Künstlich-künstlerische Illusionen von Natur

andere gärten_galerie im körnerpark neuköllnAusgerechnet in der Galerie im Körnerpark, die von mehr Grün als alle anderen Neuköllner Galerien umge-ben ist, eine Ausstellung zu zeigen, die das Thema Gärten fokussiert, hat schon etwas von Eulen nach lätitia norkeit_andere gärten_galerie im körnerpark neuköllnAthen zu tragen. Andererseits aber passt die Ausstellung „Andere Gärten“, die Arbei-ten von sieben Künstlerinnen und einem Künstler präsen-tiert, insbesondere wegen des satten Grüns vor den raumhohen Fenstern ausge-sprochen gut in diesen Ort, dem so eine moderierende Rolle zukommt: beim Dialog zwischen dem Draußen und Drinnen, zwischen Gartenbau-Architektur Weiterlesen

Wanderung zu Orten des Abschieds in Neukölln

gradwanderung neukoellnSchon über den Namen der Veranstaltung stolperten manche: „Gradwanderung“. Es hätten einige Leute angerufen, um  darauf hinzuweisen, dass zwischen a und w ein t und kein d  gehöre, sagt Sophia Trier vom Fachbereich Kultur des Bezirksamts Neu- kölln, der den „Spaziergang zu Orten des neuer luisenstädtischer friedhof neuköllnAbschieds“ veran-staltet. Eigentlich war ihre Telefonnummer nur angegeben worden, um Anmeldungen für die Tour zentral sammeln zu können. Nun ist bei ihr nicht nur zu erfahren, dass man ein BVG-Ticket bzw. Kleingeld dafür mitbringen sollte, sondern auch, dass der vermeintliche Schreibfehler keiner ist: Weiterlesen

Verstörende Werke skandinavischer Künstler in der Galerie im Körnerpark

warnhinweis_exitus-ausstellung_galerie im körnerpark_neuköllnBlauer Himmel und Sonne über Neukölln. Man kann sich wohl keine besseren Begleiter für den Besuch der Ausstellung „Exitus – Tod, Trauer, Melancholie“ wünschen. Zwar ist es wegen ihrer Neigung zum Reflektieren oft schwierig, Bilder zu exitus-ausstellung_galerie im körnerpark_neuköllnerkennen, die hinter Glas in der Galerie im Kör- nerpark hängen, aber ihr großer Vorteil ist, dass sie einen ange- nehmen Kontrapunkt in das schwere Thema mischen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Der am Eingang angebrachte Warnhinweis ist berechtigt. Wer ohnehin schon schlecht drauf ist, sollte den Ausstellungsbe- such vielleicht lieber verschieben, denn die Exponate der 11 Weiterlesen

Wer, wie, was, warum oder weshalb nicht? Antworten auf Fragen zur Nutzung der kulturellen Angebote im Körnerpark

koernerpark neukoellnkörnerpark neuköllnDer Körnerpark ist beliebt. Nur: Warum und bei wem überhaupt? Weshalb und wie oft halten sich Anwohner in der grünen Oase zwi- schen Karl-Marx- und Hermann- straße auf? Was lockt Leute, die weiter entfernt wohnen, in den Park, der in einer ehemaligen Kiesgrube entstand? Ist der Kör- nerpark, dessen 100-jähriges Be- stehen im übernächsten Jahr mit einem Jubiläumsprogramm gefeiert werden soll, für die Besucher primär ein Nah- erholungsgebiet? Oder stellen Einrichtungen wie die in der Orangerie unterge- brachte Galerie und Konzertreihen wie „Sommer im Park“ einen Weiterlesen

Alles neu, macht nicht nur der Mai

cafe eßkultur im körnerpark_neuköllnWas ist denn mit dem Café im Körner- park, wann macht es endlich wieder auf? Seit Dienstag kann Franziska Gif- fey diese Frage, die ihr – wie sie sagt – in letzter Zeit so oft gestellt wurde, mit „Hat’s doch schon!“ beantworten. Am Abend übergab Neuköllns Kulturstadt- rätin die Räumlichkeiten, die dem Be- zirk gehören und sich direkt an die kommunale Galerie im Körnerpark an- schließen, offiziell an die neue Päch- terin  Birgitt  Claus.

Seit November war das Café geschlossen, weil der Bezirk den vorherigen Pacht- vertrag nicht verlängern und stattdessen lieber per Ausschreibung nach einem neuen Betreiber suchen wollte. Einen, der eine vitale Verbindung zwischen Weiterlesen

Bloß keine Gesichter, die zu viele Geschichten erzählen: Susanne Ritter zeigt in Neukölln „Neue Bildnisse“

susanne ritter_vernissage galerie im körnerpark_neuköllnWo immer Susanne Ritter steht oder geht, hält sie nach Gesichtern Ausschau. Besonders Na- sen haben es der in Mainz lebenden Malerin angetan, die erstmals ihre Bilder aus Ei- tempera und Acryl-Lasur in Berlin ausstellt. 2_vernissage _susanne ritter_galerie im körnerpark_neuköllnFrüher, erzählt sie, ha- be sie fast ausschließ- lich von Textilien ver- hüllte Oberkörper ge- malt: Bilder wie das mit der Blindenbinde, das 1973 entstand und nun die Ausstellung „Neue Bildnisse“ in der Galerie im Körnerpark eröffnet, die ansonsten einzig Portraits junger Leute zeigt. „Darauf, Falten zu malen, hab ich keine Lust. Außerdem erzählen alte Ge- sichter zuviel“, begründet Susanne Ritter die Auswahl ihrer Modelle. Pragmatisch ist auch die Akquise: Weiterlesen

Schwäbische Ansichts- und Anfass-Sachen in Neukölln

galerie im körnerpark_neuköllnErst Kunst oder erst Kaffee und Ku- chen? Vor dieser K-Frage standen noch vor wenigen Wochen viele Besu- cher des Neuköllner Körnerparks. Seit Ende Oktober erübrigt es sich jedoch, derartige Prioritäten zu setzen, denn seitdem sind die Fenster und der Eingang zum Café im Körnerpark mit Rollläden verschlossen. Lediglich die nebenan liegende Galerie im Kör- nerpark ist hell erleuchtet. In der wurde Mitte November die Ausstellung „Ansichts- Sache“ eröffnet, die Werke von Peter Feichter und Walter Hörnstein zeigt. Beide Künstler stammen aus Leonberg, dem Stuttgarter Vorort, der seit 1970 Weiterlesen

Große Kunst für kleine Leute beim KinderKulturMonat

Es ist erst zwei Jahre her, dass zwei Niederländer im WerkStadt Kulturverein in Neukölln aufkreuzten, um dort ein ungewöhnliches Anliegen loszuwerden: Sie wür- den schon seit vielen Jahren in ihrer Heimat ein Kunstfestival für Kinder veranstalten, pk kinderkulturmonat berlinberichteten sie und fragten, ob der Verein ihr Oktober- maand Kindermaand-Kon- zept nicht mal in Berlin aus- probieren wolle.

Zweifel, ob hier wirklich funktioniert, was in hollän-dischen Provinzen funktio- niert, hatten wir natürlich“, erinnert sich Chris Benedict (r.), die Geschäftsführerin des WerkStadt Kulturvereins. Testen wollten sie es trotzdem – und Weiterlesen

Neues Wahrnehmen und Erleben in der Galerie im Körnerpark

urbanität1_galerie im körnerpark_neuköllnEine Ausstellung, die ihre Besucher sofort in den Bann zieht und fasziniert, ist sie nicht. „Urbanität mal anders“ zeigt weder groß- flächige Gemälde noch imposante Skulpturen, sondern rückt eher Kleinteiliges in den Fokus. urbanität3_galerie im körnerpark_neuköllnWobei manches so winzig ist, dass zum Entdecken der Feinheiten Lu- pen bereit liegen.

Ausgangspunkt für die Ausstellung mit Weiterlesen

Maria – zwischen Verehrung, Massenware und Event

6_kandl-vernissage_galerie im körnerpark_neuköllnVermutlich geht es vielen wie Bettina Busse, der kommissarischen Leiterin des Neuköllner Kultur- amts. Schließlich ist Berlin weit davon entfernt, eine Hochburg für Anhänger des christlichen Glau- bens – oder gar des Katholizismus – zu sein. „Ich finde das Thema zwar spannend, hab aber per- sönlich bettina busse_kandl-vernissage_galerie im körnerpark_neuköllndamit gar nichts zu tun“, be- kennt die Inte- rims-Nachfolgerin von Dorothea Kol- land (l.) vorgestern bei der Eröffnung einer neuen Ausstellung in der Ga- lerie im Körnerpark. „Maria breit den Mantel aus …“ heißt sie und zeigt Eindrücke und Reliquien, die das Künstlerehepaar Kandl von Reisen zu Marienwall- 3_kandl-vernissage_galerie im körnerpark_neuköllnfahrtsorten mitgebracht hat. In verschiedenen Regionen der Welt wa- ren Johanna und Helmut Kandl unterwegs: Das bay- rische Altötting wurde ebenso bereist wie Lourdes, das slowakische Levoča, Medjugorje in Bosnien-Herzegowi- na und Guadalupe, ein Vorort von Mexiko-City, um dem Wunderglauben und rätselhaften Erscheinungen 7_kandl-vernissage_galerie im körnerpark_neuköllnzu begegnen.

Es ist ein wahrer Madonnen-Flash, der die Besucher der Ausstellung umgibt. Maria auf Bildern in unter-schiedlichsten Darstellungen, als Statue in einer Bandbreite 4_kandl-vernissage_galerie im körnerpark_neuköllnvon skurril bis ehrerbietig, auf Collagen und Reliefs. In einer völ- kerübergreifend plau- siblen Bildersprache, so Bettina Busse, werde der Huldigung Marias Aus- druck verliehen. Alles in allem, erzählt sie dann noch, würde die Ausstellung sie sehr an eine Patentante erinnern: „Mit ihrer Marienverehrung konnte ich schon damals nichts anfangen, aber ich fand dorothee bienert_kandl-vernissage_galerie im körnerpark_neuköllnimmer, wenn das für sie gut und wichtig ist, dann ist es auch gut, es zu respektieren.“

Distanz und Respekt, die Herangehensweisen, mit denen religiöse Themen gemeinhin künstlerisch be- arbeitet werden, ersetzen Johanna und Helmut Kandl in ihrer Ausstellung weitgehend durch Humor und Ironie. „Ihnen ging es vor allem um das kulturhis-torische Phänomen der Marienverehrung, um Ein- blicke in verschiedene Kulturkreise und die mediale Inszenierung von Wallfahrten„, erklärt Kura2_kandl-vernissage_galerie im körnerpark_neuköllntorin Doro- thee Bienert (l.). Die hohe Zahl der Kir- chenaustritte sei ein Aspekt, dem gegen- über stehe jedoch ein wachsendes Inte- resse an Religion und Spiritualität: Der Jakobsweg ist europaweit ausgebaut worden, Pilger-Events zu heiligen Stätten haben Hochkonjunktur. Und jeder vierte Deutsche gibt an, auf- geschlossen für Wunder, Geistheilungen und die Wirkung spiritueller Objekte zu sein, die als 1_kandl-vernissage_galerie im körnerpark_neuköllnMassenware hergestellt werden.

Statt diese Phänomene zu kritisch zu hin- terfragen oder ihre Reiseerlebnisse zu be- werten, haben die Kandls sie dokumenta- risch für die Betrachter aufbereitet. Das Augenzwinkernde ergibt sich dabei im Grunde erst durch die Zusammenstellung der Exponate und ihre Menge. Die Quantität ist es auch, die in der Videobox im hinteren Bereich der Galerie herausfordert: Der musikalisch untermalte Kurzfilm „Pygmalion“ zeigt in einer Doppelprojektion ge- mächliche und rasantere Sequenzen. Um Maria geht es bei allen.

Die Ausstellung „Maria breit den Mantel aus …“ ist noch bis zum 28. Juli in der Galerie im Körnerpark zu sehen (Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 20 Uhr).

Am 15. Juni um 17 Uhr findet im Rahmen der 48 Stunden Neukölln ein Künstlergespräch zum Thema „Staunen: Geschichten über Wallfahrer, sechsfingrige Madonnen und fliegende Häuser“ statt.

=ensa=

Mutter-Sohn-Dialog mit künstlerischen Argumenten

7_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neuköllnIhre Namen lassen es nicht vermuten: Farkhondeh Shah- roudi und Azin Feizabadi sind Mutter und Sohn. Schon deshalb sei ihre Ausstellung „(Un)written – (Re)written“ eine sehr besondere, sagte Neuköllns Kulturstadträtin Franziska Giffey bei der Vernissage in der Galerie im Körnerpark: „Werke von Mutter und Sohn in einer gemein- samen Ausstellung, das haben wir hier zum ersten Mal.“

v. l.: Dorothee Bienert (Kuratorin der Ausstellung), Bettina Busse (kommissarische Leiterin der Neuköllner Kulturamts), Dr. Franziska Giffey (Kulturstadträtin von Neukölln)

v. l.: Dorothee Bienert (Kuratorin), Bettina Busse (kommissarische Leiterin der Neuköllner Kulturamts), Dr. Franziska Giffey (Kultur-stadträtin von Neukölln)

Doch es seien nicht die engen Familien- bande allein, die die Ausstellung zu etwas Besonderem machen, betonte Giffey. Farkhondeh Sharoudi und Azin Feizabadi würden ihre „Rucksäcke des Welt- bürgertums“, wie sie viele Neuköllner tragen, in der Galerie im Körnerpark präsentieren und so überraschen, Stoff für Inspiration liefern, man- che Frage beantworten, anderes aber auch im 9_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neuköllnUnklaren lassen.

Entstanden ist ein spannender Dia- log der Generatio- nen, des Verarbei- tens von Erfah- rungen und der künstlerischen Genres. Shahroudi, die 1962 in Teheran geboren wurde und seit 2008 in Neukölln lebt, führt den vor allem mit Stoff-Objekten Skulpturen und Installationen. Feizabadi, 20 Jahre nach seiner Mutter in Teheran geboren und  1990 mit ihr nach Deutschland gekommen, antwortet mit seinem mehrteiligen Filmprojekt „A Collectiv Memory“  und seiner  performativen  Fahnen-Serie, bei der er  mittels  Scha-

6_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neukölln2_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neukölln1_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neukölln

blonendrucken ideologische Sätze zu den Themen Körper, Verletzung und Heilung verarbeitete.

„Den engen künstlerischen Austausch vor und in der Ausstellung sahen beide als Experiment“, erklärte Kuratorin Dorothee Bienert. Eine Schnittstelle des kreativen 8_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neuköllnWirkens von Künstlerin und Künstler hatte es aber schon früher gegeben: Aus einem Foto, das das Gesicht der Mutter zeigt, hatte Azin Feizabadi eine Schablone angefertigt.  2004 sprühte er das Konterfei als Graffiti auf Kreuzberger Wände, um Farkhondeh Shahroudis politisches Engage- ment während der iranischen Revolution 1979 zu ehren. Seit 2006 sind Fotos des Graffitis in diversen Magazinen und Zeitungen erschienen, um die Multikulti-Debatte zu bebildern. Feizabadi sammelte alle gedruckten Zweckentfremdungen, signierte die Veröffentlichungen 5_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neuköllnund erklärte sie so wieder zu Bestandteilen seines Portfo- lios. In einer Vitrine vis-à-vis des Eingangs zur Gale- rie sind die Werke nun zu sehen.

Farkhondeh Shahroudis Arbeiten haben meist Dimensionen, die nicht schaukastentauglich sind. Ihr aus schwarzem Stoff handgearbeiteter Rhizom-Drache (2. Foto rechts) hängt über den Köpfen der Ausstellungsbesucher. Einige seiner vielen, mit orientalischen Schriftzeichen versehenen Hände reichen fast bis zum Boden, andere baumeln in Schulterhöhe und verleiten zum Zugreifen und genaueren Betrachten. Ihr Doppel-Poet thront auf einem Podest mitten in der langgestreckten Galerie und erinnert daran, die Beschäftigung mit der poetischen Aussage aller Werke 4_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neuköllnnicht zu vergessen. Die spiele bei beiden Künstlern trotz unter- schiedlichster Ansätze eine große Rolle, sagte Dorothee Bienert.

Auch in anderer Hinsicht sei „(Un)written – (Re)written“ eine sehr besondere Ausstel- lung, fiel der Kuratorin noch ein, bevor sie zum Rundgang durch die Galerie bat: „Ein großer Dank geht an das Technik-Team, das nur drei Tage Zeit zum Aufbau der Werke hatte, weil erst ein Wandstück der Galerie saniert werden musste.“

Die Ausstellung „(Un)written – (Re)written“ wird noch bis zum 17. März in der  Galerie im Körnerpark  gezeigt; Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 20 Uhr.

Bei einer Rahmenveranstaltung können 9- bis 13-Jährige am 9. März in einem Workshop (14 – 17 Uhr) aus Bilder und Texten Schablonen erstellen und mit diesen Stoffe bedrucken (Anmeldung: Tel. 030 – 56 82 15 45). Am 16. März um 17 Uhr findet eine Finissage mit Künstlergespräch und Per- formance statt.

=ensa=

„Ich glaub, dass sich der Bezirk Neukölln nie wieder mit jemandem namens Kolland belasten wird“

Es fällt schwer, sich den Zustand der imposanten Galerie im Körnerpark anno 1982 vorzustellen. „Rohbau, kein Fußboden, unverputzt, kein Licht, kein gar nichts. Der ganze Raum wurde vom Neuköllner Garten- bauamt als Abstellfläche für Gerätschaften und Pflanzen genutzt“, beschreibt Dorothea Kolland, die junge, unverbrauchte Verrückte von damals. Nein, ein Dienstvergehen von ihr sei es nicht gewesen, die Orangerie zum prächtigen Rahmen für kulturelles Leben zu machen, nur eine Guerilla-Aktion – gemein- sam mit dem damaligen Leiter des Hoch- bauamts. Dass der gesamte Park seinerzeit zum Gartendenkmal umgestaltet und „ordentlich Geld für die Renovierung des Gebäudes“ in die Hand genommen wurde, kam der zugute. „Aber das Entscheidende war“, so Kollands Einschätzung, „dass ich einfach voller Überzeugung mein Ding durchgezogen hab und auch andere Leute damit überzeugen konnte.“ Daraus, dass das leichter war als es heute wäre, macht sie keinen Hehl: „So  massive Neins wie jetzt von Buschkowsky, hab ich früher nie erfahren.“ Obwohl es auch mit den vier anderen Bezirksbürgermeistern oft nicht leicht gewesen sei. Zwischenmenschlich habe es mit Frank Bielka am besten geklappt, der den Bezirk von 1989 bis 1991 lenkte und heute Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugesellschaft degewo ist: „Aber das war finanziell durch die Wende und den Wegfall der Berlin-Förderung eine schwierige Zeit.“

Schwierigkeiten anderer Art hatte Dorothea Kolland dagegen in den Anfangsjahren zu bewältigen: Sie musste die Rollen als junge Mutter sowie als Chefin des Kulturamts und Leiterin der neuen Galerie im Körnerpark, die furios mit einer Ausstellung von Markus Lüpertz eröffnet hatte, unter einen Hut bringen. „Weil ich oft bis Mitternacht in der Galerie war, war meine Tochter meistens auch mit dabei. Anders ging es nicht.“ Sehr prägend sei diese Zeit gewesen, sagt sie rückblickend. Natürlich habe es zu ihren Hauptaufgaben gehört, Kunst zu managen und Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sich das Publikum Kunst einverleibt und ins Theater, zu Ausstel- lungen oder in Konzerte geht. „Aber wenn ich mich nur mit Administration aufge- halten hätte, wäre ich verrückt geworden. Deshalb wollte ich bis zuletzt auch oft da sein, wo Kunst gemacht wird.“

Doch Dorothea Kolland hat sich in Neu- kölln nicht nur als Entwicklungshelferin in Sachen Kunst und als Kulturmanagerin verdient gemacht. Auch manche ge- schichtsträchtige Immobilie, wie zum Beispiel das so genannte Büdner-Dreieck zwischen Saalbau und Passage, konnte durch ihren Einsatz vor dem Abriss gerettet werden. „Da, wo die ältesten Häuser der Karl-Marx-Straße stehen, sollte Mitte der 1980er-Jahre auf die Schnelle ein Kaufhaus hochgezogen werden“, erzählt sie. „Als ich das erfuhr, haben wir in Windeseile eine Ausstellung fürs Heimatmuseum gemacht, die die Historie des Büdner-Dreiecks dokumentierte und den Landeskon- servator eingeschaltet.“ Das sei auch wieder so eine Guerilla-Aktion gewesen: „Innerhalb von 14 Tagen haben wir jeden- falls so etwas wie Denkmalschutz auf den Häusern gehabt, und der geplante Abriss musste zum Ärger der Grundstückeigen- tümerin abgeblasen werden.“

Wie es nun mit der Karl-Marx-Straße wei- tergeht, das hält die scheidende Kultur-amtsleiterin neben der noch wichtigeren Frage der Mietenentwicklung für einen der entscheidenden Schlüssel für die Zukunft des Bezirks. „Um die festen Kultureinrichtungen mache ich mir keine Sorgen, die sind in gutem Zustand und gut akzeptiert.“ Sie hält kurz inne. „Eigentlich bin ich optimistisch, dass es bei einigen gentrifizierungsgefährdeten Kiezen bleibt und der Norden des Bezirks an sich auch künftig international gemischt sein wird.“ Aber das werde nicht von alleine passieren. Da hätten der Staat, der Senat und natürlich auch der Bezirk durchaus Aufgaben: „Sie müssen Rahmenbedingungen schaffen und das Bleiben attraktiv machen. Aber die Erkenntnis, ist zumindest mein Eindruck, ist noch nicht genügend an den entsprechenden Stellen angekommen. Dazu, dass eine Horde von Künstlern oder Studenten kurz einfällt und dann wieder weg ist, darf es nicht kommen. Und außerdem muss verhindert werden, dass Familien mit Kindern wegziehen, wenn die eingeschult werden.“ Darum müssten sich Senat und Bezirk kümmern, weil in erster Linie davon die Zukunft Neuköllns abhänge.

Für ihre eigene Zukunft hat Dorothea Kolland profanere Wünsche, die jedoch auch nicht ohne Tücken sind: „Viel lesen will ich, alles. Und reisen, viel reisen, was allerdings etwas schwierig ist, weil ich sehr gerne zusammen mit meinem Mann reise, der aber blöderweise als Präsident der Landesmusikrats dauernd ehrenamtliche Termine hat. Und außerdem möchte ich natürlich Zeit für mein Enkelkind haben, das in wenigen Monaten zur Welt kommen wird.“

Es ist zweifellos die 31-jährige Er- folgsgeschichte einer so engagierten wie nonkonformistischen und unbe- quemen Frau, die am letzten Tag die- ses Monats zu Ende geht. Das meiste von dem, was Dorothea Kolland an- packte, hat sie auch geschafft. „Aber leider nicht alles“, gibt sie zu. „Ich hätte zum Beispiel unheimlich gerne ein Ausstellungsprojekt mit Kindern, Medizinern, Pfarrern und Psychologen zum Thema „Kinder und Tod“ gemacht, weil das Thema so wichtig ist, aber nie richtig behandelt wird.“ Und außerdem sei es ihr nicht gelungen, die Politik davon zu überzeugen, dass man die Künstlerförderung finanziell stärker ausgestattet werden muss. „Neukölln“, erklärt sie, „hat in diesem Topf für dezentrale Kulturarbeit genauso viel Geld wie vor fünf Jahren. Bloß war eben damals höchstens die Hälfte der Künstler in Neukölln.“ Darauf müsse man doch reagieren und könne das nicht einfach so treiben lassen. „Und was mir wirklich sehr leid tut, ist, dass dieses Jahr zum ersten Mal kein Kiez International stattgefunden hat, weil es mir nicht gelungen ist, in den letzten 12 Monaten eine neue Konzeption zu entwickeln.“ Das sei letztlich an der mangelnden politischen Unterstützung und den nur sehr beschränkten personellen Möglichkeiten des Kulturamts gescheitert. „Ich hatte oft in der Kulturszene und auch im Kollegenkreis die Rolle ‚Die Kolland wird’s schon richten‘, aber es gibt eben auch Situationen, wo das nicht funktioniert, vor allem nicht alleine.“ Für solche konzeptionellen Arbeiten habe sie lediglich eine Mitarbeiterin gehabt.

Eben die, die derzeit – nach einem Intermezzo von Museumsleiter Udo Gößwald – kommissarisch den Chefinnensessel im Neuköllner Kulturamt übernommen hat: Bettina Busse. „Ich werde die Letzte sein, die erfährt, wer meine Nachfolge antritt“, glaubt Dorothea Kolland. Ebenso, dass sich der Bezirk Neukölln nie wieder mit jemandem namens Kolland belasten wird.  „Was klar ist, ist, dass ich den Posten schon gerne in guten Händen wüss- te. Egal ist es mir also absolut nicht“, versichert sie.

Die FACETTEN-Magazin-Redaktion und die Brennans danken für die spannende Zeitreise durch die Neu- köllner Kulturgeschichte, wünschen Dorothea Kolland einen wunderbaren Ruhestand und ihrem/r Nachfolger/in viel Erfolg.

Drei Jahrzehnte mit links

Runde Geburtstage sind oft ein willkommener Anlass zurückzublicken. Viele tun das im Stillen für sich; die Neuköllner Malerin Angelika Schneider-von Maydell, die vor einem Monat 60 wurde, lässt alle ausstellung "querschnitt", angelika schneider-von maydell, galerie im körnerpark neuköllndaran teilhaben: Über 80 Werke, die in den letzten drei Jahrzehnten entstanden, zeigt die Ausstellung „quer|schnitte“, die noch bis Sonntag in der Galerie im  Körnerpark  zu  sehen  ist.

Meist sind es Menschen, die im Mittelpunkt der Geschichten stehen, die Angelika Schneider-von Maydell erzählt. Mit Acryl-Bildern, die so plasausstellung "querschnitt", angelika schneider-von maydell, galerie im körnerpark neuköllntisch, faszinierend und un- geschönt sind wie die Wirklichkeit. „Mei- ne Frau hatte schon immer eine große Leidenschaft für Menschen, Portraits und den Realismus“, sagt Hans von Maydell, der seit 40 Jah- ren mit der Künstlerin verheiratet ist. „Auch ihre abstrahierten Bilder von Gebäuden und Landschaften haben immer einen realen ausstellung "querschnitt", angelika schneider-von maydell, galerie im körnerpark neuköllnHintergrund.“

Als Vorlage dienen der Malerin in der Regel Fotos und Filmsequenzen. Ei- ne Arbeitsweise mit Modellen sei schon wegen der Zeitintensität und der Unvereinbarkeit mit dem Haupt- beruf als Lehrerin für Kunsterzie- hung am Albert-Einstein-Gymnasium in Britz nicht möglich. Von einem der wohl prägendsten Erlebnisse ihrer eigenen Schulzeit erzählt Angelika Schneider-von Maydell indirekt mit Selbstbildnissen, die die Besucher der Aus- stellung empfangen. „Ja, meine Frau ist  Linkshänderin, wurde aber in der Schule auf rechts umerzogen“, erzählt von Maydell. „Erst beim Studium an der Hochschule der Künste hat sie wieder angefangen, mit der linken Hand zu malen und zu ausstellung "querschnitt", angelika schneider-von maydell, galerie im körnerpark neuköllnschreiben.“ Die recht wirr anmutende Sig- natur auf den Bildern sei eine Reminiszenz an den Konflikt.

Spannungen anderer Art spiegeln sich in den Gemälden der Künstlerin wider: Mal haben sie einen gesellschaftskritisch-politischen Anklang, der durch die Darstellung von Gewalt und Terror ausgedrückt ist, ausstellung "querschnitt", angelika schneider-von maydell, galerie im körnerpark neuköllnmal einen zwischenmenschlichen, der subtiler da- herkommt. Leichtigkeit versprühen dagegen die ausstellung "querschnitt", angelika schneider-von maydell, galerie im körnerpark neuköllnSerien „UnterWasser“ und „Spiegelungen“.

Im kleinen wie im großen Format, stellte Kuratorin Birgit Möckel fest, zeige sich die Kraft dieser Malerei als künstlerische „In- tervention“, die die Themen aus der Flut uns umgebender Bilder löst, neu fokussiert und uns mit  malerischer Vehemenz an unsere Realität erinnert.

Eine neue Facette hat die Realität durch die Ausstellung „quer|schnitte“ auch für Angelika Schneider-von Maydell bekommen. Viele ihrer Schüler haben sich bereits angeguckt, was die Pädagogin macht, wenn sie nicht unterrichtet: „In eine große Galerie zu gehen, um dort die Kunstwerke ihrer Lehrerin zu sehen, ist  für die Schüler eine ganz wichtige Sache“, schlussfolgert Hans von Maydell aus den Reaktionen. Immer wieder komme das Wort  Stolz  darin vor.

Morgen  lädt Angelika Schneider-von Maydell ab 19 Uhr im Rahmen der Ver- anstaltungsreihe  „Kammermusik on Tour“  zur  Führung durch die Ausstel- lung  ein; sie wird musikalisch vom Trio Mehrklang begleitet. Die Retro- spektive „quer|schnitt“ in der Galerie im Körnerpark endet am 18. No- vember (Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 20 Uhr).

=ensa=

„Trauen Sie sich, das zu sehen, was Sie sehen!“

ausstellung "aufbrüche", tremezza von brentano, galerie im körnerpark neuköllnNicht mehr, aber auch nicht weniger wünscht sich Tremezza von Brentano von den Besuchern ihrer Aus- stellung  „Aufbrüche – Politische Bilder“. Mut zur eige- nen Wahrnehmung, sagt die Malerin, wolle sie den Betrachtern ihrer Werke geben.

35 Exponate, die dazu einladen, sich auf das Experi- ment einzulassen, zeigt Tremezza von Brentano derzeit in der Galerie im Körnerpark. Die Bilder entstanden in den letzten 10 Jahren und stellen „die Spitze des Eisbergs meiner eigenen Wahrnehmung von politi- schen Machthabern, Entwicklungen und Sachverhalten“ dar, erklärt die Künstlerin. Die wiederum zu be- oder auch verurteilen, sei Aufgabe der Betrachter.

In Neukölln stellt Brentano, die in Innsbruck geboren wurde und seit vielen Jahren in Köln lebt, nun schon zum vierten Mal aus. 1987 war die Premiere, Anlass die Feststellung, dass Neukölln und Köln Partnerstädte  sind: „Damals kam sogar Kölns Oberbürgermeister Norbert Burger zur Vernissage.“ Seitdem sei die Verbindung zum Neuköllner Kulturamt nie abgerissen, und so folgten 1998 und 2005 vernissage ausstellung "aufbrüche", udo gößwald, tremezza von brentano, galerie im körnerpark neuköllnweitere Ausstellungen in der Galerie im vernissage ausstellung "aufbrüche", tremezza von brentano, galerie im körnerpark neuköllnKörnerpark.

„Das ist aber ’ne Eh- re!“, fand Tremezza von Brentano, als Neu- köllns kommissari- scher Kulturamtsleiter Udo Gößwald ihre Bil- der bei der „Aufbrüche“-Vernissage mit denen von  Anton Räderscheidt  verglich. Zudem, meinte er und spielte damit auf die Omnipräsenz von Angela Merkel in Brentanos Werken an, gebe es wohl keine, die besser als Malerin für ein Porträt der Kanzlerin geeignet sei.

Doch es geht in der Ausstellung nicht nur um Bilder von einstigen und gegenwärtigen Machthabern, ihr  Mit- und  Gegeneinander und  das  Phänomen  Kapitalismus. Auch

ausstellung "aufbrüche", tremezza von brentano, galerie im körnerpark neukölln ausstellung "aufbrüche", tremezza von brentano, galerie im körnerpark neukölln

mit der  Medienkultur beschäftigt sich Tremezza von Brentano malerisch, strukturiert sie und entschleunigt so deren Schnelllebigkeit. Dabei ist die Kölnerin selber keine, die es mit der Langsamkeit hat. Eine Einzelkämpferin sei sie. Eine, die Tag für Tag in

ausstellung "aufbrüche", tremezza von brentano, galerie im körnerpark neukölln ausstellung "aufbrüche", tremezza von brentano, galerie im körnerpark neukölln

ihrem Atelier arbeitet und nach dem Leitspruch „Produktivität ist die intelligente Variante des Fleißes“ lebt. Mindestens 15 neue Bilder kämen so Jahr für Jahr dazu, sagt die Künstlerin. Und an diesen neuen hänge sie immer am meisten.

Die Ausstellung „Aufbrüche“ mit politischen Bildern von Tremezza von Brentano ist noch bis zum 26. August in der Galerie im Körnerpark zu sehen. Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 20 Uhr. Zur Finissage am Schlusstag liest Roland Schäfer um 17 Uhr aus der „Trilogie des Wiedersehens“ von Botho Strauß.

=ensa=

Endspurt

Nur noch drei Tage, dann ist es vorbei mit der  Ausstellung „Das Leben ist anders- wo“  in der Galerie im Körnerpark in Neukölln. Die bezieht sich auf das Projekt „Glaubensfreiheit heute“  anlässlich des 275-jährigen Bestehens des Böhmischen Dorfs und beschäftigt sich mit den Themen  Glauben, Vielfalt und Toleranz oder auch Intoleranz. In Videos, Installationen und Fotografien zeigen  11 internationale Künstler  einerseits die  Interaktion zwischen Glaubensfragen und  Identität.  Anderer-

ausstellung "das leben ist anderswo", galerie im körnerpark neukölln ausstellung "das leben ist anderswo", mathilde ter heijne, galerie im körnerpark neukölln

ausstellung "das leben ist anderswo", chan sook choi, galerie im körnerpark neukölln ausstellung "das leben ist anderswo", maya schweizer, galerie im körnerpark neukölln

seits machen sie auf die weltweite Bedrohung und Zerstörung von Diversität aufmerksam und unterstreichen so das Schutzbedürfnis ihres fragilen Wesens.

Die  Ausstellung „Das Leben ist anderswo“  ist  heute und morgen von 10 – 18 und Sonntag von 10 – 20 Uhr  geöffnet.

„Typobau“: eine Vernissage, die auch Anfang vom Ende ist

typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnAuf den ersten nur flüchtigen Blick wirkt die Galerie im Körnerpark schon so gut wie bereit für die nächste Vernissage. Riesige helle Stoff- bahnen, mit Wörtern, Buchstaben und Frag- menten von Schriftzeichen bedruckt, hängen im Raum und brechen dessen typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnLänge. Sie ver- bergen aber auch, was man erst auf den zweiten Blick sieht: dass eben doch noch alles ziemlich unfertig ist. Überall stehen leere Bilderrahmen und liegen großformatige Drucke herum. An den Wänden kleben Skizzen mit Notizen, die  morgen Abend verschwunden sein werden, wenn die Ausstellung typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neukölln„Typobau“ eröffnet wird  und die ersten Besu- cher in die Galerie strömen.

Es sind außergewöhnliche Werke, die sie er- warten, was schon daran liegt, dass Rayan typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnAbdullah ein außerge- wöhnlicher Künstler ist. Der gebürtige Iraker mit der Professorenstelle an der Leipziger Hochschu- le für Grafik und Buch- kunst bemalt weder Lein- wände mit Öl- oder Pas- tellfarben, noch stellt er Collagen oder Skulpturen her. Die Materialien, mit denen Abdullah arbeitet, sind lateinische Buchstaben und arabische Schrift- zeichen, seine Ausdrucksformen Typografie, Kalligrafie und das Spiel mit der Wahr- typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnnehmung und dem Wesentlichen.

Diese Qualitäten machten den 54-Jähri- gen, dessen berufliche Laufbahn mit einer Feinmechaniker-Lehre begann, bekannt und zu einer der Corporate Design-Kory- phäen in Deutschland. Allgegenwärtig sind seine Kunstwerke hierzulande – allem voran das prominenteste: der Bundes- adler, das Logo der Bundesregierung. Aber es sind nicht nur renommierte oder große Institutionen und Firmen, denen Rayan Abdullah zu Wiedererkennungswert verhilft. Auch die Bürgerstiftung Neukölln kam – dank Abdullahs Verbindung zum Arabischen typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnKulturinstitut (AKI) e. V. und dessen Kontakt zur Bürgerstiftung – in den Genuss, mit einem professionell gestalteten, prägnanten Erschei-nungsbild an den Start gehen zu können. Die Berührungspunkte zwischen dem Schriftkünst- ler und Neukölln mussten also im Hinblick auf die „Typobau“-Ausstellung nicht erst geknüpft typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnwerden, son- dern bildeten bereits vorher ein tragendes Netz.

Doch die morgige Vernissage bedeutet nicht nur den Auftakt zur Präsentation von Rayan Abdullahs Werken in Neukölln, sie ist zugleich Anfang vom Ende  einer beispiellosen Neuköllner Karriere: 1981 war es, als Dorothea Kolland die Leitung des Kulturamts Neukölln übernahm. Zwei Jahre spä- ter, im Februar 1983, wurde die erste Ausstellung unter ihrer Ägide eröffnet. „Die hieß ‚Widerstand in Neukölln‘ und war in der damals noch unreno- vierten Galerie im Saalbau“, erinnert sich Kolland. Die Ergebnisse des seinerzeit von ihr initiierten Langzeit-Forschungsprojekts über Neuköllner, die dem Nazi-Regime mit Zivilcourage begegneten, waren der Grundstein für den Multimedia-Gedenkort im Rathaus. Mit der „Typobau“-Ausstellung verabschiedet sich Dorothea Kolland von der Kulturbühne des Bezirks. Ende Mai geht die promovierte Musikwissenschaftlerin in Rente.

=ensa=

„Wer einen Pinsel in der Hand hat, haut nicht!“

ausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnElf Jugendkunstschulen gibt es in Berlin, jeden- falls bis zum nächsten Mittwoch. Dann kommt die zwölfte hinzu: Am 28. März eröffnet im einstigen Fernmelde- amt in der Donaustraße Neuköllns Jugendkunstschule, die Young Arts NK. Doch was leisten die in Berlin größtenteils von den Bezirken finanzierten Jugendkunstschulen überhaupt? Wen erreichen sie und wen nicht?

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v. l.: Dr. Angelika Tischer (Sen.verw. BiJuWi), Harald Fricke (Musikschule Reinickendorf), Peter Kamp (BV der Jugendkunstschulen)

Was ihre Teilnehmer zu leisten imstande sind, zeigt noch bis übermorgen die Ausstellung „Paper Unlimited“ in der Galerie im Körner- park. Um obige Fragen ging es kürzlich bei einer von Shelly Kupferberg moderierten Podiumsdiskussion mit Experten aus dem Bereich der kulturellen Bildung Jugendlicher.

Ende der 1960er Jahre wurden die ersten Jugend- kunstschulen in Deutschland eröffnet, so Peter Kamp, inzwischen seien es bun- desweit etwa 400 Einrichtungen. Angesiedelt in der Schnittmenge von Jugend-, Kultur- und Bildungsarbeit bieten sie Kindern und Jugendlichen durch die Beschäftigung mit Kunst neue Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung. Zwar gebe es noch keine Untersuchungsmethode für die Effekte kultureller Bildung auf schulische Leistungen oder den Reifeprozess per se, bedauerte Angelika Tischer, aber eines lasse sich doch sagen: „Wer einen Pinsel in der Hand hat, haut nicht!“ Entsprechend wichtig sei es, die Investition in Bildung als Investition in die Zukunft zu begreifen und derartigen Präventiv-Maßnahmen den Vorzug gegenüber der Finanzierung von Reparaturzahlungen zu geben. Das untermauert auch die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ in ihrem Schlussbericht: Kulturelle Bildung, stellt der fest, fördert Lebensqualität und befähigt zur besseren Bewältigung der Zukunft. Schule allein könne dies jedoch nicht leisten, weshalb der Bereich der außerschulischen kulturellen Bildung ausgebaut werden müsse.

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v. l.: Shelly Kupferberg, Werner Schaub (Berufsverband BBK), Wilfried Müller-Maurer (LAG Berliner Jugendkunstschulen)

Jugendkunstschulen leisten hier – da sind sich die Enquete-Kommission und die Exper- ten auf dem Podium einig – einen wichtigen Beitrag. Aber das Engagement von Künstlern, die von den Trägern der Schulen als Lehrkräfte eingesetzt werden, hat auch seine Tücken, wie der Maler Werner Schaub betonte. Einer- seits hätten Befragungen involvierter Künstler ergeben, dass das Gros die Unterstützung beim Betreten des Neulands – sprich: der Arbeit im pädagogischen Bereich – als recht dürftig empfindet: „Etwa 80 % der Künstler wünschen sich da mehr Förderung.“ Anderer- seits, berichtete Schaub, habe er häufig erlebt, dass die pädagogische Tätigkeit für Jugendkunstschulen für die Künstler zum Ausschluss von der Künstlersozialkasse führt, da diese nur durch künstlerische Arbeiten erzielte Einnahmen akzeptiere.  „Das ausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnist völlig absurd!“, kritisierte Schaub.

Ein weiteres Problem sprach hingegen ein Künstler aus dem Publikum an: „Jugend- kunstschulen stellen definitiv eine beträcht- liche Konkurrenz für Künstler dar, die jetzt Kunstunterricht auf dem freien Markt an- bieten.“ Er bekomme keine Fördermittel und könne es sich deshalb nicht leisten, Kurse zum Nulltarif abzuhalten, sondern müsse einen marktüblichen Monatsbeitrag verlangen. In der Konsequenz werde das dazu führen, dass Schüler von ihm zur Neuköllner Jugendkunstschule abwandern. „Machen wir uns doch nichts vor“, appellierte er an die Expertenrunde, „es ist die komplette Mittelschicht, die sich des Angebots bedient, und nicht die Sozial- ausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnschwachen!“

„Wir haben in der Tat in den Berliner Jugendkunst- schulen das Problem, dass wir oft nicht die Kinder erreichen, die wir erreichen wollen würden“, stimmte Angelika Tischer ihm zu. Insbesondere bildungs- ferne Eltern und solche aus der dritten Migranten- generation würde man kaum für die kulturelle Bildung ihres Nachwuchses interessieren und gewinnen können: „Ich hoffe aber, dass wir noch gute Ideen entwickeln, um das zu ändern.“ Auch für die vom Kulturnetzwerk Neukölln betriebene Young Arts NK wird die Einbindung schwer erreichbarer Gruppen mitentscheidend für den Erfolg sein.

=ensa=

Blackouts im Körnerpark

nguyen xuan huy, galerie im körnerpark, neuköllnGute Laune macht die Ausstellung „Blackout“ nicht, die derzeit in der Galerie im Körnerpark gezeigt wird. Aber beeindrucken, bedrücken und irritieren, das können die Werke von  Nguyen Xuan Huy.

In 21 Bildern im fotorealistischen Stil nguyen xuan huy, galerie im körnerpark, neuköllnhat der 1976 in Hanoi ge- borene Maler den Krieg in Vietnam und dessen Folgen verarbeitet und eine Brücke in die Gegenwart geschlagen. Kinder mit Behinderungen, Explosionen und Kriegsverletzte in Öl auf Leinwand reihen sich aneinander, unterbrochen und ergänzt durch acht nguyen xuan huy, galerie im körnerpark, berlin-neuköllnschwarze Lein- wände. Platzhalter für das , was nicht gezeigt werden kann oder soll, Symbole für die Blackouts des Krieges. Verstärkt werden die optischen Eindrücke durch eine 47-minütige Audio- installation des Soundkünstlers Guga, die ab 14 und 17 Uhr eingespielt wird.

Die Ausstellung „Blackout“ ist noch morgen und übermorgen zwischen 10 und 18 Uhr in der Galerie im Körnerpark zu sehen. Bei der Finissage am Sonntag werden sowohl Nguyen Xuan Huy als auch Guga anwesend sein; das Künstlergespräch mit ihnen beginnt um 15.30 Uhr.

=ensa=

Der Umgang mit der Endlichkeit

das leben lassen,galerie im körnerpark,neuköllnSie sehen aus wie überdimensionale Teebeutel, die mit Laub und Zweigen gefüllten Kleidersäcke, die zurzeit an der Decke der Galerie im Körnerpark in Neukölln hängen. Vor knapp zwei Wochen hat dort die Ausstellung „das Leben lassen“ Einzug gehalten, die Ergebnisse einer künstlerischen Aus- einandersetzung mit Vergänglich- keit, Sterben, Tod und Abschied zeigt.

Zwölf Künstler haben sich daran beteiligt: Thomas Kleinschmidt mit der Installation „Das Spielzeuggrab“ und Rico Federle mit der Mausefallen-Collage „Gillette: das leben lassen,galerie im körnerpark,neukölln,spielzeuggrab,thomas kleinschmidt das leben lassen,galerie im körnerpark,neukölln,gillette: laborversuche, rico federleLaborversuche“; andere sind mit Grafiken, Malerei und Fotos dabei, die einen Bogen vom Skurrilen bis zum Unverständlichen schlagen.

Durchweg konkret sind dagegen die im Vorfeld der Ausstellung in das leben lassen,galerie im körnerpark,neukölln,peter-petersen-grundschule,was tröstetWorkshops mit Schülern entstandenen Werke. Mit Filzstiften haben Kinder der Peter-Petersen-Grundschule auf Leinwand geschrieben und gemalt, welche Dinge und das leben lassen,galerie im körnerpark,neuköllnGedanken trösten kön- nen. Von Kindern er- lebte Be- gegnungen mit dem Tod sind zentrales Thema beim augenfälligsten Objekt in der Galerie: Auf den Segeln kleiner Holzboote bringen sie auf berührende Art und Weise die Traurigkeit über den Abschied von Verwandten oder das leben lassen,galerie im körnerpark,neukölln,unvergessen-installationverunfallten Haustieren zum Ausdruck.

Das können auch die Besucher der perfekt zur trüben Jahreszeit passenden Ausstellung tun – und sie machen es reichlich: „Unvergessen“ steht auf den Vorderseiten der Klappkarten, die bereitliegen, um Verstorbene posthum zu würdigen oder ihnen persönliche Botschaften zu hinterlassen. Langsam wird der Platz an den Fenstern knapp.

=ensa=

 

„Nachbarn“ – Kunst und Protest zugleich

nachbarn-neighbours,galerie im körnerpark,neuköllnWenn sich jüdische und palästinensische Künstler aus Israel mit ihren so nahen und doch so fernen Nachbarn und dem Themenkomplex „Identität und Raum“ auseinandersetzen, dann muss dadurch fast zwangsläufig etwas ganz Besonderes ent- stehen: Die aktuelle Ausstellung „Nachbarn“ in der Galerie im Körnerpark, die Werke von 21 Künstlern zeigt, beweist das.

Für acht von ihnen gingen die Besonderheiten nachbarn-neighbours,galerie im körnerpark,neukölln,jüdische und   palästinensische künstlerschon vor der Ver- nissage los. Sie reisten zur Ausstel- lungseröffnung an – mit ihren Instal- lationen, Videos, klein- und großformatigen Foto- grafien und Gemälden im Handgepäck.

Nun setzen sie hier ihre Mission fort. „Sie wollen für die Zustände in ihrer Heimat sensibilisieren und darauf aufmerksam machen, dass zerstörte Gebäude keine romantischen Ruinen sind, sondern das Menschen dahinter leben“, beschreibt es Reviva Regev, die Kuratorin der Ausstellung. Jedes Werk, weiß sie, habe eine ganz eigene, sehr  persönliche Geschichte. Manche  springt einen förmlich  an, ist laut und

nachbarn-neighbours,galerie im körnerpark,neukölln nachbarn-neighbours,galerie im körnerpark,neukölln,vered nissim

und drastisch. Andere drängen sich eher schleichend ins Bewusstsein und werfen dort ihre Anker aus. Was sie hinterlassen, berührt, bewegt, bedrückt oder beeindruckt.

nachbarn-neighbours,galerie im körnerpark,neukölln,carmel ilan Doch in ihrer Gesamtheit unterstreichen die so unterschiedlichen Werke künstlerisch, was die Kunsthistorikerin Doreet LeVitte Harten nachbarn-neighbours,galerie im körnerpark,neukölln,carmel ilanbei der Ver- nissage mit Wor- ten ausdrückte: „Auf den ersten Blick gibt es zwi- schen Israelis und Palästinen- sern keine Nach- barschaft, keinen Respekt voreinander und keine Gleichheit. Statt- dessen gibt es viel Korruption, die nicht auf der politischen Ebene bleibt, sondern die alle Bereiche tangiert – nur die Kultur nicht!“ Künstler, sagte sie, „wollen echte Nachbarschaft und protestieren auch ganz offen dafür.“ Weil sie an Nachbarschaft glauben, obwohl ihnen klar sei, dass es noch lange dauern wird, bis die in ihrer Heimat Normalität ist.

Die Ausstellung „Nachbarn“ wird noch bis zum 31. Oktober in der Galerie im Körnerpark gezeigt. Sie ist von dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei.

_ensa_