Umfangreiche Veranstaltungsreihe der Volkshochschule Neukölln zu umstrittenen Straßennamen

Wann und warum werden Straßen oder Plätze umbenannt? Diese eher theoretische Frage hat längst in der Neuköllner Kommunalpolitik eine ganz praktische Bedeutung bekommen. Denn erstens erleichterte der Berliner Senat mit einer Änderung der Ausführungsvorschrift zu Paragraf 5 des Berliner Straßengesetzes vom 1. Dezember 2020 die Umbenennung der Straßen und Plätze, die nach Wegbereitern und Verfechtern von Kolonialismus, Versklavung und rassistischen Ideologien benannt sind. Und zweitens identifizierte in einem Dossier zu Straßen- und Platznamen mit antisemitischen Bezügen  der Politologe Felix Sassmannshausen allein in Neukölln 18 problematische Namen. Der Antisemitismus-Beauftragte Samual Salzborn empfahl daher im Dezember 2021 eine gesellschaftliche Debatte über 290 Straßennamen in ganz Berlin und in einigen Fällen auch eine Umbenennung.

Ende November richtet die Volkshochschule Neukölln unter dem Titel „Straßennamen: Was bleibt – was muss weg – was muss her?“ eine Diskussionsrunde von Expertinnen und Experten über aktuelle und künftige Umbenennungen aus. Im Vorfeld startet bereits am kommenden Dienstag, 4.10., eine vierteilige Veranstaltungsreihe, die die Historikerin und Ethnologin Dr. Johanna Niedbalski sowie der Historiker Henning Holsten leiten. Zwei Rundgänge zu den Themen „Das Rudower Frauenviertel“ und „Kolonialismus in Neukölln“ gehören zum Begleitprogramm der Reihe.

Eröffnet wurde die umfangreiche Veranstaltungsreihe vorgestern durch Jürgen Karwelat, der dem Vorstand der Berliner Geschichtswerkstatt angehört. Anhand zahlreicher Beispiele, die von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart reichten, gab Karwelat einen Überblick über die großen Berliner Umbenennungsdebatten der vergangenen 100 Jahre und berichtete darüber, wie die Geschichtswerkstatt seit 1981 an diesen Debatten selbst beteiligt ist.

VHS-Veranstaltungsreihe „Umstrittene Straßennamen in Neukölln“:
Di, 4.10.,18.10., 1.11., 15.11.2022 jeweils 18:30 – 21:00
Kursleitung: Dr. Johanna Niedbalski und Henning Holsten
Karlsgartenstr. 6, 12049 Berlin, Kurt-Löwenstein-Haus

Begleitveranstaltungen
Rundgänge:
„Das Rudower Frauenviertel“
Claudia von Gélieu
Liselotte-Berger-Platz
9.10., 14–16:30 Uhr
„Kolonialismus in Neukölln“
Stefan Zollhauser von der Berliner Spurensuche.
Lucy-Lameck-Straße Ecke Karlsgartenstraße
6.11., 14–16:30 Uhr

Diskussionsrunde:
„Straßennamen: Was bleibt – was muss weg – was muss her?“
Diskussionsrunde von Expertinnen und Experten über aktuelle und künftige Umbenennungen. Mit Idil Efe (Berlin Global), Samuel Salzborn (Berliner Antisemitismus-Beauftragter), Claudia von Gélieu (Frauentouren) und Matthias Henkel (Museum Neukölln), moderiert von Henning Holsten.
Ort: Museum Neukölln, Alt-Britz 81
22.11., 18–20 Uhr

Der VHS-Kurs und alle Begleitveranstaltungen sind kostenfrei und können unabhängig voneinander besucht werden! Es wird gebeten um Anmeldung auf den VHS-Seiten https://www.vhsit.berlin.de/VHSKURSE/BusinessPages/CourseList.aspx oder per E-Mail an: veranstaltung@vhs-neukoelln.de

=Christian Kölling=

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