Ausstellung in der Galerie im Saalbau beleuchtet Flüchtlingsschicksale aus verschiedenen Blickwinkeln

„We refugees“ (Wir Flüchtlinge), heißt ein Aufsatz, den die politische Theoretikerin Hannah Arendt 1943, zehn Jahre nach ihrer Flucht aus Deutschland, in den USA veröffentlichte. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen mit der Rechtlosigkeit, die sie während ihrer Flucht als Staatenlose machen musste, entwickelte Arendt in dem erstmals in der jüdischen Zeitschrift „Menorah Journal“ erschienenen Essay die These, derzufolge Menschsein das Recht bedeutet, Rechte zu haben.

In der Galerie im Saalbau eröffnete am vergangenen Freitag die Ausstellung „Translations“: Die dort gezeigten Videos, Fotografien, Texte und Weiterlesen

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„Das Buch vom Böhmischen Dorf“: Neukölln-Geschichte von Kindern für Kinder

Das Buch vom Böhmischen Dorf+Parthas VerlagGestern wurde am Richardplatz im Salon der Kreativen Gesellschaft Berlin das neu erschienene Buch „Das Buch vom Böhmischen Dorf“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Raum war schnell gefüllt – und nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von Kindern, die an dem Buch maßgeblich mitgearbeitet haben.

Die Idee eines Stadtführers von Kindern für Kinder, der sich schwerpunktmäßig mit der Ge- schichte der böhmischen Exulanten beschäftigt, ging von Dr. Dorothea Kolland, der langjährigen Leiterin des Kulturamts Neukölln, aus. Eigentlich hätte das Buch schon im letzten Jahr zum 275-jährigen Bestehen des Böhmischen Dorfes fertiggestellt werden sollen, erzählt sie, aber dann verzögerte es S.12+13_Das Buch vom Böhmischen Dorf_Parthas Verlagsich doch.

Kolland konnte für ihre Idee zunächst Marita Stolt, die Rektorin der Richard-Grundschule, begeistern: Ihre Schüle-rinnen und Schüler der Klassen 5a und 6a erkundeten in einer Projekt- woche den Richardplatz, zeichneten markante Orte am und um den Richardplatz wie das Denkmal Fried- rich Wilhelm I. oder die Bethlehems- kirche und fertigten mit Bleistift einen Straßenplan des Richardkiezes an. Diese beate klompmaker+anna faroqhi_buchpräsentation_kgb44 neuköllnZeichnungen sind nun neben vielen anderen im Buch wiederzufinden.

Als Autoren konnte die Ex-Chefin des Kultur- amts Anna Faroqhi (r.) und Haim Peretz ge- winnen, die schon den Neukölln-Comic „Welt- reiche erblühten und fielen“ erarbeitet hatten. Später kam noch Beate Klompmaker (l.) hinzu, die selbst am Richardplatz wohnt. Von ihr wurde im vergangenen Jahr das Buch „Das Böh- mische Dorf in Berlin – ein Rundgang“ ver- öffentlicht.

Der Projektfonds Kulturelle Bildung des Landes Berlins war es schließlich, der die Finanzierung des Buches ermöglichte. Auch Arnold Bischinger nahm als Vertreter des Projektfonds bei der Buchpremiere neben dorothea kolland+arnold bischinger+richard-grundschule_buchpräsentation kgb44 neuköllnDoro- thea Kolland sowie Jaanu Rajendran und Angelika Michonska von der Richard-Grundschule auf dem Podium Platz. Er gab dem Buch gar eine berlin- weite Bedeutung, indem er es in eine Reihe mit der „Route der Integration“ (2011) sowie „Stadt der Vielfalt“ (2012) des Berliner Senats stellte.

Diese kulturelle Vielfalt findet sich auch in dem Stadtführer wieder, der nicht allein auf die böhmische Geschichte oder Traditionsbetriebe am Richardplatz beschränkt bleibt. So schreiben die Kinder handschriftlich im Buch, was die Wörter „Stern“ und S.32+33_Das Buch vom Böhmischen Dorf_Parthas Verlag„Kelch“ in der Heimatsprache ihrer Eltern oder Großeltern heißen, und sie verglei- chen Migrationsgeschichten aus der fernen Vergangenheit mit denen ihrer eigenen Familien.

„Das Buch vom Böhmischen Dorf“ ver- mittelt aber nicht nur Wissenswertes in lebendiger und verständlicher Form, es enthält auch zahlreiche Einladungen, sel- ber kreativ zu werden: So dürfen Kinder ein Foto von sich ins Buch kleben, in ihm malen und sogar auf der letzten Seite das Bild der Bethlehemskirche ausschneiden, um es zu falten und damit ein S.55_Das Buch vom Böhmischen Dorf_Parthas Verlagdrei- dimensionales Modell von der Kirche zu erhalten. Ratespiele regen weiterhin dazu an, sich aktiv mit dem Buch und der Geschichte des Böhmischen Dorfes zu beschäftigen – und dies nicht zuhause, sondern draußen, direkt an den Orten und Gebäuden, die vorgestellt werden.

Durch Dorothea Kollands Initiative und das Mitwirken aller Beteiligten gibt es nun eine wunderbare Möglichkeit, Neuköllner Kin- der an die Geschichte ihres Wohnorts heranzuführen. Angesichts des dörflichen Ambientes rund um den Richardplatz wäre aber Dorfführer fast ein passenderer Begriff als Stadtführer gewesen.

Das Buch ist im Parthas Verlag erschienen, hat 55 Seiten und kostet 9,80 €. Es ist bei der Kreativen Gesellschaft Berlin, direkt beim Verlag und im Buchhandel erhältlich.

=Reinhold Steinle=

Neukölln-Gewinnspiel: Die Bescherung geht weiter (4)

Mit der aktuellen vierten Rätselfrage geht es in die zweite Halbzeit unseres Zwischen-den-Jahren-Gewinnspiels, das am 1. Weihnachtstag begann und am 31. Dezember endet. Zu gewinnen gibt es heute ein Werk aus dem in Neukölln beheima- teten Dagyeli Verlag. Folgende Frage ist dafür zu beantworten:

Am ersten Sonntag im August dieses Jahres präsentierten sich in Neukölln zwanzig Musiker mit Swing und Big-Band-Sound ganz im Stil des Glenn-Miller-Orchestras? Wo genau traten sie auf?

650 jahre neukölln,neukölln-comic,anna faroqhi,dagyeli verlagZum runden Geburtstag Neuköllns, der im vergangenen Jahr gefeiert wurde, erschien im Dagyeli Verlag Anna Faroqhis Comic „Welt- reiche erblühten und fielen – 650 Jahre Geschichte Neuköllns“. Der/die Gewinner/in der heutigen Ausgabe unseres Rätsels erhält das Buch, das mit liebevollen Illustrationen die Historie des Bezirks führt und durch die Dialoge der Protagonisten, eine multikulturelle Neu- köllner Familie, den Bezug der Geschichte zur Gegenwart veranschaulicht.

Wer den Neukölln-Comic gewinnen möchte, schreibe den gesuchten Ort sowie (4) in die Betreffzeile einer E-Mail und schicke sie bis morgen (29. 12.) um 12 Uhr an: Der/die Gewinnerin wird direkt benachrichtigt. Gehen mehrere richtige Lösungen ein, entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir wünschen viel Glück!

Update (29.12., 13:50 Uhr): Die richtige Antwort auf diese vierte Frage war Britzer Garten. Dort trat das 20-köpfige Orchester namens Siemens Big Band am 7. August auf.

Auch beim Neukölln-Comic von Anna Faroqhi musste wieder das Los entscheiden. Die Gewinnerin, die zur richtigen Antwort auch Glück hatte, ist informiert.

 

Hinter den Erwartungen zurück: die „Route der Migration“ auf dem Tempelhofer Feld

„Ditt soll allet sein?“ Der Rentner aus Neuköllns Nachbarbezirk Treptow ist einmal um den knallroten Container gestapft, der seit einigen Tagen auf dem Tempelhofer Feld steht. „Ist ja sehr dünne!“, sagt er zu seiner Frau, die ihm zustimmt. Sie habe sich auch mehr darunter vorgestellt, räumt sie ein. Von Videos und Öffnungszeiten zwischen 11 und halb 6 habe sie irgend- wo etwas gelesen. Es ist Freitagnachmittag, und der rote Container, der einer von vier Punkten auf der Route der Migration ist, ist fest verschlossen.

Ein knappes Dutzend Texttafeln mit historischen Fotos vom Tempelhofer Feld und von  Migranten, die hier ankamen, als das Areal  noch ein Flughafen war, ist  auf einer

 

Seite der so genannten Gedächtnisbox angebracht. Die Neuköllner Zeichnerin Anna Faroqhi hat für die Gestaltung einer anderen Seite einen Comic namens „Tor zur Welt“ beigesteuert. Mehr hat diese Station auf der Route der Migration nicht zu bieten.

„Eigentlich wollten wir heute alle vier Punkte der Route besuchen“, sagen die beiden Treptower. Nach dem enttäuschenden Auftakt auf dem Tempelhofer Feld haben sie umdisponiert: „Da gehen wir doch lieber hier noch ein Stück spazieren und dann Kaffee trinken.“

=ensa=