Eine feste Größe im Morus 14-Programm

Mieter kochen für Mieter im Rollbergviertel, eine Initiative die inzwischen unter dem Namen „Der Rollberg tafelt“ firmiert, ist seit 2002 ein Begriff in Neukölln. Die Initiatoren vom Verein Morus 14 können immer wieder nicht nur Vereinsmitglieder und Nachbarn aus dem Rollbergkiez, sondern auch Politiker, Künstler, Unternehmer und andere Prominente dazu bewegen, für die Allgemeinheit schmack-hafte Gerichte in der Küche des Gemein-schaftshauses zu kochen.

Vergangenen Mittwoch waren die Publizistin und Soziologin Dr. Necla Kelek sowie Mitarbeiterinnen der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes gekommen. Auf dem Speisezettel standen Weiterlesen

„Die Jugendlichen im Rollbergviertel wachsen in einer Kultur der totalen Männlichkeit auf, aber es gibt keine richtigen männlichen Vorbilder“

Gilles Duhem vom Morus 14 e. V. und Dr. Dominik Wullers, Vorsitzender des Vereins Deutscher Soldat, lernten sich vor anderthalb Jahren kennen. Weil der Nachbar-schaftsverein duhem_deutscher soldat-podi integration_st clara neukoellnaus dem Rollbergviertel immer ehrenamtliche Mentoren für seine Jugendarbeit sucht und dem Bundeswehr-Hauptmann Wullers die Art gefiel, wie Duhem (r.) die Sozialisations-defizite seiner Klientel im Kiez verringern will, kam zwischen beiden eine Kooperation zustande.

Jüngstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit: Dienstagabend richteten beide Vereine gemein-sam im Pfarrhaus der katholischen St. Clara-Gemeinde eine Diskussion unter dem Titel „Migrant. Schwarz. Deutsch. Soldat. – Wie Integration Deutschland besser macht“ aus. Prominenter Gast des Expertenaustausches, für den Weiterlesen

„In was für eine Gegend sind wir hier eigentlich gezogen?“

Seit letztem Freitag liegt ein neues Neukölln-Buch auf den Büchertischen der Buch-handlungen. Ein Sachbuch mit einem Ortsschild des Bezirks auf dem Cover, dem Titel „Keine Angst, hier gibt’s neukoelln-schriftzug_konrad-agahd-schulhofauch Deutsche!“ und dem vielleicht verkaufsfördernden Untertitel „Unser neues Leben im Problemkiez“. Geschrieben hat es Thomas Lindemann, dessen „Kinderkacke. Das ehrliche Elternbuch“ es vor sechs Jahren bis in die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.

Damals wohnte der Autor noch im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Inzwischen hat ihn, seine Frau und die drei Kinder die Suche nach einer größeren, bezahlbaren Wohnung von der „Wohlfühl-Welt des gentrifizierten Prenzlauer Berg“ in den Neuköllner Norden verschlagen, mitten in „Deutschlands Problembezirk Nummer 1“. „Papa, in was für eine Gegend sind wir hier eigentlich gezogen?“, wird Weiterlesen

Royals im Rollbergviertel

prinz peter_berliner prinzenpaar_morus14 neuköllnLetzte Woche: Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Neuköllner Röntgen-Schule. In dieser: ein Prinzenpaar beim wöchentlichen Mittagstisch Mieter kochen für Mieter im Gemeinschaftshaus des Rollbergkiezes. Christina I. trug zur Feier des Tages ihr funkelndes Krönchen, Peter V. güldene Anstecker, eine bestickte Krawatte nebst Emblem und außerdem einen überdimensionalen Scheck unter dem Arm. Die stolze Summe von 4.111 Euro haben Christina Holm und Peter Schmitt, Berlins amtierende karnevaleske Blaublüter, gesammelt, um das Netzwerk Schüler- hilfe Rollberg des Vereins Morus 14 zu unterstützen.

Dass das Prinzenpaar des Berliner Karneval e. V. Spenden für soziale Projekte sammelt, sei üblich, erklärte Prinz Peter Weiterlesen

Mit „Schalom Rollberg!“ gegen Berührungsängste

skulptur sonne_rollbergviertel neuköllnFranz Hessel, Kind einer großbürgerlichen jüdi- schen Familie und aufgewachsen im alten Wes- ten Berlins, erkundete die Stadt in den 1920er Jahren zu Fuß. Zwischen Hermannstraße und Bergstraße, wie damals die Karl-Marx-Straße hieß, fand der Schriftsteller einen Ort, wo das Elend sichtbarer wird, das sogenannte Bullenvier- tel: „Eine traurige Gegend“, notierte er kurz.

In diesem Quartier, das heute Rollbergkiez heißt, ist seit  2003 der Verein  Morus 14  mit  Projekten für soziale Integration durch Bildung und Gewalt- prävention engagiert. Er stellte gestern beim Jah- jahresempfang morus14_neuköllnresempfang seine Arbeit und insbe- sondere das neue Projekt „Schalom Rollberg!“ vor.

„Vor gar nicht allzu langer Zeit sind die Beziehungen zwischen Deutschen, Franzosen und Juden längst nicht so gut gewesen“, sagte Morus 14-Geschäfts- führer Gilles Duhem (2. v. r.), der seit gut einem Vier- teljahrhundert in Deutschland lebt. Es sei ihm deshalb eine besondere Weiterlesen

Vor dem Absturz gerettet

Er stand vor dem Abgrund – nun hat er sich umgedreht und ist wieder einen Schritt zurück gegangen. „Ausruhen können wir uns nicht, aber wir haben erstmal etwas festeren finanziellen Boden unter den Füßen“, schätzt Wolfgang Rühlmann, der 1. Vorsitzende des Morus 14 e. V. die Lage realistisch ein. Er sei eben  kein Träumer, sondern Kaufmann, sagt er mit einem Unterton, der fast ein wenig entschuldigend klingt. Und müde. Die letzten Wochen hätten die Vorstandsmitglieder an ihre Grenzen gebracht, weil bis zum Stichtag 29. Oktober sämtliche Register zur Rettung des Vereins gezogen werden mussten. „Hätten wir heute bei dieser außerordentlichen Mitgliederversammlung keine Lösung für unsere Geldprobleme präsentieren können, außerordentliche mitgliederversammlung morus 14 e.v.wäre das Jahresende auch das En- de von Morus 14 gewesen“, ist Wolf- gang Rühlmann sicher.

Vor einer guten Stunde hatte er den anwesenden Mitgliedern mitgeteilt, dass es mit dem Verein, der durch Projekte wie das Netzwerk Schüler- hilfe Rollberg und Mieter kochen für Mieter über die Neuköllner Bezirks- grenzen hinaus bekannt wurde, weitergehen kann. Die Bemühungen zum Erhalt des Vereins seien zwar längst nicht abgeschlossen, hätten aber innerhalb kürzester Zeit zu bemerkenswerten Ergebnissen geführt, ergänzte Rühlmanns Vorstandskollegin Angelika Forck:  „Durch unseren Hilferuf konnten wir im September Kleinspenden in Höhe von rund 6.000 Euro für die Vereinsarbeit im laufenden Jahr einwerben.“ Das sei das Zehnfache der Summe des Vormonats. Entscheidender für die Zukunft von Morus 14 ist jedoch, dass die Zusage für eine Spende von 40.000 Eu- ro für 2013 vorliegt und es aussichtsreiche Kontakte zu weiteren potenziellen Spen- dern gibt. „Damit“, so Forck, „stehen wir wesentlich besser als im Vorjahr um außerordentliche mitgliederversammlung morus 14 e.v., gemeinschaftshaus morus 14 neuköllndiese Zeit da.“ Auch personell wirke sich das aus: Der einzige hauptamtliche Mo- rus 14-Mitarbeiter Frank Bourgett, dessen Vertrag vorsorglich gekündigt wor- den war, könne nun in 2013 weiterbeschäftigt werden. „Über weitere Personalien entscheidet der Vorstand noch“, ließ Angelika Forck die Mitglieder wissen und damit im Unklaren, ob zusätzlich der gerade auf eigenen Wunsch ausgeschiedene Geschäftsführer Gilles Duhem wieder ins Boot geholt werden könnte.

Beschlossene Sache ist hingegen, dass der Verein künftig mehr auf die Ressour- cen seiner Mitglieder bauen will. Nicht nur finanziell, d. h. durch Spenden zusätzlich zum Mitgliedsbeitrag von 24 Euro pro Jahr, sondern auch durch Tatkraft sollen die sich engagieren. Post einkuvertieren, Flyer verteilen, Telefondienst im Büro, Unter- stützung beim Fundraising,  Schlüssel ausgeben, Ausflüge vorbereiten. „Wenn wir die tägliche Arbeit auf mehrere Schultern als bisher verteilen könnten, wäre das sehr hilfreich“, vermutet Wolfgang Rühlmann. Bei anderen Ausgaben als bei Honorar- mitteln lasse sich nicht sparen; für das vom Verein genutzte Gemeinschaftshaus werden nur Betriebs- und Energiekosten fällig, ebenso für die Räume, die für das kostenlose Angebot der Schülerhilfe nötig sind. „10.000 Euro“, überschlägt er, „brauchen wir trotzdem monatlich zur Deckung unserer laufenden Ausgaben.“

Einen nicht unbeträchtlichen Batzen machen dabei die Aufwendungen für das Netzwerk Schülerhilfe aus. Ob des rechnerischen Teufelskreises, der „Je mehr Schüler, desto mehr Kosten“ heißt, gebe es aktuell eine  Warteliste, auf der rund 40 Kinder stehen. Etwa 100 Kinder haben das Glück, das Mentoringangebot in Anspruch nehmen zu dürfen. Bei deren Eltern, schlug eine Frau während der Mitglieder- versammlung vor, könne man doch zu mehr Engagement für den Verein appellieren. Auch Rühlmann ist die Überlegung nicht fern, gleichwohl sieht er keine Chancen auf Erfolg: „Die nehmen das Angebot als Selbstverständlichkeit hin und sind fast durch die Reihe nicht bereit, dafür auch nur einen kleinen Obolus zu bezahlen.“ Ganz anders eine Rentnerin aus den Reihen der Mitglieder. Sie werde im nächsten Jahr pro Schülerhilfe-Kind einen Euro zahlen, um den Verein und das Projekt zu unterstützen, kündigte sie an.

„Noch mehr solcher Leute und regelmäßige Spender“, rechnet der erste Vorsitzende von Morus 14, „und wir haben uns nicht nur erstmal etwas Luft verschafft, sondern wieder festen Boden unter den Füßen.“ Vorausgesetzt, dass auch alle andere Bemühungen zur Sicherung der Zukunft des Vereins wie erwartet fruchten. Für die Mitglieder bestehen daran keinerlei Zweifel: Ohne Gegenstimme beschlossen sie, dass die Arbeit des Vereins über den 31.12.2012 hinaus weitergeführt werden soll.

=ensa=