Auftakt einer Diskussion auf lokaler Ebene über Klimawandel, Sozialstruktur und Lebensqualität in Neukölln

podi umweltgerechtigkeit_st.clara neukoelln„Um das Thema Umweltgerechtigkeit kümmert sich niemand ernsthaft“, ist Danny Freymark, Sprecher für Umweltschutz der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, vor Beginn der Veranstaltung überzeugt. Das Kommunalpoli-tische Bildungswerk Berlin e.V. und der BUND Berlin haben vorgestern gemeinsam zum Podiumsgespräch „Geringere Mieten – höhere Belastungen? Der Zusammenhang zwischen Klimawandel, Sozialstruktur und Lebensqualität in Neukölln“ ins Gemeindehaus von St. Clara in der Briesestraße eingeladen. Der Umweltpolitiker Freymark aus Lichtenberg hat auf Wunsch der Weiterlesen

Hinter einer hohen Mauer am Columbiadamm

pyramidengarten neukoellnEine Gruppe gärtnerisch, sozial und politisch engagierter Menschen gründete 2007 den inter-kulturellen Pyramidengarten am Columbiadamm, um sich nahe am Nord-Neuköllner Kiez zwischen Sehitlik Moschee und Tempelhofer Feld, mit ange-bautem Gemüse, Früchten, Kräutern und Blumen teilweise selbst zu versorgen. „Der Pyramiden-garten ist mehr als ’nur‘ Garten. Unser Garten ist ein Lernort, wo wir vorurteilsfrei und respektvoll miteinander umgehen und von-einander lernen wollen“, teilt der Verein, dem derzeit 40 Mitglieder mit Weiterlesen

Jetzt als Buch: die typische bunte Neuköllner Mischung

stadtgespräche aus neukölln_gmeiner-verlagWas hat Neukölln mit München, Itzehoe, Rosen- heim, Hamburg, Balingen, Kempten und Wien gemeinsam? Auf den ersten Blick sicher nicht viel, auf den zweiten aber liefert das Programm des Gmeiner-Verlags aus der oberschwäbi- schen Kleinstadt Meßkirch eine Antwort: In dessen Stadtgespräche-Reihe steht Neukölln nun zwischen München und Rosenheim – oder, bei aufsteigender chronologischer Sortierung, ganz vorne.

„Die Idee entstand schon vor etlichen Jahren, kurz nachdem ich nach Neukölln gezogen war“, erzählt Michaela Behrens, die Autorin der Neu- köllner Stadtgespräche. „Seitdem wollte ich im- mer gern ein Buch machen, in dem Bewohner des Bezirks von ihrem alltäglichen Leben erzählen: was sie umtreibt, was sie freut oder traurig macht.“ Als sie 2013 von der neuen Gmeiner-Reihe erfuhr, Weiterlesen

Bunte Haufen: Attacke gegen Hundekacke im Neuköllner Körnerkiez

hundekacke besprühen_pps-aktionswoche_neuköllnPfffffffffffffffffffffffffffft! Suzanne, Murat und Leonie müssen nicht lange warten, bis sie auf den Knopf der Spraydose drücken können, um den ersten Hundehaufen des Tages zu markieren.  Weitere liegen gleich daneben oder nur wenige Schritte entfernt, direkt gegenüber vom Eingang zur Peter-Petersen-Schule, die in dieser Woche erneut zur  Attacke gegen Hundekacke  bläst. Bereits seit 16 Jahren wird die Aktionswoche markierspray_pps-aktionswoche neuköllnorganisiert und rund um die Schule im Neuköllner Körnerkiez durchgeführt. Unter- stützt wird sie durch Soziale Stadt-Mittel des Quartiers- managements (QM) Körnerpark und den Multikulturellen NachbarschaftsGarten Neukölln e. V., der sich im Quartier mit dem aus verschiedenen Modulen bestehenden Projekt hildegard greif-groß+schüler__pps-aktionswoche_neukölln„Putzaktion im Körnerkiez“ für eine Verbesserung des Wohnumfelds einsetzt.

Sechs Teams, die aus jeweils drei Schülern bestehen, sind seit gestern in den Straßen im Quartier unterwegs. Jede Gruppe hat ihr Revier. Hildegard Greif-Groß (r.), die Rektorin der Peter-Petersen-Schule, bekommt beeindru-ckende Zahlen zu hören, als sie die Ergebnisse des Vortags abfragt: Rund 2.000 Hundehaufen wurden entdeckt, mit umweltfreundlicher grüner und blauer Farbe besprüht und statistisch erfasst. „Wie man Strichlisten führt, lernen die Kinder bei der Gelegenheit auch gleich“, bemerkt sie schmunzelnd und erinnert noch einmal daran, dass sich Fünfer-Päckchen wesentlich hundekacke-statistik_pps-aktionswoche neuköllnleichter auszählen lassen.

Beeindrucken können ebenfalls die Reaktionen von Passanten, die den Kindern bei ihren ersten Touren widerfuhren.  Viel Lob habe es gege- ben, versichern sie. Aber eben nicht nur das: Auch Begegnungen mit Er- wachsenen, die fragten „Was macht ihr denn da für ’nen Scheiß?“ und sie anblafften, dass das doch alles völlig sinnlos sei, blieben ihnen nicht er- spart. Dass sich überwiegend Hundehalter über die Aufmerksamkeit der Schüler in Sachen Sauberkeit echauffieren, vermag kaum zu überraschen.

Die Spraydose von Suzanne, Murat und Leonie wird fast mit jedem Schritt leerer. Eingetütete Haufen sind in der Jonasstraße Raritäten. „Obwohl es seit 2008 neun Aufsteller mit Hundekotbeuteln im Kiez gibt, die regelmäßig von fünf Ehrenamtlichen

hundekacke-markierung_pps-aktionswoche_neuköllnmarkierte hundehaufen_pps-aktionswoche_neuköllnhundekot markieren_pps-aktionswoche_neukölln

hundehaufen-markierung_pps-aktionswoche_neuköllnmarkierter hundekotbeutel_pps-aktionswoche_neuköllnkehrenbürger_pps-aktionswoche_neukölln

bestückt werden“, sagt Christian Hoffmann vom Multikulturellen Nachbarschafts-Garten Neukölln. Er kennt sogar die Standorte, was bei vielen Hundehaltern nicht der Fall zu sein scheint. Auch die Tatsache, dass jeder Hundehaufen parasitär belastet und so eine Gefahrenquelle für andere Vierbeiner  sein kann, entzieht sich offenbar hundekacke vor schultor_pps-aktionswoche_neuköllnihrer Aufmerksamkeit.

207 neue Striche sind es, die nach einer knappen Stunde auf der Liste für die Jonasstraße stehen. Die Farbdose von Suzanne, Murat und Leonie gibt keinen Mucks mehr von sich; Hoffmann muss ihnen für morgen und übermorgen Nachschub besorgen. „Aber eigentlich“, findet er, „ist der Kiez in den letzten Jahren schon sauberer geworden.“ Die hohe Hundehaufen-Zahl, vermutet er, hänge vor allem damit zusammen, dass noch viele unter dem bsr-kehrfahrzeug_jonasstraße neuköllnSchnee lagen, der nun endlich weggetaut ist. Deshalb habe die BSR eben die Bürgersteige lange nicht reinigen können. Dass sie dazu nun wieder in der Lage ist, beweist sie wenig später.

Zum Ende der Aktionswoche „Attacke gegen Hundekacke“ ruft die Peter-Petersen-Schule am 12. April zur Demo auf. Start ist um 12 Uhr in der Jonasstraße 16. Die Abschlusskundgebung findet auf dem Schieker Platz statt.

=ensa=

Die stärkste Waffe ist die Solidarität!

Schuld an allem Übel dieser Welt ist die Globalisierung: eine recht monokausale Erklärung, die trotzdem bei vielen Zustimmung findet. Bewegen wir uns mit dem Betrachtungshorizont auf lokaler Ebene, wird es komplizierter. Doch es gibt auch hier Menschen, für die es nur  an/aus, schwarz/weiß oder gut/böse  geben darf.

Gerade wurde die Ursache der Gentrifizierung in Neukölln ausgemacht: Tanja Dickert. Sie führt seit vielen Jahren die Ahoj! Souvenirmanufaktur und ist Mitbegründerin der KGB44, der Kreativen Gesellschaft Berlin. Sie ist gebürtige Neuköllnerin, engagiert sich für ihren Kiez. Hier fängt das Problem an. Auf einem Szeneportal wird nun gegen sie als eine Wegbereiterin der Gentrifizierung polemisiert.

Es gibt Menschen, die der Auffassung sind, man könnte Mietsteigerungen, Verdrängung oder vergleichbare Prozesse dadurch besei- tigen, dass z. B. Müllberge die Straßen flan- kieren. „Dreckige Straßen – Niedrige Mieten“ prangt seit fast zwei Jahren an einem Haus in der Boddinstraße. Seitdem hat sich in Bezug auf Sauberkeit nichts drastisch verschlech- tert – verbessert hat sich aber auch nichts, einzig die Mieten sind weiter gestiegen.

Kunst und Kultur sind in den Augen Weniger die nächsten Boten und Wegbereiter der Gentrifizierung. Dass KünstlerInnen das gleiche Recht wie linke Kneipenprojekte, Buchläden oder Fahrradkollektive haben, sich selbstbestimmte Aktionsräume und finanzielle Überlebensstrategien zu schaffen, wird dabei genauso außer acht gelassen wie der Umstand, dass viele der Erwähnten in vergleichbar prekären Situationen leben und arbeiten. Bei den Einen jedoch ist es toleriertes revolutionäres Engagement, bei den Anderen wird es als dumme Selbstausbeutung im Interesse von Kapital und Macht verstanden. Gänzlich unverständlich wird die Hatz auf KünstlerInnen, wenn sich diese auch noch aktiv antifaschistisch, emanzipatorisch und kiezgemeinschaftsstärkend engagieren.

Auf die Idee, dass manche Anti-Gentrifizierungsaktion samt des revolutionären Flairs, den die Aktion zu umgeben scheint, genau den Reiz für Zuzügler ausmacht und sie fast jeden Mietpreis zu zahlen bereit sind, der 10 Euro unter Schwabing-Mitte-Niveau liegt, kommen Menschen eher selten. Die Neuen indes freuen sich, dass sie für ihr Intermezzo in der Haupt- stadt billigen Wohnraum – bei Mün- chener Löhnen – gefunden haben. Und zu Hause können sie den Freunden vom coolen, linken Neu- kölln berichten, ohne sich selber für irgendetwas engagieren zu müssen.

Ich bin vor kurzem von einer tür- kischen Nachbarin angesprochen worden, dass wir unbedingt etwas gegen diese grässlichen Mieterhöhungen im Quartier unternehmen müssen. Langjährige, oft ältere NachbarInnen sind aktuell von Verdrängung betroffen. Von einer Neuköllner Protestbewegung haben sie nichts gehört. Sie fühlen sich auch nicht angesprochen oder sind er- oder abgeschreckt von manchen äußeren Erscheinungsbildern eines berechtigten und notwendigen Kampfes. Wahrgenommen wurde dagegen der so genannte Kreuzberger Weg mit dem Anliegen, eine breite, teils bürgerliche Aktionsgemeinschaft zu formieren und eine große Demo auf die Beine zu stellen. Auch in Neukölln gibt es viele, denen die Situation reicht, die sich engagieren wollen oder es bereits tun. Die meisten von ihnen suchen jedoch nicht die Weltrevolution im Hinterhof und wollen auch keine Müllkippen als Barrikaden gegen Mietwucher errichten. Sie wollen ihr Leben bunt und selbstbestimmt leben. Sie suchen Unterstützung auf Augenhöhe durch Menschen, die sie wahr- und ernst nehmen. Eine Basis dafür ist Vertrauen und Kommunikation auf Kiezebene, gemeinsame Aktionen und gemeinsame Feste. Tanja Dickert ist ein Mensch, der solche Dinge im Kiez gemeinsam mit anderen bewegt.

Wir brauchen keine Spaltereien und keine Fronten untereinander, denn die einzige Chance etwas zu bewirken, ist gemeinsam zu handeln. Wohin elitäres Sektierertum führt, haben viele gescheiterte Kämpfe in der Vergangenheit gezeigt. Vermutlich bin ich nun auch in die „böse Ecke“ gerückt, doch es bleibt mir derzeit nichts anderes übrig, denn für mich gilt immer noch: Die stärkste Waffe ist die Solidarität!

– ein Kommentar von Christian Hoffmann

Im Einsatz für die „Saubere Sache“

kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", pro schillerkiez e.v. neuköllnWer gestern in Neukölln unterwegs war,  sah in vielen Kiezen das gleiche Bild: Menschen in grellorangen Westen mit dem Schriftzug „Keh- renbürger“ auf dem Rücken fegten Laub und Müll über Bürgersteige, klaubten Flaschen und leere Zigarettenschachteln aus Blumenbeeten und schaufelten den Dreck in große Plastiksäcke.

Grund für die nicht nur in Neukölln, sondern berlinweit omnipräsente Putzwut war der  Tages-spiegel-Aktionstag  „Saubere Sache“. Diejeni- gen, die aktiv zur Vermüllung der Stadt und ihrer Bezirke beitragen, beteiligten sich aller Wahr- scheinlichkeit nach nicht an dem. Andere beschränkten sich – vom Fenster aus oder kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", neuköllnim Vorübergehen – auf die Zuschauerrolle und reagierten auf die Einladung zum Mitmachen mit dem Hinweis, dass das doch Sache der Berliner Stadtreinigung (BSR) sei, die schließlich über Steuern und Mietnebenkosten dafür bezahlt werde.

„Immerhin“, freuen sich die Mitglieder des Pro Schiller- kiez, „mussten wir uns heute keine Pöbeleien von Pas- santen anhö- ren.“ Das sei bei der Putzaktion im letzten Jahr, bei der die Schillerpromenade gefegt wurde, entschieden anders gewesen. Dies- mal ist die Okerstraße dran, die lange in der Spitzenreiter-Riege der vermülltesten Straßen im Kiez  mitmischte. Inzwischen habe jedoch eine Entwicklung zum Posi- tiven eingesetzt, finden auch zwei Anwoh- ner, die sich dem Pro Schillerkiez-Putztrupp angeschlossen haben: „Damit, dass weni- ger Müll auf den Bürgersteigen landet, hat die allerdings nichts zu tun. Tatsache ist einfach, dass die  BSR-Leute öfter als früher in der Straße fegen und wilde Sperr- müllhalden schneller abgeräumt werden.“ Der Grund dafür liegt auf der Hand bzw. am Anfang und Ende der Okerstraße: An ihrem westlichsten Punkt ist ein Eingang kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", pro schillerkiez e.v. neuköllnzum Tempelhofer Feld, am östlichsten der nördliche Ausgang der U-Bahnstation Lei- nestraße. Ergo – für viele Besucher des Feldes ist die Straße der direkte Weg zum Ziel, und der soll nicht von Müll und Hun- dekacke gesäumt sein. So ist es vor allem Laub, das im Rahmen der Pro Schillerkiez-Aktion eingesackt wird.

Im benachbarten Körnerkiez sieht die Sache in mancher Hinsicht anders aus. Über kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann, körnerkiez neukölln, qm körnerpark40 Leute kommen, um beim von Umweltcon- sulting Dr. Hoffmann organisierten Herbstputz anzupacken, im Schillerkiez waren es gerade mal acht. Zwei Quartiersmanager reichen das Material für die Helfer aus ihrem Bürofenster: Kehrenbürger-Westen, Handschuhe und Besen, alles ist in Erwachsenen- und Kindergrößen vorrätig. „Können wir uns hier für die Putzaktion anmelden?“, fragen zwei junge Frauen, die in der Nachbarschaft wohnen. „Anmelden muss man sich nicht“, erwidert Quartiers- kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann, körnerkiez neukölln, qm körnerparkmanager Reimar Seid und gibt ihnen ihr Equipment. Alles weitere würden sie gleich von Christian Hoffmann erfahren.

Schwerpunkte, erklärt der, seien neben den Straßen des Kiezes der Emser Platz und die Gegend um den Spielplatz an der Schierker Straße. „Sperrmüll muss nicht eingesammelt werden, aber notiert bitte die Adressen, wenn ihr welchen seht“, sagt Hoffmann. Darum würden sich dann die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamts kümmern. Nicht nur die und das Quar- tiersmanagement unterstützen ihn bei der Verschönerung des Wohnumfelds, auch kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann, körnerkiez neuköllnGruppen von Kiezinstitutionen wie dem Pflegeheim Haus Königsberg, der Lebens- hilfe sowie von Trias sind mit dabei. Für die meisten – wie auch für Daimi Güven (r.) von der Stadt-Glaserei – ist es keine Premiere. Für ihn sei die Beteiligung selbstverständ- lich und glücklicherweise könne er es auch zeitlich einrichten, meint der Glasermeis- ter. „Anderen Gewerbetreibenden“, weiß Christian Hoffmann, „passt der Herbstputz- Termin am Samstagvormittag leider nicht.“

Etwa zwei Stunden dauere die Aktion an sich, erfahren die Helfer, als eingeteilt ist, wer sich um welchen Bereich kümmert. Danach seien alle zum Abschlussfest mit Musik und afrikanischem Essen  ins Nachbarschaftsheim Neukölln eingeladen. „Da gibt’s dann  auch für  alle  Beteiligten als zusätzliches  Dankeschön ein  Wir  machen

kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann, körnerkiez neuköllnkehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", körnerkiez, umweltconsultig dr. hoffmann neuköllnkehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann neuköllnkehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann, körnerkiez neukölln

Neukölln!-Shirt“, verspricht Hoffmann. Den Schriftzug und die stilisierte Skyline auf der Brust habe der Illustrator Mathias Hühn entworfen, die Shirts die BSR gesponsort. Sie sind eine Zugabe für die Aktiven, eine Geste der Anerkennung ihres Einsatzes, aber wohl für niemanden der Grund, zwei Stunden lang den Dreck anderer Leute beseitigen zu wollen. Auch im Körnerkiez tragen die Bäume üppig dazu bei, dass sich die Säcke füllen, doch das Müll- aufkommen liegt hier höher als im Nach- barkiez.

Vor einer Geräuschkulisse aus Jubel, An- feuerungsrufe und Applaus durchforstet die Gruppe, die auf dem Spielplatz an der Schierker Straße für Ordnung sorgt, ihr Revier. Vielleicht gilt die Begeisterung auch der sauberen Sache, vorrangig aber den Mädchen und Jungen, die auf den beiden nahen Sportplätzen das Abschlussturnier der Kinder-Freizeit-Fußball-Liga austragen.

=ensa=

Grüne Oase mit Warteliste

pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadammNein, die Schuhe, die auf der Mauer neben dem Tor zum Pyramidengarten Neukölln stehen, sind keine Fund- stücke, die auf ihre Abholung warten. Die seien im letzten pyramidengarten neuköllnJahr für die Aktion „Grüner Kiez – Los geht’s“ be- pflanzt gewesen, erklärt Christian Hoffmann. Er ist Vorsitzender des Vereins, der den 2007 gegründeten multikulturellen Nachbarschaftsgarten betreibt. Damals gab es mit dem von griechischen Senioren initiierten Interkulturellen Garten Perivoli nur ein einziges Projekt im Bezirk, das auf  ge- meinsames Gärtnern  setzte und eine  Alternative zum Schrebergarten  bot: „Wir fanden, dass es für so etwas auch im Norden von Neukölln einen Bedarf gibt, und lehmofen pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadammpachteten vom Bezirksamt das brach- liegende Grundstück, auf dem vorher eine Friedhofsverwaltung war.“

Insgesamt 2.550 Quadratmeter ist es groß, etwa 1.000 davon nutzt der Stein- bildhauer Marcus Leicher, auf der rest- lichen Fläche rund um das Vereins- pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadammhaus mit dem pyramidenför- migen Dach grünt und blüht es. Gemüse, Obst, Kräuter und Blumen gedeihen auf den Beeten, die von den Vereinsmitgliedern bewirtschaftet werden. Wer den Garten als Mitglied nutzt, zahlt pro Jahr einen Mindestbeitrag von 60 Euro, maximal ist es das Dreifache. „Die Nachfrage ist groß“, sagt Christian Hoffmann. „Wer momentan bei uns mit dem Gärtnern anfangen will, muss auf die Warteliste, weil alle Parzellen vergeben sind.“  Mit dem Wunsch, auf einer eigenen Scholle dem Urban Gardening zu frönen, ist es allerdings im  Pyramidengarten nicht getan: Wer hier einsteigt, muss auch die  Bereit-

pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadamm pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten berlin-neukölln columbiadamm pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadamm

schaft mitbringen, sich um die  Pflege der gemeinschaftlich genutzten Flächen und Einrichtungen zu kümmern. Das Vereinsheim, das auch für Feiern und Workshops bereitsteht, und die Gartengeräte müssen in Schuss gehalten, gelegentlich keine Reparaturen ausgeführt, Obstbäume abgeerntet und die Früchte verarbeitet werden. Bestenfalls folgen der bekundeten pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadamm, dr. christian hoffmannBereitschaft zum Wohle der Gemeinschaft dann auch Taten: „Das klappt natürlich leider nicht immer, ist aber normal bei der Arbeit in Vereinen.“

40 Kilogramm Weintrauben hätten die Reben auf dem Grundstück im letzten Jahr getragen, erinnert sich Christian Hoffmann. Massenweise Obst und insektenhotel pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadammGemüse sei eingekocht und als Marmeladen oder Chut- neys zubereitet worden, um sie auf Märkten und Kiez- festen zu verkaufen. Das gilt auch für den Honig, den die Bienen produzieren, die im Insektenhotel des Pyramidengartens einchecken. Ein  Lern- und Lehrort sei das Kleinod bereits – nicht nur für die Vereinsmitglieder und ihre Familien. Etwa ein Drittel von ihnen bringt durch einen Migrationshintergrund Leben in den multikulturellen Ansatz. Außerdem seien oft Gruppen oder Studenten zu Gast, um sich über die praktische Umsetzung von Nachbarschaftsgärten zu informieren. Auch von Projekten aus anderen Kiezen werde der Pyramidengarten häufig genutzt: Am ersten Juli-Wochenende kommen die  Coolen Kids  zu Übernachtung und Klima-Frühstück, im August startet eine längerfristige Kooperation mit Marions Kochtheater und dem FABIZ Familienbildungszentrum. „Auf solche Vernetzungen haben wir schon immer großen Wert gelegt“, sagt pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten berlin-neukölln columbiadammHoffmann. „Davon lebt unser Projekt.“

In manchen Fällen ist das durchaus wörtlich zu neh- men: Gedüngt werde hier mit  Mist aus dem Tierpark pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten berlin-neukölln columbiadammNeukölln. In anderen wird das Networking-Engagement mit Man- power und Projektgeldern belohnt, die zur Finan- zierung des Gartens beitragen. „Schön wäre es“, findet Christian Hoffmann, „wenn der Pyramidengarten noch verstärkter als Treffpunkt genutzt werden würde.“ Aber leider wüssten viele ja gar nicht, was für eine grüne Oase sich hinter der hohen, roten Mauer am  Columbiadamm  versteckt.

Jeden  Sonntag  ist im  Pyramidengarten Neukölln  ab 14 Uhr Tag der offe- nen Tür. An jedem  ersten Sonntag des Monats  können auch Gäste nach Voranmeldung aus mitgebrachtem Teig im  Lehmofen  Brote backen.

=ensa=