Neukölln stellt Kiezblock Rixdorf vor

Lärm, Mief und Stau: Das Böhmische Dorf im Norden Neuköllns leidet erheblich unter dem motorisierten Durchgangsverkehr. Der Bezirk will ihn im historischen Kern von Rixdorf seit Jahrzehnten reduzieren. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschloss im Jahr 2021 deshalb die Umsetzung eines sogenannten Kiezblocks in Rixdorf. Mit besseren Querungsmöglichkeiten, der Sperrung des Böhmischen Platzes für den Kraftfahrzeugverkehr und der Schließung der Rixdorfer Schnalle zwischen Karl-Marx-Platz und Richardplatz wurde das Viertel zwischen Sonnenallee und Karl-Marx-Straße bereits ein wenig lebenswerter und sicherer. Jochen Biedermann (r.), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, stellte am ersten Donnerstag im März gemeinsam mit Wieland Voskamp, dem Leiter des Neuköllner Straßen- und Grünflächenamtes, auf einer Informationsveranstaltung in der Richard-Grundschule  an Ort und Stelle die aktuellen Planungen für den Kiezblock Rixdorf vor. Weit mehr als 70 Besucherinnen und Besucher -darunter u. a. auch der Grüne-Wahlkreisabgeordnete André Schulze sowie die Bezirksverordneten Gerrit Kringel (CDU), Marina Reichenbach (SPD) und Bernd Szczepanski (Grüne)- waren zur Informationsveranstaltung in die Schule am Richardplatz gekommen, um über die Umsetzung des Kiezblockkonzepts zu diskutieren.

In einer Präsentation, die inzwischen auf der Webseite MeinBerlin.de abrufbar ist, stellten Biedermann und Voskamp vier Maßnahmen des Konzeptes ausführlich vor. „Jeder Punkt im Kiez kann mit dem Auto oder dem Lastkraftwagen erreicht werden, aber nicht auf jedem Weg“, lautet die einfache Maxime des Planwerks, das das Wohngebiet tatsächlich wirkungsvoll vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Biedermann unterstrich deutlich, dass kein Gewerbetreibender im Kiez an seiner Arbeit gehindert oder eingeschränkt werden solle. Am Richardplatz ist an der Ecke zur Richardstraße eine Diagonalsperre vorgesehen. Sie soll aus herausnehmbaren Steckpollern gebildet werden, damit Veranstaltungen wie der Rixdorfer Weihnachtsmarkt oder das Strohballenrollen Popraci weiterhin wie gewohnt stattfinden können. „Für den Autoverkehr ist aus der Richardstraße kommend nur noch das Linksabbiegen auf den Richardplatz möglich. Wer auf der nördlichen Seite des Richardplatzes und aus östlicher Richtung kommt, kann umgekehrt nur noch nach rechts in die Richardstraße abbiegen“, wird auf einer der Folien erläutert. Für den Radverkehr sollen alle Richtungen offen bleiben. Alle bisherigen Versuche, den Durchgangsverkehr auf dem Platz mit einem Rondell (r.) und später mit einem großen „Rixdorfer Kissen“ einzudämmen, waren dagegen erfolglos.

Ein zweiter herausnehmbarer Modalfilter ist auf dem Richardplatz zwischen Schudoma- und Zwiestädter Straße geplant. Von Norden kommend ist für den Kraftfahrzeugverkehr nur noch das Abbiegen nach links in die Schudomastraße möglich. Aus der Zwiestädter Straße kommend, kann er nur noch nach links auf den Richardplatz fahren. In der Donaustraße wird drittens eine Quersperre installiert, sodass für Lastkraftwagen und Autos auf beiden Seiten eine Sackgasse entsteht. In der Richardstraße wird schließlich die Richtung Süden geltende Einbahnstraßenregelung bis zum Herrnhuter Weg verlängert. An einigen Stellen werden für PKW Möglichkeiten zum Diagonalparken und für Fahrräder neue Abstellmöglichkeiten geschaffen. Die Kraftfahrzeugzahlen in der Donaustraße und in der Richardstraße seien definitiv zu hoch, erklärten Biedermann und Voskamp unter Berufung auf die Ergebnisse einer 24-stündigen Verkehrszählung im Kiez.

„Besteht die Hoffnung, dass die Braunschweiger Straße nicht zur zweiten Saalestraße wird?“, fragte eine Person aus dem Publikum und lenkte damit das Interesse auf weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen im Böhmischen Dorf. Zu den ausstehenden Maßnahmen gehört u. a. in Höhe Braunschweiger / Schöneweider Straße eine Diagonalsperre. Auch am Esperantoplatz sind verkehrsberuhigende Maßnahmen weiterhin im Gespräch. Sorgen bereitet Anwohnern ebenfalls, wie sich der Verkehr nach Sanierung der Niemetzbrücke entwickeln wird. „Das nehmen wir mit. Da gucken wir nach“, sagte Tiefbauamtsleiter Voskamp mehrmals, während er und Bezirksstadtrat Biedermann die Einwände und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger auf Kärtchen notierten, die an eine Pinnwand geheftet wurden. Auch zwei Mitarbeiter des Fuhrbetriebs Schöne am Richardplatz gingen im Anschluss an die Veranstaltung auf beide zu.

Ohne das Engagement der Initiative „Mehr Kiez für Rixdorf“, die im Sommer 2016 erstmals aktiv wurde, wäre der Erfolg des Kiezblockkonzepts in Neukölln sicherlich nicht möglich gewesen. Bei einem Kiezspaziergang mit der damaligen Umweltsenatorin Regine Günther (M.) und Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (l.) stellten sie Stadtrat Biedermann ihre Idee für klimafreundliche Wohnviertel vor. „Der Kiezblock Rixdorf wird nicht der letzte Kiezblock in Neukölln bleiben. Derzeit werden die zentralen Maßnahmen des Kiezblockkonzepts für den Reuterkiez ausgearbeitet“, schrieb das Bezirksamt Neukölln in seiner Pressemitteilung, die zur Veranstaltung am Richardplatz einlud. Die Pläne im Reuterkiez beruhten auf einem unter Anwohnerbeteiligung erstellten Verkehrskonzept. Die Umsetzung solle im Laufe des Jahres beginnen. Der Schillerkiez, wo demnächst die Konzepterarbeitung und Beteiligung starteten, werde als drittes Wohnviertel mit einem Kiezblock folgen.

=Christian Kölling=

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