Neukölln arabisch: Kultur und Begegnung zwischen Falafel-Workshop und Moscheebesuch

In der Reihe „Neukölln – interkulturell“ gibt das Interkulturelle Zentrum Genezareth (IZG) verschiedenen Kulturen regelmäßig die Möglichkeit, sich mit Ausstellung, Themen-, Informations- und Begegnungsabenden, Musik, Lesungen oder Filmen zu präsentieren. Nachdem Kulturen aus Äthiopien, Griechenland und Rumänien bereits vorgestellt wurden, setzt Pfarrer Dr. Reinhard Kees nun das Programm mit der vierten Veranstaltungsreihe „Neukölln arabisch“ fort. Mit einer Vernissage am 11.Mai beginnt die bis Ende August dauernde Reihe. Weiterlesen

Neuköllner Superintendent plädiert für Reformationstag als Feiertag auch in Berlin

Mit einem Gottesdienst am Reformationstag erinnerte die evangelische Magdalenen-kirche am vergangenen Mittwochvormittag daran, dass am 31.Oktober 1517 der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther seine 95 Thesen zur Erneuerung der damaligen Kirche in Wittenberg veröffentlichte. Das Datum markiert den Beginn der Reformation durch Martin Luther sowie die Entstehung der evangelischen Kirche. Es wird auch als Gelegenheit zur Selbstbesinnung der Protestanten verstanden.

Die Predigt hielt der Superintendent des Ev. Kirchenkreises Neukölln, Dr. Christian Nottmeier. Für ein Grußwort war Neuköllns Bezirksbürgermeister Weiterlesen

UFO in der Gropiusstadt mit neuem Träger und neuen Angeboten für Jugendliche wiedereröffnet

„Mich hat das UFO gleich begeistert. Dieses große, helle und freundliche Haus ist ein toller Ort für Jugendarbeit.“ Stefan Pester, Kreisbeauftragter für Jugendarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Neukölln, freute sich am vergangenen Freitag-nachmittag bei der Feier zur Wiedereröffnung der Jugendfreizeiteinrichtung in der Lipschitzallee  sichtlich auf seine Arbeit im Haus.

Das UFO in der Gropiusstadt war bis März dieses Jahres ein bezirkliches Kinder- und Jugendzentrum. Dann suchte der Bezirk einen neuen Träger für die offene Jugendarbeit mit Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren. Nach einem Interessenbekundungsverfahren bekam der Evangelische Kirchenkreis Neukölln zum 16. Juli den Zuschlag Weiterlesen

„Wir können es uns nicht leisten, uns dem Luxus der Resignation hinzugeben“

genezareth-kirche-neukoellnDer 2005 ins Leben gerufene Abend der Begegnung zwischen Christen und Muslimen war auf dem besten Weg zu einer Neuköllner Tradition zu werden. Zehn Mal wurde in der Genezareth-Kirche am Nikolaustag, initiert von der Bürgerstiftung Neukölln, dem Türkisch-Deutschen Zentrum und dem Interkulturellen Zentrum Genezareth (IZG), das Miteinander von Religionen und Kulturen gefeiert, dann war Schluss. Ob nur vorübergehend oder für immer, stand in den Sternen.

„Es hat eine ganze Weile gedauert, bis deutlich wurde, dass es unter den Mitveranstaltern durchaus unterschiedliche Auffassungen über den Charakter der Veranstaltung gab“, resümierte Elisabeth Kruse, damals noch Pfarrerin der Genezareth-Gemeinde, seinerzeit. War es eine gemeinsame Aktion? Waren die einen Weiterlesen

Premiere fernab des Südens

So weit im Norden Neuköllns wie gestern war er noch nie. „2008 gab es den ersten Kreiskirchentag in der Gropiusstadt, wo er 2010 wieder stattfand“, berichtet kreiskirchentag2016 neukoellnEbba Zimmermann, die Öffentlichkeitsbeauftragte beim Ev. Kirchenkreis Neukölln. 2012 war er dann in Königs-Wusterhausen, weil seit einer Fusion auch einige Gemeinden in Brandenburg Mitglieder des Neuköllner Kirchenkreises sind: „Und 2014 fiel er wegen einer anderen Großveranstaltung ganz aus.“

Nun also die Premiere in Nord-Neukölln, mit dem Motto „Weltweit – weltoffen“ und der Genezareth-Kirche am Herrfurthplatz als Gast-geberin. „Gemeinden, die so optimale örtliche Bedingungen bieten, Weiterlesen

Begleitung für Demente, Entlastung für ihre Angehörigen

ev kirchenkreis neukoellnRenate, die selber schon 80 ist, möchte etwas davon zurückgeben, dass es ihr gut geht. Für Ehrenamt sei sie nicht zu alt, findet sie. In Evas Leben tat sich plötzlich eine Lücke auf: Erst wurde sie Witwe, dann zog ein Ther-momix in den Haushalt ihrer Tochter und das Bekochen der Familie durch die Oma wurde unnötig. Auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung kam die 76-Jährige zur Diakonie Haltestelle, die seit nunmehr 10 Jahren mit einem ehrenamtlichen Betreuungs- und Entlastungs-angebot für Demenz-Erkrankte und Menschen mit einer Pflegestufe Patienten und deren Angehörige unterstützt.

Samstag wurde das Jubiläum im Tagungshaus des Evangelischen Kirchenkreises Neukölln gefeiert. Ein Mann, der von Anfang an dabei ist und sein Engagement als „echte Herzensangelegenheit“ Weiterlesen

Gedenken an drei weitgehend Unbekannte: Stolpersteine für Daniel und Lucie Glassmann und Rosalie Rahel Brühl

stolpersteine rosalie brühl+lucie glassmann+daniel glassmann_neuköllnWenn in Neukölln Stolpersteine verlegt werden, geht das normalerweise recht flott. Eine Vier- telstunde vielleicht, mehr Zeit braucht es nicht, bis das neue kleine Denkmal für ein Opfer des Nazi-Regimes in den Bürgersteig gelassen ist und eine Messingplatte zwischen Pflaster-steinen glänzt. Sind es gleich mehrere, dauert biebricher straße 6_neuköllnes nur unwesentlich länger.

Schon ob des Zeitfaktors war die gestrige Verlegung der Stolpersteine für Lucie und Daniel Glassmann und Rosalie Rahel Brühl in der Biebricher Straße 6 eine besondere. Denn die Schüler und Lehrer der benachbarten Evangelischen Schule Neukölln (ESN), die zusammen mit den Ev. Kirchenkreisen Neukölln und Teltow-Zehlendorf die Patenschaft für die Protagonisten der Gedenkstätte übernommen haben, organi-olgierd bohuzewicz_evangelische schule neuköllnsierten eine gut 1 1/2-stündige, beein- druckende Zeremonie zu Ehren der Ermordeten.

Die begann mit einer Andacht in der mit Kindern und lana lutz+felicitas thiele_evangelische schule neuköllnJugendlichen der Klassen- stufen 5 bis 10 vollbesetzten Aula der Schule. Musiklehrer Olgierd Bohuszewicz (r.) setz- te hier gemeinsam mit seiner Kollegin Cornelia Gnaud- schun (l.) und Schülerinnen und Schülern stimmungs- cornelia gnaudschun+wp musik 10_evangelische schule neuköllnvolle musikalische Akzente in einem von der Neuköllner marita lersner+8c_evangelische suchule neuköllnKreisjugendpfarrerin Mari- ta Lersner (r.) mitgestal- teten Programm. „Ich fin- de, wir sollten viel mehr stolpern“, leitete die Pas- torin zu den von banal bis global changierenden Stolpergedanken des 8c-Quintetts über. Eine Schüle- rin bekannte, oft über ihre eigene Ruppigkeit im Umgang mit anderen Menschen zu stolpern, bei einer anderen ist es die Ungerechtigkeit, die sie innerhalb der eigenen Familie erlebt. „Ich stolpere oft darüber, wie unbedacht die Menschheit thorsten knauer-huckauf_ev schule neuköllnmit der Schöp- fung umgeht“, gab der einzige Junge der Gruppe zu bedenken.

Thorsten Knauer-Huckauf (r.), seit dem Tod von Klaus-Randolf Weiser  kommissari- scher Schulleiter der ESN, konzentrierte sich in seiner Ansprache ganz auf das Stolpern, das die Stolpersteine bewirken sollen. Sie seien Erinnerung an die eigene stolperstein-verlegung_biebricher str. 6_neuköllnGeschichte und eine Zeit, in der Deutsch- land durch die Schandtaten der Nazis seine Menschlichkeit verloren habe. Nur wenige hätten sich sich damals dem Regime entgegengesetzt, viele hätten tatenlos zugesehen – bei Diskriminierung, Pogrom und Deportationen. „Stolper- steine“, so Knauer-Huckauf, „machen die Lücken kenntlich, die die Opfer der Nazi-Herrschaft gelassen haben. Ihr Schick- michael rohrmann+esn_stolpersteine neuköllnsal soll uns Mahnung für unser eigenes Handeln sein.“

Es war Jakob Rohrmann, ein Schüler der Evangeli- schen Schule Neukölln, der sich in einer MSA-Prü- fung mit dem Thema Stolpersteine beschäftigt hatte und so auf das Schicksal der drei Deportierten aus der Biebricher Straße gestoßen war. Gestern hielt sich der Jugendliche bescheiden im Hintergrund und überließ seinem Vater das Reden und Handeln: Normalerweise ist Neukölln nicht Michael Rohrmanns Beritt. „Eigentlich engagiere ich mich nur im michael rohrmann_stolpersteine brühl+glassmann_neuköllnKreis Teltow-Zehlendorf für das Projekt Stolper- steine, aber nach Rücksprache mit Gunter Demnig war es problemlos möglich, hier mal eine Ausnahme zu machen“, sagt er, die drei jeweils etwa 2 Kilogramm schweren Steine von der Schule zum Ort des Geschehens balan- cierend.

„Im Gegensatz zu anderen Opfern wissen wir über die drei, die in diesem Haus wohnten, sehr wenig“, berichtet er den Delegierten, die jede Klasse geschickt hat. Daniel Glassmann, der am 30. Mai 1870 in Posen geboren worden war, wohnte laut Adressbuch seit 1935 hier, wurde als Haushaltsvorstand geführt und war Rentner. Lucie Glassmann war rund 24 Jahre jünger. „Sie könnte michael rohrmann_stolpersteine-verlegung_neuköllnseine Tochter gewesen sein“, vermutet Michael Rohrmann. In welchem Verhältnis Rosalie Rahel Brühl zu den Glassmanns stand, sei ebenfalls nicht bekannt: „Sie war 10 jünger als Herr Glass- mann. Vielleicht seine Lebensgefährtin?“ In wel- cher Wohnung sie gemeinsam lebten, auch das konnte bislang nicht in Erfahrung gebracht werden.

Was man indes weiß, ist, dass Daniel Glass- mann am 25. Januar 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet wurde. Lucie Glassmann und Rosalie Rahel Brühl waren bereits zwei Monate vorher, am 14. November 1941, abgeholt und nach Minsk gebracht worden, wo sie ihr Leben lassen mussten.

christiane peter+esn-schüler_stolpersteine-verlegung neuköllnWie dieses Leben nach Hitlers Machtüber- nahme ausgesehen hat, macht die Lehre- rin Christiane Peter (r.) gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der 10. Jahr- gangsstufe deutlich. In der Gedenkstätten-woche, die an der ESN alljährlich im November veranstaltet wird, hatten die Jugendlichen über den Alltag der Juden esn_stolpersteine_biebricher str. 6 neuköllnwährend der NS- Zeit recherchiert: Nächtliche Ausgangssperren, der Kennzeichnungszwang, das Verbot der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Berufsverbote, die stetige Verschlechterung der Lebens- mittel- und Hygieneartikel-Zuteilung, die Pflicht zur Abgabe stolpersteine_biebricher str. 6 neuköllndes Führerscheins.

„Kannst du dir das vor- stellen?“, flüstert ein Mädchen einem ande- ren zu. Das schüttelt den Kopf. Beide drappieren rote Rosen um die von Michael Rohrmann verlegten Stolpersteine. „Die Pflege dieser drei Steine wird zur Tradition an unserer Schule werden“, verspricht Thorsten Knauer-Huckauf.

Er werde auch darauf achten, dass sie immer schön glänzen, kündigt ein Mann an, der ein paar Häuser weiter wohnt. Seine Mutter, sagt er, müsste die drei De- portierten gekannt haben. Nach ihnen fragen kann er sie nicht mehr, weil sie schon vor Jahren gestorben ist. „Wir haben leider über so vieles nicht gesprochen“, bedauert der 63-Jährige noch heute.

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