Kieselrabatte, Minzhain und Straßenacker in der Sonnenallee

strassenacker-baumscheiben_gartenarchipel-sonnenallee-neukoellnSonnig ist es auf dem Bürgersteig der westlichen Straßenseite der Sonnenallee nicht lange. Doch allein daran liegt es kaum, dass viele der Baumscheiben hier einen traurigen Anblick bieten. Jan Lindenberg macht dafür unbedingt auch die Anonymität in der turbulenten Magistrale verantwortlich. Ob sich dieser projektauftakt strassenacker sonnenallee_neukoellnneuralgische Punkt kna-cken lässt, will er nun ausprobieren:

„Gartenarchipel Sonnen-allee“ heißt das Projekt, das er mit seiner Firma place/making initiierte und am vergangenen Sonnabend startete. „Wir haben uns bewusst brachliegende Baumscheiben vor anonym wirkenden Weiterlesen

Etwas Warmes …

… braucht der Baum. Vorbei ist die Zeit, in der luftige Stoffbänder um die Stämme gewickelt  wurden, um zusätzliche Farben ins Grün zu bringen. Nun lassen die  Urban

straßenbaum-sommerschmuck_neukölln straßenbaum-winterschmuck_neukölln

Knitter wieder die Nadeln klappern, um Neuköllns kontinuierlich kahler werdende Straßenbäume mit wolligen Loops für die kalte Jahreszeit zu wappnen.

Zu schön, um da zu sein

baumscheibe_neuköllnDrei in der Hobrechtstraße, fünf in der Reuterstraße, 15 in der Pannierstraße und 27 in der Weserstraße: 50 Baumscheiben auf Bürgersteigen in Nord-Neukölln wurden schon abgeräumt; 33 weitere sollen noch in diesem Jahr folgen. Und das nicht, weil sie zu ungepflegt und deshalb unbeliebt waren bzw. sind. Ganz im Gegenteil: Voller Hingabe hatten Anwohner das Erdreich unter den Straßenbäumen bepflanzt, besät und be- gossen, hatten kleine Zäune zum Schutz der sprießenden Flora gebaut und häufig noch horizontale Bretter auf die vertikal arrangierten geschraubt, um bequem an den Minigärten vor der eigenen Haustür sitzen zu können. Doch so viel Komfort dürfen Baumscheiben in Neukölln nicht bieten, denn es ist durch Weiterlesen

Eiszeit hier, Kahlschlag da

Während Neuköllns Schüler ihre Weihnachtsferien genossen, waren die Kinder der Kita Karlsgartenstraße fleißig und haben im Schaufenster ihrer Räume mit Stryropor, Gipsbinden und Pinguinen die  Antarktis nachgebaut. Kreativität  ist  auch  in  verstärk-

antarktis_kila karlsgartenstraße neukölln baumscheibe kita kinderparadies_neukölln

tem Maß von den Mädchen und Jungen der Kita Kinderparadies gefordert: Bei ihrem vom Quartiersmanagement geförderten Baumscheiben-Projekt fehlt nun das Ent- scheidende – der Baum.

Pflegeleichter geht’s nicht

Nicht jede Baumscheibe ist geeignet, zu einem blühenden Straßenrandgarten zu werden. Aber: Auch nicht  immer  finden sich Hausbewohner  mit  der Bereitschaft, die

baumscheibe_neukölln

Flora vor der Tür zu pflegen. Dass beides nicht den Verzicht auf die Koexistenz von Baum, Blumen und etwas Grün bedeuten muss, zeigt ein Beispiel aus Neukölln.

Bildungsauftrag erfüllt

Auch in Neukölln bzw. den Neuköllnern muss gewiss nicht  jede Banalität erklärt  wer-

hier wachsen blumen_baumscheibe flughafenstraße neukoelln

den. Hier aber ist der Hinweis auf gedeihende Flora durchaus opportun, Weiterlesen

Expandiert

Eine Baumscheibe vor der eigenen Haustür animiert nicht nur in Neukölln zu höchst unterschiedlichen Verhaltensweisen der Hausbewohner: Da gibt es die, die sie komplett ignorieren und ihrem Schicksal überlassen. Andere machen sich mit einiger Zurückhaltung ans urbane Gärtnern  oder verwandeln das Stück Grün in einen adret- ten  Ziergarten. Eher selten ist dagegen, dass eine  Baumscheibe so dermaßen über

sich hinauswächst wie dieses Exemplar und man sich plötzlich mitten in Neukölln im Dschungel wähnt.

Was sonst?

Wenn vor einer Kita eine Baumscheibe ist, diese umzäunt und dem Wildwuchs hingegeben oder von den Kindern bepflanzt und gepflegt wird, dann haben die Kinder – wie hier die der EKT Hasenreiter – im wahrsten Sinne des Wortes einen Kin- dergarten  vor  der  Tür.

Geplündert

Wer in Neukölln eine Baumscheibe begrünt und den Anspruch hat, sie zu hegen und zu pflegen, ist normalerweise vor allem damit beschäftigt, tagtäglich Plastik- und Papiermüll, Flaschen und Hundekacke aus dem Beet vor der Haustür zu klauben. So ging  es auch  denen jahrelang, die  sich um diesen  Minigarten in der  Emser Straße

im Neuköllner Körnerkiez kümmern, ihn bepflanzten und gossen. Doch eines Tages glaubten sie ihren Augen nicht zu trauen: Sämtliche Blumen, die samt Topf in der Baumscheibe gesteckt hatten, waren weg. Geklaut! „So was hatten wir noch nie erlebt“, sagen sie. Dass jemand die Pflanzen höchstwahrscheinlich so schön fand, dass er unbedingt den eigenen Balkon damit begrünen wollte, tröstet nur wenig: „Hätte er gefragt, hätten wir ihm gerne gesagt, wo wir sie her haben.“ Aber der Weg wäre dem Dieb wohl zu weit gewesen. Und zu seiner Geiz ist geil-Mentalität hätte es auch nicht gepasst.

=ensa=

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Steigerungsfähig

Wer nach Neukölln zieht, sich häuslich einrichtet und dabei auch auf ein adrettes Wohnumfeld Wert legt, fängt mit dessen Aufwertung gerne vor der eigenen Haustür an. Ent- sprechend häufig werden so kahle, verlotterte Baum- scheiben zu urbanen Mi- niatur-Gärten.

Dass selbst die ein wenig Arbeit machen, scheint auch dem Begrüner dieser Baumscheibe klar zu sein, weshalb er es erstmal mit einem Scheibchen versucht. Dass die häufig an Baumscheiben vorzufindenden Zäune nicht dazu da sind, die Pflanzen vor den Bäumen zu schützen, sollte ihm aber noch jemand sagen – falls er es nicht gerade erfahren hat.

=ensa=

Sicher ist sicher

baumscheibe, neuköllnWeshalb dieser Straßen- baum an der Umrandung seiner Baumscheibe fest- gebunden wurde, darüber lässt sich nur spekulieren.

War es ein übermäßiger Bammel vor der Gentri- fizierung samt der Angst, dass sie nicht nur Men- schen sondern auch Bäu- me verdrängen könnte? Steht dem Norden Neu- köllns womöglich eine Baumflucht bevor? Verdenken könnte man es der Vegetation ja nicht, wenn sie längst beschlossen hätte, es den Zugvögeln gleich zu tun und gen Süden zu verduften. Aber es würde schon was fehlen!

_ensa_