Britzer Müllerei mit breitgefächerten Angeboten

Ein lohnendes Ziel für Wochenendausflüge ist auch nach dem Ende der Sommerferien die Mühle am Britzer Garten. Sie wurde 1865 erbaut, und ihre Kappe dreht sich mithilfe der Windrose selbsttätig im Wind. Bis 1936 arbeitete die Zwölfkant-Galerieholländer-Windmühle mit Wind-kraft, danach mit einem Motor. Zur Bundesgarten-schau 1985 wurde sie nach langem Stillstand restauriert und wieder eröffnet. Heute ist die Britzer Mühle eine der wenigen arbeitenden Wind-mühlen in Deutschland. Bekannt ist sie zudem für eine besondere Weiterlesen

Und sie drehen sich doch noch

„Der Eigentümer der Britzer Mühle, die Grün Berlin GmbH, hat den Pachtvertrag mit dem Britzer Müllerverein e.V. zum 31. Dezember 2016 beendet“, heißt es auf dessen Website. Folglich sei es dem Verein nicht mehr möglich, dort Veranstaltungen durchzuführen. Still stehen die Flügel der Neuköllner Mühle aber nun trotzdem nicht, denn einige Mitglieder des bishe-rigen Pächtervereins haben einen neuen Verein gegründet – den Britzer Müllerei e. V., der seinerseits seit Januar die Mühle weiter betreibt.

Daher kann die Britzer Mühle auch in diesem Jahr wieder am Deutschen Mühlentag teilnehmen, der 1994 erstmals von einem nieder-sächsischen auf einen bundesweiten Aktionstag ausgedehnt Weiterlesen

Fest für eine Neuköllner Konstante

Gestern fing es an, heute geht es noch bis 22 Uhr weiter: das  Britzer  Mühlenfest. Das wird zwar jährlich gefeiert, doch diese 8. Auflage ist insofern etwas Besonderes, weil es die  Britzer  Mühle  seit  nunmehr 150 Jahren  gibt. Genauso lange steht  die

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Mühle am jetzigen Ort, was sie wiederum – gepaart mit dem Zustand der Mahlfähig- keit – zu einer Besonderheit unter Berlins acht verbliebenen Windmühlen macht.

Von der Bundesgartenschau 1985 zum Britzer Garten 2015

30 Jahre Britzer Garten_Berlin-NeuköllnMussten die Besucher der Bundesgarten- schau 1985 am 20. Oktober, dem letzten BUGA-Tag, noch 9 D-Mark Eintritt zahlen, kamen sie bereits ab dem nächsten Tag für 50 Pfennige auf das Gelände. Der Zaun erlaubte weiterhin nur den Zugang über die vorhandenen Eingänge, ferner blieb das Radfahren und Mitführen von Hunden untersagt. Das entsprach nicht der ursprünglichen Planung: Nach der BUGA sollte der Zaun entfernt und das Wegesystem Fußgängern und Radlern die Möglichkeit geben, beispielsweise ohne Umwege vom Massiner Weg wieder auf seine 1983 in Sangerhauser Weg umbenannte Fortsetzung zu gelangen. Oder über Weiterlesen

Ein Hauch von Oranje in Neukölln

Es sind – abgesehen von der Britzer Mühle, einer vor fast 150 Jahren erbauten Hol- ländermühle – vornehmlich dezente Spuren, die in Neukölln auf niederländische Einflüsse hinweisen: Moghul Rikschas bezieht seine Lastenräder aus dem Land, in dem  heute König Willem-Alexander Königin Beatrix ablöst und  Troonswisseling  ge-

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feiert wird. Vor dem Rathaus des Bezirks ist das Wappen der Neuköllner Partnerstadt Zaanstad zu finden, und der Künstler Marc van der Kemp, der das Sowieso Neukölln betreibt, stammt aus dem Land der Tulpen, Klompen, Grachten und Poffertjes, des Käses und Campingurlaubs. Sonderlich viele Landsleute sind es nicht, die sich ebenfalls in Neukölln niedergelassen haben: Gerade mal 487 ermittelte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg zum letzten Jahreswechsel. 18 davon sind älter als 65; fast so viele Windmühlen – nämlich 16 – drehten sich einst in Neukölln.

Begegnung mit einer anderen Welt

„Die Anreise mit der BVG hat’s ja echt in sich“, findet Kristin. Wer komme schon auf die Idee, dass er an der Bushaltestelle Dachdeckerweg aussteigen muss, wenn er zur Britzer Mühle will? „Weshalb heißt die Station nicht Britzer Mühle?“, fragt sie sich. Auch Michael Schillhaneck (r.), der 1. Vorsitzende des britzer mühle berlin-neukölln, britzer müller verein e.v., hobby-windmüller-ausbildungBritzer Müller Vereins, weiß darauf keine Antwort.

Was er aber weiß, ist, dass es nicht am irreführenden Namen der Haltestelle liegt, dass Kristin (l.) als einzige künftige Aus- zubildende zu dieser Infoveranstaltung für angehende Hobby-Windmüller ge- kommen ist. Es gebe zwei weitere Teil- nehmer für den Kurs, sagt Schillhaneck, doch denen habe der heutige Termin nicht gepasst. Davon, dass weitere Frauen und Männer zum neuen Ausbildungslehrgang stoßen werden, ist er überzeugt. Solche Anlaufschwierigkeiten kämen immer wieder vor: „Die hatten wir auch beim letzten Kurs, und dann waren es 12, die ihn angefangen haben.“ Acht davon, vier britzer mühle berlin-neukölln, britzer müller verein e.v.Männer und vier Frauen, hätten ihn letztlich erfolg- reich abgeschlossen, Die restlichen vier seien aber nicht etwa bei der Prüfung durchgefallen, sondern haben schon vor- her aus beruflichen oder privaten Gründen aufgehört, betont Schillhaneck, der die Ausbildungen leitet.

Einige Windmüller und eine Windmüllerin, die ihre Zertifikate in der Tasche, die zünf- tig-feierliche Freisprechung hinter sich ha- ben und sich nun um den Betrieb der Mühle kümmern, sitzen um den großen Tisch herum, um Kristin von ihren Beweggründen und dem Vereinsleben zu erzählen. „Bei mir war es die Affinität zur Technik einer Mühle“, sagt Thomas, der als Maschi- nenschlosser arbeitet und nun seit drei Wochen außerbritzer mühle berlin-neukölln, britzer müller verein e.v.dem Windmüller ist. Für Joachim (r.) indes, der dem Verein seit 2003 angehört, standen schon immer das Mahlen und der Spaß am gemeinsamen Machen im Vordergrund. Jürgen (l.), der seine Prüfung 2002 ablegte, erinnert sich, dass er die Mühle jahrelang nur vom Restaurant im ehemaligen Müllerhaus aus gesehen habe, aber nie drin gewesen sei. „In ihr zu arbeiten, bedeutet für mich auch immer, Kindheitserinnerungen aufzufri- schen“, sagt er. Er sei in einem landwirtschaftlichen Umfeld aufgewachsen. Bei Jan (M.), dem gebürtigen Niederländer, ist es ähnlich. Durch einen Zeitungsartikel sei er auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, dass man sich in der Britzer Mühle zum Windmüller ausbilden lassen kann. Seit er das ist, britzer mühle berlin-neukölln, britzer müller verein e.v.habe er auch schon  andere Mühlen im Berliner Umland betreut. Daran, die Müllerei zum Beruf zu machen, denkt Corinna überhaupt nicht, die – wie auch Thomas – am Kurs 14 teilnahm. „Ich arbeite als Erzieherin“, erzählt sie, „und hatte einfach das Bedürfnis nach einem Hobby als Ausgleich, bei dem ich was mit den Händen tun kann.“ Das Müller-Handwerk sei schon insofern naheliegend gewesen, weil sie die Britzer Mühle früher immer von ihrem Kinderzimmerfenster britzer mühle berlin-neukölln, britzer müller verein e.v.aus gesehen habe.

Kristins Motivation, die Ausbildung an- zugehen, ist ebenso naheliegend: „Mein Opa war Müller in der vor sechs Jahren abgebrannten Bockwindmühle Luckau. Deshalb beschäftige ich mich schon länger damit, was das für ein Beruf ist.“ Was man tun muss, um ihn zu erlernen, hat die Berlinerin, die im Bezirk Prenzlauer Berg lebt, inzwischen von Michael Schillhaneck erfahren: Zwei Jahre dauert der an die holländische Windmüller-Aus- bildung angelehnte Kursus, der einerseits praktisches Tun und andererseits Theorie beinhaltet und mit einem Prüfungsgespräch sowie einem Praxis-Test endet. Kristin guckt einigermaßen konsterniert auf den dicken Ordner, in dem das erforderliche theoretische Wissen versammelt ist. „Diese vielen Fachbegriffe muss man lernen?“, fragt sie. Das sei halb so wild, versichern alle aus der Windmüller-Runde, weil man sie ständig benutze. Dass man einzelne Bestandteile der Mühle aus Unkenntnis „das Ding“ nenne, lege sich sehr schnell. Kristins Vision „vielleicht mal Opas Mühle zu britzer mühle berlin-neukölln, britzer müller verein e.v., hobby-windmüller-ausbildungübernehmen“ rückt wieder in den Bereich des Machbaren.

„Wir gucken uns jetzt erstmal die Mühle an“, schlägt ein Michael vor, der mit Nachnamen nicht Schillhaneck heißt, hauptberuflich als Verwaltungs-beamter tätig ist, über ein ausgepräg- tes Faible für alte Technik verfügt und ebenfalls einen Großvater hatte, der Müller war. Schnell hat er Kristin anhand zweier Modelle die wesent- lichen Unterschiede zwischen einer Bockwind– und einer Holländer-Mühle erklärt: Bei ersterer müsse die gesamte Mühle in den Wind gedreht werden, bei letzterer nur die britzer mühle berlin-neukölln, britzer müller verein e.v.Kappe.

Bis in die, also unters Dach der Mühle, geht es nun über schmale, steile Holztreppen. „Macht eure Ja- cken zu und achtet darauf, dass ihr Abstand von beweglichen Teilen haltet!“, mahnt Michael. Sonst könne es ruckzuck passieren, dass man von den rotierenden Kammrädern, von Ketten oder Seilen mitgerissen werde und der Nothalt aktiviert werden britzer mühle berlin-neukölln, britzer müller verein e.v.müsse, der die Flügel und so- mit das dynami- sche Innenle- ben der Mühle  zum Stillstand bringt. Michael weiß inzwischen ganz genau, auf welchem Weg man sicher durch die 1865 erbaute Mühle kommt, welche Geräusche sie macht, wo man den Kopf einziehen muss und welche die besonders tückischen Treppenstufen sind. Königswelle, Obenkammrad, Windrose, Jalou-sieklappenflügel, Galerieboden – ganz nebenbei lernt Kristin das Fachvokabular für ihre Windmüller-Ausbildung und auch den aus Flomen geschnitzten Mühlengeist kennen, der Unheil von der Mühle abwenden soll. Sie erfährt, dass die Mühle für den Betrieb mindestens Windstärke 4 braucht, dass  jährlich etwa 5 Tonnen Getreide gemahlen werden und Brote und Mehl freitags sowie an Wochenenden und Feiertagen von den Müllern des Britzer Müller britzer mühle berlin-neukölln, britzer müller verein e.v., hobby-windmüller-ausbildungVereins im Container neben der Mühle verkauft werden. „Das ist ja wirklich eine komplett andere Welt hier“, findet sie fasziniert. „Es ist eine optimale Mischung aus kon- templativ und körperlicher Betätigung“, beschreibt Michael Schillhaneck das Wind- müller-Dasein.

„Jetzt gehen wir noch raus auf die Galerie“, kündigt sein Namensvetter das nahende Ende der Mühlenführung an. „Weshalb gibt es zwei gegenüberliegende Türen, die hinaus führen?“, testet er die Kollegin in spe. Richtig, bestätigt er, wegen der Flügel. Gäbe es nur eine und die würden aufgrund der britzer mühle berlin-neukölln, britzer müller verein e.v., hobby-windmüller-ausbildungWindrichtung genau vor der Tür kreisen, hätte der Müller keine Chance, auf die Galerie zu kommen, ohne von einem der 12 Meter langen Flügel erwischt zu werden. Das leuchtet auch allen ein, die nicht mit  „Glück zu!“  grüßen.

Wer sich für die Ausbildung zum diplomierten Hobby-Windmüller interessiert, melde sich telefo- nisch (030 – 722 41 32) oder per E-Mail (info[at]britzer-muellerverein.de) beim Britzer Müller Verein. Der Kursus beginnt  am 22. September um 10 Uhr mit der ersten Praxis-Einheit.

=ensa=

An der Britzer Mühle wird gefeiert

Mühlenfest, schon wieder? War nicht erst am Pfingstmontag eines? Ja und nein. Letzten Montag stand die Britzer Mühle im Mittelpunkt des von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und -erhaltung (DGM) initiierten  Deutschen Mühlen- britzer mühle berlin-neukölln, 5. britzer mühlenfesttags, einem jährlich stattfindenden Aktionstag rund um das Mühlen- und Müllereiwesen. An diesem Wochen- ende beim  5. Britzer Mühlenfest  ist die fast 150 Jahre alte Holländer- mühle zwar auch das Highlight, doch um sie herum dreht sich alles um Karikatives.

Der Reinerlös des Britzer Mühlen- festes, das unter der Schirmherr- schaft von Ex-Bezirksbürgermeister Bodo Manegold steht, gehe je zur Hälfte an zwei gemeinnützige Initiativen, teilen die Veranstalter mit: An den  Berliner helfen e. V.  britzer mühlenfest, britzer mühle neuköllnzugunsten des  Mitmachzirkus Mon- deo  sowie an  Kinder in Gefahr e. V.  für seine regionale Kinder- und Ju- gendarbeit, die u. a. den Ausbau der  Kita Theo Tintenklecks  unterstützt.

Der heutige zweite und letzte Tag des 5. Britzer Mühlenfests beginnt in die- sen Minuten mit einem Open Air- Gospelgottesdienst: Mit viel Musik, Führungen durch die Mühle, Kutschfahrten, einem Streichelzoo, einer Tombola, Zirzensischem vom Mitmachzirkus Mondeo und  vielen anderen Attraktionen  geht es dann bis 22 Uhr weiter.

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