„Du bist nicht allein!“: Hilfe für Flüchtlinge in Neukölln

Ihre Familien und Freunde leben tausende von Kilometern entfernt – wenn sie überhaupt noch leben. Heimat ist ein Begriff, der auf Erinnerungen reduziert und mit Krieg, Verfolgung, Armut und Perspektivlosigkeit verbunden ist. Es ist der gepäckOrt, wo sie alles zurückließen und ihre Flucht be- gann.

Aus afrikanischen Ländern wie dem Senegal, Äthiopien und Sierra Leone kommen sie, aber auch aus Pakistan, Afghanistan und dem Iran. Bayern war das Bundesland, in dem sie erstmals deutschen Boden betraten. Doch dort, wo für Flüchtlinge eine  Lagerpflicht gilt und erst jetzt die Nahrungsmittel-Zuteilung durch Essenspakete abgeschafft werden soll, wollte niemand von ihnen bleiben. Residenzpflicht hin oder her. Im Oktober erreichte die aus 25 Personen bestehende Gruppe Berlin und richtete ein Protest-Camp am Brandenburger Tor Weiterlesen

Geschenke von unbekannt: Suspended Coffee im Café Jule

suspended coffee-logo_cafe jule_neukölln„Ich hab gedacht, dass es lange dauert, bis die ersten Spenden kommen, aber das war ein Irrtum“, sagt Jule Eisendick.

Seit gut einem Monat beteiligt sie sich mit ihrem Café Jule an einer Aktion, die in der süditalienischen Stadt Neapel vor über 100 Jahren als Caffè Sospeso erfunden wurde und vor 5 Jahren durch die Banken- und Finanzkrise ihren regionalen Charakter verlor. Seitdem gibt es aufgeschobenen Kaffee in vielen europäischen Ländern, aber auch in Nord- und Südamerika sowie in Australien. In Deutschland sind Weiterlesen

„Das werden auch Sie nicht verhindern können!“

ich schmeiß alles hin und werd prinzessin-shirtEin Abend zum Mitreden über das Thema „Aufwer- tung für alle – geht das?“ sollte es werden. Dazu hatte zumindest das Quartiersmanagement Schillerprome- nade vorgestern im Rahmen seiner Woche des Be- suchs in die Neuköllner Genezareth-Kirche eingeladen. Doch dann wurde schnell klar, dass das Mitreden fürs Gros der Besucher schwierig werden und ein Dialog zwischen Podium und Publikum ob der gegenläufigen Ambitionen einer Störer-Gruppe kaum zustandekom- men dürfte.

Bunter, jünger, im Großen und Ganzen besser und multikultureller sei der Schillerkiez seit der Öffnung des Tempelhofer Felds geworden. Es gebe mehr Läden, Gastronomie, Weiterlesen

Erlauben Sie mal … !!!

Was haben ein Schuhmacher in Neuköllns Kopfstraße Anfang des 20. Jahrhunderts und eine Gärtnerin in der Kienitzer Straße Anfang des 21. Jahrhunderts gemein? Beide begehren eine behördliche Erlaubnis. Der Eine, Friedrich Wilhelm Voigt, will eine Aufenthaltserlaubnis – jedenfalls als literarische Figur bei Carl Zuckmayer. Die jule eisendick, café jule neuköllnAndere, Jule Eisendick, möchte eine Schankerlaubnis für ihr neu zu eröff- nendes Café. Während der Eine mit krimineller Energie – allerdings auch mit einiger Chuzpe, die Schmunzeln macht – letztlich scheitert, kommt die Andere mit Geduld und Ausdauer (hoffentlich) zum erwünschten Ziel.

Ein eigenes Café zu betreiben, das war seit langem sehnlicher Wunsch von Jule Eisendick, die tatsächlich Gärt- nerin, genauer Staudengärtnerin, ge- lernt hat. Hätte sie sich auf ein alko- holfreies Getränkeangebot beschränkt, hätte sie ohne weiteres ihr Café eröffnen können, denn wenn kein Alkohol ausgeschenkt wird, handelt es sich um einen „erlaubnisfreien Betrieb“. Aber ihr Wunsch, auch das eine oder andere Glas guten Weins kredenzen zu können, café jule neuköllnbeschwor eine Folge zusätzlicher Geneh-migungen, Auflagen, baulicher Verän-derungen und vor allem langes Warten herauf; denn es bedurfte einer „Schank- erlaubnis“.

Diese wird vom Ordnungs- und Gewerbe- amt erteilt, aber nicht so ohne Weiteres. Da in dem Ladenlokal vorher ein An- und Verkaufsgeschäft betrieben wurde, handelt es sich um eine „Nutzungsänderung“, die behördlich genehmigt werden muss. Damit kam das Bezirksamt Neukölln, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Bau- und Wohnungsaufsicht (BWA) ins Spiel. Um den Antrag ordnungsgemäß stellen zu können, musste eine Architektin beauftragt werden, um neben den entsprechenden Antragsformularen und Umbauplanungen auch eine Grundrisszeichnung im Maßstab 1:100 beibringen zu können. Dass IHK-Bescheinigung, Personaldokumente und Mietvertrag vorhanden sein müssen, versteht sich von selbst. Dass aber auch Nachweise über die Teilnahme an der Gaststättenunterrichtung und Belehrung zum Infektionsschutzgesetz erforderlich werden können, gehört schon nicht mehr zum Allgemeinwissen. Leicht einzusehen café jule neuköllnwiederum ist, dass Honorar und Gebühren fällig werden, und so wechselten mehrmals 200-Eu- ro-Scheine die Besitzerin.

Interessant zu erfahren war für die Existenz- gründerin auch, dass ein WC genügt, wenn Kaffee oder andere alkoholfreie Getränke den menschlichen Körper wieder verlassen. Nimmt Wein denselben Weg, müssen umfangrei- chere Sanitäranlagen vorgehalten werden.

Nach sieben Wochen bangen Wartens sind nunmehr die Umnutzung mit Bescheid Nr. 256 aus 2012 und auch der „Schankvorgarten“ genehmigt und das Café Jule konnte endlich eröffnet werden. Die Schankerlaubnis steht al- lerdings immer noch aus.

Jule Eisendick hat sich dennoch von den Tücken des Einstiegs in die Gastronomie nicht entmutigen lassen, im Gegen- teil: Mit vielen guten Ideen will sie ihre Kundschaft in der Kienitzer Straße 93 begeistern – mit einer 50er- Jahre-Stil-Ecke genauso wie mit Hintergrundmusik von Vinyl-Tonträgern, mit selbst gemachten fotografischen Auf- nahmen an den Wänden wie eben mit dem einen oder anderen Glas Wein. Wenn denn die Erlaubnis für den Ausschank vorliegt. Möge es gelingen.

=kiezkieker=