„Es wird unterschätzt, wie viele Menschen schon heute in Folge der Klimakrise auch hier in Berlin sterben“

„Die kommenden Tage werden heiß: Schützen Sie sich vor der Sonne, bleiben Sie im Schatten und trinken Sie viel!“, empfahl bereits Anfang der Woche der Neuköllner Amtsarzt Dr. Nicolai Savaskan bei Twitter. Der kurze, aber leicht verständliche und anschaulich bebilderte Tweet ist ein Indiz dafür, dass in Berlin inzwischen erkannt worden ist, welche Gefahren an Tagen mit Temperaturen weit über 30 Grad Celsius für die Gesundheit der Bevölkerung bestehen. „In Folge des Klimawandels treten Hitzewellen in Berlin in einer ungewöhnlichen Häufigkeit auf. Extrem heiße Tage und sogar längere Hitzewellen führen zu erkennbar steigender Sterblichkeit“, antwortete im Juni Gesundheitsstadträtin Mirjam Blumenthal auf eine Große Anfrage (Drucksache 0334/XII) der Bezirksverordneten Beate Bruker (Grüne).  „Wenn sich die Entwicklung, wie prognostiziert nicht verändert, ist zu erwarten, dass die Zahl der Hitzetoten weiterhin ansteigt. Dies betrifft insbesondere die älteren Altersgruppen sowie Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen besonders geschwächt sind“, warnte Blumenthal eindringlich.

Ulrike Gote, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, stellte bei einer Pressekonferenz vor einem Monat das neue „Aktionsbündnis Hitzeschutz Berlin“ vor,  das die Ärztekammer Berlin sowie die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. (KLUG) gemeinsam mit der Gesundheitsverwaltung initiierten. „Es wird unterschätzt, wie viele Menschen schon heute in Folge der Klimakrise auch hier in Berlin sterben“, hob PD Dr. med. Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin, während der Pressekonferenz hervor. Zwischen den Jahren 2018 und 2020 habe es allein in Berlin und Brandenburg rund 1.400 Hitzetote gegeben. Für ältere und vorerkrankte Menschen – und vornehmlich für diejenigen, die allein wohnen – seien Hitzewellen lebensbedrohlich. „Hitze ist für Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere, kleine Kinder und alle, die im Freien arbeiten, eine konkrete Gefahr. Wir müssen als Gesellschaft die vulnerablen Gruppen vor dieser Gefahr schützen“, appellierte der Ärztekammer-Präsident.

Gestern teilte die Gesundheitsstadträtin mit, dass das Bezirksamt Neukölln derzeit einen bezirklichen Hitzeaktionsplan erarbeite. Gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung habe das Bezirksamt einen bezirklichen Muster-Hitzeaktionsplan erstellt. Dieser werde in den kommenden Monaten für Neukölln ausgearbeitet. Der Bezirk werde noch in diesem Jahr mit konkreten Maßnahmen beginnen. „Zur Unterstützung des federführenden Gesundheitsamtes hat das Bezirksamt eine neue Stelle für die Umsetzung des Hitzeaktionsplanes beschlossen“, heißt es in der Pressmittelung wörtlich.

Auf die Frage der Verordneten Bruker, ob das Bezirksamt z. B. Sporthallen an extrem heißen Tagen als sogenannte „Cooling Center“ zur Verfügung stellen könne, antwortete Blumenthal im Juni, dass die Eignung der Sporthallen für diesen Zweck im Einzelfall geprüft werden müsse. Blumenthal fügte hinzu: „Der Fachbereich Sport stellt den Bürger:innen allerdings seit Jahren die Sanitäranlagen bereit, um sich Arme, Gesicht, etc. mit kühlem Wasser abzukühlen.“

Tipps gegen Hitze – Für Sie und Ihre Angehörigen

Insbesondere bei älteren Menschen können hohe Temperaturen und lange Hitzeperioden zu gesundheitlichen Problemen führen. Doch im Alltag fällt es nicht immer leicht, Probleme, die durch Hitze entstehen können, zu erkennen, einzuschätzen und angemessen zu handeln. Diese Tipps sollen Ihnen und Ihren Angehörigen helfen, hitzebedingte Gesundheitsgefahren zu vermeiden.

=Christian Kölling=

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