Buckower Heimatverein will Jung und Alt für die Lokalgeschichte begeistern

Am 3. Juni 2023 jährt sich die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Buckow zum 650. Mal. Die Vorbereitungen für das Jubiläums-Fest, an dem die Vereine und Initiativen des Neuköllner Ortsteils beteiligt sind, laufen bereits auf Hochtouren. Mit einem großen Findling wollen Hartmut Christians (l.) und Mahi Christians-Roshanai (r.), die beide im Vorstand des 2020 gegründeten Buckower Heimatvereins sind, an die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1373 erinnern. Jetzt suchen sie für den Stein, von dem es bereits ein Modell aus Pappe gibt, einen geeigneten Standort. Sowohl ein Platz in der Umgebung des Buckower Dorfteiches als auch an der viel befahrenen und zentral gelegenen Straßenkreuzung Alt-Buckow / Buckower Damm sind im Gespräch. Das heimatverbundenen Ehepaar favorisiert letzteren Ort eindeutig.

Hartmut Christians, der auf einem Hof im Dorfkern von Alt-Buckow aufwuchs, will seiner Heimat die nötige Aufmerksamkeit verschaffen, die Buckow neben den anderen Neuköllner Dörfern Rixdorf, Britz und Rudow verdient. Deshalb veröffentlichte er vor fünf Jahren sein Buch „Alt-Buckower Geschichte(n) – Ein Ortsteil im Wandel der Zeit“, in dem er individuelle Geschichten der Buckower ebenso wie die allgemeine Geschichte des Ortes zusammentrug. Mahi Christians-Roshanai, die beruflich Jugendliche sowie deren Eltern beim Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe II berät und unterstützt, ist im Heimatverein ehrenamtlich für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Während ihr Ehemann die lokalgeschichtlichen Fakten zusammenträgt, entwickelt die Pädagogin das Programm der Kiezführungen, die der Verein für Schülerinnen und Schüler von der vierten Klasse bis zum Abitur anbietet.

Mittlerweile hat das Ehepaar am Buckower Damm, kurz hinter der Straße Alt-Buckow, ein kleines Heimatmuseum eröffnet. In der Ausstellung „Die Straßenbahnlinie 27“sind jeden Freitag über 40 großformatige Fotografien der Elektrischen zu sehen, die bis in die Sechziger Jahre Buckow mit der Wiener Straße in Kreuzberg verband. Ab 2. September wird zusätzlich eine kleine Ausstellung zum 125-jährigen Jubiläum des Sportvereins SV Buckow gezeigt. Nicht zuletzt ist das Heimatmuseum auch der Treffpunkt der rund einstündigen Kiezführungen, die Lehrerinnen und Lehrer für ihre Klassen kostenfrei zwischen Montag- und Donnerstagvormittag buchen können. Auf Initiative des Buckower Heimatvereins wurden erst im April zwei Stolpersteine zu Ehren des Ehepaars Konrad und Margarete Ehrlich vor dem Haus Alt-Buckow 21 verlegt. Auch Buckower Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Mann-Oberschule sowie des Leonardo-da-Vinci Gymnasiums, die zuvor das Schicksal der Familie Ehrlich im Unterricht behandelt hatten, nahmen an der ersten Stolpersteinverlegung in Buckow teil.

Die Arbeit des Vereins, der satzungsgemäß die Heimatverbundenheit der Bewohnerinnen und Bewohner festigen sowie die Geschichte und Tradition des Ortes erlebbar machen will, richtet sich aber nicht nur an Kinder und Jugendliche. Ältere Buckower sollen vielmehr ebenfalls ermuntert werden, ihre Erinnerungen und Erlebnisse aufzufrischen, um sie an jüngere Menschen weiterzugeben. Zweitens sollen alle Zugezogenen in Buckow rasch eine neue Heimat finden können. Christians-Roshanai legt deshalb wert darauf, dass alle Informationen zur Lokalgeschichte auch für die Erwachsenen in einfacher Sprache zugänglich sind und strebt bei der Geschichtsvermittlung eine enge Zusammenarbeit mit den Neuköllner Stadtteilmüttern an. Auf den ehemaligen Buckower Feldern werden bald rund 1.000 neue Wohnungen entstehen. So wird der Ortsteil Buckow, der derzeit ungefähr 40.000 Einwohner zählt, bald um mindestens 2.000 Buckowerinnen und Buckower wachsen.

Im Schaufenster des Heimatmuseums Buckow macht zusätzlich neben dem Hinweis auf die Straßenbahn-Ausstellung ein Foto der Ufa-Filmdiva Ursula Grabley neugierig. Was verbindet die Schauspielerin, deren Film-Karriere 1929 mit dem Stummfilm Katharina Knie begann, mit der Geschichte Buckows? Christians gibt auf Seite 81 seines Buches die Antwort. Grabley besuchte oft ihren Großvater Wilhelm Rohrbeck, der 1927 starb und Eigentümer des Hofes Alt-Buckow 16 – 18 war. Ihre Mutter, Dr. Johanna Köhnke, geschiedene Grabley, war die älteste Tochter der Rohrbecks. Sie war in erster Ehe mit dem Arzt Dr. Paul Grabley verheiratet und brachte 1908 ihre Tochter Ursula in Woltersdorf bei Erkner zur Welt. Ursula Grabley spielte beim Film überwiegend in Komödien, bis sie ab 1940 im nationalsozialistischen Deutschland nach einer Kontroverse mit Propagandaminister Goebels keine Filmrollen mehr bekam und sich auf die Theaterarbeit beschränken musste.

Zum 650-jährigen Jubiläum sucht der Heimatverein jetzt 650 Buckower Gesichter. Gesucht werden Menschen jeden Alters, aus deren Konterfei die Jubiläumszahl zusammengesetzt werden soll. Wer mitmachen möchte, melde sich bitte beim Heimatverein per Mail post@buckower-heimatverein.de oder telefonisch unter (030) 66 70 99 99.

Ausstellung: Die Straßenbahnlinie 27

Jeden Freitag 15 bis 18 Uhr

Eintritt frei

Buckower Heimatverein e.V.

Buckower Damm 242, 12349 Berlin

=Christian Kölling=

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