Ein großartiger Neuköllner wird 70

Das Jahr 1942 begann in Deutschland mit lausiger Kälte. Die 70-tägige Frostperiode, die erst Mitte März endete, erreichte am 26. Januar ihren Tiefpunkt: Das Quecksilber sank in Berlin auf -21 Grad. Neun Tage später, am 4. Februar, bekam die 11-jäh- rige Christa Zander, die mit ihren Eltern am Karl-Marx-Platz 17 in Neukölln wohnte, ihr Brüderchen Frank.

„In unserem Nachbarhaus hat der ge- wohnt?“, fragt der Rentner, der gerade vom Einkaufen zurückkommt, überrascht nach. Er zählt mit leuchtenden Augen ein paar Lieder des Musikers auf. Die Namen Susi, Kurt und Marie fallen, er singt „Ja, wenn wir alle Englein wären“ an, nennt auch noch den Ur-Ur-Enkel von Frankenstein. Bei Feiern seien die Hits von Frank Zander doch rauf und runter gespielt worden, erinnert sich der Mann: „Dass ich nur ’n paar Jahre älter bin als er, hätte ich aber nicht gedacht. Der wirkt doch viel jünger.“ Marija Zajac, die im Haus mit der Nummer 17 seit fünf Jahren eine Änderungs- schneiderei betreibt, verbindet mit Frank Zander etwas ganz anderes: die Weih- nachtsfeiern für Obdachlose, die der Entertainer alljährlich organisiert.

Das karitative Engagement ist es auch, was Bernd Szczepanski als erstes zu dem prominenten Neuköllner einfällt. Er sei eigentlich nicht der Richtige, um etwas über ihn zu sagen, weil er ihn noch gar nicht persönlich kennen gelernt habe, wiegelt Neuköllns Sozialstadt- rat ab. Doch gerade das verbindet Szczepanski mit denen, die jetzt – 55 Jahre nachdem die Zanders in die nicht weit entfernte Roseggerstraße zogen – am Karl-Marx-Platz wohnen oder arbeiten. „Die Musik von Zander ist wirklich nicht meine Art von Musik“, gibt der Stadtrat zu, „aber durch seinen Einsatz für Obdachlose und Bedürftige hat sich meine Ein- stellung zu ihm sehr geändert.“ Großartig und beispielgebend sei das, was Frank Zander leiste, zumal es spürbar eine Herzensangelegenheit sei und er es nicht zur Steigerung der eigenen Popu- larität tue. Das könne man gar nicht hoch genug schätzen. „Ich wünsche mir jedenfalls sehr, dass ich Frank Zander mal persönlich kennen lernen, ihm die Hand schütteln und für sein Engagement danken kann“, sagt Bernd Szczepanski.

Spätestens beim nächsten Obdachlosenfest im Estrel Hotel wird sich für Neuköllns Sozialstadtrat die Gelegenheit bieten. Dann hat sich Frank Zander vielleicht auch schon an das Alter gewöhnt, das mit der 7 beginnt.

Die besten Wünsche zum runden Geburtstag, Frank Zander!

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