Großes Fest vor Zwangspause und Seitenwechsel

Rund 65 Jahre lang war das 1884 gegründete Traditionsgeschäft Zauberkönig in der Neuköllner Hermannstraße direkt am U-Bahnhof Leinestraße in einem Nachkriegsbau untergebracht. Nun wird der baufällige Flachbau abgerissen.

Der Vorsitzende des Evangelischen Friedhofsver-bandes Stadtmitte hat den Inhaberinnen des Zauberkönigs, Karen German und Kirsi Hinze, einen neuen Geschäftsstandort direkt gegenüber auf dem Gelände des St. Thomas Friedhofs angeboten. Der Friedhofsverband baut dort, unmittelbar neben der geplanten Geschäftsstelle des Weiterlesen

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Simsalabim, Neuköllns Zauberkönig ist wieder da!

zauberkönig neuköllnEs stand wirklich schlecht um ihn, und vor ein paar Monaten konnte niemand sagen, wie es mit ihm weitergehen würde – oder ob überhaupt. Mit einem Fuß im Jenseits, so ließ sich sein Zustand am treffendsten beschreiben, als 2011 von 2012 abgelöst wurde und Mona Schmidt die Betreuung des zauber- haften Adligen aufgab, die sie 1995 von ihrem Vater, dem Magier Günter Klepke, übernommen hatte. Von einer gewissen Hoffnung in zauberkönig berlin-neuköllnihre Nichte sprach sie damals. Doch entschieden sei noch nichts und erstmal wolle man den alten Herrn zur Ruhe kommen lassen.

Mit der ist es heute endgültig vorbei: um 15 Uhr wird der Zauberkönig wiedereröffnet. Viel frische Farbe hat der Laden bekommen, der vor 60 Jahren in die Hermannstraße 84 zog, aufgeräumt wie nie zuvor sieht er aus. Die Schaufensterdeko ist nun luftiger, der Verkaufstresen verschlankt, das Sortiment jedoch nicht: Scherzartikel, Zauber- zubehör, Karnevalskostüme und Masken von gruselig bis skur- ril wird es weiterhin geben. Bei allem frischen Wind, der jetzt mit Mona Schmidts Nichte Karen Goetzke und einer Freundin als Geschäftspartnerin in den Laden weht, solle doch das erhalten bleiben, was den Zauberkönig jahr- zehntelang ausmachte.

Einzig das mit dem Vorführen von Zaubertricks sei ein Problem, weil das Reich des Magischen den beiden Chefinnen noch relativ fremd ist. Doch dafür gibt es ja Karen Goetzkes Opa Günter Klepke, der nicht nur heute bei der Wiedereröffnungsfeier, sondern künftig immer samstags sein Können demonstrieren wird. Dass seine Enkelin nicht frei von zauberhaftem Talent ist, hat sie bereits jetzt bewiesen: Schließlich gelang ihr das Kunststück, ein tradtionsreiches Neuköllner Fachgeschäft als Familienbetrieb zu erhalten. Das haben viele andere nicht geschafft.

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Mit einem Fuß im Jenseits

Er kränkelte schon lange und siechte seit geraumer Zeit in einem Dasein dahin, das aus mehr Abs als Aufs bestand: der Zauberkönig. Nun ist er tot,  gestorben im stolzen Alter von 127 Jahren, höchstwahrscheinlich jedenfalls. Eine endgültige Diagnose will Mona Schmidt momentan noch nicht abgeben. Lieber spricht sie erstmal von einer gewissen Hoffnung, die es vielleicht gebe, von einer Art komatösem Zustand.

Gestern ging es dem Zauber- könig noch einmal richtig gut. Die Kunden – auf Ladycracker, Pfennigschwärmer, Wunderker- zen, Chinakracher, Scherzartikel und Luftschlangen aus – gaben sich gegenseitig die Klinke in die Hand und stand dicht gedrängt in dem kleinen Laden. Günter Klepke, Mona Schmidts Vater, der das Fachgeschäft für Magie an der Neuköllner Hermannstraße 1978 übernahm und 1995 an seine Tochter übergab, führte Zaubertricks vor. Es war ein wenig  wie ein letztes Aufbäumen.

Wenn jeden Monat Silvester, Karneval oder Halloween wäre, dann hätte man sich um das Überleben des Zauberkönigs weniger Sorgen machen müssen. Darauf, dass der Kalender anderes vorsieht, reagierte Mona Schmidt bereits vor einem Jahr, indem sie sich einen Job fernab von Scherz- und Zauberhaftem suchte. „Von dem, was der Zauberkönig einbringt, kann kein Mensch leben“, sagt sie. Der  Harry Potter-Boom sei verpufft, Silvester nur einmal im Jahr und Faschings- oder Halloween-Kostüme würden die Leute lieber in Discountern kaufen: „Bei uns holen sie sich dann nur noch Kleinigkeiten wie Dracula-Zähne oder Schminke.“ An einer sprunghaft gestie- genen Miete oder anderen derartigen Begleiterscheinungen des Wandels in Neukölln liege es jedenfalls nicht, dass es dem Zauberkönig geht, wie es ihm geht.

Ob er reanimiert werden kann, das werde sich rausstellen. „Es könnte sein“, so Mona Schmidt, „dass es jemand aus der Familie mit einem neuen, modernen Konzept probieren will.“ Doch für diese Entscheidung werde man sich Zeit lassen. Mona Schmidt hat ihre indes getroffen: Deshalb bleibt die Tür ins kleine Reich der Magie ab morgen  geschlossen. Vielleicht nur vorübergehend, vielleicht aber für immer.

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