Bedauerlich für die einen, ein Glücksfall für die anderen

In der Nachbarschaft hatten sie Schlimmes befürchtet: Als im Oktober letzten Jahres die Ananiaskirche abgerissen wurde, ging wohl niemand davon aus, in diesem Som- mer auf eine sich begrünende Dünenlandschaft gucken, Fenster unbekümmert öff- nen und  den eigenen Balkon unbelästigt  von Baulärm und  -staub nutzen zu können.

baustelle_baugruppe wilhelm-busch-str neukölln

Daran wird sich zunächst auch nichts ändern. „Im Moment liegt unser Bauantrag noch im Bezirksamt Neukölln zur Bearbeitung“, teilte Gesine Karge von der Baugemein- schaft Wilhelm Busch auf Anfrage mit. Ein erster Bauantrag sei für die Weiterlesen

Vor dem Verlorengehen gerettet: Ralf Schmiedecke zeigt in seinem neuen Buch historische Neukölln-Postkarten

die buchkönigin_neuköllnFür gewöhnlich werden Bücher mit Lesun- gen vorgestellt. Eine solche wäre aber vorgestern Abend in der Buchkönigin bei der Präsentation von Ralf Schmiedeckes neuestem Buch „Berlin-Neukölln. Als in Rixdorf noch Musike war“ nicht möglich gewesen. Denn der Autor hat 236 Post- karten aus Neukölln, die zumeist um 1900 entstanden sind, in dem Werk zusammen- gefasst.

Der gebürtige Weddinger selbst bezeichnet sich als „leidenschaftlicher Sammler von historischen Postkarten“. Das aktuelle Buch ist sein Weiterlesen

Platz für Platz

Zwanzig Monate sind vergangen, seit die Neuköllner Ananiaskirche mit einem Ab- schiedsgottesdienst entwidmet wurde. Inzwischen ist der Abriss des 1967 einge-weihten Gebäudes weit  vorangeschritten und das  von einer Baugruppe per Erbbau-

abriss ananiaskirche neukölln

recht erworbene Eckgrundstück an der Wilhelm-Busch-/Treptower Straße zur Trüm- merhalde geworden. Einzig der Glockenturm der Kirche erinnerte dieser Tage noch an die Vergangenheit des Areals, dessen Zukunft in Wohn- und Gewerbeeinheiten liegen soll. Einige Schritte weiter ist  man schon bei einem anderen Baugruppen-Pro-

baugruppe ausbauhaus neukölln

jekt im Kiez: An der Ecke Unstrut-/Braunschweiger Straße wächst auf einer ehemali- gen Brache das mit 24 Wohneinheiten konzipierte Ausbauhaus Neukölln stetig heran.

Ungewöhnliche Zukunftspläne für eine Neuköllner Kirche

Eigentlich heißt sie Ananias-Kirche, doch viele Menschen im Kiez verzichten, wenn sie von ihr sprechen, gerne auf das „i“ und nennen sie Ananas-Kirche. Gut möglich, dass die Wortspielerei auch am erfrischenden Gebimmel liegt, das dreimal täglich durchs Viertel ananiaskirche, ananiasgemeinde neukölln, evangelische kirchengemeinde rixdorfzwischen Sonnenallee und Richardstraße schallt. Damit ist es  aber bald vorbei.

Ihr 45-jähriges Bestehen wird die Kirche, die am 1. Advent 1967 eingeweiht wurde, nicht mehr erleben: Übernächsten Sonntag nimmt die Gemeinde mit einem Gottesdienst Ab- schied von ihr – und damit auch von der Zeit des Ungewissen.

Schon vor vier Jahren beschloss der Ge- meindekirchenrat der Ev. Kirchengemeinde Rixdorf, zu der drei weitere Kirchen in Nord-Neukölln gehören, die Ananias-Kirche samt Gemeindehaus aufzugeben. „Entscheidend für die Überlegung war aber nicht die Zahl der Gemeindemitglieder bei uns, sondern die besonders enge Kir- chendichte in unserer Nachbarschaft“, betont Ananias-Pfarrer Jürgen Fuhrmann. Im Umkreis von wenigen hundert Metern  gebe es mit der Brüdergemeine, den Baptisten und der reformierten Bethlehemsgemeinde gleich drei weitere Religionsge- meinschaften. Die Fortsetzung einer kirchlichen Nutzung der Ananias-Kirche war dennoch zunächst erklärtes Ziel, wobei besonders heftig mit einem Migrantenkirche-Projekt geliebäugelt wurde. Die Realisierung des Vorhabens scheiterte aber, weil sich niemand fand, der neben einem Konzept auch finanzielle Mittel für den Erwerb und Betrieb des Gebäudeensembles mitbrachte.

Zusammen mit der Architektengruppe Hausglück wurde nun eine neue Lösung gefunden, die zumindest eine sozialverträgliche Nachnutzung der Ananias-Lie- genschaft verspricht. Angestrebt werde, so Jürgen Fuhrmann, ein Baugruppen-Projekt mit Mehrgenerationenhaus und Gewerbeeinheiten. Feste Interessenten gebe es bereits: „Insgesamt müssen etwa 20 gefunden werden, um die Baugruppe gründen zu können“, sagt der Pfarrer und klingt dabei sehr zuversichtlich, dass es klappen wird, die Ananias-Kirche in eine neue Zukunft zu führen.

=ensa=