Nomen est omen – eher Ausnahme als Selbstverständlichkeit

zierkirschenblüte_parchimer allee_neukölln-britzWas momentan passiert, kommt nur alle Jubeljahre mal vor: In Britz stehen die Zier- kirschen in voller Blütenpracht während in dem Neuköllner Ortsteil ein Volksfest na- riesenosterhase_60. britzer baumblüte_berlin-neukoellnmens Britzer Baum- blüte stattfindet.

Es war 1927, als in einigen Straßenzü- gen der Hufeisen- siedlung weiß und rosa blühende Zierkirschen angepflanzt wurden. Ein Vierteljahrhundert später bekam Britz ob der ge- meinhin ab Anfang Mai imposant ausschlagenden Bäume den Beinamen „Werder von Westberlin“. 1954 Weiterlesen

Achtung!

Neben den Bezirken Tiergarten, Kreuzberg, Mitte, Wedding und Spandau gehört natür- lich auch Neukölln wieder dazu: Das sind Berlins geheime „Gefahrengebiete“ titelte die Morgenpost vorgestern und  lüftete das Geheimnis sogleich, indem sie zahlreiche

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der einschlägig bekannten „gefährlichen Orte“ aufzählte. In Neukölln sind das die  U7- Station Rudow, der Volkspark Hasenheide und der Hermannplatz. Wobei die Gefahr, beim unkonventionellen Fahrradparken von einem Hexenschuss getroffen zu werden, noch nicht mal als Kriterium berücksichtigt wird.

Omnipräsent in Neukölln: Geheimnisträger Tagesspiegel

Nach der Geschäftsaufgabe eines Ladens in akzeptabler oder besserer Kiezlage kam es in Nord-Neukölln im letzten Jahrzehnt normalerweise zu folgendem Szenario: Irgendwann wur- den die Schaufenster mit türkischen oder arabischen Zeitungen abgeklebt und hinter dem Sichtschutz begannen die Vorbereitungen für die Eröffnung eines Handyshops oder eines als Kulturverein, Imbiss oder Spätkauf getarnten Spielcasinos. Beliebt waren die neuen Nachbarn bei niemandem.

Heute dagegen sind es meist im stattlichen nordischen Format ge- druckte Tagesspiegel-Ausgaben, die vorübergehend verbergen, mit wel- chem Geschäftsmodell es der Neu- mieter versuchen will. (Die Berliner Morgenpost sieht man – obwohl gleich groß – seltener, andere Berliner Tageszeitungen wegen ihrer kleineren Formate kaum.) Ist die Phase der Renovierung und mit ihr die der Geheimniskrämerei vorbei, wird das bedruckte Papier entfernt und der Blick auf ein neues Café, eine Galerie oder ein Designer-Atelier frei. Auch diese Branchen sind den Anwohnern nicht per se will- kommen, sondern für manchen ein Synonym für Gentrifizierung. Beliebter als Daddelbuden sind sie in aller Regel aber doch.

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Ins Gedächtnis Neuköllns abgetaucht

Es wäre schon eine bodenlose Gemeinheit, unter normalen Umständen im Hochsommer einen Besuch des Neuköllner Geschichtsspeichers zu empfehlen. Denn bei Temperaturen um die 30° und hoher Luftfeuchtigkeit ist es dort schier unerträglich. Ebenso gut könnte man zu einem Saunabesuch in Wintermantel und Fellstiefeln raten. Doch dieser Sommer ist so weit von dem entfernt, was landläufig geschichtsspeicher museum neuköllnSommer genannt wird wie die Ber- liner Bäderbetriebe (BBB) von den erwarteten Einnahmen für die aktuelle Badesaison: Lediglich „gut 30 Prozent des Vorjahresumsatzes zur gleichen Zeit“ seien bis Mitte Juli in die Kassen geflossen, erklärte BBB-Chef Klaus Lipinsky kürzlich im Interview mit der Berliner Morgenpost. Verständlicher- weise hofft er auf einen heißen Au- gust. Für die Expedition ins (barriere- freie!) Gedächtnis Neuköllns unterm Dach des Museums sollte man aus genannten Gründen besser auf das Gegenteil hoffen.

Die Tickets für den Selbstversuch in Sachen Zeitreise sind gelöst: Sie sind gratis, kosten lediglich das vorherige Grübeln darüber, welche Aspekte aus der Historie des Bezirks erforscht werden sollen. Der Wunsch einfach mal gucken zu wollen, reicht nicht, um eine Eintrittskarte zu bekommen. „Wir würden gerne im Geschichtsspeicher zu folgenden Themen recherchieren: 1. Zwangsarbeit der in der Gradestraße ange- siedelten Firmen (z. B. Pintschöl, Kasika, Efha), 2. Stadtbad Neukölln (vorrangig Bild- hauerarbeiten/Skulpturen), 3. Architekt Rossa/Genezareth-Kirche“, stand in der Mail, geschichtsspeicher museum neuköllnmit der wir uns beim Geschichtsspei- cher anmeldeten. Danach passierte erstmal lange nichts. Aus personellen Gründen, so Projektleiterin Barbara Hoffmann, sei das historische Archiv des Bezirks über Wochen geschlos- sen gewesen. Erst Ende Mai öffnete die im Oktober letzten Jahres in Be- trieb genommene Einrichtung wieder.

„Über Rossa hab ich nur wenig ge- funden“, kündigt Barbara Hoffmann mit Blick auf den großen Tisch an. Der Stapel mit Informationen über das Stadtbad Neukölln ist ein ganzes Stück höher, die bedrückenden Zeitzeugnisse über Zwangs- geschichtsspeicher museum neukölln, stadtbad neuköllnarbeit bei Neuköllner Firmen füllen mehrere Ordner.

Nach einigen Stunden des Stöberns in jahrzehntealten Dokumenten, Fo- tos, Zeitungsartikeln, Schriftverkehr und Aktennotizen sind wir um vieles schlauer, was unweigerlich zur Ge- schichte Neuköllns gehört. Wir wis- sen sogar, was sowohl bei den Ber- liner Bäderbetrieben als auch beim Berliner Landesdenkmalamt nicht be- kannt ist: Dass die Bronze-Skulpturen im Stadtbad Neukölln Arbeiten des Malers und Bildhauers Richard Guhr sind, dass sie 10 Zentner wiegen und in den 1960er Jahren im Hof des Bades statt in der Schwimmhalle standen.

=ensa=

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Auf der Suche nach der Wahrheit

„Der Spitzelvorwurf“ titelt die Berliner Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe, bei der Berliner Morgenpost heißt es „Integra e. V. – Vorzeigeprojekt in Neukölln bekommt kein Geld mehr“.

Weitere Facetten zu diesem Thema zeitnah hier!

 

Knapp daneben ist auch vorbei

lama, circus magic, treptowUnter dem Titel „Berliner Merkwürdigkeiten: Die Ka- rawane von Neukölln“ er- schien dieser Tage in der Berliner Morgenpost ein Beitrag über den Circus Magic.

Der hat seine Zelte derzeit auf der Brache an der Ecke Harzer-/Bouchéstraße auf- gebaut und präsentiert dort noch bis zum 15. August täglich außer mon- und dienstags seine Vorstellungen. So weit, so gut – nur: Die Ka- rawane ist gar nicht nach Neukölln gezogen, sondern in den Nachbarbezirk Treptow. Denn zu dem gehört das Grundstück.

Ebenfalls leicht korrigiert werden muss der im Tagesspiegel veröffentlichte „Schiller- promenade – Göttin im Jogginganzug“-Text von Ocka Caremi, der vermutlich ein we- promenadeneck, schillerkiez neuköllnnig zu lange im Stehsatz geparkt war. Das „Prome- naden Eck“, von der Auto- rin als Anziehungspunkt für Kneipengänger bezeich- net, hat nämlich schon vor geraumer Zeit seinen Reiz für die verloren. Seit etli- chen Wochen gehen dort nur noch Handwerker ein und aus, um die abgerock- ten Räume wieder auf Vor- dermann zu bringen. Vielleicht ja für einen großen Bio-Laden oder ein Café mit Krab- belecke. Zu befürchten ist allerdings eher, dass es in dem Laden künftig eher um den Spieltrieb Erwachsener geht und dort das x-te Automatencasino eröffnet, das der Kiez nicht braucht.

_ensa_