Museum Neukölln richtet zum 125-jährigen Jubiläum das Symposium „Hybride Zeiten“ aus

Am 1. Oktober 1897 eröffnete der Rixdorfer Volksschullehrer Emil Fischer das Naturhistorische Schulmuseum im alten Rixdorfer Schulhaus auf dem Hohenzollernplatz, dem heutigen Karl-Marx-Platz. Die Museumsgründung war eine unmittelbare Antwort auf die bildungs- und sozialpolitischen Defizite der damals im Zuge der Industrialisierung stark expandieren Arbeiterstadt Rixdorf. Zum 125-jährigen Bestehen des Museums findet am 1. Oktober das Digital-Symposium „Hybride Zeiten“ statt. Der Neuköllner Museumsleiter Dr. Matthias Henkel will im digitalen Raum mit zwölf Gästen über Hybridität und Nachhaltigkeit sprechen. Zwei Themen, die für den Museumssektor von wachsender Bedeutung seien und bei genauerem Hinsehen auch Schnittmengen aufwiesen, die synergetisch nutzbar gemacht werden können, wie Henkel in der Einladung zur Veranstaltung schreibt.

Das internationale Symposium, an dem auch Teilnehmer aus Österreich, der Schweiz und Großbritannien mitwirken, bringt Museumsleiter sowie Fachleute für Medienmanagement und Digitalisierung aus verschiedensten deutschen Städten zwischen Hamburg und München zusammen. Zwei Drittel der Referentinnen und Referenten sind männlich. „Es geht uns bei der Tagung nicht um die neuesten technischen oder medialen Errungenschaften, sondern vielmehr um wirklich ganzheitlich angelegte, agile und nachhaltige Konzepte. Konzepte, mit deren Hilfe sich die Museen – jeglicher Größe und Ausstattung – einen wesentlichen Schritt in Richtung hin zu einer ganzheitlich verstandenen Hybridität entwickeln können“, betont Henkel.

„Mir ganz persönlich reicht es nicht aus, Kultureinrichtungen wie Museen oder Universitäten nachhaltiger zu machen. Ich plädiere hingegen dafür, dass wir gemeinsam ein neues Verständnis von Nachhaltigkeit entwickeln“, erklärte der Neuköllner Museumsleiter bereits beim hybriden Symposium „Kultur der Nachhaltigkeit“, das er Ende Juni gemeinsam mit der Universität Krems und dem Club of Rome ausgerichtet hatte. Bei dieser Gelegenheit führte er auch ein beachtenswertes Interview mit dem Präsidenten des Umweltbundesamts, Prof. Dr. Dirk Messner. Kunst und Kultur dürften nicht als Feigenblatt oder sinnvolle Arabeske fungieren, sondern müssten als sinnstiftendes, institutionelles Element einen neuen Begriff von Nachhaltigkeit in die Welt tragen. „Wir sind Zeitzeugen einer ‚Stapelkrise‘“, wiederholt Matthias Henkel (r.) nun und beruft sich dabei auf einen Begriff, den der in Bonn lehrende Philosoph und Buchautor Markus Gabriel prägte, um angesichts schwindender Ressourcen, steigender Temperaturen, globaler Ungerechtigkeiten, kriegerischer Auseinandersetzungen und anderer Hiobsnachrichten die heutige Weltlage zu beschreiben. Auch Museen müssten sich auf diese vielfältigen Herausforderungen einstellen, sodass sie als sinnvolle und sinnstiftende Einrichtungen, die gesamtgesellschaftlich relevant sind, gestärkt und gefestigt aus der „Stapelkrise“ hervorgehen, ist Henkel überzeugt.

Hybride Zeiten – Digital-Symposium aus Anlass des 125jährigen Bestehens des Museums Neukölln
1. Oktober, 14 bis 18 Uhr
Weitere Informationen: https://schloss-gutshof-britz.de/museum-neukoelln/veranstaltungen/kalender/hybride-zeiten

Es handelt sich um eine digitale Tagung per Zoom und Youtube. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung per E-Mail ist erforderlich: oeffentlichkeitsarbeit@museum-neukoelln.de. Im Vorfeld der Tagung erhalten Sie den Link per Mail.

=Christian Kölling=

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