Neuköllner Oper präsentiert preisgekröntes Filmmusical Kopfkino frei Haus und gratis

Verschüchtert und zerrissen flieht der 18-jährige Lennard (l.) (Markus Fetter) aus der Enge der badischen Provinz in die Großstadt Berlin. Aber nicht nur die Neuorientierung in der fremden Umgebung macht ihm zu schaffen! Vielmehr toben sich sein inneres Kind Theo (Nico Went), die vernünftige Sophia (Jasmin Eberl), der überängstliche Jürgen (Helge Mark Lodder), die rebellische Tess (Friederike Kury) sowie das Über-Ich-Elternpaar Helena (Lisa Katharina Toh) und Boris (Adrian Burri) als Alter Egos ungehindert in seinem Kopfkino aus.

Mit Glück findet Lennard ein völlig überteuertes Zimmer in einer heruntergekommenen Altberliner Wohnung. Doch die kleine Wohngemeinschaft mit Ben (Jonathan Francke), einem Politaktivisten, der ständig nackt durch die Küche läuft, und der süchtigen Fine (l.) (Linda Hartmann), die regelmäßig mit Drogen experimentiert, kann Lennard und seine sechs abgespaltenen Persönlichkeitsteile nicht stabilisieren.

Als schließlich aus Pforzheim Lennards Schwester Mona (l.) (Lisa Maria Hörl) auftaucht, die sich um den verlorenen Bruder kümmern will, der sein Leben mit der geklauten Kreditkarte seiner Mutter finanziert, wird die Geschichte immer turbulenter und skurriler, bis sie sich in einem Happy End auflöst. Regisseur Peter Lund, der an der Universität der Künste (UdK) Professor im Studiengang Musical/Show ist, entwickelte die Handlung zusammen mit seinen Studierenden. Die Musik für das filmische Musical oder das musikalische Filmprojekt schrieb Thomas Zaufke, mit dem Lund seit langem zusammenarbeitet.

Kopfkino wurde am 13. April 2017 an der Neuköllner Oper als Musical uraufgeführt. Von Anfang an wurde die zeitkritische Komödie in einer separaten Produktion, aber auch als Filmmusical gedreht. Während die Darsteller -allesamt Studierende bzw. Absolventen der UdK- abends in Neukölln auf der Bühne standen, wurde tagsüber in ganz Berlin gefilmt. Der Film bestand bereits erfolgreich eine Festival-Tournee. Im Juni 2020 gewann er sogar beim New York Independent Film Festival  in der Kategorie „Best Musical“, was zuvor noch keiner deutschen Produktion gelungen war. Dennoch ist er bis heute nicht in die großen Kinos gekommen.

„Drei Jahre haben wir versucht, einen offiziellen Kinostart hinzukriegen, aber dank Corona ist das gerade total utopisch“, schrieb mir Andreas Altenhof von der Neuköllner Oper kürzlich. Seit Donnerstag ist das Filmmusical Kopfkino nun für sechs Wochen rund um die Uhr im Internet über das Videoportal vimeo kostenfrei verfügbar. „Kopfkino war und ist ein absolutes Herzensprojekt. Und natürlich hoffen wir mit dieser Aktion, dass sich unser Film möglichst flächendeckend ins kollektive Unterbewusstsein bohrt und er es auf diesem Weg doch noch auf die große Leinwand schafft“, endete Altenhofs Mail zuversichtlich.

Bis 16. November
Kopfkino – Der Film
D. 2018, Länge 89 Minuten

https://vimeo.com/268635692
Password: KOPFKINO2020

Regie & Buch: Peter Lund; Kamera & Schnitt: Richard Marx; Musik: Thomas Zaufke; Choreografie: Neva Howard; Ausstattung: Daria Kornysheva & Zoe Agathos.

=Christian Kölling=

 

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