Schluss, aus, vorbei – nicht für über 11.000 in Neukölln

Bei der Fußball-WM, für die die Stadtbibliothek Neukölln sogar einen Thementisch aufgebaut hat, ist das Ende der Vorrunde erreicht. Die Zahl der Titelaspiranten hat sich damit halbiert und wird – nach dem heutigen spielfreien Tag – von morgen bis nächsten Dienstag in den Achtelfinalspielen stetig schrumpfen.

Weil nicht nur das deutsche Team raus ist, dürften das Bejubeln von Toren und Siegen oder Entsetzensschreie ob verpasster Chancen in Neukölln nun leiser ausfallen. Denn es hat auch die hier am stärksten vertretenen WM-Nationen erwischt: Polen, das sich im Bezirk der Unterstützung von 5.849 Landsleuten (Stand: 31.12.17) sicher sein durfte, und Serbien mit 3.276 potenziellen Fans. Den letzten Abpfiff bei dieser WM für ihr Team haben auch die 623 Australier, die in Weiterlesen

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Fast 3.000 einerseits, neun andererseits

Die Fans des deutschen Teams können sich noch ein paar Tage in Vorfreude üben: Erst am Sonntag beginnt für ihre Elf in Moskau die Fußball-WM – und für sie die Zeit des kollektiven Jubelns, Echauffierens, Bangens oder Leidens. In Neukölln dürfte heute aber trotzdem gegrölt und geböllert werden, falls das WM-Eröffnungsspiel zwischen Russland und Saudi-Arabien (Anpfiff um 17 Uhr) dazu Anlass gibt. Denn in Berlins 160-Nationen-Bezirk leben 2.880 Menschen, die aus dem Gastgeberland der WM stammen; 734 davon besitzen nach wie vor den russischen Pass. Gering ist dagegen die Zahl potenzieller Anhänger der gegnerischen Mann-schaft: Gerade einmal sechs Männer und drei Kinder mit saudi-arabischer Staats-angehörigkeit (Stand: 31.12.17) stellt die kleinste WM-Fan-Community in Neukölln.

Olle Kamellen

flaggen-parade_reuterkiez-balkon_neuköllnMenschen aus mehr als 160 Natio- nen leben in Neukölln: Immer wieder bekommt man diese Zahl zu hören. Oder zu lesen, wie auch auf dem offiziellen Webportal des Bezirks: „Ge- tragen wird unser Neukölln von sei- nen 307.000 Einwohnern aus mehr als 160 Nationen“, heißt es dort in dem Text, mit dem Bezirksbürger- meister Buschkowsky die Besucher der Seite begrüßt.

Der Realität entspricht die Zahl trotz- dem nicht bzw. nicht mehr. Schon im Juni 2010 war sie nach Erhebungen des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg auf 156 gesunken. Und der Abwärtstrend hält – bei wachsender Bevölkerungszahl – an: Die 318.356 Neuköllner, die zum Jahreswechsel 2012/2013 verzeichnet wurden, „stammen aus 147 verschiedenen Ländern“, stellt Arnold Mengelkoch, der Migra-tionsbeauftragte des Bezirks, in seiner Unterrubrik des offiziellen Webportals fest. Eine Zahl, für die man sich schämen müsste oder die an Neuköllns Multikulti-Image rütteln könnte, ist auch das nicht. Aber die olle Kamelle „mehr als 160“ klingt eben doch beeindruckender als „weniger als 150“ – und somit die aktuellere Wahrheit.

=ensa=