„Reden hebt die Stimmung“: Aktionstag in Neukölln zur Woche der seelischen Gesundheit

Über 20 Akteure aus den Bereichen psychosoziale Versorgung, ambulante und stationäre Hilfe sowie Selbsthilfe trafen sich auf Einladung der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Neukölln am vergangenen Freitagmittag im „Klunkerkranich“ über den Dächern Neuköllns. Die PSAG Neukölln ist ein freiwilliger Zusammenschluss verschiedener Institutionen und Verbände, die an der Betreuung psychisch erkrankter Personen im Bezirk beteiligt sind. Sebastian Evers (r.), Pflegedienstleiter des Ambulanten Betreuungszentrums ABZ und Leiter der PSAG, zog gemeinsam mit Julian Zwingel (l.) vom Kulturdachgarten in den Neukölln Arcaden am Ende der Zusammenkunft eine positive Bilanz. An Info-Ständen und bei Fachvorträgen gab es einen Nachmittag lang zahlreiche Gelegenheiten, um nach einer coronabedingten Zeit der körperlichen Distanz untereinander und mit der Öffentlichkeit endlich wieder persönliche Kontakte zu knüpfen.

Der Aktionstag in Neukölln war Bestandteil der bundesweiten „Woche der Seelischen Gesundheit“. Unter dem Motto „Reden hebt die Stimmung – Seelisch gesund in unserer Gesellschaft” setzt sich die Aktionswoche noch bis zum 20. Oktober dafür ein, miteinander ins Gespräch zu kommen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Die Aktionswoche begann am 10. Oktober, dem Welttag der seelischen Gesundheit, dessen Erkennungszeichen eine grüne Schleife ist. Tim Herbort, Psychiatriekoordinator in Neukölln, begrüßte die Gäste im Namen des Bezirksamtes. Von der Angehörigen-Selbsthilfe ApK-Berlin  über die stationären und ambulanten Einrichtungen des Vivantes Klinikum Neukölln bis zur Zuverdienstwerkstatt des Unionhilfswerks waren viele Teilnehmende der PSAG erschienen. Stephan Antczack und Marion Varduhn stellten ihr Projekt „Theater der Verrückten“ vor, das vom „Theater der Unterdrückten“ des brasilianischen Theatermachers Augusto Boal inspiriert ist. Es will einen besonderen Beitrag zur Öffnung und Vielfalt der Gesellschaft leisten, indem es die „Verrückten“ – oder die Andersseienden- ausdrücklich einbezieht.

Es ist erfreulich und gehört zu den Aktivposten des Bezirkes, dass in Neukölln eine rege Gruppe psychosozialer Institutionen und Verbände existiert. Trotzdem dürfen die aktuellen Personalprobleme und Streitigkeiten im Neuköllner Gesundheitsamt aber nicht unerwähnt bleiben. Die Personalsituation im Sozialpsychiatrischen Dienst und die Leitung des Neuköllner Gesundheitsamtes waren erst kürzlich Gegenstand zweier mündlicher Anfragen, die die Fraktionsvorsitzenden von CDU und FDP, Gerrit Kringel und Roland Leppek, in der September-Sitzung des Bezirksparlamentes stellten. Inzwischen ist die Situation weiter eskaliert. Aktuell und bis auf Weiteres bietet der Sozialpsychiatrische Dienst (SpD) des Bezirkes keinen Krisen- und Notdienst mehr an. Die offene Sprechstunde am Montag findet ebenfalls aufgrund des Personalmangels nicht mehr statt. „In einem akuten Fall der Selbst- und/ oder Fremdgefährdung bitten wir Sie, sich an die Polizei und Feuerwehr zu wenden“, heißt es auf der Webseite des SpD lapidar.

=Christian Kölling=

 

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