Durchfallende Posten

bsr-mülleimer_neuköllnÜberquellende Mülleimer sind ein Ärgernis, überall in der Stadt und nicht nur in Neu- kölln. Hier wird das Szenario jedoch immer seltener.

Daran, dass sich der gemeine Neuköllner einen Dreck um Mülleimer schert, sondern sei- nen Müll lieber da fallen lässt, wo er ihn loswerden will, liegt das auch. Aber nicht nur. Der entscheidende Grund ist viel- mehr, dass das Fassungs-vermögen etlicher Neuköllner Mülleimer durch einen klei- nen Trick erheblich vergrö- ßert wurde. Durch ihn kann oben hemmungslos nachge- stopft werden; die optische Entsorgung übernimmt dann der nächste Schneeschauer. Im Sommer klappt der Trick also nicht.

Erst Knut, dann Tann Go

Wer bisher dachte, die „Knut“ genannte „Bäumchen raus!“-Feierei der Möbelschwe- den könnte ebenso gut „Bullerbü“, „Karlsson“, „Madita“, „Bootsmann“ oder „Pippilotta Viktualia Rullgardina Krusmynta Efraimsdotter Långstrump“ heißen, weil der Name der nachweihnachtlichen Kampagne frei erfunden ist, dem sei verraten: Es gibt in skandinavischen Kalendern wirklich seit  eh und je einen  St.-Knut-Tag, am 13. Janu-

knut_neuköllnweihnachtsbaum-abholung_neukölln

ar. Wesentlich flexibler wird dagegen in Berlin das Tann Go-Fest gehandhabt. In man- chen Bezirken beginnt es schon am 7. Januar, in anderen wird erst eine knappe Woche später damit begonnen, abgetakelte Weihnachtsbäume abzuholen: Neukölln ist am 12. und 19. Januar dran.

Oh, Wunder!

Vom Zustand „sauber“ sind die Neuköllner Bürgersteige und Straßenränder noch weit entfernt. Aber bereits jetzt, am Tag 2 des Jahres 2013, zeichnet sich ab, dass die Frauen und Männer der  Berliner Stadtreinigung (BSR)  viel dafür tun, dass man  nicht

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1_silvestermüll-haufen_neukölln2_silvestermüll-haufen_neuköllnmal mehr in den Sei- tenstraßen des Bezirks noch im Februar oder März auf zermatschten Silvestermüll tritt. Das lassen jedenfalls die schon vielerorts zusammengefegten Böllerreste-Haufen hoffen.

Im Einsatz für die „Saubere Sache“

kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", pro schillerkiez e.v. neuköllnWer gestern in Neukölln unterwegs war,  sah in vielen Kiezen das gleiche Bild: Menschen in grellorangen Westen mit dem Schriftzug „Keh- renbürger“ auf dem Rücken fegten Laub und Müll über Bürgersteige, klaubten Flaschen und leere Zigarettenschachteln aus Blumenbeeten und schaufelten den Dreck in große Plastiksäcke.

Grund für die nicht nur in Neukölln, sondern berlinweit omnipräsente Putzwut war der  Tages-spiegel-Aktionstag  „Saubere Sache“. Diejeni- gen, die aktiv zur Vermüllung der Stadt und ihrer Bezirke beitragen, beteiligten sich aller Wahr- scheinlichkeit nach nicht an dem. Andere beschränkten sich – vom Fenster aus oder kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", neuköllnim Vorübergehen – auf die Zuschauerrolle und reagierten auf die Einladung zum Mitmachen mit dem Hinweis, dass das doch Sache der Berliner Stadtreinigung (BSR) sei, die schließlich über Steuern und Mietnebenkosten dafür bezahlt werde.

„Immerhin“, freuen sich die Mitglieder des Pro Schiller- kiez, „mussten wir uns heute keine Pöbeleien von Pas- santen anhö- ren.“ Das sei bei der Putzaktion im letzten Jahr, bei der die Schillerpromenade gefegt wurde, entschieden anders gewesen. Dies- mal ist die Okerstraße dran, die lange in der Spitzenreiter-Riege der vermülltesten Straßen im Kiez  mitmischte. Inzwischen habe jedoch eine Entwicklung zum Posi- tiven eingesetzt, finden auch zwei Anwoh- ner, die sich dem Pro Schillerkiez-Putztrupp angeschlossen haben: „Damit, dass weni- ger Müll auf den Bürgersteigen landet, hat die allerdings nichts zu tun. Tatsache ist einfach, dass die  BSR-Leute öfter als früher in der Straße fegen und wilde Sperr- müllhalden schneller abgeräumt werden.“ Der Grund dafür liegt auf der Hand bzw. am Anfang und Ende der Okerstraße: An ihrem westlichsten Punkt ist ein Eingang kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", pro schillerkiez e.v. neuköllnzum Tempelhofer Feld, am östlichsten der nördliche Ausgang der U-Bahnstation Lei- nestraße. Ergo – für viele Besucher des Feldes ist die Straße der direkte Weg zum Ziel, und der soll nicht von Müll und Hun- dekacke gesäumt sein. So ist es vor allem Laub, das im Rahmen der Pro Schillerkiez-Aktion eingesackt wird.

Im benachbarten Körnerkiez sieht die Sache in mancher Hinsicht anders aus. Über kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann, körnerkiez neukölln, qm körnerpark40 Leute kommen, um beim von Umweltcon- sulting Dr. Hoffmann organisierten Herbstputz anzupacken, im Schillerkiez waren es gerade mal acht. Zwei Quartiersmanager reichen das Material für die Helfer aus ihrem Bürofenster: Kehrenbürger-Westen, Handschuhe und Besen, alles ist in Erwachsenen- und Kindergrößen vorrätig. „Können wir uns hier für die Putzaktion anmelden?“, fragen zwei junge Frauen, die in der Nachbarschaft wohnen. „Anmelden muss man sich nicht“, erwidert Quartiers- kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann, körnerkiez neukölln, qm körnerparkmanager Reimar Seid und gibt ihnen ihr Equipment. Alles weitere würden sie gleich von Christian Hoffmann erfahren.

Schwerpunkte, erklärt der, seien neben den Straßen des Kiezes der Emser Platz und die Gegend um den Spielplatz an der Schierker Straße. „Sperrmüll muss nicht eingesammelt werden, aber notiert bitte die Adressen, wenn ihr welchen seht“, sagt Hoffmann. Darum würden sich dann die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamts kümmern. Nicht nur die und das Quar- tiersmanagement unterstützen ihn bei der Verschönerung des Wohnumfelds, auch kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann, körnerkiez neuköllnGruppen von Kiezinstitutionen wie dem Pflegeheim Haus Königsberg, der Lebens- hilfe sowie von Trias sind mit dabei. Für die meisten – wie auch für Daimi Güven (r.) von der Stadt-Glaserei – ist es keine Premiere. Für ihn sei die Beteiligung selbstverständ- lich und glücklicherweise könne er es auch zeitlich einrichten, meint der Glasermeis- ter. „Anderen Gewerbetreibenden“, weiß Christian Hoffmann, „passt der Herbstputz- Termin am Samstagvormittag leider nicht.“

Etwa zwei Stunden dauere die Aktion an sich, erfahren die Helfer, als eingeteilt ist, wer sich um welchen Bereich kümmert. Danach seien alle zum Abschlussfest mit Musik und afrikanischem Essen  ins Nachbarschaftsheim Neukölln eingeladen. „Da gibt’s dann  auch für  alle  Beteiligten als zusätzliches  Dankeschön ein  Wir  machen

kehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann, körnerkiez neuköllnkehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", körnerkiez, umweltconsultig dr. hoffmann neuköllnkehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann neuköllnkehrenbürger 2012, tagesspiegel-aktion "saubere sache", umweltconsultig dr. hoffmann, körnerkiez neukölln

Neukölln!-Shirt“, verspricht Hoffmann. Den Schriftzug und die stilisierte Skyline auf der Brust habe der Illustrator Mathias Hühn entworfen, die Shirts die BSR gesponsort. Sie sind eine Zugabe für die Aktiven, eine Geste der Anerkennung ihres Einsatzes, aber wohl für niemanden der Grund, zwei Stunden lang den Dreck anderer Leute beseitigen zu wollen. Auch im Körnerkiez tragen die Bäume üppig dazu bei, dass sich die Säcke füllen, doch das Müll- aufkommen liegt hier höher als im Nach- barkiez.

Vor einer Geräuschkulisse aus Jubel, An- feuerungsrufe und Applaus durchforstet die Gruppe, die auf dem Spielplatz an der Schierker Straße für Ordnung sorgt, ihr Revier. Vielleicht gilt die Begeisterung auch der sauberen Sache, vorrangig aber den Mädchen und Jungen, die auf den beiden nahen Sportplätzen das Abschlussturnier der Kinder-Freizeit-Fußball-Liga austragen.

=ensa=

Alle Jahre wieder …

… ist plötzlich Winter. Wer konnte damit rechnen?

So, dann hatten wir jetzt 2012 in Berlin und somit auch in Neukölln immerhin drei Tage mit Schneefall. Der erste Tag lieferte uns einen knappen Zentimeter lockeren Schnee, der ohne Zutun am nächsten Tag wegsublimiert wäre. Dies war natürlich das  Zeichen für die Winterdienste, die wahrscheinlich vor lauter Langeweile voller Tatendrang waren, die Radwege entlang der Oderstraße und des Columbiadamms zentimeterdick mit Split zu bedecken. Denn klar, Split hilft gerade bei so kleiner Auflagefläche wie einem Fahrradreifen ganz immens!

Das Streuen von Radwegen ist im Straßenreinigungsgesetzt explizit nur bei extremer Glätte zugelassen, das muss ich der BSR oder ihren Sub- unternehmern sicher nicht erklären. Die parallel geführten Gehwege wurden entweder nur vorbildlich freigefegt und waren entsprechend gut – wenn auch illegal – befahrbar. Oder sie wurden gar nicht geräumt, was natürlich dazu führte, dass Fußgänger auf dem für sie gesplitteten (Rad-)Weg liefen.

Nunja, der Schnee war vorerst weg, der Split blieb. Dann kam es zur zweiten Katastrophe: ganze drei Zentimeter Schnee, die auch noch liegen blieben. Hier trat man aber natürlich erst einen Tag später in Aktion. Wer will schon Samstag oder Sonntag vor die Tür? Was wurde getan? Zufällige Wege mit möglichst wenig Aufwand geräumt – nur nicht zweimal die selbe Strecke fahren, um die gesamte Breite zu räumen. Zweispurige Radwege wurden nur irgendwie in der Mitte gefegt und natürlich brav gesplittet. Teilweise wurde auch gar nichts getan, die Radfahrer fuhren sich also an Hauptverkehrsadern wie zum Beispiel am Columbiadamm selber die Spur frei. Denn wozu sollte man auch Radwege räumen? Es blieb also bei Lippenbekenntnissen des letzten Jahres.

Meine Frage ist: Wie faul oder merk- befreit darf man bei einem Winter- dienst sein, der in diesem Winter bisher viel Standby aber nur drei Tage Arbeit hatte? Der gesunde Men- schenverstand sagt doch, dass Kurven besonders gefährlich sind, wenn sie schneebedeckt sind und dass sich ein luftgefüllter Fahrradreifen nicht mit scharf- kantigem Split verträgt. Gibt es keinen Sand mehr zum Abstumpfen der Wege? Oder ist es gar Anweisung, maximal die Hälfte der Wege zu räumen und besonders die Gefahrenzonen zu ignorieren? Wird nur nach GPS-Karte gefahren und das ZNS bleibt derweil aus?

Wenn die Berliner Stadtreinigung oder ihre Subunternehmer Nachhilfe in Sachen „Was macht Sinn beim Radwegräumen?“ brauchen, stelle ich mich gerne zur Verfügung. Ich denke viele der Radpendler, die mit mir die Oderstraße und Umgebung benutzen, haben sicherlich auch noch den ein oder anderen Hinweis abzuliefern. Was uns allerdings neben dem schlechten Beigeschmack des erneuten Winterdienst-Versagens  bleibt, das sind – geschätzt: bis März – die Splitschichten.

=Ze evil Kohl=

Fundgrube Neukölln

Eigentlich gibt es in Neukölln nur eine Give Box, momentan scheint aber mal wieder der gesamte Norden des Bezirks eine einzige Give Box zu sein: Geschirr und Kü- chenutensilien, Mobiliar, Socken – einzeln oder als Paar, uni oder gemustert – für gro-

küchenutensilien, give box neukölln, vermüllungsocken, give box neukölln, vermüllungweihnachtsbäume, stuhl, give box neukölln, vermüllung

ße und kleine Füße. Mit etwas Glück findet man im Sachensucher-Paradies sogar den einen oder anderen ausgemusterten Buchstaben, der darauf wartet, ins Warme gebracht zu werden.

Äußerst reichhaltig ist auch das Angebot für alle, die es antizyklisch mögen. Ordinäre Nadelbäume oder Edel- tannen, geschlagen oder eingetopft, pur oder mit Restschmuck: Neuköllns Bürgersteige bieten für Sparfüchse alles, was das Herz begehrt. Noch neun oder gar 16 Tage können sie sich weihnachtliche Atmosphäre zum Nulltarif ins Wohnzimmer holen, denn Neukölln steht erst für den 14. bzw. 21. Januar auf dem Fahrplan der BSR-Weihnachtsbaum-Abholer.

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Umparken unerwünscht

Damit die Straßen der Hufeisensiedlung im Neuköllner Ortsteil Britz richtig schnieke sind, haben die Berliner Stadtreinigung (BSR) und das Bezirksamt Neukölln dort vor einem Jahr das Modellprojekt „Umparken für die Straßenreinigung“ eingeführt. In anderen  Vierteln gilt es (noch?) nicht, weshalb die  Müll- und  Laubkehrer gezwungen

sind, um diesen Vierbeiner drumrum zu fegen, der  seinen sonnigen Fleck am Stra- ßenrand partout nicht aufgeben wollen würde.

Weshalb im Neuköllner Ortsteil Neubritz das Braune nicht mehr ins Blaue kommt

Würde es wirklich Glück bringen, in Hundehaufen zu treten, müssten in Berlin die hundekotbeutel proneubritz e.v., neukölln, foto: gabriele kantel, schockwellenreiterglücklichsten Menschen Deutsch- lands leben. Bei über 20.000 Tonnen, die jährlich hinten aus den rund 150.000 Berliner Hunden fallen und auf Bürgersteigen, Parkwegen und in Grünanlagen liegen bleiben, stehen die Chancen schließlich mehr als gut, mitten in einer Tretmine zu landen.

Die Hundehaufendichte im Neuköll- ner Ortsteil Neubritz zu reduzieren, das hatte sich der proNeubritz e. V. in den vergangenen 2 1/2 Jahren auf die Fahnen geschrieben. Sieben Dogstations richtete der Verein in Zusammenarbeit mit der Stadt & Hund gGmbh in den Straßen im Viertel zwischen Kranold- und Jahnstraße ein und bestückte die Tütenspender regelmäßig mit neuen blauen Hundekotbeuteln. Etwa 100.000 Hinterlassen- schaften, beziffert der proNeubritz e. V., seien jährlich eingetütet in den orange- farbenen BSR-Abfalleimern entsorgt worden.

Damit ist es nun vorbei: Am 15. September wurden die Dogstations zum vorläufig letz- ten Mal befüllt. Denn der kleine aktive Verein hat kein Geld mehr, für Nachschub zu sorgen. Zwischen 200 und 300 Euro wären pro Tütenspender und Jahr nötig, um Hundehaltern kontinuierlich griffbereites Verpackungsmaterial für den Dreck ihrer Vierbeiner anbieten zu können, schätzt der proNeubritz-Vorstandsvorsitzende Bertil Wewer. Bisher sei das durch private Spenden gestemmt worden; das Nachfüllen der Stationen übernahmen ehrenamtliche Patinnen und Paten: „Meist Leute, die selbst einen Hund haben und abends beim Gassi-Gehen ‚ihre‘ Box bestückten.“ Einmal pro Woche, sagt Wewer, sei das wenigstens fällig gewesen.

Um den neuen Sauberkeitsstandard erhalten zu können, versuchte der Verein im Kiez angesiedelte Hotels und Firmen mit Publikumsverkehr als Sponsoren für die Aktion zu gewinnen – erfolglos. „Die fanden die Idee auch meist gut“, so Bertil Wewer. Doch mehr Einsatz als ein Lippenbekenntnis habe letztlich keines der angesprochenen Unternehmen gezeigt.

Dabei darf das Betreiben von Dogstations im Sinne eines saubereren Umfelds durchaus als effektiv bezeichnet werden: Wo ausreichend Beutelspender be- reitstehen, schätzt man bei Stadt & Hund, erhöht sich die Zahl der Hundehalter, die die Hinterlassenschaften von Bello und Konsorten eintüten, von etwa 15 Prozent auf das über Vierfache.

=ensa=

Leise und effektiv

Wäre jede Straße in Neukölln nach der am häufigsten vertretenen Straßenbaum-Gattung benannt worden, gäbe es etliche Lindenstraßen im Bezirk. Doch weil die florale Population bei der Benennung von Verkehrswegen hier seit jeher keine – oder  nur eine untergeordnete – Rolle spielt, findet man in Neukölln keine einzige Linden- straße. Was je- doch momentan kaum zu überse- hen ist, sind die Folgen der exzes- siven Lindenan- pflanzung: Autos werden von einer klebrigen Linden- siff-Schicht über- zogen, auf Stra- ßen und Bürger- steigen türmen sich Lindenlaub-Dünen. Die BSR scheint den Kampf gegen die raschelnden Hügel längst aufgegeben zu haben – nicht so die findigen Neuköllner: An diversen Stellen wird das Zeug nun offenbar abgepumpt und mittels eines Schlauchs dem Nachbar- grundstück zugeführt. Auf eine so clevere Idee hätte die BSR natürlich auch kommen können, ist sie aber nicht.

=ensa=

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Klarer Fall

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Mit dieser Frage ist nicht nur die Berliner Stadtreinigung (BSR) tagtäg- lich in Neukölln konfrontiert, sondern auch jeder, der sich wachen Auges durch den Bezirk bewegt.

Dass die Antwort so ein- deutig mit einem Votum für die Kunst ausfällt wie bei dieser illuminierten, in lufti- ger Höhe baumelnden In- stallation, ist zugegebener- maßen eher selten. Umso häufiger fällt die Entschei- dung berechtigterweise pro Müll aus.

=ensa=

Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden

Wer sich über Vermüllung aufregen will, findet dafür in Neukölln reichlich kleine und große Anlässe: Vom Kau- gummi-Papier über In- stantnudeln-Tüten bis hin zu ausgemustertem Mobi- liar –  es gibt fast nichts, was nicht zum Zierrat für Bürgersteige und Straßen- ränder taugt.

Beim Besitzer dieses ex- quisiten Sessels im Vin- tage-Look könnte man sich jedoch mit einem übereifrigen Anruf bei der BSR-Dreckecken-Hotline ziemlich unbeliebt machen. Denn der will’s offensichtlich bei der Überwachung seines zwei- und vierrädrigen Fuhrparks einfach nur bequem haben.

=ensa=

 

Berliner heizen der BSR ein

In einigen Bezirken wurden sie schon abgeholt, in anderen – und natürlich auch in Neukölln – liegen sie noch bis morgen ein- trächtig neben Streusplit, Zigarettenkippen, Döner- resten und Verpackungs- müll auf den Bürgerstei- gen rum: die abgetakel- ten Weihnachtsbäume.

Etwa 400.000 Tannen sollen es stadtweit sein, die im Laufe des Monats von der BSR abgeholt werden und dann in der neuen Biomasseheizung landen, die die alte Ölheizung auf dem Gelände des Abfallbehandlungswerks Süd ersetzt.

=ensa=

Die Tücken der Inszenierung

Sie könnte so schön sein heute, die Weisestraße. Der Müll, der vor Tagen oder gar Wochen auf dem Bürgersteig abgeladen wurde, könnte weg sein, abgeholt von der Berliner Stadtreinigung (BSR). Dann hätte die rbb-Abendschau-Redaktion allerdings zugeben müssen, dass gar nicht aller Sperrmüll, den sie für ihren Beitrag über die dreckige  Okerstraße in  Szene  gesetzt  hat, in  der  Okerstraße entdeckt und gefilmt

vermüllte weisestraße neukölln,rbb-abendschau-beitrag okerstraßevermüllte weisestraße neukölln,rbb-abendschau-beitrag okerstraße

entmüllte okerstraße, rbb-abendschau-beitrag okerstraßewurde. Die Hälfte des zum Okerstraße-Bashing in- strumentalisierten Gerüm- pels steht nämlich in der Weisestraße – auch heute noch.

Entmüllt ist dagegen die Okerstraße. Frühmorgens sei, wie zu erfahren war, die BSR gekommen, um die Sperrmüll-Haufen und solitären Stillleben auf dem Bürgersteig zu beseitigen. Etwas verwundert dürften die Müllmänner schon gewesen sein, dass das Ausmaß der Vermüllung deutlich hinter den durch den rbb geschürten Erwartungen zurücklag. Hätten sie noch einen Abstecher in die Weisestraße gemacht, wären die erfüllt worden. Aber von der war ja im Abendschau-Beitrag nicht die Rede.

=ensa=

Der Sound des Herbstes in Neukölln

Laubbläser verbieten! Gesundheitsstadtrat fordert „ruhigen“ Herbst – das steht über einer vorgestern veröffentlichten Pressemitteilung des Neuköllner Gesund- bsr-laubbläser, neukölln, gesundheitsstadtrat falko lieckeheitsstadtrats Falko Liecke.

Laubbläser seien nicht nur belästigend, sondern in der Tat auch gesundheits- schädlich, nicht nur durch den Lärm, den sie verursachen, sondern auch durch das Aufwirbeln von Staub, inklusive Krankheits- erregern und Allergenen, und übrigens auch durch ihre Abgase, stellt Liecke fest: „Ich bin der Auffassung, dass diese Geräte nicht weiter betrieben werden sollten, da die negativen Folgen größer sind als der tatsächliche Nutzen. In Neukölln werde ich mich dafür einsetzen und hoffe, dass wir es auch berlinweit schaffen, den Herbst wieder ruhiger zu machen.“

Bis zur Berliner Stadtreinigung scheinen sich Lieckes Ambitionen allerdings noch nicht rumgesprochen zu haben. Unbeeindruckt von seinem Appell treiben die BSR-Männer dieser Tage das Laub durch die Straßen Neuköllns – mit Mundschutz gegen flatternde Allergene oder Krankheitserreger und mit Ohrenschützern gegen das Getöse ihrer Maschinen gefeit. So ist es zumindest für sie ein ruhiger Herbst.

=ensa=

 

Achtung! Hier eröffnet ein Recyclinghöfchen!

bsr berliner stadtreinigung, orange tonne, neukölln, berlin

Vor etlichen Berliner und natürlich auch Neuköllner Haustüren ist das momentan der Fall.  Das besagen zumindest die orangefarbenen Hinweiszettel. Welch glorreiche Idee der Berliner Stadtreinigung (BSR), die so die Einführung ihrer Orange Box propagiert. Da muss dann morgens auch nicht erst geklingelt werden, um den Müll abzuholen.

Dass es auf den Bürgersteigen und in den Hauseingängen etwas eng werden könnte, wenn pro Türanhänger eine Box aufgestellt wird, nimmt man da doch wirklich gern in Kauf.

_ensa_

Kampf dem Wildwuchs

Morgens um halb 8 in Neukölln: Martialischer Lärm hallt durch die Straßen, bricht durch offene Fenster und Balkontüren in Häu- ser ein, weckt, erschreckt, nervt.

Der, der ihn verursacht, hört dank blauer Ohrenschützer nur ein sanftes Brummen – wenn überhaupt. Seine Motorsense arbeitet sich dröhnend an Un- kraut und Grasbüscheln ab, die die Dreistigkeit besaßen, durch die Ritzen im Bürgersteigpflas- ter zu sprießen. Sie machen kei- ne Anstalten, sich schon ob des Radaus, der ihretwegen veran- staltet wird, zu ergeben. Und auch die rotierenden Messer führen nicht zu einem Ergebnis, das eine Benotung von „befriedi- gend“ bis besser verdient hätte.

Als der Rasenmähermann wei- terzieht, um andere Gehwegstücke zu beackern, und der Lärm mit ihm, sieht es an manchen Stellen nur etwas zerrupfter aus. Indizien dafür, dass der Krach sich gelohnt hat und der Wildwuchs besiegt ist: Fehlanzeige.

_ensa_

Ja, isses denn die Möglichkeit?!?

Gar Unglaubliches fanden Psychologen der Humboldt-Uni heraus: Von der Berliner Stadtreinigung (BSR) darauf angesetzt zu erforschen, wer bevorzugt dazu beiträgt, Berlin zu vermüllen und warum das geschieht, präsentierten sie nun das Ergebnis. Weiterlesen