„Wir wollen da wohnen, wo alle anderen wohnen“

einfahrt mosaik-wohnheimt neukoellnRechts ein Tattoo-Studio, links ein alles andere als ansehnlicher Wohnblock und dazwischen eine dunkle Tordurchfahrt. Die Weserstraße, seit einigen Jahren Neuköllns Top-Partymeile, zeigt hier ihr anderes Gesicht. Und wer den Tunnel passiert, den Weg bis zum Ende läuft und dann nach rechts abbiegt, lernt noch ein weiteres kennen.

Im Mai 1991 bezog hier im Hinterhof das Mosaik-Wohnheim für Menschen mit Behinderung ein ehemaliges Fabrikgebäude. „Als ich das Grundstück im April 1989 zum ersten Mal sah, war alles düster und Weiterlesen

Als die Tiere Neukölln verließen

Vom Buddy Bear, der kürzlich noch auf dem Rathaus-Vorplatz stand, ist seit vorges- tern  nur der blasse rechteckige Abdruck seines Betonsockels geblieben. Der Bär werde sicher restauriert und „kommt bestimmt wieder“, ist von einer Mitarbeiterin aus dem Bezirksbürgermeister-Büro  zu erfahren. Verschwunden ist auch die Gorilla-

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Skulptur vor Muharrem Batmans Kunst- und Elektronikladen in der Hermannstraße. Sie wird aber nicht wiederkommen, sondern wurde, so Batman, „von einem Pri- vatmann aus Kreuzberg gekauft“. Anstelle des Gorillas steht nun ein neues Kunst- werk aus Elektronikschrott, das ebenfalls verkäuflich ist, vor dem Geschäft.

Die breite Palette

Zur 707. Sitzung seit der ersten Einberufung am 13. Dezember 1946 kommen am nächsten Mittwoch um 17 Uhr Neuköllns Bezirksverordnete zusammen. Auf der Ta- gesordnung, die im BVV-Saal  des Rathauses abgearbeitet  werden will, stehen  The-

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men von A wie Alpha-Bündnis bis Z wie Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Hel- fern in der Flüchtlingsunterkunft Späthstraße.

Mich laust der Affe!

Der Gorilla ist weg! Jahrelang stand die mächtige Metallskulptur vor dem Haus in der Hermannstraße 47 – dort  fehlt sie nun, und das Entsetzen  ist groß. Es ist  ein wenig

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so, als wäre klammheimlich die Friedrich Wilhelm I.-Statue von ihrem Sockel gesägt worden oder der Buddy-Bär vom Rathausvorplatz verschwunden. Doch wer sich ein wenig in der Umgebung umsieht, kann erleichtert feststellen: Der Gorilla, Werbe- träger für Muharrem Batmans Elektroschrottkunst, ist nicht weg, sondern nur um- gezogen – vor die  ehemalige Postfiliale  auf der Straßenseite gegenüber.

Treffen sich zwei Neuköllner …

Wäre Murat Topal so nassforsch wie sein Comedy-Kollege Kurt Krömer, hätte er wohl einfach ein paar Buletten eingepackt und wäre – vorbei an Heinz Buschkowskys Sekretärin – in das bezirksbürgermeisterliche Amtszimmer im Neuköllner Rathaus marschiert, um endlich den Mann persönlich kennen zu lernen, der Neukölln seit fast 10 Jahren regiert.

Aber so ist Topal nicht. Seine Be- gegnung mit Buschkowsky organi- sierte jetzt der be.bra verlag, bei dem im Frühjahr mit „Neukölln – endlich die Wahrheit von A – Z“ das dritte und jüngste Buch des Comedians er- schien. Entstanden sei ein mit leich- ter Feder geschriebenes Neukölln-Lexikon, betonte Verlagschef Ulrich Hopp (l.). Von ihm stammte auch die Idee,  den Neuköllner Murat Topal, der bisher ausschließlich Komisches mit autobiografischen Zügen veröffentlicht hatte, auf eine Expedition in publizistisches Neuland zu schicken. Eine andere Annäherung an den Bezirk ging damit einher.

Hier, in der Sanderstraße, wuchs der Ex-Polizist auf, der 2005 endgültig seinen Dienst quittierte, um sich ganz auf die Karriere als Spaßmacher konzentrieren zu können. „Mittlerweile wohne ich im Ortsteil Britz“, erzählte Topal dem Rudower Buschkowsky und fügte grinsend hinzu:  „Also im Zehlendorf Neuköllns.“ Schon im Vorwort seines Buches ver- spricht der 36-Jährige, dass er sich auf den nächsten 240 Sei- ten immer wieder an dem schie- fen Medienbild Neuköllns abar- beiten werde.

Er sei vom Buch enttäuscht, hat- te der Gastgeber den Autor gleich zu Beginn des Gesprächs im Rixdorf-Salon wissen lassen: „Im Fernsehen“, so Buschkows- kys Vorwurf, „begeistern Sie mich hin und wieder und bringen mich zum Lachen, das schafft das Buch aber nicht!“ Dafür sei es jedoch ausgesprochen mutig, weil es viele Zahlen bringe, die eben schnell veraltern könnten. Lob fand der Neuköllner Bezirksbürgermeister vor allem für das, was Murat Topal zwischen „Gemüsehändler“ und „Gropiuspassagen“ unter dem Stichwort „Gentrifizierung“ zu Papier brachte. Starke Worte seien das, die untermauern, dass die aktuelle Entwicklung in Neukölln im Vergleich zu Friedrichs- hain oder Prenzlauer Berg mit Gentrifizierung so viel bzw. wenig zu tun habe wie ein Elefant mit Pulloverstricken. Bei Topal endet das Kapitel mit dem Satz: „Kann man also den Reuterkiez mit ein wenig Phantasie als Gentrification im Wartestand bezeichnen, liegt Neukölln als Ganzes immer noch in der beschaulichen Ruhe vor dem womöglich niemals auftretenden Sturm.“ Wie sich das so genannte Kreuzkölln entwickeln werde, wisse er nicht, gab Heinz Buschkowsky zu. Kein abgeschlossenes Studium brauche man jedoch, um zu ahnen, dass sich der Schillerkiez wegen des angrenzenden Tempelhofer Feldes in den nächsten 10 bis 20 Jahren dramatisch verändern werde. Aber große Veränderungen habe es in Neukölln schon immer gegeben: „Der Norden Neuköllns von heute“, resümierte Buschkowsky nach einem ausgiebigen Schwenk in seine Jugendzeit, „hat mit meinen Erinnerungen an das Nord-Neu- kölln von früher absolut nichts mehr zu tun.“

„Doch“, bescheinigte  der ein- deutige Sieger in puncto Rede- zeit seinem Gast zum Schluss, „Sie haben mit Ihrem Buch einen wirklich guten Job für Neukölln gemacht.“ Buschkowsky erhielt daraufhin ein Exemplar mit persönlicher Widmung, Murat Topal im Gegenzug von ihm einen Buddy-Bären sowie die Einladung, sich ins Gästebuch des Rathauses einzutragen.

Wer Murat Topals Werk „Neukölln – die ganze Wahrheit von A – Z“ ge- winnen möchte, hat dazu jetzt die Gelegenheit. Der be.bra verlag stellt für eine Verlosung unter den Leserinnen und Lesern des FACETTEN-Magazins drei Bücher  zur Verfügung. Und diese Frage ist zu beantworten:

Zu welchem Kiez gehört die Sanderstraße, in der Murat Topal aufwuchs?

  • A) Körnerkiez
  • B) Schillerkiez
  • C) Reuterkiez
  • D) Richardkiez

Den richtigen Lösungsbuchstaben bitte hinter das Wort „Verlosung“ in die Betreffzeile einer E-Mail setzen und diese (mit Vor- und Zuname +  Postanschrift) an schicken. Einsendeschluss ist der 7. Sep- tember 2011 (23.59 Uhr); der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Gehen mehr als drei richtige Anworten ein, entscheidet das Los. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

=ensa=