllnist alles andere als unwichtig für die Idee, ein mehrdi- mensionales Bil- dungsangebot zur Beschäftigung mit der Regionalge- schichte für jeder- mann zu schaffen. Im nächsten Jahr sollen zu den hap- tischen Schätzen auch noch akusti- sche kommen, wie Franziska Giffey ankündigte. „Neuköllner Geräusche“ heißt die Serie, die den Sound alter Straßenbahnen, die einst durch Neukölln fuhren, auf Audio-Trägern konserviert. Ab Mitte nächsten Jahres werden dann zudem digitalisierte Medien zur Ansicht zur Verfügung stehen.

An drei Tagen pro Woche (Di. – Do. 12 – 18 Uhr) können Interessierte den Ge- schichtsspeicher ab Anfang November unentgeltlich  nutzen. Allerdings nur nach schriftlicher Voranmeldung und genauer Angabe dessen, welches Stück Neukölln-Geschichte man erforschen möchte, schränkt Gößwald ein: „Entscheidend ist also, wie konkret die Frage gestellt ist.“ Das Suchen nach den passenden Materialien übernehmen dann die Mitarbeiter des Museums.

=ensa=