„Großstadt Neukölln. 1920 – 2020“ sensibilisiert für feinste Veränderungen im Stadtbild

Die Schlange derer, die gestern Abend auf dem Gutshof Britz auf Einlass ins Museum Neukölln warteten, war lang. Über 100 Gäste hatten sich angemeldet, um bei der Eröffnung der Ausstellung „Großstadt Neukölln. 1920 – 2020“ dabei sein zu können. Vernissagen mit Rednern, Begleitprogramm und Publikum hatte es schließlich seit dem Corona-Lockdown im März nicht mehr gegeben.

Als Berlin im Jahr 1920 zu Groß-Berlin erweitert wurde, entstand Weiterlesen

Zeitreise zu Neuköllner Kirchen zwischen Mittelalter und Moderne

Vier Neuköllner Kirchen aus dem Mittelalter, dem 19. sowie dem 20. Jahrhundert stellt der Verein Freunde Neuköllns in der zweiten Staffel der Veranstaltungs-reihe „Neuköllner Zeitreisen“ vor, die im März mit vier Rundgängen zu kulturhistorischen Denkmälern gestar-tet war.

In der evangelischen Dorfkirche Alt-Buckow begrüßte am vergangenen Sonnabendnachmittag der frühere Neuköllner Bezirksbürgermeister Prof. Bodo Manegold rund zwei Dutzend Besucherinnen und Besucher zu einer Führung in der altehrwürdigen Kirche. „Vom Typ her ist unsere Dorfkirche der Marienfelder Dorfkirche verwandt, Weiterlesen

Fest für eine Kirche und einen Teich

Im historischen Dorfkern Alt-Buckow, tief im Neuköllner Süden, findet an diesem Wochenende bereits zum 21. Mal das Dorfteich- und Kirchweihfest statt. Schirmherr und Alt-Bezirksbürgermeister Prof. Bodo Mangegold konnte gestern zur Eröffnung des von der AG „Das sympathische Buckow“ organisierten Festes nicht nur viele bekannte Gäste auf der Bühne begrüßen. Neben dem stellvertretenden Neuköllner Bezirksbürgermeister Falko Liecke, der zugleich Jugend- und Gesundheitsstadtrat ist, waren die Bezirksstadträte Weiterlesen

Für Neukölln nach Weißensee

Als der Regisseur Bernhard Sallmann im Mai 2001 seinen Dokumentarfilm „Berlin-Neukölln“ drehte, war die Alte Post an der Karl-Marx-Straße zwar auch schon alt, aber sie wurde noch als Postamt genutzt. Im Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite war noch eine C & A-Filiale, vis-à-vis ein Hertie-Kauf-haus, Bodo Manegold noch Bezirksbürgermeister, der Wohnungsmarkt entspannt, und über Neukölln dröhnten die in Tempelhof startenden und landen-den Flugzeuge.

Im Mai 2002 wurde die von Hanfgarn & Ufer produ-zierte Dokumentation im Neues Off uraufgeführt, kurz danach lief sie einmal im ZDF-Nachtprogramm. „Seit gut einem Jahrzehnt war sie kaum mehr zu Weiterlesen

Zwei, die eng miteinander verbunden waren: Manfred Motel und das Böhmische Dorf

manfred-motel_foto-neukoelln-info-centerNeuköllns früherer Bezirksbürgermeister Prof. Bodo Manegold hatte Manfred Motel einst anerkennend „unseren Oberböhmen“ genannt. Dr. Franziska Giffey, die amtierende Rathaus-Chefin, bescheinigte dem mit der Neuköllner Ehrennadel und dem Bundesverdienstkreuz Ausgezeichneten, dass er den Bezirk über Jahrzehnte geprägt habe.

Nach langer schwerer Krankheit starb Manfred Motel am 8. September im Alter von 74 Jahren; letzten Sonnabend fand im Kirchsaal der Brüdergemeine die Trauerfeier statt. Für das Bezirksamt nahm Sozialstadtrat Bernd Szczepanski an der Zeremonie Weiterlesen

Schatzsuche mit Neuköllns Bezirksbürgermeisterin

giffey_steinle_neuköllner schätzeDie Frau, die Sonntagnachmittag mit Stadt-führer Reinhold Steinle und einer Gruppe von knapp 20 Leuten durch den Kiez rund um den Richardplatz spazierte, sah nicht nur aus wie Neuköllns Bezirksbürgermeisterin, nein, sie war es. Um Neuköllner Schätze vorzu-stellen, die es neben hinlänglich bekannten Problemen im Bezirk auch gebe, hatte Dr. Franziska Giffey zu einer Kiez-Expedition ein-geladen. Auf dem Programm standen die Be-sichtigungen des Böhmischen Gottesackers, des Familienunternehmens Kutschen-Schöne, der traditionsreichen Rixdorfer Schmiede, des vor 10 Jahren Weiterlesen

„Ich will als erste Frau an der Spitze Neuköllns eine pragmatische, ehrliche und aufrechte Bürgermeisterin sein“

bzbm-ernennungsurkunde_rathaus neuköllnWie wacht man an einem Tag auf, den man als jüngste Bezirksbürgermeisterin Berlins beenden wird? „Ohne Wecker!“, sagt Franziska Giffey strah- lend und wohl wissend, dass es künftig noch weniger Tage als bisher geben wird, die mit diesem mor- gendlichen Luxus beginnen. Und der erste Gedanke danach? „Heute isses endlich soweit!“ Eine irre Anspannung sei das gewesen. „Aber“, findet sie, „wenn man die nicht hat, sollte man es gar nicht erst machen.“

Die Anspannung war der 36-jährigen Verwaltungs- und Politikwissenschaftlerin deutlich anzusehen, als sie zum letzten Mal als Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport den BVV-Saal im Neuköllner Rathaus betrat und Weiterlesen

„Gegen Neukölln ist kein Kraut gewachsen“

tulipan im britzer garten_berlin-neukoellnTulpen, überall Tulpen. Hunderttausende, in allen möglichen Farben und mit Namen wie Black Hero und Weißer Berliner oder Bulldog, Jan Reuss und Miranda. Wer die Frühlingsboten tulpenzwiebel-skulptur_britzer garten neukoellnnicht mag, sollte zurzeit andere Wege als die durch den Britzer Garten ein- schlagen, denn dort hat zum inzwischen neunten Mal die Tulpensonderschau Tulipan begonnen: so früh wie noch nie,  wegen des milden Win- ters, und schon jetzt mit rekordverdächtigen Besucherzahlen. Etwa 95.000 Menschen seien es am Osterwochenende gewe- sen, die die Eingänge zum Gelände der Bundesgartenschau 1985 passierten, konnte Grün Berlin-Geschäftsführer Christoph Schmidt (l.) stolz verkünden, als er Freitag zu- sammen mit Heinz Buschkowsky (r., neben Parkmanagerin Gabriele Weiterlesen

Was nicht passt, wird passend gemacht

Die älteste, noch bestehende Partei Deutschlands ist die SPD unbestritten. Damit, dass sie in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert, dürften aber Pedanten ihre ausstellungsplakat spd rixdorf-neuköllnProbleme haben. Denn die Partei konsti- tuierte sich erst 1875 durch den Zusam- menschluss des 1863 gegründeten Allge- meinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) und der 1869 ins Leben gerufenen Sozial- demokratischen Arbeiterpartei (SDAP) als Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD). SPD, also Sozialdemokratische Par- tei Deutschlands, heißt sie sogar erst seit dem Herbst 1890. Aber wer will es schon so genau nehmen, wenn das Jubiläumsjahr passgenau in das Jahr einer Bundestags- wahl fällt, die gewonnen werden will?

Auch die Neuköllner Sozialdemokraten fei- ern kräftig mit: Vorgestern wurde im Kultur- stall auf dem Gutshof Britz die Ausstellung „Der Kampf um Einheit und Freiheit. Ge- schichte der Sozialdemokratie in Rixdorf und Neukölln“ eröffnet. Auf 16 Text-/Bild-tafeln wird hier die lokalhistorische Bedeutung der SPD skizziert, die im Februar 1874,

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zur Zeit von Kaiser Wilhelm I., mit der Gründung des ersten sozialdemokratischen Agitationsvereins begann. 40 Jahre später hatte der fast 18.000 Mitglieder. Imposante Wahlerfolge und Massenversammlungen verbanden Rixdorf jahrzehntelang mit der Farbe rot.  Nach dem Ende der NS-Zeit, in der die SPD verboten war, konnte Neukölln seinen Ruf als Hochburg der Sozialdemokratie schnell zurück erobern. 1981 war es damit vorbei: Der CDU-Mann Arnulf Kriedner wurde für acht Jahre Bezirks- bürgermeister; von 1992 bis 2001 waren es mit Hans-Dieter Mey und Bodo Manegold ebenfalls CDU-Politiker, die im Rathaus den Ton angaben. Erst 2001 war die SPD wieder am Zug, den Posten des Bezirksbürgermeister besetzen zu können. Am Anhängerschwund konnte aber auch das nichts ändern: 2007, informiert die Aus- stellung, war die Zahl der Mitglieder der SPD Neukölln von knapp 5.000 in 1980 auf 1.240 geschrumpft.

Viele von ihnen feierten gestern auf dem Karl-Marx-Platz den Abschluss der Woche der Neuköllner SPD, sich selber und ihren Genossen  Fritz Felgentreu (2. v. r.), der  für

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5_jubiläumsfest spd neuköllndie Partei nach der Wahl am 22. Septem- ber in den Bundestag einziehen soll. Falls das nicht gelingen sollte und das Buhlen um Wählerkreuze durch Kinder- bespaßung, ein Bühnenprogramm, Ge- grilltes und Informationsstände nicht greift, dann ja vielleicht 2025: Dann kann die SPD wieder ihr 150-jähriges Jubi- läum feiern und wird wieder Bundestags- wahl sein. Fritz Felgentreu wäre mit 57 Jahren immer noch im besten Politikeralter.

Die Ausstellung „Der Kampf um Einheit und Freiheit. Geschichte der Sozialdemokratie in Rixdorf und Neukölln“ ist noch bis zum 7. Juli im Kulturstall Gutshof Britz  zu sehen; Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 18 Uhr.

=ensa=

Neue Kapitel für das Geschichtsbuch von Neukölln

Es wird Zeit, fand Bernd Kessinger, dass weiter an der Neuköllner Bezirksgeschichte geschrieben wird. Schließlich war die letzte historische Abhandlung schon vor über einem halben Jahrhundert veröffentlicht worden. Also setzte er sich hin und recherchierte und schrieb: Im letzten Herbst fing er an, ein Frühjahr später war das Werk fertig, das kürzlich mit bernd kessinger, autor "neukölln - die geschichte eines berliner stadtbezirks", die buchkönigin neuköllndem Titel „Neukölln – die Geschichte eines Ber- liner Stadtbezirks“  erschienen ist. Es sei ein Buch geworden, sagt Kessinger, das alteingesessene wie neue Neuköll- ner unterhaltsam  informiert.

Er selber liegt irgendwo dazwischen: „2009 bin ich nach Neukölln gezogen, in die Darkzone der Weserstraße, also in den Bereich um die Weichselstraße, wo es auch heute noch nicht so richtig hip ist.“ Aber die  Veränderung fresse sich langsam durch die ganze Straße. Bernd Kessinger lebt auch heute noch in ihr, nun jedoch in dem Teil, wo die Aufwertung unübersehbar ist.

„Die Geschichte von Neukölln“, so sein Fazit, „war schon immer eine  Geschichte von sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung.“ Inzwischen sei der Bezirk – wenn er nicht gerade das Klischee des Szene-Kiezes bedient – zur  medialen Metapher für alle gesellschaftlichen Probleme  verkommen. In der Entwicklungsgeschichte des Bezirks nach den Ursachen für die Probleme zu schauen, war die Triebfeder für den Historiker und Kulturwissenschaftler: „Dabei stellt man schnell fest, dass zum Beispiel der Umgang mit dem Thema Migration in Neukölln schon immer integrative Ansätze vermissen ließ.“ Das ziehe sich von den  Einwanderern aus Böhmen anno 1737  über die Arbeitsmigranten der 1970er-Jahre bis in die relative Gegenwart wie "neukölln - die geschichte eines berliner stadtbezirks, vergangenheitsverlag, bernd kessingerein roter Faden durch die Bezirksgeschichte. In Bezug auf die  Ursachenbekämpfung  sehe man auf politischer Ebene jedoch erst seit einigen Jahren, ausgelöst durch die Rütli-Welle, Hand- lungsbedarf. „Noch 1997“, erinnert Bernd Kessin- ger, „hielt Buschkowskys Vorgänger Bodo Mane- gold es für völlig unnötig, eine Stelle für einen Migrationsbeauftragten einzurichten.“ Die gebe es erst seit 10 Jahren. Was es dagegen immer noch gibt, sei eine von kleinen Wohnungen geprägte bauliche Substanz, die der sozialen Ausgrenzung und ihren Folgeerscheinungen zuarbeite.

In seinem Buch, das im Jahr 1360 einsetzt und mit starkem Fokus auf die Politik von den Entwick- lungen und Brüchen Neuköllns bis in die Jetzt-Zeit erzählt, geht es dem Autor nicht ums Kritisieren, sondern um  „lesbaren historischen Stoff mit wissenschaftlichem Anspruch“. Das Interesse seitens des Vergangenheitsverlags, den Bernd Kessinger erst kontaktierte als das Manuskript bereits fertig war, sei gleich groß gewesen. „Groß war aber auch mein Ärger, als ich erfuhr, dass das Bezirksamt Neukölln dazu bewegt wurde, sich mit einem Druckkostenzuschuss zu beteiligen“, sagt er. Das Ergebnis seines Debüts als Buchautor sei  völlig unabhängig und keinesfalls – wie viele Neu- kölln-Publikationen zuvor – als Auftragsarbeit fürs Rathaus entstanden. Sich dafür nun erklären zu müssen, missfällt ihm spürbar. Was hingegen aufmerksamen Lesern nur unlieb sein kann, ist die nicht eben sorgfältige Arbeit des Korrektors, der über diverse Patzer großzügig hinwegsah. „Ich hab auch schon einige Fehler entdeckt“, räumt Bernd Kessinger ein.

Er ist längst wieder mit neuen historischen Neukölln-Themen beschäftigt. „Momentan“, verrät er, „schreibe ich für das Museum Neukölln etwas über die Hufeisensiedlung.“ Was ihn außerdem sehr reizen würde, wären Recherchen und ein Buch über das Rollbergviertel in der Zeit zwischen 1945 und der Kahlschlag- sanierung, die 1966 begann. „Darüber gibt es bisher überhaupt keine umfassenden Publikationen“, hat Bernd Kessinger herausgefunden. Belletristisches solle man von ihm jedenfalls nicht erwarten, dafür sei er zu sehr Historiker.

Bernd Kessingers lesenswertes 194-seitiges Taschenbuch „Neukölln – die Geschichte eines Berliner Stadtbezirks“  ist zum Preis von 14,90 Euro direkt beim Verlag sowie im Buchhandel erhältlich.

=ensa=

An der Britzer Mühle wird gefeiert

Mühlenfest, schon wieder? War nicht erst am Pfingstmontag eines? Ja und nein. Letzten Montag stand die Britzer Mühle im Mittelpunkt des von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und -erhaltung (DGM) initiierten  Deutschen Mühlen- britzer mühle berlin-neukölln, 5. britzer mühlenfesttags, einem jährlich stattfindenden Aktionstag rund um das Mühlen- und Müllereiwesen. An diesem Wochen- ende beim  5. Britzer Mühlenfest  ist die fast 150 Jahre alte Holländer- mühle zwar auch das Highlight, doch um sie herum dreht sich alles um Karikatives.

Der Reinerlös des Britzer Mühlen- festes, das unter der Schirmherr- schaft von Ex-Bezirksbürgermeister Bodo Manegold steht, gehe je zur Hälfte an zwei gemeinnützige Initiativen, teilen die Veranstalter mit: An den  Berliner helfen e. V.  britzer mühlenfest, britzer mühle neuköllnzugunsten des  Mitmachzirkus Mon- deo  sowie an  Kinder in Gefahr e. V.  für seine regionale Kinder- und Ju- gendarbeit, die u. a. den Ausbau der  Kita Theo Tintenklecks  unterstützt.

Der heutige zweite und letzte Tag des 5. Britzer Mühlenfests beginnt in die- sen Minuten mit einem Open Air- Gospelgottesdienst: Mit viel Musik, Führungen durch die Mühle, Kutschfahrten, einem Streichelzoo, einer Tombola, Zirzensischem vom Mitmachzirkus Mondeo und  vielen anderen Attraktionen  geht es dann bis 22 Uhr weiter.

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