Zukunft der Neuköllner Maientage weiter ungewiss

„Berlin braucht einen großen Rummel, das haben die diesjährigen Maientage einmal mehr eindrucksvoll bewiesen. Deshalb setze ich mich weiter mit den Schaustellern gemeinsam für den Erhalt der Maientage ein – bestenfalls auf dem Tempelhofer Feld, wo genug Platz und Infrastruktur vorhanden ist.“ Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel sprach sich Ende Mai in einer von den Schaustellern herausgegebenen Pressemitteilung eigentlich unmissverständlich für eine Neuauflage des beliebten Volksfestes aus. „Die BVV Neukölln fordert das Bezirksamt auf, sich beim Senat dafür einzusetzen, dass die Neuköllner Maientage ab 2023 jährlich auf dem betonierten Vorfeld, vor den Hangars am Tempelhofer Feld stattfinden“, bekräftigte die Bezirksverordnetenversammlung erst Ende August mit überwältigender Mehrheit. Auch in Tempelhof-Schöneberg forderte das Bezirksparlament am 31. August mit Verweis auf die Unterschriftensammlung „Rettet die Neuköllner Maientage!“  sein Bezirksamt auf, gemeinsam mit dem Nachbarbezirk Neukölln nach einem neuen Ort für die Maientage zu suchen und schloss einen geeigneten Platz auf dem Tempelhofer Feld ausdrücklich nicht aus.

Vorgestern führte der Neuköllner BVV-Ausschuss für Wirtschaft und Arbeit nun erneut ein Gespräch mit Thilo-Harry Wollenschlaeger, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Berlin Brandenburger Schausteller. Zuletzt hatte er Mitte Mai dem Ausschuss eindringlich geschildert, wie prekär die Situation der Schausteller in Berlin sei. Seit 2020 sucht Wollenschlaeger vergeblich einen neuen Ort für das Deutsch-Amerikanische-Volksfest und bis heute konnte ihm auch niemand für die 56. Neuköllner Maientage einen Ersatzstandort verbindlich zusagen. „Man hat uns nach 55 Jahren den Boden unter den Füßen weggezogen. Mir wurde nur erklärt, was nicht geht“, klagte der Vorsitzende des Schaustellerverbandes. „Es ist ja nicht nichts passiert!“, widersprach Bezirksbürgermeister Hikel vorsichtig, ohne allerdings konkrete Erfolge vorweisen zu können. „Ich habe immer behauptet, über Hürden kann man springen“, sagte Hikel. Auch wenn die Gespräche mit der Tempelhof Projekt GmbH noch zu keinem erfolgreichen Abschluss geführt hätten, habe die im Auftrag des Landes Berlin arbeitende Gesellschaft zumindest ein Zeitfenster für die Neuköllner Maientage in ihrem Veranstaltungskalender reserviert. Wollenschlaeger bestätigte, dass dieses Zeitfenster sich nach dem Formel E Rennen 2023 in Tempelhof öffne. Es umfasse 16 Veranstaltungstage für das Volksfest sowie jeweils sieben Tage für den Auf- und Abbau der Fahrgeschäfte. Einen Antrag der Neuköllner FDP-Fraktion, die Maientage in der Hasenheide zu belassen, bis ein Alternativstandort gefunden sei, lehnte eine Mehrheit von SPD, Grünen und Linken allerdings erwartungsgemäß gegen die Stimmen von FDP, CDU und AfD ab.

Im Berliner Abgeordnetenhaus hatte die CDU-Fraktion im Mai einen Antrag zur Rettung der Volksfeste gestellt (Drucksache 19/0354)  Darin wurde u. a. gefordert, dass das Land prüfen soll, ob das Tempelhofer Feld temporär für die Durchführung von Volksfesten geeignet ist. Eine Antwort des Senats habe man auf diesen Vorschlag bislang noch nicht erhalten, teilte mir gestern die Pressestelle der CDU-Fraktion mit. Zuletzt wandte sich der Abgeordnete Christian Gräff, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion , Ende Oktober mit einer Pressemitteilung unter der Überschrift „Schausteller brauchen Zentralen Festplatz“ an die Öffentlichkeit. Er forderte den Senat erneut auf, im Dialog mit den Schaustellern, eine Perspektive für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter zu suchen. Wörtlich schrieb Gräff: „Außerdem muss der Senat an einem neuen Standort – beispielsweise dem Tempelhofer Feld – die Infrastrukturkosten tragen, die die Schausteller am Zentralen Festplatz getragen haben. Die Unternehmer haben in der Corona-Krise wirtschaftlich gelitten und können nun nicht auch noch durch den Verlust ihres Festplatzes strapaziert werden.“

=Christian Kölling=

%d Bloggern gefällt das: