Lern- und Gedenk-Labor für ehemaliges NS-Zwangsarbeiterlager in Rudow nimmt Gestalt an

Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Schöneweide richtet dieses Jahr in Kooperation mit den Berliner Regionalmuseen von Januar bis Dezember in allen Berliner Bezirken die 12-teilige Veranstaltungsreihe „NS-Zwangsarbeit vor unserer Haustür“ aus. Die Reihe war auf ihrer elften Station am vergangenen Donnerstagabend im Festsaal Schloss Britz zu Gast. Dort hatte Dr. Matthias Henkel (l.), Leiter des Fachbereiches Museum, Stadtgeschichte, Erinnerungskultur sowie Direktor des Museums Neukölln zu einem Werkstattgespräch eingeladen. In dem Gespräch ging es um die Konzeption eines Lern- und Gedenk-Labors, das in der im Bau befindlichen Clay-Schule am Neudecker Weg in Rudow entstehen wird. Neben den Neuköllner Museumslehrern Silvia Haslauer (r.) und Philip Hefke beteiligten sich auch Niels Plaumann (3.v.l.), Fachbereichsleiter Geschichte der Clay-Schule, Brigitte Fischer (2.v.l.) vom Büro Staab-Architekten, sowie Projektleiterin Marisa Schulz (M.) an der Diskussion.

Der Neubau der Clay-Schule entsteht auf dem Gelände des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers Rudow I-III, das zwischen 1941 und 1945 bestand. Im Herbst 2014 untersuchte ein Team zeitgenössischer Archäologen die Baustelle und wurde bei den Grabungsarbeiten von Schülerinnen und Schülern der Clay-Schule unterstützt. Seitdem gibt es Überlegungen, wie in den Neubau der Schule ein Gedenkort für das ehemalige Zwangsarbeiterlager integriert werden kann. „Wir wollen gleichzeitig mit dem Bau der Schule auch die geistige Architektur für den Gedenkort schaffen“, sagte Henkel. „Wir stehen ganz am Anfang“, dämpfte Geschichtslehrer Plaumann allzu ehrgeizige Erwartungen an das einzigartige Projekt, bestätigte aber, dass es seit August eine intensive Zusammenarbeit gebe.

„Die Rudower Zivilgesellschaft muss sich mit dem Thema Zwangsarbeit auseinandersetzen!“, forderte Claudia von Gélieu,  nachdem die Diskussion für Fragen und Beiträge aus dem Publikum geöffnet worden war. Jutta Kendzia, Vorsitzende des Rudower Heimatvereins, schlug vor, einige Fundstücke aus dem Splittergraben des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers im Heimatverein auszustellen. Dr. Bernhard Bremberger, der in seiner Veröffentlichung „Das Zwangsarbeiterlager Rudow I – III“  die Bau- und Sozialgeschichte des Lagers in ehrenamtlicher Forschungsarbeit akribisch festgehalten hat, erinnerte daran, dass direkt neben dem Schulgelände eine Straße nach Pfarrer August Froehlich benannt ist. Bremberger fragte, ob der Straßenname nicht in die Adresse der Schule einbezogen werden könnte. August Froehlich war Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Joseph und starb 1942 im KZ-Dachau.

=Christian Kölling=

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