Geschichte ausgraben

archäologische grabungen_friedhofslager neuköllnEvangelische Kirchengemeinden aus ganz Berlin betrieben von April 1942 bis zum Kriegsende 1945 auf dem Kirchhof der Jerusalemsgemeinde in der Neuköll- ner Hermannstraße 84 ein Friedhofs- lager mit Zwangsarbeitern. Es war das einzige Zwangsarbeiterlager in ganz Deutschland, das von der Kirche ge- plant, finanziert und betrieben wurde. Die Hauptaufgaben der Lager-Insassen waren die Friedhofspflege und das Ausheben von Gräbern. Seit Montag und noch bis Ende nächster Woche legen nun unter dem Motto „Geschichte ausgraben“ freiwillige Helfer und Archäologen unterstützt von der Arbeitsstätte Erinnerungskultur im Ev. Landeskirchlichen Archiv die Fundamente der Baracken des Weiterlesen

Nur ein Maschendrahtzaun zwischen Leben und Tod

jerusalems-friedhof hermannstraße neuköllnjerusalems-friedhof hermannstraße neuköllnHeute ist Volkstrauertag und die Chancen stehen gut, dass man in Berlin ohne Schal und Hand- schuhe der Kriegstoten und Opfer von Ge- waltherrschaft gedenken kann, denn es soll bis zu 18 ° warm werden. Ergo: Optimale Bedingungen, um beispielsweise den Friedhof V der Jerusa- lems- und Neuen Kirche zu erkunden, der 1872 an der Hermannstraße in Neukölln angelegt wurde – 20 Jahre nachdem Friedhof IV an der Kreuzberger Bergmannstraße eingeweiht worden war.

Fast bis ans Tempelhofer Feld zieht sich die hunderte Meter lange Allee zwischen den Grabfeldern. Einzig ein neo-gotisches, back- steinernes Kirchengebäude, das seit 2003 von der Bulgarischen Orthodoxen Kirche Berlin genutzt wird, jerusalems-friedhof 5 hermannstraße neuköllnhindert am Durchblick bis zum Horizont. Was der Fried- hof an Länge reichlich hat, fehlt ihm jedoch in der Breite: In nördlicher Richtung begrenzt ihn eine hohe Mauer vom Grünen Weg, in jerusalems-kirchhof 5 hermannstraße neuköllnsüd- licher stößt er an die Hinterhäuser  und -gärten der War- thestraße. Nur durch luftige Maschendrahtzäune sind Leben und Tod voneinander getrennt. Aber Anzeichen dafür, dass letzterer sich immer weiter zurückzieht und weitaus weniger Platz benötigt als das früher der Fall war,  sind hier allgegenwärtig: Die Zeiten, als sich eine Grabstelle an die nächste reihte, sind vorbei.  In  äußerst drastischer  Form zeigt sich das am  Ende des Grund-

jerusalems-friedhof hermannstraße neuköllnjerusalems-friedhof hermannstraße neuköllnjerusalems-friedhof hermannstraße neukölln

stücks, wo die Zeugnisse des Friedhofssterbens hüfthohe, makaber-pittoreske Wälle jerusalems-friedhof 5 hermannstraße neukölln,gedenkort zwangsarbeiterlagerbilden. Nur wenige Schritte von einer Gedenktafel an das Ba- rackenlager kirchlicher Zwangs- arbeiter, das ab August 1942 existierte und im April 1945 von der Roten Armee befreit wurde.

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