Voll im Trend – und jetzt?

Nicht nur im gesamten Berlin, auch in Neukölln war die Zahl der Einbürgerungen im vergangenen Jahr leicht rückläufig. Waren es 2014 noch 6.539 Menschen, die in der musik collegium berlin_einbürgerungsfeier neuköllnHauptstadt zu deutschen Staatsbürgern wurden, reduzierten sich die Einbürgerungsverfahren 2015 lt. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg auf 6.302; in Neukölln sanken sie von 923 auf 853. Rechtliche Grundlage war überwiegend ein Mindestaufenthalt von acht Jahren in Deutschland.
Derweil deutet für 2016 einiges darauf hin, dass es mit der Zahl der Einbürgerungen in Neukölln wieder aufwärts geht. Während bis Juni 2015 nur 408 Einbürgerungen vorgenommen wurden, waren es aktuell in den ersten beiden Quartalen bereits 464; 25 Prozent hatten bis dato die türkische Staatsangehörigkeit.

Neukölln im Quartett der Lucky Loser

Waren es vor 10 Jahren nur rund 302.000 Menschen, die in Neukölln lebten, sind es nun über 325.000 Einwohner, die sich auf der knapp 45 Quadratkilometer messen-den i love nk_neukoellnFläche des Bezirks mehr oder weniger gut verteilen. Im selben Zeitraum registrierte der über doppelt so große Bezirk Pankow ein Plus von rund 40.000 Einwohnern – und Berlin steuerte auf die 3,56 Millionen-Marke zu.

Im Jahr 2030 werde die Zahl der Hauptstädter bei mehr als 3,8 Millionen liegen, prognostizierte kürzlich der Berliner Senat. Das größte Wachstum (+ 16 Pro-zent) sieht er dabei in den nächsten 15 Jahren auf Pankow zukommen, für Neukölln wird lediglich mit einem Anstieg der Bevölkerungszahl um 4,5 Prozent gerechnet. Genauso sieht die Prognose für Charlot-tenburg-Wilmersdorf aus; nur für Tempelhof-Schöne-berg (+ 2,6 Prozent) und Steglitz-Zehlendorf (+ 3 Pro-zent) wird ein noch gebremsteres Wachstum erwartet.

Ein Hauch von Oranje in Neukölln

Es sind – abgesehen von der Britzer Mühle, einer vor fast 150 Jahren erbauten Hol- ländermühle – vornehmlich dezente Spuren, die in Neukölln auf niederländische Einflüsse hinweisen: Moghul Rikschas bezieht seine Lastenräder aus dem Land, in dem  heute König Willem-Alexander Königin Beatrix ablöst und  Troonswisseling  ge-

britzer mühle_neukölln

feiert wird. Vor dem Rathaus des Bezirks ist das Wappen der Neuköllner Partnerstadt Zaanstad zu finden, und der Künstler Marc van der Kemp, der das Sowieso Neukölln betreibt, stammt aus dem Land der Tulpen, Klompen, Grachten und Poffertjes, des Käses und Campingurlaubs. Sonderlich viele Landsleute sind es nicht, die sich ebenfalls in Neukölln niedergelassen haben: Gerade mal 487 ermittelte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg zum letzten Jahreswechsel. 18 davon sind älter als 65; fast so viele Windmühlen – nämlich 16 – drehten sich einst in Neukölln.

Tag und Nacht im Einsatz: Der Neuköllner Bauer Mette ist Stallmeister bei der Grünen Woche

„Zum Stichtag 3. November 2010 wurden im Land Berlin 655 Rinder gehalten“, teilte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg in der vergangenen Woche mit. Mehr als ein Viertel der Wiederkäuer, fanden die Zahlenmaterialsammler heraus, gehören der Rasse Holstein-Schwarz- bunt an.

Über 20 Rinder besitzt auch Werner Mette, der im Neuköllner Ortsteil Bu- ckow in vierter Generation den Bauernhof seiner Fa- milie betreibt und zu den sechs Berliner Vollzeit- bauern gehört, die mit Ackerbau und Viehhal- tung ihren Lebensunter- halt erwirtschaften. Auf insgesamt etwa 100 Hektar Land baut der 45-Jährige Getreide, Raps, Mais und Kürbisse an; zum Viehbestand zählen neben den ungarischen Steppenrindern Schweine, Schafe, Pferde, Hühner, Wachteln und Kaninchen.

Mit eben dieser tierischen Bandbreite hat es Bauer Mette auch aktuell zu tun. Seit dem 21. und noch bis zum 30. Januar muss der heimische Hof gänzlich ohne ihn auskommen, da der Landwirt erstmals den Posten des Stallmeisters bei der Internationalen Grünen Woche übernommen hat. Die Hallen 25 und 26 sowie der Erlebnisbauernhof sind nun sein Reich, in dem er die Verantwortung für das Wohl der etwa 3.000 Nutztiere vom massigen Kaltblüter über quiekende Ferkel bis zur Honigbiene trägt – rund um die Uhr.

=ensa=