„Jedes Mal froh, lebend wieder rauszukommen“

Sebastian Krämer_Tüpfelhyänen-CDEigentlich sollte hier heute etwas über Sebastian Krämers Konzert vorgestern Abend im Heimathafen Neukölln ste- hen. Aber dann kam eine starke Er- kältung, mit ihr ging meine Stimme, und die „Tüpfelhyänen“-Premiere musste ohne mich stattfinden. Statt einer Kon- zertkritik kann es deshalb nur Antworten auf einige Fragen geben, die ich Sebas- tian Krämer im Vorfeld per E-Mail stellte.

Wie kam es zu dem Titel „Tüpfelhyänen oder die Entmachtung des Üblichen“ für das vor zwei Wochen erschienene Al- bum?
Was jetzt der Untertitel ist („Die Entmachtung des Üblichen“), sollte ursprünglich der vollständige Titel sein. „Tüpfelhyänen“ war unabwendbar, nachdem Weiterlesen

Viel Platz … zwischen Aufwand und Wirkung

literatur- und pianobar froschkönig neuköllnGerne wird von den Quar- tiersmanagern im Neuköll- ner Schillerkiez bemängelt, dass es im Viertel keine Räumlichkeit gibt, die Platz für größere Versammlun- gen bietet. Dabei ist bisher offenbar die Literatur- und Pianobar Froschkönig mit ihren über 1.000 Plätzen völlig übersehen worden.

Bleibt die Frage, wofür das Quartiersmanagement grö- ßere Räumlichkeiten benö- tigen würde. Für Veran- staltungen, die über die Arbeit des QMs sowie die Aufgaben und Wahl des Quartiersrat informieren, jedenfalls nicht. Gerade mal insgesamt sechs in- teressierte Anwohner, die nicht zum aktuellen Gre- mium gehören bzw. sich mit dem auskennen, ka- men zu den beiden Info- Abenden, zu denen das QM geladen hatte – mit „über 8.000 Briefen an alle Haus- halte im Quartier“, die auch dazu aufriefen, als Bewohnervertreter  für die nahende Quartiersrat-Wahl zu kandidieren oder wenigstens den Weg zur Wahlurne zu finden. Als Erfolg kann die bisher magere Resonanz auf den Appell zur Partizipation wahrlich nicht gewertet werden.

=ensa=

Mal leicht, mal schwer, mal lebensgierig: Abschied von Christian Glinz

Sein Tod ist nach wie vor ein Riesenrätsel: Vor fast zwei Monaten wurde, wie auch hier berichtet, der leblose Körper des Neuköllner Konzertpianisten Christian Glinz in der Irischen See entdeckt – rund 40 Kilometer vom Parkplatz entfernt, auf dem zwei christian glinz,froschkönig neuköllnTage zuvor der Mietwagen des gebür- tigen Schweizers aufgefunden worden war.

„Kein Mensch weiß“, so seine Mutter, „was passiert ist.“ Ob es ein Unfall war, er beim Baden ertrunken, von den Klippen ins Meer gefallen ist oder sich selber in die Tiefe gestürzt hat? Das wird womöglich nie geklärt werden, für am wahrscheinlichsten wird in seinem Umfeld jedoch letzteres gehalten. Auch ohne dass ein Abschiedsbrief gefunden wurde. Sehr melancholisch sei Christian Glinz in den Wochen zuvor gewesen, noch verschlossener als sonst.

Gestern Abend nahmen etwa 20 Freunde und Bekannte mit seiner aus der Schweiz angereisten Mutter von ihm Abschied – im „Froschkönig“, wo der Pianist zu Lebzeiten viele Menschen mit seinen Konzerten begeisterte. Der über 150 Jahre alte, schwierig zu spielende Flügel, der dort steht, hatte es ihm angetan. „Christian hat für die Musik christian glinz,froschkönig neuköllngelebt, das war seine größte Liebe„, erinnert Patrick Giersch, einer der Grün- der der Literatur- und Pianobar nahe des Tempelhofer Feldes. Und so war er es auch, der die Musik zu seinem ei- genen Abschied beisteuerte. Der Mitschnitt eines Konzertes mit Werken von Beethoven, Skrjabin und Liszt flimmerte über die Großbildleinwand, zeigte noch einmal die Virtuosität und überbordende Leidenschaft, mit der Glinz Stücke umsetzte. „Gerade bei Sachen von Skrjabin konnte man sich mit ihm zusammen regelrecht in Ekstase spielen“, verriet eine ehemalige Kommilitonin, die extra aus Leipzig gekommen war. Ihre Bitte, selber noch ein Werk des russischen Komponisten spielen zu dürfen – „für euch, für mich christian glinz,froschkönig neuköllnund für Christian“ – wurde gerne angenommen.

„Er hatte wirklich ein waghalsiges Tempe- rament“ , beschrieb Glinz‘ Mutter ihren Sohn, den sie als Kleinkind zum Wohl des Kindes an Pflegeeltern gegeben hatte. Von dessen Tod erfuhr sie nicht etwa durch die irischen Behörden, sondern erst eine Woche später durch einen Jugendfreund des Pianisten: Der habe die Meldung in der Online-Ausgabe einer irischen Zeitung entdeckt und sie daraufhin sofort angerufen. Weitaus schleppender ver- liefen die Versuche der geschockten Mutter, in Telefonaten nach Irland Details über die Ereignisse zu erfahren. „War es ein Fehler von der geistigen Welt, Christian schon jetzt abzurufen?“, fragte sie in die Runde. Sie hätten sich leider nur selten gesehen und überwiegend telefonisch Kontakt gehabt. Nun war es ihre Aufgabe, seine Wohnung aufzulösen, die Nähe zu allem, was er besaß und ihn umgab, zu durchleben. Statt eines Grabsteines werde er einen Baum gepflanzt bekommen, sagte sie. Wurzeln für einen, der zwischen Extremen schwankte.

Zwischen „großem Leid, tiefer Freude und totaler Lebensgier“, wie es Anna Simon, eine Musikerkollegin von ihm gestern nannte. Er könne doch gar nicht jazzen, meinte er mit schweizerischem Zungenschlag, als die Chansonsängerin und Songschreiberin ihn, den klassischen Konzertpianisten und Dirigenten, zum gemeinsamen Musikmachen aufforderte. Zwei Genres prallten aufeinander. Wunderbar sei es gewesen, wie er ihre Musik aufgepeppt habe, nachdem alle Vorbehalte über Bord geworfen waren: „Wenn er aufgehört hat zu denken, war er absolut großartig!“

_ensa_

Sehr mysteriös: der rätselhafte Tod von Christian Glinz

Im Newsletter der Literatur- und Piano-Bar Froschkönig, wo Christian Glinz häufig auftrat, ist vom „überraschenden Ableben“ des Neuköllner Konzertpianisten die Rede.  Und das ist es in der Tat. Weiterlesen