Rundes Jubiläum zweier Institutionen im Harzer Kiez

„Spielen, lernen, Natur erleben“ ist das Motto in der Wildenbruchstraße 25, wo eine Kita für Ein- bis Sechsjährige und ein offener, pädagogisch betreuter Spielplatz direkt kuschke_liecke_40 jahre wilde ruebe neukoellnnebeneinander liegen. Freitag feierten die zum Eigenbetrieb Südost gehörende Kindertagesstätte Wildenbruchstraße und die vom Bezirksamt Neu-kölln betriebene Wilde Rübe mit einem großen Sommerfest gemeinsam ihr 40-jähriges Jubiläum.

„Im Harzer Kiez sind wir eine Institution“, sagte Brigitte Kuschnick (l., neben Falko Liecke), Leiterin der Wilden Rübe, bei der Begrüßung und illustrierte ihre selbstbewusste Einschätzung mit einer Beobachtung: „Oft kommen Eltern mit Kindern zu uns und erzählen, was sie selber für eine schöne Zeit  Weiterlesen

Mit der Zeitschleife im Nacken und Kontinuität im Blick: Offener Brief der „berliner jungs“ zur Kündigung freier Jugendhilfe-Träger in Neukölln

Die Sommerferien hatten gerade begonnen und die Neuköllner Jugendstadträtin Gabriele Vonnekold (Grüne) eben ihren Urlaub angetreten, als Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD)  das Fallbeil in den Haushalt des Jugendamts krachen ließ: Da sich abzeichnen würde, dass der Jahresetat des Ressorts um 4,1 Millionen Euro überzogen werde, kündigte der Bezirk rund 50 freien Trägern der Jugendhilfe zum 30. September. Ähnliches hatte sich bereits im letzten Jahr abgespielt.

Zu den Betroffenen der Neuköllner Haushaltspolitik nach „Und jährlich grüßt das Murmeltier“-Manier gehören auch die berliner jungs. Jetzt nehmen sie in einem offe- nen Brief  Stellung:

berliner jungs, Fachstelle zur Prävention von sexueller Gewalt an Jungen, ist von der Kündigungswelle der sozialen Leistungen in Neukölln betroffen, und das in einem pädosexuellen Schwerpunktgebiet Berlins.

  • Jeder vierte Junge wurde durch Pädosexuelle angesprochen.
  • Jeder zwölfte Junge hat konkrete sexuelle Übergriffe erlebt.
  • (Quelle: Studie FU Berlin 2004)

berliner jungs hilft betroffenen Jungen direkt und ohne bürokratische Hürden durch:

  • Streetwork in pädosexuellen Aktivfeldern mit Infos für Jungen und Eltern;
  • Prävention gegen sexuelle Gewalt an Schulen, Kinder- & Jugendein- richtungen, Kitas; u.a. Präventionsmodul „Jibs-Jungen informieren, bera- ten, stärken“ (mit Theater, Selbstbehauptung, Wissensvermittlung zu Täter- strategien, inkl. Elternabend, Lehrerschulung & Fachberatung bei Bedarf)
  • Beratung für betroffene Jun- gen und Angehörige, sowie für Fachkräfte.

In 2010 halfen und berieten wir mehr als 500 Jungen; mehr als 325 Neuköllner Fachkräfte holten sich bei uns Informationen und Unterstützung und es gingen mehr als 40 Hinweise auf pädosexuelle Aktivitäten in eng umgrenzten Sozialräumen ein. Dieses fachliche Angebot würde wegfallen: Das bedeutet aktiven Täterschutz. Die Vielzahl an Hinweisen zeigt, dass pädosexuelle Täter in Neukölln flächendeckend aktiv sind. Bis vor einigen Jahren gab es in Neukölln eine ausgeprägte pädosexuelle Kneipenstruktur, wo sich Männer mit Jungen im Grundschulalter trafen. Geblieben sind neuköllnweit  „Offene Wohnungen“ (Täter laden Jungen unter 14 zu sich ein, zu Internet, Computerspielen, aber auch Alkohol, Pornografie, um sie auf sexuelle Übergriffe vorzubereiten). Und Pädosexuelle sind auf Spielplätzen, in Einkaufscentern oder im Internet unterwegs. Seit 2005 wird die Arbeit von berliner jungs durch das Ju- gendamt Neukölln gefördert. Neukölln nimmt damit eine Vorreiterrolle in der Prävention von sexueller Gewalt gegen Jungen ein.

Mit Betroffenheit haben wir erfahren, dass auch andere wichtige Neuköllner Projekte von den Kürzungen betroffen sind. berliner jungs arbeitet eng mit unterschiedlichen Koopera- tionspartnern wie Schulstatio- nen, Jugendclubs und Bera- tungsstellen zusammen. Sie sind oft die ersten Ansprech- partner der Kinder und Jugend- lichen, die von sexueller Gewalt betroffen sind. Auf Hilfen zur Erziehung (HzE) besteht ein gesetzlicher Anspruch, der sich immer auf einen individuellen Bedarf gründet. Auf den Anstieg der Bedarfe im Bereich der HzE mit einer Kürzung im Bereich der Prävention zu reagieren, bedeutet Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten zu nehmen Probleme und Konflikte zu thematisieren, bei Kinderschutzfällen Hilfe einzufordern. Damit steigt die Gefahr, dass Bedarfe von Kindern und Jugendlichen spät oder gar nicht „erkannt“ werden. Für den Arbeitsbereich von berliner jungs bedeutet es, dass Jungen, die von sexueller Gewalt bedroht und/oder betroffen sind, allein gelassen werden.

„Es ist fachlich unvertretbar, dass die verschiedenen Formen der Jugendhilfe gegeneinander ausgespielt werden. Die sog. freiwilligen sozialen Leis- tungen der Jugendhilfe wirken präventiv und setzen ein, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Sie sind ebenso wichtig wie die gesetzlichen Hilfen zur Erziehung!“ (aus: Pressemitteilung des Paritätischen Wohlfahrtsver- bandes zur „vorsorglichen Kündigung“ durch das Bezirksamt Neukölln)

Das Team von berliner jungs                                 Berlin, den 07.07.2011
Ansprechpartner: Henk Göbel, Koordination Neukölln

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Mehr als ein Fünkchen Wahrheit

Die letzte Zeile dieses Schilds kennt jeder – sei es in gramma- tikalisch richtiger oder auch un- korrekter Schreibweise.

Weitaus weniger bekannt ist da- gegen das Antonym, das im Fens- ter von Berliner Jungs zu besich- tigen ist und dem Original in Sa- chen Aussagekraft und Wahrheits- gehalt in nichts nachsteht. Die Mitarbeiter der Neuköllner Ein- richtung, die sich seit Jahren der Prävention von sexueller Gewalt an Jungen sowie der Beratung von Betroffenen annimmt, müs- sen es wissen. Tagtäglich sind sie mit den Folgen konfrontiert, die sich aus einem Übermaß an Ig- noranz seitens der Erziehungs- berechtigten (und -verpflichteten) ergeben können.

=ensa=