„Erste Sahne“ – der Name ist Programm

gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiaEs war eine Reise ins Ungewisse, zu der Sara Tricoli und Domenico Richichi  vor zwei Monaten  aufbra- chen. Natürlich, die beiden Neuköllner ahnten, dass es im Kiez eine Nachfrage nach gutem Eis geben müsste, wussten, dass keine wirkliche Konkurrenz gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiada ist, und wa- ren sicher, dass die Nähe zum Tempelhofer Feld vorteilhaft sein würde. „Aber wir hatten trotzdem auch etwas Angst, dass unser Eis, das nach traditionellen Rezepten hergestellt wird, nicht ankommen könn- te“, gesteht Sara Tricoli. Daran änderte auch der Eröffnungstag nichts, der 30. Juni, an dem sich die Schlange derer, die das Erste gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiaSahne-Eis mal probieren wollten, bis zum Nachbarhaus zog. Schließlich wurden die Ku- geln damals verschenkt und nicht verkauft.

„Mit dem ersten Eis am Eröffnungstag haben sie mich angefixt“, sagt eine Frau, die „zum Glück nicht weit entfernt“ wohnt. Fast täglich holt sie sich seitdem ihre Dosis in der Kienitzer Straße ab. Eine Kugel Pistazien-Eis ist immer dabei, die gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiaandere variiert: „Weil die Auswahl so schwierig ist, werden es auch öfter insgesamt drei.“ Inzwi- schen gibt es viele, denen die Problematik ver- traut ist. Ohne ihre Stammkunden, die regel- recht süchtig nach dem Erste Sahne-Eis sind, fiele die Bilanz für die ersten beiden Monate weitaus weniger rosig aus. Das Wetter, finden sie, habe es ja bisher alles andere als gut mit ihnen gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiagemeint. Und das Wetter ist für Eis- verkäufer das Wichtigste überhaupt.

Für die Kunden von Sara Tricoli und Domenico Richichi haben dagegen der Geschmack und die gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiaQualität der Pro- dukte den höchs- ten Stellenwert. Hergestellt werden die Köstlichkeiten im eigenen Eislabor in Schöneweide; Zutaten wie Milch und Sahne stammen aus der Region, Pistazien und andere Ingredienzien werden aus Italien geliefert. Dort, im Süden des Landes, wo das beste Eis gemacht werde, haben die Existenz- gründer auch ihr Handwerk erlernt. Der Trick, die frostigen Schätze in traditionellen Kühlapparaten zu verstecken statt sie in offenen Behältern hinter Glas auszustellen, kommt ebenfalls aus der Heimat der beiden und vor allem der Hygiene und der Haltbarkeit zugute. „Unser Eis ist 100 Prozent bio und total ohne chemische gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderia, sara tricoliZusatzstoffe“, versichert Sara Tricoli. Des- halb müssten sie auch bei der Präsen- tation andere Wege gehen.

Die Auswirkungen auf das Verhalten der Kunden sind unübersehbar. Wer die kleine Gelateria betritt und noch unentschlossen ist, was diesmal in die Waffel oder den Becher soll, stürmt nicht in Richtung Theke, sondern wendet den Blick nach links: Auf Plexiglastafeln an der Wand steht, welche Sorten momentan vorrätig sind. Milcheis von Nocciola über Ingwerschokolade und Fior di Latte bis hin zu Crema della Nonna und der Neu-Kreation Istanbul. Sorbets von Mango bis Schokolade für gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderia, sara tricoliVeganer und Laktose-Intolerante. Shakes auf Wasser- oder Milchbasis und Obstsäfte gehören selbstverständlich auch zum Angebot. Ebenso verschiedene Kaffee-Spezialitäten, die auf Wunsch mit Sojamilch zubereitet werden.

„Gibt’s irgendwas Neues?“, fragt ein Mann und will das nicht als Interesse am aktuellsten Kiez-Klatsch verstanden wis- sen. Sara Tricoli zählt die neuen Milcheis-Sorten auf. Ihm sei doch ausnahmsweise eher mal nach etwas Fruchtigem, sagt er und wird gefragt, ob er das Zitroneneis schon kenne. Im nächsten Moment hat Löffelchen voll zum Probieren in der Hand. „Uih, das ist aber sehr sauer“, findet er gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiaund entscheidet sich für zwei andere Sorten.

Die Kunden kosten zu lassen, das gehört bei Erste Sahne zum Programm. Schließlich gehe es nicht nur darum, jedem irgendein Eis zu verkaufen, sondern vor allem um den Genuss, um den Wohlfühlfaktor und ein Stück italieni- scher Lebensart. Letztere wollten Sara Tricoli und Domenico Richichi auch durch ihre Semifreddi, kleine halbgefrorene Desserts aus Bio-Sahne, in den Kiez bringen: „Aber gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiadas läuft nicht so. Die Leute wollen entweder Eis oder heiß, also Kaffee.“ Ganz verwerfen will Sara Tricoli den Gedanken an ein Semifreddo-Angebot aber nicht: „Im Herbst und Winter werden wir die Auswahl auf einige Eissorten reduzieren, zusätzlich heiße Milchgetränke anbieten und es mit Semifreddo-Kuchen probieren.“

Die für kleine italienische Eisdielen fast typische mehrmonatige Winterpause wollen sie nicht einlegen. Aber  zwei Wochen Urlaub sollten schon drin sein. Denn zum Resümee nach den ersten beiden Monaten gehört auch die Feststellung, dass die Selbstständigkeit an den Kräften zerrt. „Aber insgesamt sind wir glücklich, den Laden hier gefunden zu haben, und sehr zufrieden“, sagt Sara Tricoli – dem doch nur mäßigen Sommer zum Trotz.

=ensa=

Erlauben Sie mal … !!!

Was haben ein Schuhmacher in Neuköllns Kopfstraße Anfang des 20. Jahrhunderts und eine Gärtnerin in der Kienitzer Straße Anfang des 21. Jahrhunderts gemein? Beide begehren eine behördliche Erlaubnis. Der Eine, Friedrich Wilhelm Voigt, will eine Aufenthaltserlaubnis – jedenfalls als literarische Figur bei Carl Zuckmayer. Die jule eisendick, café jule neuköllnAndere, Jule Eisendick, möchte eine Schankerlaubnis für ihr neu zu eröff- nendes Café. Während der Eine mit krimineller Energie – allerdings auch mit einiger Chuzpe, die Schmunzeln macht – letztlich scheitert, kommt die Andere mit Geduld und Ausdauer (hoffentlich) zum erwünschten Ziel.

Ein eigenes Café zu betreiben, das war seit langem sehnlicher Wunsch von Jule Eisendick, die tatsächlich Gärt- nerin, genauer Staudengärtnerin, ge- lernt hat. Hätte sie sich auf ein alko- holfreies Getränkeangebot beschränkt, hätte sie ohne weiteres ihr Café eröffnen können, denn wenn kein Alkohol ausgeschenkt wird, handelt es sich um einen „erlaubnisfreien Betrieb“. Aber ihr Wunsch, auch das eine oder andere Glas guten Weins kredenzen zu können, café jule neuköllnbeschwor eine Folge zusätzlicher Geneh-migungen, Auflagen, baulicher Verän-derungen und vor allem langes Warten herauf; denn es bedurfte einer „Schank- erlaubnis“.

Diese wird vom Ordnungs- und Gewerbe- amt erteilt, aber nicht so ohne Weiteres. Da in dem Ladenlokal vorher ein An- und Verkaufsgeschäft betrieben wurde, handelt es sich um eine „Nutzungsänderung“, die behördlich genehmigt werden muss. Damit kam das Bezirksamt Neukölln, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Bau- und Wohnungsaufsicht (BWA) ins Spiel. Um den Antrag ordnungsgemäß stellen zu können, musste eine Architektin beauftragt werden, um neben den entsprechenden Antragsformularen und Umbauplanungen auch eine Grundrisszeichnung im Maßstab 1:100 beibringen zu können. Dass IHK-Bescheinigung, Personaldokumente und Mietvertrag vorhanden sein müssen, versteht sich von selbst. Dass aber auch Nachweise über die Teilnahme an der Gaststättenunterrichtung und Belehrung zum Infektionsschutzgesetz erforderlich werden können, gehört schon nicht mehr zum Allgemeinwissen. Leicht einzusehen café jule neuköllnwiederum ist, dass Honorar und Gebühren fällig werden, und so wechselten mehrmals 200-Eu- ro-Scheine die Besitzerin.

Interessant zu erfahren war für die Existenz- gründerin auch, dass ein WC genügt, wenn Kaffee oder andere alkoholfreie Getränke den menschlichen Körper wieder verlassen. Nimmt Wein denselben Weg, müssen umfangrei- chere Sanitäranlagen vorgehalten werden.

Nach sieben Wochen bangen Wartens sind nunmehr die Umnutzung mit Bescheid Nr. 256 aus 2012 und auch der „Schankvorgarten“ genehmigt und das Café Jule konnte endlich eröffnet werden. Die Schankerlaubnis steht al- lerdings immer noch aus.

Jule Eisendick hat sich dennoch von den Tücken des Einstiegs in die Gastronomie nicht entmutigen lassen, im Gegen- teil: Mit vielen guten Ideen will sie ihre Kundschaft in der Kienitzer Straße 93 begeistern – mit einer 50er- Jahre-Stil-Ecke genauso wie mit Hintergrundmusik von Vinyl-Tonträgern, mit selbst gemachten fotografischen Auf- nahmen an den Wänden wie eben mit dem einen oder anderen Glas Wein. Wenn denn die Erlaubnis für den Ausschank vorliegt. Möge es gelingen.

=kiezkieker=