Eine feste Größe im Morus 14-Programm

Mieter kochen für Mieter im Rollbergviertel, eine Initiative die inzwischen unter dem Namen „Der Rollberg tafelt“ firmiert, ist seit 2002 ein Begriff in Neukölln. Die Initiatoren vom Verein Morus 14 können immer wieder nicht nur Vereinsmitglieder und Nachbarn aus dem Rollbergkiez, sondern auch Politiker, Künstler, Unternehmer und andere Prominente dazu bewegen, für die Allgemeinheit schmack-hafte Gerichte in der Küche des Gemein-schaftshauses zu kochen.

Vergangenen Mittwoch waren die Publizistin und Soziologin Dr. Necla Kelek sowie Mitarbeiterinnen der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes gekommen. Auf dem Speisezettel standen Weiterlesen

Vor dem Absturz gerettet

Er stand vor dem Abgrund – nun hat er sich umgedreht und ist wieder einen Schritt zurück gegangen. „Ausruhen können wir uns nicht, aber wir haben erstmal etwas festeren finanziellen Boden unter den Füßen“, schätzt Wolfgang Rühlmann, der 1. Vorsitzende des Morus 14 e. V. die Lage realistisch ein. Er sei eben  kein Träumer, sondern Kaufmann, sagt er mit einem Unterton, der fast ein wenig entschuldigend klingt. Und müde. Die letzten Wochen hätten die Vorstandsmitglieder an ihre Grenzen gebracht, weil bis zum Stichtag 29. Oktober sämtliche Register zur Rettung des Vereins gezogen werden mussten. „Hätten wir heute bei dieser außerordentlichen Mitgliederversammlung keine Lösung für unsere Geldprobleme präsentieren können, außerordentliche mitgliederversammlung morus 14 e.v.wäre das Jahresende auch das En- de von Morus 14 gewesen“, ist Wolf- gang Rühlmann sicher.

Vor einer guten Stunde hatte er den anwesenden Mitgliedern mitgeteilt, dass es mit dem Verein, der durch Projekte wie das Netzwerk Schüler- hilfe Rollberg und Mieter kochen für Mieter über die Neuköllner Bezirks- grenzen hinaus bekannt wurde, weitergehen kann. Die Bemühungen zum Erhalt des Vereins seien zwar längst nicht abgeschlossen, hätten aber innerhalb kürzester Zeit zu bemerkenswerten Ergebnissen geführt, ergänzte Rühlmanns Vorstandskollegin Angelika Forck:  „Durch unseren Hilferuf konnten wir im September Kleinspenden in Höhe von rund 6.000 Euro für die Vereinsarbeit im laufenden Jahr einwerben.“ Das sei das Zehnfache der Summe des Vormonats. Entscheidender für die Zukunft von Morus 14 ist jedoch, dass die Zusage für eine Spende von 40.000 Eu- ro für 2013 vorliegt und es aussichtsreiche Kontakte zu weiteren potenziellen Spen- dern gibt. „Damit“, so Forck, „stehen wir wesentlich besser als im Vorjahr um außerordentliche mitgliederversammlung morus 14 e.v., gemeinschaftshaus morus 14 neuköllndiese Zeit da.“ Auch personell wirke sich das aus: Der einzige hauptamtliche Mo- rus 14-Mitarbeiter Frank Bourgett, dessen Vertrag vorsorglich gekündigt wor- den war, könne nun in 2013 weiterbeschäftigt werden. „Über weitere Personalien entscheidet der Vorstand noch“, ließ Angelika Forck die Mitglieder wissen und damit im Unklaren, ob zusätzlich der gerade auf eigenen Wunsch ausgeschiedene Geschäftsführer Gilles Duhem wieder ins Boot geholt werden könnte.

Beschlossene Sache ist hingegen, dass der Verein künftig mehr auf die Ressour- cen seiner Mitglieder bauen will. Nicht nur finanziell, d. h. durch Spenden zusätzlich zum Mitgliedsbeitrag von 24 Euro pro Jahr, sondern auch durch Tatkraft sollen die sich engagieren. Post einkuvertieren, Flyer verteilen, Telefondienst im Büro, Unter- stützung beim Fundraising,  Schlüssel ausgeben, Ausflüge vorbereiten. „Wenn wir die tägliche Arbeit auf mehrere Schultern als bisher verteilen könnten, wäre das sehr hilfreich“, vermutet Wolfgang Rühlmann. Bei anderen Ausgaben als bei Honorar- mitteln lasse sich nicht sparen; für das vom Verein genutzte Gemeinschaftshaus werden nur Betriebs- und Energiekosten fällig, ebenso für die Räume, die für das kostenlose Angebot der Schülerhilfe nötig sind. „10.000 Euro“, überschlägt er, „brauchen wir trotzdem monatlich zur Deckung unserer laufenden Ausgaben.“

Einen nicht unbeträchtlichen Batzen machen dabei die Aufwendungen für das Netzwerk Schülerhilfe aus. Ob des rechnerischen Teufelskreises, der „Je mehr Schüler, desto mehr Kosten“ heißt, gebe es aktuell eine  Warteliste, auf der rund 40 Kinder stehen. Etwa 100 Kinder haben das Glück, das Mentoringangebot in Anspruch nehmen zu dürfen. Bei deren Eltern, schlug eine Frau während der Mitglieder- versammlung vor, könne man doch zu mehr Engagement für den Verein appellieren. Auch Rühlmann ist die Überlegung nicht fern, gleichwohl sieht er keine Chancen auf Erfolg: „Die nehmen das Angebot als Selbstverständlichkeit hin und sind fast durch die Reihe nicht bereit, dafür auch nur einen kleinen Obolus zu bezahlen.“ Ganz anders eine Rentnerin aus den Reihen der Mitglieder. Sie werde im nächsten Jahr pro Schülerhilfe-Kind einen Euro zahlen, um den Verein und das Projekt zu unterstützen, kündigte sie an.

„Noch mehr solcher Leute und regelmäßige Spender“, rechnet der erste Vorsitzende von Morus 14, „und wir haben uns nicht nur erstmal etwas Luft verschafft, sondern wieder festen Boden unter den Füßen.“ Vorausgesetzt, dass auch alle andere Bemühungen zur Sicherung der Zukunft des Vereins wie erwartet fruchten. Für die Mitglieder bestehen daran keinerlei Zweifel: Ohne Gegenstimme beschlossen sie, dass die Arbeit des Vereins über den 31.12.2012 hinaus weitergeführt werden soll.

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Mit Bildern Mauern einreißen

Ab und zu wird das Gemeinschaftshaus Morus 14 im Neuköllner Rollbergkiez zur Galerie. „Welche Künstler bei uns ihre Werke ausstellen können, wird von mir ganz subjektiv entschieden“, sagt Frank Bourgett, der Leiter des Hauses. Die Bilder müssten ihm gefallen oder die Künstler ihn beeindrucken. Schließlich sei so eine Ausstellung durch die zeitweilige Vermietung der Räume aus versicherungs- rechtlichen Gründen basila hassan, daug e.v., morus 14 e.v., neuköllnauch immer mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden.

Bei Basila Hassan, die eines Nachmittags zusammen mit Wilfried Winzer, dem Öffentlich-keitsarbeiter der Deutsch-Arabisch unabhängi- gen Gemeinde (DAuG), in Bourgetts Büro stand, war es einerseits deren Geschichte, die ihm imponierte, und andererseits zunächst vor allem eines ihrer Bilder. „Dieses Dorf mit Häusern ohne Türen aber kleinen Fenstern, die Licht- blicke und Hoffnung symbolisieren, hat mich sofort fasziniert“, erinnert sich Frank Bourgett. Seit gestern sind das und 29 weitere Werke von Basila Hassan im Gemeinschaftshaus Morus 14 zu sehen. Es sei zudem der Auftakt zur von der DAuG initiierten Ausstellungsreihe „Bilder reißen Mauern ein“, die weiteren migrantischen Künstlern eine Präsenta- basila hassan, daug e.v., morus 14 e.v., neuköllntionsplattform geben soll, kündigt Wilfried Winzer an.

Über die Hürde der sprachlichen Mauer um die gebürtige Palästinenserin helfen bei der Vernissage gleich drei Dolmetscher. Es ist Basila Hassan, die erst seit 16 Monaten in Berlin lebt, wichtig, ihre Werke und die Intentionen, die sie entstehen ließen, zu erklären. Manchmal geht es bei denen um die politische Situation in ihrer Heimat, oft um ihre persönliche und die als basila hassan, daug e.v., morus 14 e.v., neuköllnFrau. Leid, das sich dank des Ventils der Kreativität besser aushalten lässt, spiegeln die Arbeiten ebenso wider wie Sehnsüchte, Erlebtes, Hoffnungen und Liebe.

Die Techniken und Materialien, derer Basila Hassan sich bedient, reichen von Bleistiftzeichnungen über Tusche- bilder bis hin zu glitzernder Hinterglasmalerei und mit basila hassan, daug e.v., morus 14 e.v., neuköllnLötkolben gebrannten Or- namenten und Schriftzei- chen. In ihrer Heimat habe sie schon einige Jahre kreativ gearbeitet, erzählt die Künstlerin: „Danach kam eine lange Pause, und erst in Deutschland habe ich wieder angefangen zu malen.“ Es sei ihr ein Bedürfnis gewesen, eine Ausdrucksmöglichkeit für die neue Lebenssituation zu finden.

Eigentlich, stellt man schon nach nur kurzer Beschäftigung mit den Bildern von Basila basila hassan, daug e.v., morus 14 e.v., neuköllnHassan fest, sprechen die zumeist eine anfangs fremde, dann aber – ob sich wiederholender Stilelemente – auch eine sehr deutliche Sprache. Man muss sich nur in sie hineinhören.

Die Bilder von Basila Hassan sind noch bis zum 20. April im Gemein- schaftshaus in der Morusstraße 14  zu sehen. Geöffnet ist es  werktags von 9 – 16 Uhr.

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