Die Würfel sind gefallen: Neukölln kriegt einen Scube Park

Noch steht er einsam und verlassen im östlichen Bereich des Columbiabads. Aber das wird sich bald ändern. Nicht mal mehr zwei Monate soll es dauern, bis 39 weitere Schlafwürfel aus Holz und Glas  nebst einem Gästehaus mit Küche, Du- schen und Toiletten dazugekommen sind und der Scube Park Columbia  eröffnet ist. „Wir rechnen Ende März/ Anfang April damit“, kündigt Tanja Rathmann, Mit-Gründerin und Ge- schäftsführerin der Scube Parks Ber- lin GmbH, an.

Etwa 2.000 Quadratmeter misst die Wiese, auf der sich dann eine neue Art des  urbanen Campings erleben lässt. Bis zu vier bequeme Betten sind in den knapp 9 Quadratmeter kleinen Massivholz-Hütten untergebracht. Außerdem gibt es einen Tisch und Sitzgelegenheiten. Auch an genug Stauraum fürs Gepäck der Gäste ist gedacht, ebenso an ein ökologisch korrektes Gesamtkonzept: Die Innen- beleuchtung der Scubes erfolgt über sparsame LED-Leuchten und aus den Steck- dosen kommt Solarstrom.

Wie in der letzten Saison, als das Würfel-Dorf für Berlin-Touristen, im Kreuzberger scube park columbia, sommerbad neukölln, foto: scube parksPrinzenbad angesiedelt wurde, spielt auch bei der neuen Location das nähere und wei- tere Drumherum wieder eine entscheidende Rolle. Bis zum Schwimmbecken des Sommer- bads Neukölln sind es nur wenige Schritte, das Tempelhofer Feld grenzt direkt an den Scube Park an und die U8 stellt eine Direktverbindung ins Zentrum Berlins her. „Damit ist der Standort einfach genial“, findet Tanja Rathmann. Daran, schon nach einem Sommer wieder umzuziehen, verschwendet sie keinen Gedanken: Die Verhandlungen mit den Berliner Bäderbetrieben seien höchst kooperativ verlaufen, am Ende habe ein unbefristeter Pachtvertrag gestanden. „Ohne die Unterstützung der Bäderbetriebe wären wir heute nicht in Neukölln, worüber wir sehr sehr glücklich“, sagt die Scube Parks-Chefin.  „Und wir wollen lange bleiben.“

Zeitlich begrenzt ist hingegen der Aufenthalt von Anke Engelke in ihrem hölzernen Wohnwürfel. Noch bis morgen übernachtet sie in dem und berichtet aus dem Sondermodell live im ARD-Morgenmagazin von der Berlinale.

=ensa=

Eine spitzenmäßige Idee: Stippvisite der Berlinale in Neukölln

berlinale goes kiez, passage-kino neukölln, foto: anna sinnlosBoah, war ich aufgeregt. „Berlinale goes Kiez“ in Neukölln und ich mit dabei! Dass der Schauspieler Jürgen Vogel als einer von zwei Neukölln-Paten auch da sein würde, passage-kino neukölln, berlinale goes kiez 2012, foto: anna sinnloswar das Extra-Bonbon.

Ich war noch nie bei den berühmten Berliner Filmfest- spielen, hatte immer nur von roten Teppichen, diversen Film-Menschen und dem Brimborium drumherum ge- hört. Irgendwie weiter weg und für mich wenig aufregend, weil aus einer anderen Welt. Dass die Berlinale jetzt auch in einzelne Stadtbezirke kommt, gibt es erst seit 2010 und ist damit recht neu. „Die anderen Kinos in Berlin an der Berlinale teilhaben zu lassen, ist eine spitzenmäßige Idee“, findet auch Jürgen Vogel.

Um 21.30 Uhr sollte es vorgestern losgehen, und nach stundenlangem „Ich habe nichts anzuziehen!“ meinerseits, stand ich – überraschenderweise dann doch angezogen – schon eine Stunde vorher vor dem Passage Kino an der Karl-Marx-Straße. Zwar war der rote Teppich bereits ausgerollt und alles für die Ankunft der Stars vorbereitet, aber die Atmosphäre war trotzdem sehr entspannt.

Der Wettbewerbsfilm „Dictado“ war der Film, der mich erwartete. Ein Psychothriller des spanischen Regisseurs Antonio Chavarrias, in dem es um einen Lehrer geht, passage-kino neukölln, berlinale goes kiez 2012, foto: anna sinnlosder in Form der Tochter seines Beinahe-Bruders seiner tief verdrängten Vergangenheit begegnet.

Um 21 Uhr traf dann auch die Prominenz ein. Ich unterhielt mich vorher ein wenig mit zwei Polizisten, die auch etwas verloren am roten Teppich rumstanden, aber sehr freudig über ihre Aufgaben dort Auskunft gaben. Und ich löse hiermit mein Versprechen ein, indem ich einen der beiden Uniformierten zitiere: „Die Polizei ist endlich in der Welt der Reichen und Schönen angekommen.“ Aber hauptsächlich hatten sie den Auftrag, Präsenz zu zeigen und den Parkplatz für die Limousinen freizuhalten.

Plötzlich stand er auch da, der Herr Vogel.  Ich hatte wesentlich mehr Presse- und Fanrummel erwartet, mich aber erfreulicherweise geirrt. So erlebte ich einen völlig entspannten, gut gelaunten Jürgen Vogel, der zwei Fernsehteams ein Interview gab und sich dann mir zuwandte. Mein erstes Promi-Interview, und in meinem Kopf war schlagartig eine gähnende Leere. Außerdem war der verdammte Notizblock unauffindbar, auf dem ich mir Fragen notiert hatte. Dennoch erfuhr ich von Jürgen Vogel, dass er 3 1/2 Jahre lang am Paul-Lincke-Ufer – also mit Neukölln in Sichtweite – in der Küche des jürgen vogel, berlinale goes kiez, passage-kino neukölln, foto: anna sinnloslegendären „Exil“ seinen ersten Job hatte und er sich deshalb „irgendwie mit Neukölln verbunden fühlt“. Dass er das Multikulturelle und die vielen Einflüsse Berlins mag und das dazu eben auch Neukölln gehöre. Ein warmes Händeschütteln und ab ins Kino.

Die Vorstellung war komplett ausverkauft. Vor der Vorführung wurden die beiden Kiezpaten, eben Jürgen Vogel und der Regisseur Matthias Glasner, vorgestellt. Beide erzählten kurze Anekdötchen von ihren Anfängen und ihrer Zusammenarbeit. Ihr Film „Gnade“ läuft ebenfalls im diesjährigen Berli- nale-Wett- bewerb. Vielleicht war das auch der Grund, warum die beiden schon zehn Minuten nach Filmbeginn verschwanden

„Dictado“ war für einen Psychothriller sehr soft, für mein Empfinden. Er war unkompliziert und das Ende wenig überraschend, aber durchaus passend. An manchen Stellen gab es sogar kleine Lacher, die allerdings für mich nicht immer verständlich waren, aber vielleicht war das Publikum einfach in alberner Stimmung – oder ich eben nicht.

Sehr interessant war das Interview mit dem Regisseur im Anschluss. Er wurde zwar schon vor dem Film kurz vorgestellt, die Aufmerksamkeit lag aber gänzlich bei seiner sehr jungen Hauptdarstellerin Mágica Pérez. Sie stach ihn mit ihrer schüchternen Art und der sehr kindlichen Stimme voll aus, musste aber gehen bevor der Film anfing. Antonio Chavarrias erzählte unter anderem, dass er durch einen Bericht über zwei britische Kinder, die ein drittes entführt und ermordet hatten, auf die Idee zum Film gekommen sei. Dass ihn das Thema, was passiert in deren Leben, wenn sie passage-kino neukölln, berlinale goes kiez 2012, foto: anna sinnloserwachsen sind, fasziniert hat. Außerdem freute er sich über die Vorführung im Passage Kino, weil das ursprünglich mal Excelsior hieß – so wie ein Kino seiner Kindheit, das leider zerstört wurde.

Immerhin blieben die meisten der Zuschauer sitzen, um Antonio Cha- varrias Fragen zu stellen und seine Antworten zu hören. Was an einem Montagabend kurz vor Mitternacht nicht unbedingt selbstverständlich ist. Ich habe mich anschließend noch auf die Suche nach meiner Brille gemacht, die ich zwischen der Plauderei mit den Polizisten und meinem Interview mit Jürgen Vogel irgendwo verloren habe. Wer sie findet …

=Anna Sinnlos=

Roter Berlinale-Teppich vor dem Neuköllner Passage-Kino

Auch in diesem Jahr schwappt wieder Berlinale-Flair vom Festivalzentrum am Potsdamer Platz in die Kieze der Hauptstadt: In Neukölln wird der rote Teppich heute passage kino neukölln, saal 1, foto: yorck-kinos/passagevor dem Passage-Kino ausgerollt. Bereits zum zweiten Mal gastiert die Reihe „Berlinale goes Kiez“ im Film- theater an der Karl-Marx-Straße. „Da- mit wollen wir das wunderbare En- gagement des Kinos, beispielsweise durch die Kooperation mit Schulen, würdigen und das Haus unterstüt- zen“, sagt Johanna Muth, die die Berlinale-Events in den Berliner Kiez- kinos betreut.

Zwei Filme werden heute Abend im prächtigen Saal 1 des Passage-Kinos gezeigt: Um 18.30 Uhr beginnt „Paziraie Sadeh“ („Modest Reception“), der in der Forum-Sektion läuft, um 21.30 Uhr der spanische Wettbewerbsbeitrag  „Dictado“ („Childish Games“). Zur Vorführung des iranischen Films habe sich ein Großteil des Filmteams angekündigt, ver- spricht Johanna Muth. Auch „Dictado“ lockt hoch- karätige Protagonisten der Kinobranche nach Neu- kölln: „Antonio Chavarrias, der Regisseur des Films, wird da sein. Außerdem der Schauspieler Jürgen Vogel und Regisseur Matthias Glasner, der mit seinem Film „Gnade“ im Wettbewerb antritt.“ Letztere sind  Paten der „Berlinale goes Kiez“-Veranstaltung in Neukölln.

Über den Berlinale-Online-Vorverkauf sind bereits für beide Vorstellungen keine Karten mehr erhältlich. Aber vom Passage-Kino (Tel. 68 23 70 18), das 50 Prozent des Gesamtkontingents verwaltet, war gestern zu erfahren, dass  noch Restkarten zu haben sind.

=ensa=